Albanien

Unterkünfte

Trip ’n‘ Hostel, Tirana

Tirana Metropol 23 Hostel

Green Garden Hostel, Shkodra

Chill Out Hostel, Pogradec

Alpbes Guesthouse, Theth

Hostel Albania, Tirana


Allgemeine Informationen über Albanien:

Albanien grenzt im Norden an Montenegro und den Kosovo, im Osten an Mazedonien und im Süden an Griechenland. Die natürliche Westgrenze wird durch die Küsten des Adriatischen und des Ionischen Meeres gebildet, wodurch das Land zu den Anrainerstaaten des Mittelmeeres zählt. Das Land ist Beitrittskandidat der EU. Hauptstadt und Regierungssitz des Landes ist Tirana.

Überblick
Albaniens Küste an der Adria und am Ionischen Meer ist 362 Kilometer lang. An der engsten Stelle der Adria – der Straße von Otranto – ist sie nur 73 Kilometer von Italien entfernt, beim Ort Ksamil nur zwei Kilometer von der griechischen Insel Korfu. An der Küste gibt es viele Sand- und Kiesstrände. Bekannte Urlaubsorte sind Velipoja, Shëngjin, Durrës und Vlora an der Adria sowie Dhërmi, Himara und Saranda am Ionischen Meer.

Naturräumliche Gliedrung
Nur die Täler, das Hügelland, Teile der Küstenebene und einige Hochebenen ermöglichen eine dichte menschliche Besiedlung. Dort ist die Bevölkerungsdichte relativ hoch, während andere Teile des Landes spärlich bewohnt sind.
Im Norden des Staates befinden sich die Albanischen Alpen, die zu den Dinariden gehören. Höchster Berg Albaniens ist der 2764 m hohe Korab, nordöstlich von Peshkopia direkt an der Grenze zu Mazedonien. Ein weiterer hoher und bekannter Berg ist die Jezerca. Diese ist mit 2694 m der höchste vollständig in Albanien liegende Berg.

Klima
In Albanien herrscht ein subtropisch-mediterranes Klima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 16 °C und einer Jahresniederschlagssumme von knapp 1200 Millimetern.
In Tirana sind zwei Sommermonate arid. In den nördlichen und östlichen Bergregionen sind die Winter hart; auch im Sommer kann es dort recht kühl werden. Im Winter sind viele Orte in diesen Gebieten wegen Schnees für Monate von der Außenwelt abgeschnitten. Im Süden am Ionischen Meer ist das Klima deutlich milder. In den Küstenregionen sind im Winter die Niederschlagsmengen relativ hoch. In Saranda werden jährlich fast 300 Sonnentage verzeichnet.

Bevölkerung
Wenn auch in kommunistischer Zeit ein Urbanisierungs- und Industrialisierungsprozess einsetzte, so wohnte doch die große Mehrheit der Albaner auch vor 1990 noch auf dem Land. Das prägt die Mentalität vieler Menschen bis heute auch in den Städten, denn wenn sie nicht erst selbst in die Stadt gezogen sind, so waren es ihre Eltern und in jedem Fall haben sie nahe Verwandte, die noch immer von der Kleinlandwirtschaft leben. Ein traditionelles Bürgertum ist in Albanien immer sehr rar gewesen. Moderne bürgerliche Kultur gab es Anfang des 20. Jahrhunderts nur in Shkodra, Korça, Durrës und Gjirokastra. In den zwanziger Jahren kam die neue Hauptstadt Tirana hinzu. Die Kommunisten lehnten das bürgerliche Selbstbewusstsein dieser Städte ab und zerstörten die bürgerlichen Kulturleistungen nach 1945 weitgehend.
Die Zeit nach der Wende von 1990 brachte große demographische Verschiebungen. Zum einen emigrierten Hunderttausende Albaner legal oder illegal nach Italien, Griechenland, in andere Staaten der EU und nach Nordamerika, zum anderen kam es zu einer großen Landflucht von den Bergen und ländlichen Gebieten in die städtischen Zentren. Das Land und auch nicht wenige Kleinstädte veröden. Im Gebirge und im Süden sind schon zahlreiche Dörfer verlassen.

Hatten die Albaner vor 1990 die höchste Geburtenrate Europas (Verhütungsmittel waren verboten), so ist diese jetzt mit 1,32 (wie mag wohl ein 0,32-Kind aussehen :-D) Kindern pro Frau weit unter den europäischen Durchschnitt von anderthalb Kindern pro Frau gesunken. In der Hauptstadt Tirana liegt sie sogar bei nur noch einem Kind je Frau, dem wohl niedrigsten Wert unter größeren europäischen Städten. Dieser Umstand und die anhaltende Abwanderung bewirken eine rapide Alterung der albanischen Bevölkerung, was aber angesichts der stark vertretenen Generation der 15- bis 30-Jährigen noch nicht allzu stark zu spüren ist. Zwischenzeitlich ist das Durchschnittsalter der Bevölkerung auf 35,3 Jahre gestiegen.

Ethnien
Albanien hat ethnisch gesehen eine ziemlich einheitliche Bevölkerung. Die Albaner stellen 82,58 % der Einwohner die größte Volksgruppe dar. Die größte Minderheit stellen die Griechen mit 0,87 %. Mit je 0,3 % sind die Roma und die Aromunen in der Bevölkerung vertreten. Danach folgen mit 0,2 % die Mazedonier. Als „Balkan-Ägypter“ bezeichnen sich 0,12 % der Bevölkerung. Eine relativ kleine Minderheit bilden mit 0,01 % die Montenegriner.

Religion
Laut der 1998 angenommenen Verfassung betrachtet sich der Staat Albanien heute als „laizistische Republik“. Die Volkszählung von 2011 ermittelte folgende Religionszugehörigkeiten: 56,70 % muslimisch, davon 2,09 % Bektaschi. Die 16,92 % der Christen teilen sich auf in: 10,03 % römisch-katholisch, 6,75 % albanisch-orthodox und 0,14 % protestantisch/evangelikal. 13,79 % der Bevölkerung gaben keine Antwort, 5,49 % sind Gläubige, die sich keiner Glaubensgemeinschaft zuordnen und 2,5 % sind atheistisch.

Die Kommunisten hatten von 1968 Albanien zum atheistischen Staat erklärt und jegliche Religionsausübung verboten. Erst im Dezember 1990 wurde das Religionsverbot aufgehoben. Nach wie vor hat die Mehrheit der Albaner kein offizielles Bekenntnis abgelegt. Sie erinnern sich aber, ob die eigene Familie der muslimischen, der orthodoxen oder katholischen Tradition entstammt. Dank der wiederhergestellten Religionsfreiheit reorganisierte sich die katholische Kirche nach 1990 vor allem mit italienischer Hilfe. Daneben gelangten auch bisher in Albanien unbekannte Glaubensgemeinschaften wie protestantische und andere Kirchen ins Land. Der albanisch-orthodoxen Kirche fehlte die Unterstützung durch eine große Organisation im Ausland. Der Islam erhielt viel Unterstützung aus Arabien und der Türkei, und es wurden zahlreiche Moscheen errichtet. Extremistische Tendenzen konnten aber keinen Fuß fassen, die organisierte Religion spielt noch immer eine untergeordnete Rolle.

Wie schon in den Zeiten vor dem Religionsverbot ist die gegenseitige Akzeptanz und Toleranz unter den Anhängern der alteingesessenen Religionen sehr hoch. Zum Teil werden religiöse Feste gemeinsam gefeiert und auch religiöse Stätten anderer Gemeinschaften aufgesucht. Ehen zwischen Christen und Muslimen waren schon zu Zeiten des Sozialismus für beide Seiten kein Problem und sind in Albanien immer noch an der Tagesordnung. Das Praktizieren der Religion ist nur bei wenigen Albanern ausgeprägt.

Sprachen
Die alleinige Amtssprache ist Albanisch, als Standardvarietät gilt der toskische Dialekt; der andere Dialekt ist Gegisch. 98% der Bevölkerung nennen Albanisch als Muttersprache.

Viele Albaner sind mehrsprachig. Die mit Abstand am meisten verbreitete Fremdsprache ist Italienisch. Italienischsprachige Medien wie Fernsehen und Radio sind in ganz Albanien verbreitet und beliebt. Auch Griechisch wird nebst Englisch von vielen gesprochen.

Bildung
Von den 1950er Jahren bis zum Ende der 1980er Jahre wurde in den Schulen und Universitäten Russisch gelehrt, da es damals die Lingua franca der Ostblock-Staaten war. Albanien ist zudem Vollmitglied der Frankophonie. Französische Lyzeen in Korça und Gjirokastra wurden auch während der kommunistischen Ära betrieben, da Staatschef Enver Hoxha an der Universität Montpellier studiert hatte. Nachdem sich Albanien im Zuge der ideologischen Kontroversen zwischen der Sowjetunion und China auf die Seite der Volksrepublik gestellt hatte, begannen zahlreiche Albaner, in China zu studieren, und lernten dort Chinesisch.
Das Bildungssystem Albaniens hat in den letzten Jahren einige Reformen und Umstrukturierungen erlebt. So wurde 2008 die Schulpflicht von acht auf neun Jahre erhöht, die Zahl der Studierenden hat sich ungefähr verdoppelt, das Hochschulsystem wurde liberalisiert, die Einschulungsrate hat sich enorm erhöht, und auch die Staatsausgaben im Bildungswesen wurden erhöht.

Geschichte
Erste Spuren menschlicher Besiedlung auf dem Staatsgebiet des heutigen Albanien weisen auf die Zeit vor 100.000 Jahren. Etwa um 1000 v. Chr. besiedelten die Illyrer den Westbalkan. Es konnten einige Reiche von einzelnen Stämmen gegründet werden, wie das Reich der Labeaten, das von etwa 380 bis 168 v. Chr. bestand. Residenzstädte waren Skodra (Shkodra) und Rhizon (Risan). Nach den Illyrischen Kriegen kam der westliche Balkan Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. unter römischen Einfluss und die Romanisierung der Illyrer begann. Mit der Teilung des Römischen Reichs 395 n. Chr. kam das heutige Albanien unter byzantinische Herrschaft. Im Jahr 591 drangen die Slawen vom Norden her in das Gebiet ein, es folgten Plünderungen auf dem ganzen Balkan. Zwischen 880 und 1018 waren Mittel- und Südalbanien Teil des Bulgarischen Reiches. Im Jahr 1081 fielen die Normannen in das unter byzantinischer Herrschaft stehende Albanien ein.

Nach dem Zerfall des Byzantinischen Reiches infolge des Vierten Kreuzzugs (1204) wechselte die Herrschaft über die Gebiete des heutigen Albanien in schneller Folge. Neben fremden Mächten (Neapel, Serbien, Venedig) konnten auch einheimische Adelige eigene Fürstentümer begründen.

1443–1468 führte der Fürst von Kruja, Skanderbeg, erfolgreich den Abwehrkampf gegen die Türken. Nach seinem Tod unterlagen die Albaner und ihre Verbündeten aber, und vom Ende des 15. Jahrhunderts an war das ganze Land für mehr als vier Jahrhunderte Teil des Osmanischen Reiches. Im Laufe der Zeit traten die meisten Albaner zum Islam über.

1912, nach dem Ersten Balkankrieg wurde das Königreich Albanien im Wesentlichen in den heutigen Grenzen unabhängig.

Der deutsche Wilhelm zu Wied war 1914 für sechs Monate Fürst von Albanien, er konnte seinen Einfluss aber kaum über Durrës hinaus ausdehnen. Griechen riefen im Süden den Staat Nordpirus aus. Im Ersten Weltkrieg verlor Albanien seine Unabhängigkeit. Bis 1919 war Albanien von den kriegführenden Mächten besetzt.

Albanien versank von 1919 bis 1924 in Nachkriegswirren mit sich schnell ablösenden Regierungen. 1920 konnte der Kongress von Lushnja erste Ansätze einer neuen Staatsorganisation schaffen. Unter Fan Noli scheiterte der Versuch, eine demokratische Republik zu errichten. 1925–1939 folgte eine Phase der autoritären Herrschaft des Ahmet Zogu, der sich 1928 zum König proklamierte. Albanien wurde zunehmend abhängig vom faschistischen Italien, was 1939 in der Annexion des Landes durch Italien gipfelte. Während des Zweiten Weltkriegs war Albanien bis 1944 von den Achsenmächten besetzt.

Bis 1944 führten Albaner einen Partisanenkrieg gegen die italienischen und später deutschen Besatzer. Diese hatten dem albanischen Marionettenstaat auch Teile Kosovos, Mazedoniens und des griechischen Epirus angeschlossen. 1944 wurde Albanien von der faschistischen Fremdherrschaft befreit. Enver Hoxha, der Führer der kommunistischen Partei, errichtete eine Diktatur. Die Vorkriegsgrenzen wurden wiederhergestellt. In den folgenden vier Jahren ging Albanien ein Bündnis mit dem Jugoslawien Titos ein. 1948 folgte der Bruch mit Jugoslawien und eine Phase der Anlehnung an die Sowjetunion begann.

Im Jahr 1949 trat Albanien dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe bei. 1955 wurde das Land Mitglied im Warschauer Pakt, im gleichen Jahr auch Mitglied der UNO. 1961 kam es zum Bruch mit der Sowjetunion und einer darauf folgenden Anlehnung an die Volksrepublik China.

1967 wurde ein totales Religionsverbot erlassen. Albanien wurde zum „ersten atheistischen Staat der Welt“ erklärt. Ein Jahr später trat Albanien aus dem RGW und dem Warschauer Pakt aus und blieb auf stalinistischem Kurs. Aus Angst vor einer feindlichen Invasion wurden im ganzen Land verstreut an die 200.000 Bunker errichtet. Einige Jahre bestand ein Bündnis mit der Volksrepublik China, allerdings erfolgte eine zunehmende Selbstisolation des Landes. 1985 starb Enver Hoxha, zum Nachfolger wurde Ramiz Alia ernannt. 1990 wurde das kommunistische Regime gestürzt und eine Massenauswanderung der Albaner begann.

Der anschließende Transformationsprozess verlief zunächst nur schleppend und ohne große Erfolge. 1991 wurden die ersten freien Wahlen abgehalten, Sieger waren die Kommunisten. Das Land wurde in die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) aufgenommen. Die Demokraten unter Sali Berisha übernahmen die Regierung 1992 und leiteten Reformen ein. 1995 wurde Albanien in den Europarat aufgenommen.

Mit dem so genannten Lotterieaufstand 1997 ging der Zusammenbruch der staatlichen Strukturen einher. Es schloss sich eine Friedens- und Aufbaumission der OSZE an. 1998 wurde eine neue Verfassung durch Volksabstimmung angenommen. Durch den Kosovokrieg nahm das Land 1999 zehntausende Flüchtlinge auf. Albanien unterzeichnete 2006 das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) mit der Europäischen Union. Am 1. April 2009 trat das Land der NATO bei. Ende des Jahres 2010 lockerte die Europäische Union die Visa-Bestimmungen für albanische Bürger, die fortan nur einen biometrischen Pass vorweisen müssen, um in den Schengen-Raum einreisen zu dürfen. Seit dem 24. Juni 2014 ist Albanien offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.

Am 30. April 2015 beschloss das Parlament die Öffnung der Archive der kommunistischen Geheimpolizei Sigurimi. Ein fünfköpfiges Komitee entscheidet über den Zugang für ehemals überwachte Personen, Institutionen und die, die kooperiert hatten, und stellt Unbedenklichkeitsbescheinigungen aus für jene, die bei Wahlen antreten wollen oder im Staatsdienst arbeiten.

Verfassung
Albanien ist eine parlamentarische Republik. Gesetzgeber ist das Kuvendi i Shqipërisë, dessen 140 Abgeordnete alle vier Jahre gewählt werden. Staatsoberhaupt ist der vom Parlament auf fünf Jahre gewählte Präsident. Die dem Parlament verantwortliche Regierung wird vom Ministerpräsidenten geführt. Albanien hat im Jahr 2000 ein Verfassungsgericht nach deutschem Muster eingerichtet, das sich in den politischen Krisen der jüngsten Zeit als stabilisierender Faktor erwiesen hat. Die derzeit gültige Verfassung wurde am 28. November 1998 durch eine Volksabstimmung angenommen.

Menschenrechte
Seit 1993 hat Albanien ein Gesetz mit Grundfreiheiten und Menschenrechten. Nach Einschätzung von Amnesty International im Jahr 2013 ist jedoch familiäre Gewalt gegen Frauen nach wie vor weit verbreitet. Schlecht sei die Situation für junge Waisen, die nach dem Verlassen aus staatlichen Fürsorgeeinrichtungen Gefahr liefen, obdachlos zu werden. Der albanischen Polizei werden Folter und Misshandlungen durch einige Polizeibeamte vorgeworfen. Die Dauer der Untersuchungshaft sei häufig übermäßig lang und es sei nicht gewährleistet, dass Häftlinge rechtzeitig anwaltliche und ärztliche Hilfe erhielten. Auch die Diskriminierung von Roma-Familien sei noch ein Problem.

Außenpolitik
Die Außenpolitik Albaniens hat sich seit dem Sturz der kommunistischen Diktatur 1990/91 stark verändert. Das Land ist nicht mehr eine „isolierte Insel“ auf der Karte Europas, sondern Mitglied in vielen internationalen Organisationen. Seit Jahren wird die Integration in europäisch-atlantische Strukturen angestrebt. Im Februar 2006 konnte mit dem Abschluss eines Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union der erste wichtige Meilenstein in diese Richtung gesetzt werden. Am 1. April 2009 folgte der Beitritt zur NATO und am 28. desselben Monats reichte das Land einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union ein. Seit dem 15. Dezember 2010 sind albanische Bürger nun zudem von Visa befreit. Falls sie einen biometrischen Pass besitzen, können sie ohne Hindernisse in die 25 EU-Staaten (außer Irland und Großbritannien) und in die „Schengen“-Länder Schweiz, Norwegen und Island einreisen. Seit dem 24. Juni 2014 ist Albanien offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.

Militär und Polizei
Die Albanischen Streitkräfte zeigten nach dem Lotterieaufstand im Jahr 1997 Auflösungserscheinungen. Deswegen startete die Regierung im Jahr 2001 ein zehnjähriges Reformprogramm, um die Streitkräfte technologisch auf den neuesten Stand zu bringen und sie professionell auszubilden. Die neue Armee besteht aus 14.500 aktiven Soldaten sowie 5000 Reservisten. Neu ist auch, dass Albanien die Wehrpflicht abgeschafft hat und über eine Berufsarmee verfügt.

Die Policia e Shtetit Shqiptar mit etwa 12.000 Mitarbeitern untersteht dem Innenminister. Daneben existiert die Republikanische Garde für Ordnungsdienst- und Objektschutz-Aufgaben.

Wirtschaft
Albanien befindet sich seit vielen Jahren in einem schwierigen Transformationsprozess von der ehemals sozialistischen Planwirtschaft in eine moderne offene Marktwirtschaft. Nach schweren Krisen in den 90er Jahren können allmählich Erfolge verzeichnet werden: Viele staatliche Unternehmen wurden privatisiert, der rechtliche Rahmen wurde ausgebaut, die Inflationsrate wurde stabil gehalten, die Arbeitslosenquote ist gesunken, das Bruttoinlandsprodukt und das durchschnittliche Monatsgehalt sind gestiegen, der Tourismus-Sektor verzeichnete steigende Einnahmen, die Infrastruktur wurde massiv verbessert, die Volkswirtschaft wächst von Jahr zu Jahr – sogar während der Finanzkrise ab 2007 verzeichnete Albanien im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Ländern noch ein Wirtschaftswachstum. Die Anzahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, wurde verringert und seit 2008 besteht eine Flat Tax-Rate von 10 Prozent, eine der niedrigsten in Europa.
Doch im Land gibt es noch weiterhin gravierende strukturelle Probleme. Die Arbeitslosenrate lag 2014 offiziell bei 17,9 %. Der Durchschnittslohn (im staatlichen Sektor) lag im gleichen Jahr bei 379 Euro. Albanien ist weiterhin einer der ärmsten Staaten Europas. 2008 galten immer noch 12,4 % der Bevölkerung als arm.
Eines der größeren Probleme des Landes ist die schwache Infrastruktur. Die Hauptverbindungsachsen wurden zwar erneuert und ausgebaut, doch der Großteil der Transportwege in ländlichen Gebieten ist noch immer sehr schlecht. Die Wasserversorgung ist dort meist auf wenige Stunden pro Tag beschränkt und auch Stromausfälle kommen regelmäßig vor. Wegen dieser wirtschaftlichen Probleme auf dem Land haben viele ihre Dörfer verlassen und sind entweder in die Stadt umgezogen oder ins Ausland ausgewandert.

Tourismus
Unberührte Natur und abwechslungsreiche Landschaften charakterisieren große Teile Albaniens. Es beherbergt einzigartige Arten an Fauna und Flora, was Albanien bezogen auf seine Größe zu einem der artenreichsten Länder Europas macht. Mit seiner vielfältigen Kultur sowie dem mediterranen Klima besitzt Albanien weitere Voraussetzungen für die Entwicklung verschiedener Arten von Tourismus.
Die Zahl der Touristen steigt von Jahr zu Jahr. 2004 wurden bereits 588.000 Übernachtungen registriert. Rund drei Viertel der Touristen stammen aus dem Inland; Gäste aus dem Ausland kamen vorwiegend aus den Nachbarländern. Schon fünf Jahre später besuchten 1.786.045 ausländische Personen das Land. Dies entspricht einem realen Zuwachs von rund 291 Prozent gegenüber dem Jahr 2005. Der Großteil der Touristen kommt aus Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Griechenland und Italien.
Während in der Vergangenheit vor allem in die Errichtung und den Ausbau von Unterkünften und in die Gastronomie investiert wurde, fehlt es insbesondere im Bereich Infrastruktur an wichtigen Investitionen. Um in Zukunft vermehrt zahlungskräftige Touristen aus dem Ausland anziehen zu können, sind vor allem verstärkte Investitionen in die kommunale Infrastruktur, das Verkehrsnetz und den Umweltschutz sowie Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung der Dienstleistungen sowie die Verbesserung der Ausbildung unabdingbar.

Probleme
Albanien hat heute mit großen strukturellen Problemen zu kämpfen, die der Wirtschaft oft im Weg stehen. Zu den größten zählen die Armut, die schwache Infrastruktur, die weit verbreitete Korruption, das auf den sogenannten Kanun zurückgehende Sozialproblem der Blutrache, Geldwäsche, Vetternwirtschaft, Ämterkauf und ähnliche.
Laut dem Korruptionsindex von Transparency International vom Jahr 2013 steht Albanien weltweit auf Platz 116 bei 177 untersuchten Ländern. Damit ist im kleinen Balkanland die Korruption etwa gleich verbreitet wie in Nepal und in Vietnam. Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten belegt Albanien den viertletzten Platz, nur Weißrussland, Russland und die Ukraine schnitten schlechter ab. Die Nachbarländer Montenegro (Platz 67), Kosovo (Platz 111), Mazedonien (Platz 67) und Griechenland (Platz 80) erreichten alle bessere Werte.

Straßennetz
Die Verkehrsgeographie Albaniens ist vor allem durch das Relief des Landes bestimmt. Die Straßen folgen im Wesentlichen den Flusstälern, haben aber an verschiedenen Stellen auch hohe Pässe zu überwinden. Die überragende Bedeutung der Hauptstadt spiegelt sich auch im Straßennetz wider. Fast alle Nationalstraßen führen nach Tirana.
Die ersten modernen Straßen wurden von 1939 bis 1942 von den italienischen Besatzern gebaut. Dazu gehört zum Beispiel die Strecke Tirana–Elbasan. Unter der kommunistischen Herrschaft ist das Straßenverkehrsnetz kaum entwickelt worden. Allerdings wurde auch der Bedarf künstlich niedrig gehalten, denn Kraftfahrzeuge in Privatbesitz waren bis 1990 nicht gestattet und die schwache Ökonomie des Landes benötigte ebenfalls nur relativ geringe Transportkapazitäten. Die Straßenverhältnisse sind größtenteils noch schlecht, aber mit Mitteln des Balkan-Stabilitätspakts konnten einige wichtige Fernstraßen saniert werden. Dazu gehört die wichtige mittelalbanische Route durch das Shkumbintal, die Elbasan mit Pogradec, Korça und Mazedonien verbindet.
Die erste Autobahn Albaniens, die SH 2 (Tirana–Durrës), wurde, obwohl erst im Jahr 2000 fertiggestellt, kurz vor Tirana bereits auf vier Spuren pro Fahrtrichtung ausgebaut. Der Bau eines Autobahnkilometers kostete mehr als in Deutschland. Die gesetzlich vorgegebene Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen liegt bei 120 km/h. Seit dem Herbst 2007 existiert eine weitere Autobahnverbindung als Teil der SH 4 von Rrogozhina über Lushnja bis nach Fier.
Nachdem der Paneuropäische Verkehrskorridor VIII, die West-Ost-Verbindung von Durrës, dem größten Hafen des Landes, zur mazedonischen Grenze, sowie fast alle Strecken der Nord-Süd-Verbindung von Montenegro nach Griechenland gut ausgebaut worden waren, legte die Regierung die Priorität auf die Autobahn 1 zwischen Durrës und Priština (Grenzübergang Morina). Zwischen Herbst 2006 und 2010 wurde am Verbindungskorridor in den Kosovo gebaut. Im Juni 2009 wurde die Autobahn zeitweise für den Verkehr freigegeben. Diese Autobahn verläuft durch das teilweise alpine Nordalbanien. Aufgrund dieser Topographie weist sie eine große Zahl von Kunstbauten auf. Der Kalimash-Tunnel auf dieser Strecke ist mit 5,65 km der längste des Landes. Bei der Autobahn handelt es sich um das größte und teuerste Infrastrukturprojekt Albaniens. Die Bauarbeiten an der Strecke von Kukës ins benachbarte Kosovo haben Mitte März 2010 begonnen.


Reisebeschreibung

Für den 10.8.16 hatte ich per Internet ein Busticket von Sofia nach Tirana gebucht. Ich war gespannt, denn man sagte mir, es sei Minibus. Bei den derzeitigen Temperaturen wünschte ich mir einen komfortablen Bus mit Klimaanlage. Von den letzten Lewa (bulgarische Währung), die noch hatte leistete ich mir ein Taxi vom Hostel in Sofia zum Busbahnhof. In der Tat, dort stand der Minibus schon bereit. Ca. 17 Personen hatten darin Platz. Ich war eine halbe Stunde vor der Abfahrtzeit (18:30) da und der erste Passagier. Ich staunte nicht schlecht, als ich um 18:30 feststellen mußte, dass ich der einzige Passagier blieb. Naja, dachte ich, der Bus wird unterwegs sicher noch einige Stopps einlegen, um weitere Passagiere aufzunehmen. Auch hier irrte ich. Ich blieb bis Tirana tatsächlich allein im Bus. Und so machte ich es mir bequem. Ach übrigens, der Bus hatte tatsächich eine Klimaanlage.Um 21:00 erreichten wir die bulgarisch-mazedonische Grenze und um 02:00 Uhr kamen wir in Albanien an.
Unsere Route ging nördlich an Skopje (Mazedonien) vorbei und dann nach Süden zum Ohridsee und von dort nach Albanien Richtung Tirana. Nach den guten Straßen in Bulgarien ereilte mich in Mazedonien ein wahrer Höllenritt. Quer durch die Berge, enge Straßen, dunkel und Schlaglöcher, die im Scheinwerferlicht für den Moment aussahen, als wären sie der Eingang zur Hölle. Der Bus schien den Geräuschen nach jeden Moment auseinander zu fallen. Schließlich die Autobahn. Ich dachte okay, jetzt wird alles gut – von wegen! Und für diese miserable Straße werden sogar Mautgebühren erhoben! Morgens um 4:00 statt um 06:00 kam ich in Tirana an. Zuerst wollte man mich weiter nördlich in der Stadt absetzten, aber letztlich weigerte ich mich den Bus zu verlassen, wenn man mich nicht zu dem im Ticket festgelegten Ort bringe. Großes Ach und Weh beim Fahrer, der mir weis machen wollte, die Polizei würde ihn verhaften, wenn er mich zu diesem Ort bringe. Standhaftigkeit siegte. Zähneknischend wurde der Bus wieder in Bewegung gesetzt, und man setzte mich an vereinbarter Stelle ab. Der Busfahrer wurde nicht verhaftet, aber kaum hatte ich den Bus verlassen, als ich von einem Polizisten angesprochen wurde, was ich um diese Uhrzeit hier mache. Nachdem ich ihn beruhigt hatte, dass ich kein Drogenkurier und kein Terrorist sei, entließ er mich zu meinem Hostel, dass ich verschlossen vorfand, obwohl ich meine frühere Ankunftszeit mitgeteilt hatte. Aber wie gesagt, planmäßig um 06:00 Uhr. Mein Gastgeber Ilir schlief noch süß und selig. Dafür sah ich durch den umgebenden Zaun eine Frau in ihrem Bett schlafen, die ich erfolgreich aufweckte und bat mir die Tür zu öffnen. Müde wie ich war, machte ich es mir auf der Couch im Livingroom bequem bis mich Ilir morgens um 8:00 weckte. Nun wechselte ich von der Couch in mein wohlverdientes Bett.

Das Hostel entpuppte sich als klein aber fein. Neu, im März 2016 eröffnet. Dementsprechend alles sehr sauber, hervorragende Matratzen. Fensterschiebetüren, die jede Menge Licht und Luft hereinlassen. In den Morgenstunden wird es etwas lauter draußen, weil rundherum sich ein Basar befindet. Dementsprechend hört man, wie Garagentore geöffnet und die Verkaufsstände eingerichtet werden und natürlich das allgegenwärtige Palaver. Mich persönlich störte dies aber in keinster Weise.

Am nächsten Tag machte ich mich auf, um meine Weiterreise nach Montenegro zu organisieren. Das mag vielleicht seltsam klingen: Gerade in Albanien angekommen und sofort die Weiterreise organisieren? Aber, ich habe ja ein Auto gebucht. Und wenn ich das Auto wieder in Tirana abgeben werde, finde ich es schön zu wissen, wie ich von hier zu meinem nächsten Ziel kommen werde. So machte ich mich also auf zu einem Busunternehmen, um mein Ticket für den 30.8. zu kaufen. Von außen nicht/kaum erkennbar befand sich das Office in einem ganz normalen Wohnhaus. Als ich ins Treppenhaus kam, traf ich eine Frau auf den Treppenstufen sitzend vor, einen Burger verzehrend. Ich fragte nach dem Büro und siehe da, die Frau sprach mich direkt deutsch an. Es stellte sich raus, dass Laura zwar Albanerin ist aber lange Zeit in München gelebt hatte. Während ich also mein Ticket kaufte, aß sie ihren Burger auf, und wir setzten uns in ein nahegelegenes Cafe, um uns zu unterhalten und kennenzulernen. Ihre Geschichte  erinnerte mich etwas an Eileen (Ibiza), die wegen ihres Mannes (ein Bayer 😉 ) arg um ihre drei Kinder zu kämpfen hat. Die Kinder leben derzeit in Heimen und Zwilligen wurde auch noch durch die deutschen Behörden getrennt. Es war eine lange Geschichte. Nebenbei erfuhr ich aber noch allerlei Interssantes über die Geschichte Albaniens.
Letztlich mußten wir aber aufbrechen, weil Laura noch einem Termin nachzugehen hatte. Wie es so  geht, verabredeten wir uns für den gleichen Abend um 19.00 Uhr an gleicher Stelle. Als pünktlicher Deutscher war ich natürlich 15 Minuten vor der Zeit da. Ich weiß nicht warum, aber ich rechnete nicht wirklich mit Lauras Erscheinen. Meine Vemutung wurde bestätigt. Um 19:15 räumte ich das Feld.

Am nächsten Morgen saß ich mit Ilir auf der Couch, breitete meinen Stadtplan aus und wollte meinen Tagesplan zurechtlegen. Tags zuvor hatte Ilir mir empfohlen an der „Free Walking Tour“ teilzunehmen, die täglich um 10:00 Uhr stattfindet, was auch sogleich meine Begeisterung hervorrief. Etwas verwundert fragte mich Ilir, was ich denn mache, ob ich nicht an der Tour teilnehmen wolle? Völlig entsetzt fiel mir das Vorhaben wieder ein, und ich schaute noch entsetzter auf die Uhr, die mir bereits 10:15 anzeigte. Jetzt schaute Ilir wiederum noch verdutzter! Wieso, sagte er, es ist doch erst 09:15 und ich habe doch noch 45 Minuten Zeit, um zum Treffpunkt zu gehen.

Sekunden später dachte ich an Laura. Sicher war sie doch zum Treffpunkt gekommen und hatte auf mich gewartet. Es lag an meiner nicht vorgenommenen Zeitumstellung, dass ich Laura nicht antraf. Vielleicht dachte sie: Wieder so ein blöder Deutscher, auf den man sich nicht verlassen kann und eine Frau eben mal versetzt. Peinlich, peinlich!
Ich bin aber ehrlich nicht auf die Idee gekommen, dass Albanien ein Land ist, in welcher die ganz normale MESZ gilt. Griechenland, Bulgarien, Rumänien: überall mußte die Zeit um eine Stunde vorgestellt werden.
Wenn es stimmt, dass alles im Leben eine Sinn hat, dann bin ich jetzt etwas enttäuscht, weil ich den Sinn gerade nicht erkennen kann. Da man sich aber meistens im Leben zweimal trifft, so bin ich auch gespannt, wann und unter welchen Umständen ich Laura wiedersehen werde.

Die „Free Walking Tour“ durch Tirana war wirklich empfehlenswert. Gazi, Albaner, der längerere Zeit in den Staaten gewohnt hatte, sprach ein perfektes und gut zu verstehendes Englisch. Mit Charme und Witz verstand er es seinen Anhängern seine Stadt zu zeigen und etliche geschichtliche und politsche Ergänzungen einfliessen zu lassen.

Wir trafen uns vor Historischen Nationalmuseum. Einem Bau aus sozialistischer Zeit, deutlich erkennbar an dem 4o0 qm großen Mosaik an der Frontfassade. Das Mosaik zeigt natürlich, wie sollte es anders sein, viele Symbole eines kriegerischen Arbeiter- und Bauernstaates.
Auf der linken Seite wird man an die rund 2000-jährige Verteidigung gegen verschiedene Einwanderer erinnert (Römer, Türken, Bulgaren…..). In der Mitte wird gezeigt, wie das Volk mit wehender Fahne in den Kommunismus marschierte. Zwischen den Kämpfern und dem Symbol für den Kommunismus sieht man einen Mann im Anzug mit einer Papierrolle in der Hand. Er steht für die Unabhängigkeitserklärung Albaniens im Jahr 1912. Die rechte Seite des Mosaiks zeigt die aktuelle Sitaution, in welcher das Mosaik entstand. Es zeigt den Kampf gegen den italienischen und deutschen Faschismus. Der rote Stern auf den Kappen der Kämpfer zeigt, dass sie kommunistische Partisanen sind, einer Organisation angehören, wo Männer und Frauen nebeneinander gekämpft haben

Weiter geht’s mit der Führung zum religiösen Herz der Stadt, die Et’hem-Bey-Moschee, die 1821 fertiggestellt wurde und als Einkuppel-Moschee mit Minarett gestaltet wurde. Eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten ist der Uhrturm von Tirana neben der Moschee. Er wurde in den 1820er Jahren erbaut und ist 35 Meter hoch. Bis in die 1970er Jahre war der Turm das höchste Gebäude der Stadt.

Den Mittelpunkt der Stadt bildet der Skanderbeg-Platz, der vom Historischen Nationalmuseum, dem Tirana International Hotel, dem Kulturpalast, der Et’hem-Bey-Moschee und dem dahinterstehenden Uhrturm und dem TID Tower, dem Gebäude-Ensemble aus der faschistischen Ära und die albanisch-orthodoxe Kathedrale der Auferstehung Christi  umkreist wird.

Vom Skanderbeg-Platz aus gehen die wichtigsten Straßen der Stadt sternförmig in alle Richtungen ab. So auch der Boulevard Dëshmorët e Kombit als eine zentrale Achse nach Süden. An dieser Straße befindet sich u.a. die Pyramide von Hoxha.

Der Ish-Blloku – „ehemalige Block“ – westlich des zentralen Boulevards, war ein Villenviertel, das vor der demokratischen Wende nur von den höheren Führungspolitikern bewohnt wurde, unter anderem von Enver Hoxha. In den letzten Jahren entstanden hier auf engstem Raum zahlreiche Cafés, trendige Bars, schicke Restaurants, Boutiquen, Bürogebäude und Hochhäuser wie der Sky Tower mit Drehrestaurant.

Östlich des Boulevards am Nordufer der Lana befindet sich die katholische Kathedrale St. Paulus.

In Sachen Fotografie schlägt mein Herz für Vergehendes. Ruinen, Marodes, Morbides, Zerfallendes – von all dem gibt’s in Tirana jede Menge zu sehen, wenn man in die Seitengassen eindringt.

Montag, 15.8.16/12:00 Uhr. Am Flughafen von Tirana nehme ich meinen Mietwagen in Empfang, und es geht ab nach Norden, nach Shkodra. Die Straße hierher ist erstaunlich gut und so komme ich recht zügig vorwärts. Gleichzeitig bekomme ich aber auch einen ersten richtigen Eindruck, was es heißt in Albanien ein Auto zu fahren.
Ja, es gibt Verkehrsregeln. Nein, es hält sich niemand daran. In Albanien fährt man erst seit 25 Jahren private Autos. Herr Hoxha hatte dies während seines Regimes verboten. Es gab nur Regierungsfahrzeuge und einige wenige Versorgungsfahrzeuge. Ansonsten bewegte man sich zu Fuß, mit dem Pferdefuhrwerk, der übrigens bis heute einzigen Eisenbahn und öffentlichen Bussen vorwärts. So darf man sich also nicht wundern, wenn einem auf der Autobahn Radfahrer und Fußgänger entgegenkommen. Auch Autos fahren seelenruhig auf der Standspur in der Gegenrichtung. Ich dachte immer Italien ist chaotisch. Nein, ich revidiere meine Meinung: es ist eindeutig Albanien. Wer hier keine starken Nerven hat, der geht hoffnungslos unter und gibt nach wenigen Stunden schweißgebadet auf.
In den Innenstädten bedarf es keiner 30er-Zone. Dadurch, dass Mensch und Tier ganz gemächlich kreuz und quer laufen, weder nach rechts noch nach links schauen, bleibt das Schritttempo die erste Wahl. Als Fußgänger verhungert man, wenn man am Zebrastreifen darauf wartet, dass Autofahrer einen passieren lassen. Mitten im Kreisverkehr stehen die Leute auf der Straße und unterhalten sich seelenruhig, während alles und jeder ohne Murren um diese Leute herumsteuert. Und, es ist durchaus üblich auch gegen die vorgeschriebene Fahrtrichtung im Kreisverkehr zu fahren. Die Polizisten pfeifen und winken wie verrückt, versuchen irgendwie den Verkehr in überschaubare Bahnen zu lenken. Sie stehen auf verlassenem Posten. Niemand, wirklich niemand intersssiert sich für diese armen Menschen.

In Shkodra wohne im „Green Garden Hostel“, geleitet von meinem albanischen Namensvetter ‚Michael‘. Ihm verdanke ich, dass ich drei phantastische Tage in den Albanischen Alpen verbrachte. Michael ist die Ruhe in Person, absolut tiefenentspannt. Ich bleibe zwei Tage in seinem Hostel und nutze die Zeit, um mir Shkodra und die nähere Umgebung anzusehen.

Shkodra liegt zwischen dem Skutarisee und den Flüssen Kir, Drin und Buna. Die Grenze zu Montenegro ist über die Straße nur 34 Kilometer entfernt.

Die 2400 Jahre alte Stadt ist seit jeher regionales Verwaltungszentrum. Heute ist Shkodra Amtssitz Stadtgemeinde sowie Hauptstadt des Bezirks. Die Stadt ist die Fünftgrößte des Landes.
Das kulturelle Leben Nordalbaniens spielte sich schon immer in Shkodra ab. Doch viele Shkodraner Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Gesellschaft waren in Vergangenheit auch von nationaler Bedeutung. Ihnen verdankt man beispielsweise die ersten Fotografien, die in Albanien geschossen wurden oder künstlerische Werke, welche das albanische Nationalbewusstsein für immer prägten. Nicht umsonst war die Stadt bis vor einem Jahrhundert eines der kulturellen Zentren Albaniens. Deswegen gilt das kulturelle und historische Erbe Shkodras als eines der bedeutendsten nicht nur in Albanien selbst, sondern in allen von Albanern bewohnten Gebieten in den Nachbarländern.

Das antike Shkodra lag hauptsächlich auf dem Burghügel Rozafa; eingeklemmt auf drei Seiten von den Flüssen Kir im Osten, Drin im Süden und Buna im Westen. Gegen Norden nur öffnete sich eine weite Ebene entlang des Skutarisees, die im Osten von Ausläufern der Albanischen Alpen begrenzt wird und wo sich heute das moderne Shkodra befindet. Auf der anderen Flussseite Richtung Süden erstreckte sich die Ebene bis an die adriatische Küste bei Lezha. Die Lage der Stadt Shkodra war in Vergangenheit – aber auch heute noch – von hoher strategischer Bedeutung, denn alle Handelsrouten von Westen mussten die Engstelle bei Shkodra passieren, um dann weiter Zentral- oder Südalbanien zu erreichen. Diese besondere Position verhalf der Stadt in ihrer Geschichte oftmals zu ihrem Reichtum bzw. machte sie zum Konfliktstoff rivalisierender Staaten oder Mächten.

Das heutige Stadtgebiet von Shkodra wird im Westen von Sümpfen des Skutarisees, im Südwesten von den drei Flüssen und im Osten vom Kir samt seinem ziemlich breiten Flussbett begrenzt. Im Norden öffnet sich die Ebene zwischen See und Bergland.

Erstmals erwähnt wird die Stadt in der Antike im 4. Jahrhundert v. Chr. als Scodra. Damals war sie Residenzstadt des illyrischen Stammes der Ardiäer, die über ein Gebiet zwischen den heutigen Staaten Albanien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien herrschten.

Am späten Nachmittag meiner Ankunft entschloss ich mich noch zu einem kleinen Ausflug in die nahegelegene Bergwelt. In einem Prospekt hatte ich Bilder von Prekal und der Brücke von Mes gesehen. Beides war mit dem Auto sehr leicht zu erreichen. Über eine enge und sehr kurvenreiche Strasse gelangt man nach Prekal. Als Ort kann man das eigentlich nicht bezeichnen, denn ich fand am Ende der Strasse lediglich zwei Häuser und eine Höhle vor. Das eine Haus schien bewohnt zu sein, das andere wurde als Gaststätte genutzt. Von Zeit zu Zeit schien auch die Höhle als Ort der Festlichkeit zu dienen.

Die „Ura e Mesit“ ist eine ottomanische Bogenbrücke rund acht Kilometer östlich von Shkodra. Auf dem Weg nach Prekal kommt man an ihr vorbei. Die vermutlich im 18. Jahrhundert erbaute Brücke überquert den Fluss Kir, der hier aus den Bergen in die Küstenebene rund um Shkodra tritt.

Hintergrund des 3-Tage-Trips in die Albanischen Alpen ist ein Film über Albanien. Hier auf YouTube anzusehen:

Insbesondere den Norden wollte ich sehen. Michael, mein Gastgeber im „Green Garden Hostel“ von Skodra hatte gute Verbindungen, um für mich diesen Trip weitestgehend zu organisieren. Los ging es mit einer Busfahrt von Skodra nach Koman, am gleichnamigen Stausee gelegen.

Der Koman-Stausee, liegt auf einer Höhe von 170 m. Das angeschlossene Wasserkraftwerk, ursprünglich nach Enver Hoxha benannt, hat mit vier aus Frankreich stammenden Turbinen eine Leistung von 600 MW, was damals die größte in Albanien und in Südosteuropa gewesen sein soll. Wegen Wasserknappheit musste die Stromproduktion in den letzten Jahren wiederholt drastisch heruntergefahren werden. Gespeist wird der Koman-Stausee neben dem Drin von der Valbona und der Shala.

Der See ist bis zu 96 Meter tief und Teil einer ganzen Reihe von Stauseen entlang des Drins. Er reicht bis an die Staumauer des Fierza-Stausees, während der vom Staudamm Vau-Deja gestaute Liqen i Vaut të Dejës fast bis zum Staudamm des Koman-Stausees reicht. Mit rund 500 Millionen Kubikmeter ist der Koman-See der kleinste Stausee der Kaskade.

Der See zieht sich als langer Schlauch über 34 Kilometer durch das schmale Tal des Drin und ist kaum je mehr als 400 Meter breit. In den engsten, von hunderten von Metern hohen Felswänden umgebenen Schluchten ist der See kaum mehr 50 Meter breit.
Eine Personenfähre, die auch Fahrräder und Motorräder transportiert, verkehrt täglich auf dem See von Koman nach Fierza. Die Fähren erschließen den Nordosten Albaniens mit der Stadt Bajram Curr und der Region von Tropoja. Die Fahrt dauert rund zweieinhalb Stunden. Kleinere Boote bringen Personen und Waren zu abgelegenen Dörfern, die oft weit entfernt hoch über dem See liegen, aber nur übers Wasser erreichbar sind.

Eine Fahrt auf dem Koman Stausee wird oft als eine der schönsten Bootstouren der Welt bezeichhnet. Die herrliche fjordartige  Seenlandschaft und die bis zu 1500m hohe Gipfel, sonnige Buchten und eine wunderbare Ruhe machen die Tour zu einem einzigartigen Erlebnis. Die Ufer des Sees sind weitgehend unberührt von menschlichen Aktivitäten – lediglich einige Bauern leben mit ihren Familien an den Berghängen. Die Tour führt vorbei an der Stena Schlucht sowie an der Insel des Friedens. Von hier gelangt man in den Shala Fluss (den Fluß, der die Sünden wäscht).

 

Nach einer ca. 1,5-stündigen Busfahrt werden die Passagiere in Valbona vor dem ersten und größten Hotel am Platze entladen. Es stellt sich schnell heraus, dass dies der unfreundlichste Ort der Reise sein sollte. Laut, genervt und hektisch geht’s hier zur Sache. Auf dem Busparkplatz werde ich von Vela angesprochen, eine Albanerin, die hier im Auftrag der Tourismusbehörde Fragebögen aushändigt, um die Zufriedenheit der ausländischen Gäste mit dem albanischen „Reise- und Hotelservice“ abzuklären. Ich mache mit Vela einen Deal: Während ich den Fragebogen ausfülle, sagt sie mir im Gegenzug, wo ich abseits dieses Rummels eine Nacht verbringen kann. Ich bekomme eine Adresse, die 15 Minuten zu Fuß entfernt sein soll. Dort soll ein Nachbar von ihr wohnen, der noch ein kleines simples Zimmer zur Verfügung hat. Mit diesem Zettel mache ich mich auf den Weg. Es stellt sich heraus, dass es sich um albanische 15 Minuten handelte. Umgerechnet ins deutsche Zeitmaß waren es 45 Minuten.

Aber es hatte sich gelohnt diesen Weg zu machen. Ich erreiche eine kleine Hütte, mitten auf einer Wiese stehend. Ein sehr ansprechendes Fotomotiv. Nachdem ich meinen Zettel vorgezeigt hatte, wurde ich in die obere Etage dieser Hütte geführt, wo ich ein kleines und sehr einfaches Zimmer vorfand. Für 10 € war ich hier willkommen. Nach einem Abendessen schlief ich dort tief und fest.

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, denn ich wollte etwas Vorsprung haben, bevor die anderen Leute sich aus dem großen Hotel auf den Weg machen. Während ich beim Frühstück saß, fiel mir ein Reiter auf, der Richtung Valbona unterwegs war. Um 07:00 hielt ein Minibus an meiner Bleibe, der mich die gestern zurückgelegte Strecke wieder zurück brachte. Um 7:10 Uhr war ich on tour.
Eine ganze Zeit lang ging es mitten entlang eines ausgetrockneten Flußbetts den Bergen entgegen. Ziemlich am Ende des Flußbetts traf ich jenen Reiter wieder, der es sich im Gras gemütlich gemacht hatte. Beide frühstückten genüßlich. Später sah ich die zum dritten Mal. Diesmal trug das Pferd diverse Ausrüstung von Wanderern. Zur gleichen Zeit holte mich Eric ein, Deutscher, aus dem Münsterland stammend, jetzt in Berlin lebend. Ein gutes Stück gingen wir gemeinsam. Später trennten sich unsere Wege wieder, da Eric keine Pause in einem der kleinen Cafés machen wollte, denn er wollte unbedingt den Bus von Theth nach Shkodra noch erreichen. In Simon’s Café traf ich dann Julian und Pixley. Er Ire, jetzt in  Yorkshire mit seiner aus der Karibik stammenden Frau Pixley wohnend. Irgendwie mochten wir uns auf Anhieb und hatten auch die gleiche Vorstellung von dieser Wanderung: nämlich langsam und gemütlich, öfter rasten und vor allem die immer wieder wechselnde und atemberaubende Aussicht genießen. Und so kam es, dass wir die ganze Tour gemeinsam machten. Dabei wurde viel auch viel erzählt und gelacht. Gegen 19:00 Uhr kamen wir dann in Theth an. Alle drei waren wir happy unser Ziel erreicht zu haben.
Mich holte 20 Minuten später Arian ab, der mich dann mittels 4×4 Jeep aus dem Tal wieder  mitten in die Berge beförderte, zum Alpbes Guesthouse – eine Empfehlung von Michael in Shkodra. Dort traf ich dann Pjieter mit seinen beiden Söhnen an. Pjieter ist Albaner, lebt aber jetzt seit einigen Jahren in Irland. Er kam als Flüchtling nach England. Seine Geschichte entsprach genau jener, wie man sie in der Vergangenheitso oft in den Medien gehört hat.
Pjieter saß damals (1995) in einem der völlig überfüllten kleinen Boote, die übers Mittelmeer ‚gen Italien steuerten. Das Bot war wohl für 10 Leute ausgelegt, tatsächlich beförderte es damals 24 Menschen. Einige der Menschen überlebten diese Reise nicht, Pjieter hatte jedoch Glück. In Italien wurde er dann mit 10 anderen Menschen in einem Lastwagen versteckt. 72 Stunden mußte er dort drin aushalten, so lange dauerte die Fahrt von Italien nach England. Ohne Klo, kein Wasser, keine Nahrung! In England nahm sich dann die Grenzpolizei seiner an. Wider Erwarten behandelte man ihn gut und respektvoll. Da Pjieter eine Schwester in Irland hatte, lag es nahe, dass man ihn dorthin „weiterreichte“. Mit seiner Schwester Hilfe gelang der unendliche Papierkram bei den Behörden. Mittlerweile spricht Pjieter ein perfektes Englisch, hat einen irischen Pass und vor allem sichere Arbeit.
Zudem war noch ein junges französisches Pärchen anwesend. Gemeinsam nahmen wir ein umfangreiches Abendessen ein. Natürlich durfte Bier und Raki nicht dabei fehlen. Völlig erledigt fiel ich dann ins Bett.

Während Julian und Pixley am nächsten Tag noch einen Ausflug zu einem Wasserfall und Natural Pool machten, entschloß ich mich den Tag an verschiedenen Plätzen rund ums Guesthouse zu verbringen. Die Umgebung hatte mich völlig in ihrem Bann und meine Augen konnten sich kaum von der Naturschönheit losreißen.

Die Rückfahrt nach Shkodra sollte sich etwas kompliziert erweisen. Pixley mailte mir, dass sie ein Taxi buchen könne, was 50 € kosten sollte. Arian, bot mir bereits bei der Hinfahrt die Fahrt nach Shkodra für 10 € pro Person an. Da dies preiswerter erschien, fragte ich Arian, ob er mich und das britische Ehepaar nach Shkodra fahren wolle. Er sagte zu.
Am Abend fragte dann Pixley an, ob eventuell noch eine vierte Person mitfahren könne. Und das war unser Glück. Denn bei der Nachfrage bei Arian stellte sich heraus, dass sich die Lage geändert hatte und er keine Möglichkeit sehe uns zu fahren. Diese Nachricht weiterzugeben war zunächst peinlich, doch Julian und Pixley sahen das entspannt. Am nächsten Morgen wurde seitens deren Hotel ein Transport organisiert.

Bis zur Paßhöhe war die Fahrt ein wahrer Höllenritt. Eine ziemlich intensiv genutzte Verbindung (Straße konnte man das nicht wirklich nennen) führt von Theth in Richtung Shkodra. Dabei handelt es sich um einen festgefahrenen Schotterweg, durchzogen von tiefen bis sehr tiefen Löchern sowie ausgewaschenen Wasserrinnen. Da ich Pixley nicht wirklich auf dem Schoß sitzen wollte, war es ein gutes Bauchmuskeltraining für mich, um das permante Schlingern zu kompensieren. Die Aussichten entlang der Strecke waren aber wieder mal phänomenal!

Wieder im „Green Garden Hostel“ angekommen, traf ich das französische Pärchen wieder. Und, wie es der Zufall will, wollten die beiden am nächsten Tag nach Tirana, um von dort mit dem Bus nach Sarander zu fahren. Mein Weg führte zwar zum Ohrid-See aber über Tirana und Elbasan. Eine gute Gelegenheit, den beiden Menschen das Leben leichter zu machen und sie bis Tirana mitzunehmen.

Auf dem Weg zum Ohrid-See machte ich an einem Restaurant zum Lunch halt. Es war Sonntag und offensichtlich erwartete man für den Abend eine größere Gesellschaft. Jedenfalls war man dabei einen Widder für den Grill herzurichten. Ein ziemlich bizarrer Anblick.

Ende der 90er-Jahre war ich schon einmal am Ohrid-See, allerdings auf mazedonischer Seite. Wie es im Leben so ist, man erinnert sich an eine schöne Zeit und erwartet, dass sie sich an gleicher Stelle wiederholt.
Pogradec, auf albanischer Seite am Ohridsee gelegen, erwies sich als Enttäuschung. Der Ort entpuppte sich als Touristenzentrum. Am kurzen, schmalen Strand tummelten sich viel zu viele Menschen. Entlang der Promenade, wurde alles feilgeboten, was sich irgendwie an den Touristen verkaufen läßt. Zudem Karussel, Wasserrutschen, Losverkäufer, Pommesbuden. Einfach nur schrecklich. Eigentlich hatte ich vor am Ohrid-See zwei Nächte zu verbingen. Dieses Vorhaben gab ich jedoch schnell auf. Es gab nämlich noch eine Alternative, den Prespa-See, etwas weiter südlich gelegen.

Also ab ins Auto und weiter nach Süden. Wieder ging es durch die Bergwelt mit tollen Aussichten. Auf der Paßhöhe (ca. 980m NN) hatte man den Prespa-See vor sich liegen. Und auch die Insel Malingrad war in Sicht – das eigentliche Tagesziel. Der See liegt im Dreiländereck von  Mazedonien, Albanien und Griechenland.

Auf der kleinen Insel Malingrad befindet sich ein Kleinod, die St. Mary’s Church. Es handelt sich dabei um eine Griechisch-Orthodoxe Höhlen-Kirche. Sie ist ein Kulturdenkmal, erbaut von dem Serben Kesar Novak im Jahr 1369. Besonders schön sind die noch einigermaßen gut erhaltenen Fresken. Betreten konnte man die Kirche leider nicht.

Wie der Ohrid-See für seine Forellen bekannt ist, so ist es der Prespa-See für seine Karpfen. Im angeblich besten Restaurant am See bestellte ich eine Portion. Wie soll ich sagen: Man servierte den Karpfen nach dem Motto „Goldbraun, wie mein schwarzer Hut“. Schade eigentlich.

Da es am Prespa-See keine Unterkunft gab, fuhr ich weiter nach Korca. Korça gilt als Geburtsort der albanischen Literatur und wird oft als „Wiege der albanischen Kultur“ bezeichnet. Die Stadtarchitektur mit ihren osmanischen und französischen Einflüssen, den breiten, von Bäumen gesäumten Boulevards und den üppigen Parkanlagen sowie den Stadtmärkten, Monumenten, Moscheen und Kirchen (byzantinische bis osmanische Zeit) macht Korça zu einer besonderen Seltenheit in Albanien.

Soweit die Theorie. Empfunden habe ich die Stadt als nervtötend laut und hektisch. Da ich aber an diesem Tag nicht mehr weiter wollte, suchte ich mir eine Unterkunft. Booking.com bot mir für 10 € das Hostel Xharsha an. 20 Minuten später stand ich vor der Tür.

Was für ein Empfang. Die ganze Familie stand am Eingang und hieß mich willkommen mit Kaffee und Raki. Man saß zusammen und erzählte. Hier traf ich übrigens Marco, aus Niedersachsen. Er sprach fließend Albanisch, da er mehrere albanische Freunde hatte, die ihm halfen diese Sprache zu erlernen. Mit ihm und meiner Gastfamilie saßen wir auch am Abend erneut zusammen und probierten dessen selbst gekelterten Rot- und Weißwein. Es wurde dann ein lustiger Abend, mit Musik und Tanz. So fiel mir am nächsten Morgen der Abschied verständlicherweise schwer. Wieder gab es einen Kaffee und als „Wegzehrung“ eine Flasche Weißwein. Viele Hostelbesitzer sind überaus gastfreundlich und sehen ihren Job eher als Hobby. Aber so eine warmherzige Gastfreundschaft erlebt man wirklich selten.

Zwischen Permet und Kelcyre wurde mir eine Schlucht empfohlen, die besonders sehenswert sein sollte. Wie immer ging auch diese Fahrt von Korca aus durch’s Bergland. Schon bald braute sich ein Gewitter zusammen und brachte zum Teil ziemlich starken Regen mit sich. Der Vorteil des Gewitters war, dass sich dramatische Wolken formierten und somit ein tolles Fotomotiv erzeugten.
Bei Badlionje, kurz vor Permet am Fluß Vjose gelegen, habe ich eine Brücke gefunden, die mich sehr an den alten Caminito del Rey erinnerte. Auch diese Brücke ließe sich nur mit Sicherungseinrichtungen überqueren. Aber einen gewisen Reiz übte die Brücke schon aus.

Von Permet aus fährt man im zunächst im weiten Tal nordwärts. Die erwähnte Schlucht befindet sich erst direkt hinter Kelcyre. Schmal windet sich dieses Schlucht durch’s Bergland. Zum Teil wild zerklüftet, dann wieder malerisch und friedlich. An einer der friedlichen Stellen befindet sich ein schön gelegenes Restaurant. Die meisten Besucher finden sich aber wohl auf der Brücke zum Restaurant, um den Fluß und seine Ufer zu fotografieren.

Gjirokastra wird auch die Stadt der Steine genannt. Sie ist eine der ältesten Städte des Landes. Die Stadt ist Geburtsort des ehemaligen Diktators Enver Hoxha und des bekanntesten albanischen Schriftstellers Ismail Kadare.

Die älteren Quartiere der Stadt sind am steilen Hang des Mali i Gjerë erbaut. Neuere Stadtteile ziehen sich abwärts bis zum Flussufer. Die Straße über den Muzina-Pass nach Saranda führt nur einige Kilometer südöstlich der Stadt. Der Burgfelsen, der das ganze Tal dominiert, wurde vermutlich schon im 3. Jahrhundert v. Chr. besiedelt. Erstmals mit Mauern befestigt wurde die Anlage im 6. Jahrhundert.

Die erste schriftliche Erwähnung von Argyrokastro stammt aus dem Jahr 1336 als Teil des Byzantinischen Reichs. Zwischenzeitlich hatte sich langsam eine Siedlung rund um die Burg gebildet.

Den Beinamen „Stadt der Steine“ verdankt Gjirokastra seinem einzigartigen Stadtbild. Markante, kleinen Trutzburgen ähnelnde Häuser prägen seit Jahrhunderten die Viertel um die Burg, die heutige Altstadt. Bedeckt mit Steinplatten aus den nahen Gebirgen dienten die Dächer früher dazu, die Innentemperatur der Häuser zu regulieren. Dies war für das Leben in dieser klimatisch kontinental geprägten Landschaft sehr von Vorteil. So blieben im Sommer die Häuser recht kühl, während im Winter große Kälte verhindert werden konnte. Ein anderer Grund für das Benutzen von Steinmaterial für die Dächer war, dass andere Materialien wie Ziegel viel teurer waren und Stein in der Umgebung reichlich vorhanden war. Weiße Außenfassaden, hohe Holzfenster sowie viele kleine Innenhöfe mit riesigen hölzernen Hoftoren charakterisieren das Altstadtbild. Entlang der steilen Hänge führen enge, kunstvoll gepflasterte Gassen, die die verschiedenen Viertel untereinander verbinden und im 18. Jahrhundert angelegt wurden.

Die Kommunisten hatten die kompakte und weitläufige Altstadt 1961 genauso wie Berat zur „Museums-Stadt“ erklärt, was sie unter besonderen Schutz stellte. Viele Häuser werden heute nur schlecht unterhalten und verfallen allmählich. Bereits 1988 wurde die Aufnahme der Museumsstadt von Gjirokastra in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes beantragt, aber wegen einiger moderner Bauten, die den Charakter der Altstadt störten, abgelehnt. Die Eintragung als ein seltenes Beispiel einer gut erhaltenen Stadt aus der Zeit der Osmanen erfolgte dann 2005.

 Die Anfahrt zu meiner Unterkunft (Hotel Shtoni) gestaltete sich sehr kompliziert. Dazu muss man wissen, dass der oben auf dem Berg gelegene Altstadtbezirk zwar ein Kopfsteinpflaster aufweist, aber der Touristen wegen, befahrbar ist. Unten im Tal ankommend trifft man auf die Neustadt und die hat eigentlich keine befahrbaren Strassen, jedenfalls nicht für Autos meiner Größenordnung. Die Straßen gleichen eher dem oben beschriebenen Pfad durch die albanischen Alpen von Theth nach Shkodra. Auf diesen zerfurchten Wegen tummelt sich alles. Die Einwohner scheinen damit gut zurecht zuzukommen. Meinerseits plagte mich die Sorge, dass das Auto hier Schiffbruch erleidet. Letztlendlich kam ich dennoch heil an meinem Ziel an und war froh, als das Auto endlich in der hoteleigenen Garage stand. Aber irgendwann muss ich ja auch wieder hier weg – oh je!

 

Die Abfahrt vom Hotel Shtoni in die Innenstadt gestaltete sich diesmal weniger dramatisch, da ich mir am Vortag den besten Weg gesucht hatte. Nachdem ich die Stadt Gjirokostra verlassen hatte, führte mich der Weg zum sogeneannten ‚Blue Eye‘. Hierbei handelt es sich um eine Karstquelle am Westabhang Gebirges Mali i Gjerë. Es ist mit 6 m³/s die wasserreichste Quelle des Landes.

Das Wasser tritt unter hohem Druck aus einem Quelltopf hervor, dessen genaue Tiefe noch nicht erkundet werden konnte. Die Temperatur beträgt 12,75 °C mit einer maximalen Abweichung von lediglich 0,15 °C. Vor dem Hintergrund des hellen Kalksteins hat das Wasser im Sonnenlicht eine tiefblaue Farbe, die ihr auch den Namen verleiht. Das Wasser von Syri i Kaltër fließt in die Bistrica ab, die kurz nach der Quelle zur Energiegewinnung gestaut wird.

Die unmittelbare Umgebung (180 ha) steht unter Naturschutz und ist durch Eichen- und Platanenhaine gekennzeichnet. Obwohl als Schutzgebiet ausgewiesen, wurde Ende der 1990er Jahre der Bau eines Restaurants bei Syri i Kaltër gestattet, wodurch die Umgebung viel von ihrem ursprünglichen Reiz verloren hat.

Von diesem wunderbaren Ort ging’s weiter in Richtung Himare. Aus dem Bergland kommend eröffnet sich mir der Blick auf die Albanische Riviera. In Bursh will ich eine kleine Mittagspause einlegen und halte vor einem äußerlich unscheinbaren Restaurant. Das Erstaunen ist groß als ich das Restaurant betrete. Es ist direkt an einem Wasserfall gebaut worden. Auf kleinen Inseln stehen einladende Tische für die Gäste bereit. Da ich jetzt am Mittelmeer angelangt bin, liegt es nahe Fisch zu essen. Im Gegensatz zu dem Karpfen am Prespa-See ist dieser Fisch ganz hervorragend gegrillt worden. Außen knusprig – innen saftig. Dazu einen gigantischen gemischten Salat. Diesmal wird das Mittagessen etwas teuer, aber mit 13,00 € immer noch akzeptabel.

Ich wohne im Himara Hostel. Ein ziemlich großes Anwesen, dass der Inhaber von seiner Verwandtschaft übernommen hat, um eben jenes Hostel einzurichten. Entspannte Atmosphäre. Das Leben spielt sich draußen ab. Im Garten wird campiert, am Lagerfeuer gesessen, die Mahlzeiten eingenommen, die Hitze des Tages auf  den diversen Sonnenliegen oder in Hängematten „ertragen“. Das Hostel ist gut besucht – es hat sich rumgesprochen, dass man hier gut leben kann. Die Zimmer großzügig, luftig, zum Teil sogar mit Moskitonetzen ausgestattet. Und Fliegen sowie Moskitos gibt es hier genug – sie sind allgegenwärtig.

Der Ort selber: touristisch. Am Stadtstrand hat man eine Promenade gebaut, wo sich verschiedene Geschäfte und Restaurants etabliert haben. Etwas höher und abseits gelegen entdecke ich ein fantastisches Restaurant, von wo aus man, bei einem guten Abendessen, die Sonne hinter den Bergen verschwinden sieht und einen schönen Blick über die Stadt und das Meer hat.

Am nächten Tag steht ein Ausflug nach Porto Palermo mit dessen Kastel des Ali Pascha auf dem Programm.

Die Burg wurde im frühen 19. Jh. von Ali Pascha erbaut. Anfangs war die kleine Insel isoliert, später verband man sie mit dem Festland. Die Burg ist als Dreieck angelegt und besitzt starke 5-eckige Türme. Die umgebende Mauer ist gut 3 m dick. Entlang derer befindet sich ein Umlauf für die Wachen. Wie so manche Burg wurde auch diese mit einem Gefängnis ausgestattet. Im 2. Weltkrieg wurde die Burg genutzt um Militäreinheiten unterzubringen. Gegenüber der heutigen Halbinsel befindet sich auch ein kleiner Mitlitärhafen.

Den Rest des Tages verbringe ich am Starnd von Dhermi, nördlich von Himare. Nichts besonderes, aber ein schöner Fleck, um die Sonne und das Meer zu genießen.

Am 27.8. führt die Fahrt von Himare über Vlora nach Berat, meiner letzten Station, bevor ich wieder Tirana erreiche, um mein Auto zurück zu geben.

Wie immer muss man auch hier wieder durch und über die Berge. Die Paßhöhe erreicht man in immerhin 1026 m NN. Von hier hat man einen tollen Blick ins Tal, auf den nahegelegenen Strand und das Meer. Ein offensichtlich ideales Gebiet für Paraglider.

Hinab fahrend, das Tal erreichend, ändert sich die Umgebung drastisch. Ich erreiche eine Uferstrasse, endlos, kilometerlang. Auto an Auto in beide Richtungen. Auf der einen Seite Hotels, auf der anderen Seite der Strand. Öde, langweilig,stickig und restlos überlaufen. Am Ende dieser  Straße liegt Vlora, eine Hafenstadt. Eingehüllt in Staub und Dreck. Die mit Abstand wohl häßlichste Stadt Albaniens, die nicht eine Minute eines Aufenthalts wert ist. Ebenso die die Stadt Fier, etwas weiter landeinwärts gelegen.

Mein  Ziel heiß Berat, die Stadt der 1000 Fenster. Berat ist eine der ältesten Städte Albaniens und wurde 1961 offiziell zur Museumsstadt ernannt.Berat ist mit seinen drei kompakten Altstadt-Quartieren Mangalem, Gorica und Kalaja und den vielen Moscheen und Kirchen eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes. Mangalem zieht sich den Hügel zur Burg hinauf. Die Häuser stehen sehr dicht, die Fassaden zum Tal haben alle große Fenster. Dem Viertel verdankt deshalb die Stadt ihre Bezeichnung „Stadt der tausend Fenster“.
Das Berater Stadtbild wird von der osmanischen Architektur geprägt, wie man sie vergleichbar beispielsweise auch in Gjirokastra und Ohrid antrifft.

In den frühen Abendstunden erreiche ich wieder Tirana. Da ich immer noch das Auto habe und ich auch dafür eine Stellmöglichkeit brauche, kann ich nicht wieder im „Tirana Metropol 23 Hostel“ übernachten. Die Wahl fällt auf das „Hostel Albania“. Ziemlich versteckt in einer kleinen Gasse, ist es in einem Wohnhaus in der obersten Etage untergebracht. Das hat den Vorteil, dass man einen Zugang zum Flachdach hat, welches nett hergerichtet ist, um vor allem die Abendstunden mit einem tollen Blick über die Stadt genießen zu können.

Geleitet wird das Hostel von Klaas und und Meggie. Klaas ist Deutscher, ist vor 8 Jahren nach Tirana gezogen. Damals gab es hier nur ein einziges Hostel. Seinen Wunsch nach einer Erweiterung des Hostelangebots setzte er um. Seine liebenswürdige und verbindliche Art machen dieses Hostel zu einen lohnenswerten Anlaufpunkt. Vor nicht allzu langer Zeit hatte er sein nebenbei eröffnetes Restaurant für Vegane Küche wieder geschlossen. Seine Vorstellung war, die Locals von dieser Küche zu überzeugen, indem er seine Küche öffnete, damit jedermann ihm beim Zubereiten der Speisen zusehen konnte. Leider ist dieses Konzept nicht angenommen worden. Statt der Locals kamen ausländische Besucher mit einem gehobenen Anspruch in sein Lokal. Grundsätzlich nicht schlecht, aber das war es nicht, was Klaas wollte. Seine Kochkünste präsentiert er nun in seinem Hostel, indem er zwei- bis dreimal wöchentlich für seine Gäste kocht. Ich hatte das Glück sein hervorragendes Gaspacho sowie sein Panang Curry mit Gemüse und Reis kosten zu dürfen.

Nach rund 1100 km Rundreise mit dem Auto durch Albanien kommt nun der Augenblick des Abschiednehmens. Für Dienstag, 30.8.16 ist die Busfahrt nach Podgorica in Montenegro gebucht. Viel Schönes habe ich inzwischen über dieses kleine Land gehört. Jetzt bin ich gespannt, wie ich es empfinden werde.