1. Jahrestag meines Nomadenlebens

  1. Juni 2015 – an diesem Tag begann mein Nomadenlebens. Ein Jahr hatte es an Vorbereitung gebraucht, um diesen Lebenstraum, diesen Lifestyle in die Realität umzusetzen. Seltsamerweise – Zweifel am Gelingen waren eigentlich nie aufgekommen. Und tatsächlich, heute, nach einem Jahr permanenten Reisens, kann ich sagen: Es hat sich gelohnt diesen Weg zu beschreiten.

Island, Warschau, Budapest, Rumänien, Spanien, Gibraltar, Tanger, Portugal, kurzer Zwischenstopp in Deutschland, Prag, Korfu, Athen, Malta, Rom, Florenz, Pisa, Kanarische Inseln und jetzt wieder zu Besuch in Medias (Rumänien). Rund 25.110km mit 22 innereuropäischen Flügen und einige tausend Kilometer mit dem Mietwagen liegen hinter mir.

Viele Menschen sind mir begegnet, vor allem junge Menschen. Wie immer, hinterlassen einige Spuren in meinem Herzen. Ich denke insbesondere an Luise, Jean, Eduard, Familie Paz, Paul, Matias, Gabriella, Trace und Steve, Raul, Rolf, Markus, Bastian und Sabrina, Omar, Ruben und Viktoriya, Michael C. und Sina. Aber auch Mariann mit ihren Kids in Medias lassen viel Herzenswärme in mir wach werden. Ihnen allen sei Dank dafür, dass ich sie ein Stück weit kennenlernen und z.T. auch ihre Gastfreundschaft erfahren durfte.

Nein, ich habe bisher keine Sehnsucht nach Deutschland und/oder einem festen Wohnsitz! Das Gegenteil ist der Fall: Immer mehr habe ich den Eindruck, dass ich an einem falschen Ort geboren wurde. Vielleicht hätte ich besser als Ziegen-/Yakhirte, in einer Jurte lebend, in der Mongolei aufwachsen sollen. Ohne je dort gewesen zu sein, steht die Mongolei für mich als Sinnbild für Freiheit und eben ein Nomadenleben. Zu keiner Zeit hat es mich gestört meine Schlafstätte mit mehreren Menschen zu teilen. Zu keinem Zeitpunkt habe ich das, was man unter ‚Privatsphäre‘ versteht, vermisst. War sie gegeben, war es okay, aber zum größten Teil habe ich gern geteilt, auch mein Essen übrigens. Teilen ist für mich ein wichtiger Lebensbestandteil geworden. Wie passend, dass Papst Franziskus gerade dieses Thema in seiner Generalaudienz hervorhob.

Meine Ansprüche bezeichne ich als ziemlich gering. Aber gerade in Rumänien habe ich Mangel, Not und wahre Armut leibhaftig gesehen. Seitdem weiß ich, in welchem Luxus ich noch immer lebe, wie privilegiert ich bin. Unter diesem Gesichtspunkt fällt es mir persönlich sehr schwer die allgewärtigen Klagelieder der Besitzenden nachzuvollziehen.

Ich habe mich damals durchaus aus News Junkie bezeichnet. Im Laufe der Zeit habe ich aber aufgehört mich dieser Mediensucht hinzugeben. Ab und zu lässt es nicht vermeiden, dass mich Titelseiten von Zeitungen oder TV-News ansprechen. Stets aufs Neue ödet es mich mittlerweile an, dieser – aus meiner Sicht – kranken Manipulation der Massen meine Aufmerksamkeit zu schenken.

Stattdessen habe ich mein Vertrauen ins Universum (Gott) vertieft. Was ich nicht meine, ist die Religion und die damit verbundene Institution ‚Kirche‘. Meine Erfahrung ist mittlerweile, dass ich beschützt bin, und wohin ich auch gehe, es ist stets für mich gesorgt. Und genau aus diesem Vertrauen heraus, habe ich seit einem Jahr zu keinem Zeitpunkt Angst gehabt. Kann sich jemand vorstellen, wie befreiend das ist? Und so bin ich stiller und ruhiger geworden, eher ein Beobachter, stets in der Gewissheit, dass ich jederzeit an der richtigen Stelle sein werde, solange ich auf meine Innere Stimme höre statt auf mein Ego. Immer klarer wird mir, dass ich ein geistiges und nicht ein körperliches Wesen bin. Für mich besteht mittlerweile der Sinn des Lebens darin, glücklich, fried- liebe- und freudvoll zu sein. Tiefe Dankbarkeit für das, was ich habe bestimmt meinen Alltag. Und ja, auch die Vergebung bekommt bei mir einen immer höheren Stellenwert.

Es ist schwer zu sagen, wo es mir bisher am besten gefallen hat. Was die Natur betrifft, ist wohl Island bis jetzt mein Land. Wer nie da war, sollte es unbedingt auf seine bucket list setzten. Wenn es um Städte geht, so streiten sich Florenz und Lissabon um meine Gunst. Es ist eigentlich unmöglich hier Prioritäten zu setzen, denn jedes Land, jede Stadt hat Licht- und Schattenseiten. Und das ist gut so.

Mir persönlich geht es weiterhin um Neugier, Sehnsucht, Entdeckungen. Wenn ich Rumänien wieder verlasse, so möchte ich gern nach Bulgarien weiterreisen und anschließend wieder gen Spanien aufbrechen. Der Caminito del Rey wartet noch immer auf mich und auch auf Ibiza möchte ich gern wieder sein, wenn dort die Energy Week stattfindet. Ob ich Portugal noch schaffe, keine Ahnung, Portugals Norden reizt mich immer noch sehr. Außerdem warten Freunde dort auf mich. Fakt ist, dass ich ab 23. November in SE-Asien sein werde. Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam; vielleicht auch Myanmar. Dort werde ich also den europäischen Winter verbringen. Ich freu mich heut schon drauf, wie ein kleines Kind.