Dandelion

Nachtbus Malaga – Lissabon: Normalerweise erlebt man bei solchen Fahrten nicht wirklich etwas, weil jeder müde ist und versucht in irgendwelchen abgefahrenen Sitzpositionen zu schlafen. Ich staune immer wieder, wie klein sich Menschen machen können, um auf der Sitzfläche ihren ganzen Körper unterzubringen. Eigentlich sollte man das mal fotografieren – nur die Traute fehlt mir dazu.

Naja, wie dem auch sei – auf dieser Fahrt sitzt Ray (Amerikaner) neben mir. Wir kommen ins Gespräch. Es wird ein langes, sehr langes nächtliches Gespräch. Von Schlaf keine Spur -wahrscheinlich zum Leidwesen der in der Nähe sitzenden Mitreisenden. Wir erzählen uns praktisch unser ganzes Leben – und ich staune dabei über zwei Tatsachen: a) wie offen und ungezwungen man mit Ray sprechen konnte und b), wieviel er, mit 35 Lenzen, schon erlebt hat. Auch er ist unterwegs durch die Welt, hat die Schnauze voll von Politik, Medien, Angstmacherei. Er stiegt bereits in Faro aus. Man hätte erwarten können, dass man seine Facebook-Accounts austauscht – aber: er ist gar nicht auf Facebook! Statt desssen rief er mir nur zu: „Take care – Dandelion“ und verschwand in der Dunkelheit.

Und so kam es, dass ich meinen ersten Spitznamen in meinem Leben erhielt – Dandelion. Klingt doch irgendwie zuversichtlich, neugierig, flexibel, leicht, beschwingt. Mir gefällt’s!