Rückflug nach Deutschland

Gestern war nun der Tag des Abschieds von Island. Wie meistens bestehen solche Tage aus Warten. Das ging damit los, dass ich auf den Shuttlebus zum Busbahnhof wartete. Habe hier die Zeit genutzt und mich einem dänischen Ehepaar unterhalten, die ins Hlemmur Square gekommen waren, um zu frühstücken. Sie hatten unweit ein AirBnB-Zimmer gemietet, hatten aber keine Lust sich um das Frühstück selbst zu kümmern. Wie meistens spricht man über das Reisen, in diesem Fall über die Sehenswürdigkeiten Islands, Polens und Indonesiens.

Als nächstes reihte ich mich in die Schlange der Wartenden beim Check-In ein. Dann erneut vor der Sicherheitskontrolle und schließlich am Gate.

Um 15:05 hob der Flieger dann ab, und drei Stunden später war ich Deutschland, was bedeutet: Erneutet Warten bei der Gepäckausgabe. Tina war so lieb und hatte mich am Flughafen abgeholt. Bei subtropischen Temperaturen ging es dann per Auto nach Sankt Augustin.

Nachtrag zu meinem letzten Beitrag:
Die dort genannten ‚geschätzeten 54$‘ haben sich leider nicht bestätigt. Bei der Endabrechnung musste ich feststellen, dass das Ausgabenmittel bei 60$ pro Tag lag.

Transportkosten stellen mit rd. 540,00 € den Löwenanteil, gefolgt von den Kosten für Unterkunft mit  rd. 468,00€. Verpflegungskosten für 3 Wochen gerade mal 155,00 €! Sonstiges, wie Telefon, Porto, Postkarten und Aktivitäten: 70,00 €

 

Der Südteil Heimaeys

Heute Morgen nahm mich meine Gastgeberin mit auf eine kleine private Sightseeingtour in den Südteil Heimaeys. Glücklicherweise konnte ich anschließend ein belgisches Ehepaar dazu überreden mich morgen ein Stück in Richtung Reykjavik mitzunehmen. Auf diese Weise konnte ich noch einen Tag länger auf Heimaey bleiben und anschließend den Südteil zu Fuß erkunden.  Selten habe ich eine so fantastische Landschaft und Küstenlinie gesehen.  Sogar die Puffins habe ich gesehen, allerdings aus ziemlich großer Entfernung. Anders als am Kap Latrabjarg waren die Vögel hier weitaus scheuer und ließen einen nicht so nah ran.

Morgen ist nun endgültig mein letzter Tag angebrochen. Von Heimaey geht’s mit der Fähre wieder auf’s „Festland“. Dann über die Route 1 gen Westen nach Reykjavik. Dort die letzte Nacht im Hlemmur Square Hostel und am Dienstag bringt mich dann Flieger wieder nach Düsseldorf. Ankunft 20.00h.

Fazit dieser Reise: Island kann ich jedem wärmstens empfehlen. Ich kann mir im Moment kein anderes Land vorstellen, welches eine derartig unterschiedliche Landschaft aufweist. Von fast lieblichen Auen auf Snaefellness, über schroffe und vor allem hohe Gebirgszüge mit atemraubenden Aussichten bis hin zu einer grandiosen Küstenlienie und last but least warmen Flüssen, in denen man herrlich baden kann. Herz, was willst du mehr.

Tipp: Es ist keine Mähr, die in den Reiseführern erzählt wird: Warme, wollenende, wasser- und winddichte Kleidung nebst sehr festem Schuhwerk sind ein absolutes Muss. Die Tagestemperaturen lagen so um 13 bis 15°C, nachts jedoch oft nur bei 5-8, stellenweise auch nur bei 2°C.

Island ist teuer. Entweder man bringt einen gut gefüllten Geldbeutel mit oder ist mit Jugenherbergen mit unterschiedlich großen Schlafräumen zufrieden. Kostenpunkt pro Nacht zwischen zwischen 4000 und 5000 ISK = 28 bis 35 €. Wem zelten nichts ausmacht (siehe Tempraturangaben oben), der mit ca. 1200 bis 1500 ISK = 8 bis 10€ dabei. Normale Hotelübernachtungen liegen im Bereich 100 bis 140 € fürs DZ, ohne Frühstück!
Restaurants sind nichts für den kleinen Geldbeutel. Selbstversorgung ist zwar auch nicht billiger aber eben billiger als sich bedienen zu lassen. So ist es eigentlich fast überall auf der Welt, Ausnahme wahrscheinlich Asien?! Und dumpstern dürfte sicher nicht jedermannns Art der Lebensmittelbeschaffung sein.
Mit anderen Worten: Übernachtungen und Transport waren die teuersten Ausgaben, gefolgt von Lebensmitteln.

Ein Budget von 50$ pro Tag läßt sich nur schwer einhalten. Bei grobem Überschlag kann ich aber sagen, dass meins bei 54$ liegt. Die Tasache, dass ich anschließend in die östlichen Staaten Europas reise, wird diese Mehrausgaben sich wieder ausgleichen.

Elephant Rock und die Suche nach den Puffins

Mit JC (Franzose aus der Provennce) bin ich heute Morgen im Nordwesten von Heimaey auf die Suche nach den Puffins gegangen. Unser Weg führte uns zunächst quer über den örtlichen Golfplatz. Anders in Deutschland sind wir ohne Beschwerden davongekommen. Dabei haben wir wunderschöne, fast romantische Plätze entdeckt. Am Ende tat sich dann auch der Blick auf den berühmten Elephant Rock auf. Es ist schon erstaunlich, zu welcher Kreativität Mutter Natur in der Lage ist.

Das zweite Anliegen, Puffins (Papageientaucher) zu sehen, wurde leider nur bedingt erfüllt. Einen Einzigen konnten wir finden, und diesen auch nur in kurzem Vorbeiflug. Unserer Hoffnung nachgehend vielleicht in den Höhenlagen fündig zu werden bestiegen wir einen etwa 150m hohen Berg. Ziemlich steil war der Anstieg. Oben angekommen wurden wir zwar von der Vogelwelt erneut enttäuscht, dafür aber mit einem herrlich Ausblick belohnt. Und, da die Sonne aus vollem Herzen lachte und die Temperatur auf gefühlte 18, 19°C geklettert war, machten wir es uns im Gras bequem und dösten gemütlich vor uns hin.

In JC habe ich einen Verbündeten gefunden. Auch er hat seinen Job gekündigt. Er hat zwar nach wie vor seinen besitz, hat aber dennoch beschlossen mit dem Motorrad die Welt zu bereisen. Es war schön diesen Vormittag gemeinsam zu erleben.

Sehr beeindruckender Tag, heute

Im Januar 1973 brach auf Heimaey der Vulkan Eldfell aus. In dramatischer Weise wurden über Nacht 5000 Menschen evakuiert. Bei aller Dramatik schien der Ort von tausenden Schutzengel beschützt worden zu sein. Wie durch ein Wunder wurde in diesem Chaos niemand getötet. Und, aufgrund eines Sturms in der Nacht zuvor waren sämtliche Schiffe im Hafen, so dass alle Menschen auf die Boote flüchten und sich in Sicherheit bringen konnten. Große Teile des Ortes verschwanden im Laufe der nächsten Monate unter der Asche und Lava. Noch heute sieht man einige Giebel oder Fundamente der Häuser aus dem neuen Boden ragen. Wer nicht weiß, um was es sich hier handelt läuft achtlos vorüber. Bei genauem Hinsehen, wird einem jedoch sehr schnell bewußt, dass man heute auf den Dächer verschütteter Häuser läuft. Man könnte also durchaus von einem isländischen Pompeji sprechen.

 

Aber auch die Insel selbst hat sich 1973 dadurch vergrößert, dass die Lava neues Land schuf. 2 km² mehr Landfläche wurden geschaffen. Eine Fläche, die heute, gut 40 Jahre nach dem Ausbruch immer noch erscheint, als wäre das Unheil erst vor Kurzem geschehen. Schroff, kantig, unwirtlich und man kann es kaum glauben, immer noch handwarm.

In dem seit einem Jahr neu eröffneten Museum auf Heimaey wird in eindrucksvoller Weise die Eruption, die Flucht, die Rückkehr und das Leben danach dargestellt. Unter anderem hat man ein Haus aus der Lava herausgegraben. Das Museum wurde quasi um das Haus herum gebaut. Es ist schon tief beeindruckend, über welche Gewalten die Natur verfügt. Wie immer, wenn einem solche Themen näher gebracht werden, wird einem bewußt, wie hilflos und klein die „Krönung der Schöpfung“ in Wirklichkeit ist.

Reykjavik – Vestmannaeyjar

Seit dem 13.7. versuchte ich jemanden zu finden, der Willens wäre mit mir nach Akureyri / Husavik zu fahren. Mein Plan: Wieder ein kleines Auto mieten und die Kosten teilen, so, wie es die Male zuvor auch funktioniert hatte. Über die Webseite Carpooling in Iceland hatte ich endlich jemanden gefunden, Karla, die am 16. nach Akureyri und am 20. zurück nach Reykjavik fahren wollte und Mitfahrer suchte. Kostenpunkt für die Fahrt 3000 ISK, was akzeptabel war. Am 15. sagte sie jedoch die Fahrt ab, da ihr Auto streikte. An diesem Punkt wurde mir klar, dass ich den Norden Islands streichen mußte – Stichwort: Radikale Akzeptanz.

Also beschloß ich nach einer Altenative zu suchen, die ich in den Vestmannaeyjar-Islands fand. Im Reiseführer steht, dass einen hier eine fantastische Landschaft erwartet und es Vögel ohne Ende zu beobachten gibt. Aber auch hier stellte sich die Frage, wie dorthin kommen. Busse schieden aus (zu teuer) und Carsharing war auch nicht angesagt. Also doch hitch-hiken, wovor ich in diesem Land etws Bammel hatte, den es gibt wirklich Strecken, die menschenleer und endlos erscheinen. An manchen Orten möchte ich wirklich nicht zurückgelassen werden. Aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Meinen Rucksack, schwer genug, machte ich etwas leichter, indem ich einen Teil des Inhalts im Hlemmur Square Hostel deponierte. Wie es sich für einen Deutschen gehört, hatte ich barv ein Schildchen geschrieben, auf dem mein Ziel in großen Lettern zu lesen war. An einer vermeintlich guten Stelle stellte ich mich also auf und hielt mein Schild in den Wind. Alle Autos rauschten vorbei. Mein Weltbild bezüglich des Trampens wurde scheinbar bestätig, bis die Feuerwehr mich sah und anhielt. Sofort meldete sich mein schlechtes Gewissen, eventuell eine Gefahr darzustellen. Aber nein, man fragte interessiert, wo’s denn hingehen sollte. Statt einer Standpauke lud man mich ein mich an einen besseren Ort zu bringen, wo die Chancen größer seien mitgenommen zu werden. Also legte ich meinen ersten Teilabschnitt im Schutze der Feuerwehr zurück. Wer kann das schon von sich behaupten? Nachdem man mich abgesetzt hatte, dauerte es tatsächlich nur 20 Minuten bis der erste Wagen hielt und mich ca. 10 km weiter vorwärts brachte. Man ließ mich an einer Tankstelle raus. Und siehe da, der nächste freundliche Isländer brachte mich bis nach Sellfoss. Und wieder 10 Minuten später nahm mich ein Lebensmittelkontrolleur bis nach Hvolsvöllur mit. Von dort wären es noch ca. 30 km bis zur Fähre gewesen. Und, weil wir uns so gut unterhielten und uns sympatisch waren, fuhr er mich doch glatt direkt bis zur Fähre! Ich konnte mein Glück kaum fassen.

 

Jetzt ging es darum eine Unterkunft auf Heimaey zu finden. In meinem Reiseführer stand ein Hostel, das von einer deutschen Reiseleiterin geführt wurde. Kosten: 4200 ISK. Also war ein Anruf fällig. Und siehe da, auch hier hätte ich ein Fleckchen zur Übernachtung gefunden. Frohen Mutes machte ich mich also auf, klingelte und stand Ruth gegenüber, die sich vielmals entschuldigte, dass sie sich geirrt habe und doch keinen Platz für habe. Aber – und nun kommt die gute Nachricht, ihre Nachbarin B&B Guesthouse Hrafnabjörg  habe noch einen Platz für mich, zu einem etwas höhren Preis (5300 ISK), dafür aber mit Frühstück. Ein wahres Schnäppchen, bezahlt man in Reykjavik schon 5000 ISK ohne Frühstück, welches meistens mit 1300-1600 ISK zu Buche schlägt.

Statt 10-Bett-Zimmer ist es hier ein 4-Bett-Zimmer. Dusche sauber und ordentlich (ein klassisches Badezimmer) und eine voll eingerichtete Küche. Diese habe ich sogleich in Beschlag genommen und ein leckeres Mahl zubereitet; Nudeln mit Lachs in Dillsauce.

Gebucht habe ich hier für 3 Nächte. Im Laufe des 19. werde ich mich dann wieder auf den Rückweg machen, in der Hoffnung, wieder vom Glück begleitet zu werden.

Die ersten zwei Wochen in Island

Zwei Wochen meiner Islandtour sind vergangen – bisher so schnell, dass ich keine Zeit fand endlich meinen Reiseblog zu schreiben. Immer wieder war es so, dass ich gerade dazu kam meine Fotos zu sortieren, zu beschriften und in der Cloud zu sichern, da ergab sich eine neue Gelegenheit mit jemandem eine neue Tour zu beginnen.

Also, was ist bisher geschehen?
Abflug mit WOWAir (B 737) am 30.6. ab Düsseldorf bei 30° Hitze. Ankunft drei Stunden später in Keflavik bei angenehmen 9°. Mit flybus gings dann weiter ins Hostel (Hlemmur Square). Dieses Hostel sollte mich in der Folgezeit immer wiedersehen. Es stellte sich als Ort heraus, an dem man gut und schnell Menschen kennenlernen kann. Extrem freundliches, hilfsbereites und kompetentes Personal. Hier bleiben keine Fragen unbeantwortet. Der Kostenpunkt liegt zwar bei 5000 ISK (Isländische Kronen), ca 33,00 €, die Ausstattung und die besondere Location sind aber jede ISK wert. Ebenfalls erwähnenswert: WiFi im gesamten Bereich, Elektroanschlüsse en masse, auch am Bett, so dass die Stromversorgung des Handys und Notebooks zu keinen Zeitpunkt eine Schwierigkeit darstellt. Für 1600 ISK bekommt man ein Frühstücksbuffet, das seinesgleichen sucht. Und, ganz wichtig: kostenloser Kaffee am Morgen bis zum Abwinken.

Am 1.7. begegnete ich dann Luise. Deutsche, aber in Amerika lebend. Sie machte ein paar Tage Halt auf Island. Beide hatten wir nicht das Bedürfnis an einer geführten Tour teilzunehmen. Wir wollten etwas auf eigene Faust unternehmen. Grundsätzlich kann man auf Island das gut ausgebaute öffentliche Busnetz nutzen. Nachteil: Es ist extrem teuer. Das Streckennetz ist unter mehreren Firmen aufgeteilt, Alternativen gibt es nicht, es herrscht also eine  Monopolstellung. Für Alleinreisende wird’s also teuer. Sobald man jedoch zu zweit reist lohnt es sich ein Auto zu mieten. Und genau das taten wir. Den ersten Tag nutzen Luise und ich uns in Reykjavik umzusehen, uns zu organisieren und eine Autovermietung ausfindig zu machen. Am zweiten Tag brachen wir dann auf, um uns auf dem sogenannten ‚Golden Circle‘ umzusehen. Mit dem ÖPNV hätte eine solche Tour 11500 ISK gekostet, was etwas 78,00 € entspricht. Wohlgemerkt, das ist der Preis pro Person. Unser Auto bekamen wir für 16500 ISK,  ca. 112,00 €. Zusätzlicher Vorteil: Man ist auf keine Abfahrzzeiten und Strecken festegelegt.

Unsere Fahrt führte also über die Route 1 (Rundkurs rund um Island) nach Þingvellir (UNESCO-Weltkulturerbe). Hier befindet sich die Wurzel der Besiedelung Islands. In dieser Gegend wurde im Jahr 930 das erste Parlament Islands gegründet.

Der See Þingvallavatn ist 84km² groß, 114m tief und der Seeboden liegt damit 11m tiefer als der Meeresspiegel. Es ist der größte See Islands. Vor ungefähr 9000 Jahren begann sich die þingebene durch Dehnen und Auseinanderreißen der Erdkruste zu senken. Auf diese Weise entstand die Almannagja (Allmännerschlucht). In diesem Gebiet wird deutlich, was passiert, wenn zwei der sich auf dem Erdmantel bewegenden tektonischen Platten auseinanderdriften. Bis zum heutigen Tag entfernen sich die amerikanische und europäische Erdplatte um durchschnittlich 2cm/Jahr. Am Westufer sind wir dann auf die Route 360 abgebogen, denn wir wollten eigentlich den See über die Süd- und Ostflanke umrunden. Die Gravelroad ab Nesjavellir hat dies jedoch verhindert.

Ein weiteres ‚must have‘ sind der Geysir Strokkur und der berühmte Wasserfall Gullfoss.

Wenn man sich diesem Geothermalgebiet nähert, wird man bemerken, wie es neben der Straße anfängt zu zischen  und zu dampfen. Hier und da blubbert es. In diesem Gebiet gab und gibt es mehrere Geysire, jedoch nur auf den Ausbruch des Strokkur (Butterfass) ist Verlass. Ohne große Ankündigung beginnt ungefähr alle 5 bis 10 Minuten das Wasser im Becken auf- und niederzuwallen, bis sich eine mit Luft und Dampf gefüllte Wasserglocke bildet. Der überhitzte Wasserdampf reißt mit einem Mal eine Wasserfontöne heraus, die bis zu 20-30m hoch reichen kann.

Unweit vom Strokkur befindet sich der „Goldene Wasserfall“, Gullfoss. Der Sage nach, soll hier ein reicher aber geiziger Mann sein Gold ins Wasser geworfen haben, damit seine Erben keinen Nutznieß daraus hätten.  Bei sonnigem Wetter schimmert der Wasserfall leicht golden und ein wunderbarer Regenbogen überspannt diese Szenerie.
Der Wasserfall verdankt seine Entstehung den deutlich zu erkennenden Sedimenten, die vom Kies und Geröll, das der Gletscherfluss mitführt leichter ausgewaschen werden konnte. Ca. 109 m³/Sek. Wasser rauschen in breiten Kaskaden in die 2,5km lange und an dieser Stelle 70m tiefe Schlucht, die in den letzten 10.000 Jahren gegraben worden ist.

 

Nach diesem spektakulären Tag setzten wir am nächsten Tag unsere Rundfahrt fort. Diesmal ging es nach Südwesten ins Gebiet Suðurnes. Erster Halt war in Hafnir, ein kleines verträumtes Dorf. Jedoch geht es an dieser Küste nicht immer nur verträumt zu. Ein Dreimaster kenterte hier 1870. Von der Besatzung hat man nie mehr was gehört. Nur das Bauholz, dass das Schiff geladen hatte wurde ans Ufer getrieben. Der 3000 kg schwere Anker des Schoners liegt heute neben dem Friedhof.

 

Bei Hafnaberg lockte ein schöner Lavastrand und vielen Seevögeln. Alledings keine Puffins!
Einen wunderschönen Ausblick hatte man am Kap von Reykjanestá. Dicht daneben war ein Hotspring, den man nicht missen sollte, wenn man sich in dieser Gegend aufhält.

Die ‚Blaue Lagune‘ haben wir gemieden, weil alle Welt sich dort zu versammeln scheint. Abgesehen davon, dass man sich vorher anmelden muss, schlägt ein solcher Besuch mit stolzen 45,00 € Einttritt zu Buche.

Über Grindavik gings dann weiter ostwärts. Abschluß war ein schönes Picknick in der herrlichen Umgebung von Krýsuvikurberg.

Am 4.7. begegnete ich dann Jean. In der folgenden Zeit hatte ich einen gutenLehrer, wenn es darum ging, mit sehr wenig Geld zu reisen. Wie ich ja schon unter ‚Persönliches‘ schrieb, geht es für mich nicht nur darum, Materielles loszulassen, sondern auch darum, möglichst wenig zu konsumieren. Dazu gehört ja auch, dass ich versuchen will, so wenig wie möglich für Lebensmittel auszugeben. In einer Wegwerfgesellschaft gehört es ja ‚zum guten Ton‘ all den Überfluss zu entsorgen. Jean half mir dabei, dieses Bewußtsein zu stärken, indem wir dumpstern gingen. Fazit dieses Verhaltens war, dass wir einen reichlich gedeckten Tisch hatten ohne dafür zu bezahlen.
Als es darum ging unsere gefundenen Süßkartoffeln zu kochen, ergab sich für mich das nächste Problem. Beide hatten wir weder Geschirr noch Kocher dabei. Jeans Lösung: Auf einem Campingplatz an der Reception fragen, ob wir deren Küche für eine halbe Stunde benutzen können. Ablehung!  Alternative: Wir fragten zwei Camper, die gerade dabei waren ihr Geschirr spülen zu wollen. Zusage, was deren Geschirr betraf. Leider war zu wenig Gas verhanden, um auch kochen zu können. Jean gab immer noch nicht auf. Auf dem Campingplatz waren auch kleine Häuschen, die vermietet waren. Also dort anklopfen und fragen, was möglich sei. Und siehe da, wir waren herzlich willkommen unser Gemüse zu kochen. Bei einem netten Gespräch waren schnell die Bataten gekocht, Tomaten und Paprika zerkleinert. zwei Teller wurden ausgeliehen. Unser Mahl hatten wir draußen, um die Gastgeber nicht zu lange zu belagern. Die anschließend gespülten Teller stellten wir vor die Tür, winketen zum Abschied und zogen unseres Weges.

Ebenso lernte ich, man muss in gewisser Weise stur sein, um sein Ziel zu erreichen. So zum Beispiel ging es darum einen Swimmingpool zu finden, der wenig oder gar nichts kosten sollte. Auf die Idee in einem noblem Schwimmbad zu fragen, ob es irgendwo eine billigere Alternative gibt, wäre ich nicht gekommen. Tatsache war aber, dass genau gegenüber ein öffentliches Bad war, das den selben Komfort anbot wie das Noble. Preisunterschied: 1800 ISK = 12,00 € pro Person!

Mit Jean hatte ich eine schöne Tour entlang der Südküste von Reykjavik über Hveragerði (Baden im warmen Fluss), Stop am Seljalandsfoss und Skógafoss. Weiter über Vik und Skaftafell bis nach Sökulsalór. Da wir ein Auto hatten, war es möglich das Geld für die Übernachtung zu sparen, wir schliefen im Auto.

Highlights waren die Eisberge in der Lagune von Sökulsarlór, die Basaltlavasäulen am schwarzen Strand von Vik, ein fantastisches Frühstück am Urrigafoss und natürlich das schon erwähnte Baden im warmen Fluss bei Hveragerði.

Zwischen dem 10. und 12.7. war ich mit Gabriella in den Nordwestfjorden. Glücklicherweise hatten wir einen 4×4 Suzuski Swift zur Verfügung, was ein schnelleres Vorankommen auf langen Gravelroadstrecken ermöglichte.

Diese Gegend zeichnet sich dadurch aus, dass sie fast menschenleer ist. Ab und zu sieht man einzelne kleine Sommerhäuser oder Farmhäuser. Im Sommer sicher traumhaft dort eine Zeitlang zu verweilen. Im Winter sicher eine psychologische Herausforderung. Belohnt wird diese Reise durch eine atemraubende Landschaft. Lange, tiefe Fjorde, hohe, schneebedeckte Berge, Aussichtspunkte, die ihresgleichen suchen. Hauptort ist Isafjördur. Ein Ausgangspunkt für Bootstouren ins Wandergebiet von Hornstrandir. Straßen gibt es in diesem Gebiet nicht mehr.

Dumpstern war hier gar nicht mehr möglich. Supermärkte findet man so gut wie keine. Den einzigen, den ich sah, war in Isafjördur. Um Mitternacht allerdings geschlossen. Und Lebensmittel wegwerfen, scheint dort verpönt zu sein. Das Einzige, was ich dort fand, war etwas Brot und eine kleine Flasche O-Saft. Ansonsten halfen uns Möhren und etwas Käse über die Runden.

Highlight war der mitternächtliche Besuch der Latrabjarg Bird Cliffs, wo man wunderbar die beliebten Papageientaucher, die sogenannten Clowns im Frack  sehen konnte.

Auf der Rückreise gings dann mit der Fähre von Brjánslaekur nach Stykkshólmur mit kurzen Stop auf Flatey.

Nun waren wir nicht mehr in den Nordwestfjorden, sondern betraten die Halbinsel Vesturland, in deren Westen sich das sogenannte  Snaefellsness befindet. Der Vulkan Snaefellsjökul diente Jules Verne als Einstieg zu seiner ‚Reise zum Mittelpunkt der Erde‘.

Die Route 54 und 574  führt einen immer entlang der Küste. Bei  Londrangar konnte man wieder einen Blick auf die Cliffs und deren Vogelwelt genießen.

Ziemlich direkt ging es dann nach einer teuren Übernachtung bei Tradir zurück nach Reykjavik.