Bulgarien

Unterkünfte

Moreto & Caffeto Hostel, Sofia

Canapé Connection Hostel, Sofia

Old Plovdiv Hostel, Plovdiv

Yablanitsa Mountain Huts


Sofia 22.7. bis 25.7.16 und 08.08. bis 10.08.16
Rila mit Ausflug zum Kloster Rila 25.7. bis 27.7.16
Stara Kresa (Debeli Dab Eco Village) mit Ausflug nach Vlahi, Melnik und Kloster Rozhen,   27.07.bis 28.07.16
Plovdiv mit Ausflug zum Rosenmuseum in Kasanluk, Kloster Bachkovski 29.07. bis 31.07.16
Sozopol 31.07. bis 03.08.16
Weliko Tarnovo mit Ausflügen zum Capinovo Natural Pool, Kloster St. Nikolai (Arbansi), Kloster Transfigurationund zur Devitaki Höhle  03.08. bis 06.08.16
Yablanitsa Mountain Huts mit Ausflügen zum Kloster Troyan, zur God’s Eyes Cave und Kloster Glozhene 06.08. bis 08.08.16


Am 22.07.16 habe ich mich in Medias, Rumänien, verabschiedet. Mitten in der Nacht sollte mich der Zug von Medias über Bukarest nach Sofia bringen. Um 03:09 war die Abfahrt geplant. Mit rumänischer Pünktlichkeit trudelte langsam und gemütlich der Zug um 03:55h ein. Wie gut, dass es nicht regnete, sondern es eine laue Sommer-Vollmond-Nacht war. So fiel das Warten leicht. Für die Fahrt nach Bukarest hatte ich mir ein Schlafwagenabteil gemietet. Gedacht war das Abteil für 2 Personen, tatsächlich hatte ich es für mich allein. Dementsprechend kam der Zug dann auch statt um 09:30 erst um 10:20 in Bukarest an. Wie gut, dass zum Umsteigen reichlich Zeit blieb.

Um 12:50 fuhr erstaunlich pünktlich dann der rappelvolle Zug nach Sofia ab. Dafür stand der Zug aber an der rumänich-bulgarischen Grenze geschlagene 2,5h in der Sonne – ohne laufende Klimaanlage versteht sich. Zum einen sammelten die Grenzer die Papiere der Passagiere erstmal ein, um sie gelassenen Schrittes zur Bearbeitung ins Büro zu tragen. Selbstverständlich fand auch die Rückgabe ohne Zeitstress statt. Erstaunlich fand ich, dass die Ausweise tatsächlich ihren Besitzer wiederfanden. Zum anderen, so sagte man, habe die Lokomotive ihren Geist aufgegeben, so dass Ersatz beschafft werden mußte. In Sofia landeten wir dann schließlich wieder mit der gewohnten 50-minütigen Verspätung um 23:30h. Summa summarum dauerte die Reise von Haus zu Haus dann 22,5h Stunden.

Meine Unterkunft im Hostel Gulliver in Sofia für’s Wochenende war recht spartanisch. Zu Fünft in einem sehr engen und heißen Raum. Das Haus von außen runtergekommen. Auch das Treppenhaus wenig ansprechend. Das Bad ein langer schmaler Raum, keine Fenster. Dementsprechend hatte auch die Wandfarbe ihre liebe Mühe sich auf dem Putz festzuhalten. Für den Schimmel ein Paradies. Keine Küche, kein Gemeinschaftsraum. Naja, ich wollte ja sowieso nicht im Haus bleiben, sondern vielmehr die Zeit nutzen um mir die Stadt anzusehen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Sofia muss man nicht gesehen haben. Eine Kathedrale mit einem kleinen Ikonenmuseum, zwei, drei kleine Kirchen, eine Moschee und ein Geschichtsmuseum – damit erschöpfen sich die Sehenswürdigkeiten auch schon, wenn man vom Präsidentenpalast und dem Sitz der Minister (beides dem Gigantismus zum Opfer gefallen) absieht.

Über das Internet hatte ich ab Montag für 14 Tage ein Auto gebucht. Wie sonst üblich bekam ich kein eVoucher zugeschickt, aber auch keine Absage per eMail. Meine Erwartungen/Vermutungen wurden bestätigt: Man hatte kein Auto für mich zur Verfügung gestellt. Bei der Konkurrenz bekam ich dann doch noch ein Fahrzeug, zwar nicht zu einem Preis von 22,00 €/Tag, sondern für 27,00 € aber letztlich immer noch die preiswerteste Variante im Vergleich zu den Mitanbietern. Da ich wirklich gerne flexible durch’s Land reisen wollte, nahm ich das Angebot an.

Und so holte ich dann mit dem Auto meinen Rucksack im Hostel ab und machte mich auf die Reise nach Rila. Für den ersten Tag nicht wirklich weit, gerade mal 60km nach Süden. In Rila gibt es quasi nur eine Unterkunft, ein Hotel – Hotel Zentaur – für 20,00 € pro Nacht. Für Bulgarien ein sehr westlich orientierter Preis. Gleich bei meiner Ankunft kamen mir Ulla und Gitte im Treppenhaus entgegen. Zwei Däninen meines Alters. Schwuppdiwupp waren wir auch schon im Gespräch. Gemeinsam machten wir uns dann auf in den Ort, um ein Bierchen zu trinken und uns weiter kennenzulernen. Was lag näher als auch am nächsten Tag gemeinsam zum Kloster zu fahren.

Während unserer Unterhaltung setzte sich ein Ehepaar am Nachbartisch dazu,  welches sich ganz offensichtlich für unser Gespräch interessierte. Ein Ehepaar aus UK, Urlaub in Rila machend. Er, finanziell gestrandeter Künstler, der nach einem Ort in Europa suchte, um preiswert Urlaub zu machen. Mittlerweile hat er sich hier, mit Hilfe seiner Nachbarn ein kleines Häuschen eingerichtet, wo er mit seiner Frau regelmäßig die Ferien verbringt. Die beiden kannten sich dementsprechend gut in der Umgebung aus und gaben uns allerlei Tipps, was man sich in und um Rila alles ansehen könne. Mir schien, man hätte hier durchaus eine Woche bleiben können, so viele Wanderungen wären möglich gewesen. Naja, jedenfalls lud man uns drei am Abend nach Hause ein, wo wir mit ihnen ein paar gemütliche unterhaltsame Stunden auf der Dachterrasse bei Wein und Salat verbrachten.

Eigentlich wollte ich nur eine Nacht in Rila verbringen. Da wir Drei uns aber so gut verstanden, beschloss ich eine weitere Nacht dort zu bleiben.

Am nächsten Tag (26.07.16) dann der geplante gemeinsame Ausflug zum Kloster Rila. Das Kloster, aber auch die ganze Region ist nach seinem Gründer Ivan Rilski benannt worden. Es wurde in den Jahren 927 bis 941 an der Stelle der Hütte des Einsiedlers errichtet.

Während seiner Geschichte wurde das Kloster mehrmals zerstört und wieder auf- bzw. umgebaut. Im Innenhof entstand während der Herrscherzeit des Protosebastos Dragovol Hrelyo  ein Wehrturm. Im 14 Jh. erhielt das Kloster großzügge Stiftungen durch die Zaren Ivan Alexander und Ivan Sishman. Eines der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte des Klosters war die Reliquienüberführung des Hl. Ivan von Rila im Jahr 1469.

1778 fiel das Kloster einem Feuer zum Opfer. Sechs Jahre später wurde es von dem Baumeister Aleksi Pilets wieder neu aufgebaut. 1833 – erneut Feuersbrunst. Und erneuter Wiederaufbau durch denselben Baumeister. Durch Unterstützung aus allen Landesteilen Bulgariens nahm das Kloster 1835 das heutige Aussehen an. Die Wandmalereien faszinieren mit ihren bewundernswerten Farben. Es ist immer wieder erstaunlich, wie gut sich die Farben gegen die Wetter-/Klimaeinflüsse über Jahrhunderte behaupten. Die Kirche befindet sich im rechteckigen Innenhof, um den Wohn- und Verwaltungsgebäude mit mehr als 300 Mönchszellen angeordnet sind.

1961 wurde das Kloster zum Nationalmuseum erklärt und 1976 zum Nationalhistorischen Reservat. Der Stolz der Museumssammlung sind Meisterwerke wie das Raphaelkreuz (Es ist aus Zedernholz geschnitzt. Der Mönch Raphael arbeitete von 1790 bis 1802 daraun. Es zeigt 1500 teilweise reiskorngroße Gestalten in biblischen Szenen.) und die berühmte Ikone des Hl. Ivan von Rila, eine Vielzahl von Handschriften, alte Buchdrucke, Dokumente, Altertümer, Zepter, Ikonen, Waffen und eine Münzensammlung. Seit 1983 steht das Rilakloster unter der Ägide der UNESCO und wurde zum Denkmal des Weltkulturerbes erklärt.

Hinter  dem Kloster führt ein Wanderweg zur kleinen Kirche St. Luca. Diese wurde am Ende des 18. Jh. erbaut. Ivan Rilski’s Neffe, ebenfalls eine Eremit, wurde hier von einer giftigen Schlange gebissen und verstarb.

Im Fernsehen hatte ich von einem Ort namens Vlahi gehört. Hier besann man sich auf eine alte Hunderasse, den Karakachan. Der Karakachan war, wie in vielen anderen Ländern des Balkan auch, der wertvollste Besitz der Hirten. Sie beschützten zuverlässig die oftmals bis zu 12.000 Tiere starken Herden vor Beutegreifern und Dieben. Es handelt sich um einen muskulösen, harmonisch entwickelten Hund, dessen Aussehen Respekt einflößt. Selbstsicherheit kombiniert mit einer außergewöhnlichen Treue haben ihn zu einem einzigartigen Freund der Menschen gemacht.
Aber nicht nur Hunde, sondern auch alte Ziegen- und Pferderassen des Balkans werden hier wieder gezüchtet.

Der Ort selbst liegt versteckt am Südrand des Piringebirges. Die Zufahrt ist nur über einen Schotterweg möglich und dauert bei vorsichtiger Fahrweise dementsprechend lange. Unterkunft findet man in diesem Ort nicht. Also blieb ich in Stara-Kresna in einem „Ökodorf“ hoch oben in den Bergen. Herrliche Aussicht und Ruhe findet man hier und auch einen ersten Karakachan.

Vlahi

Am 29.07. führte mich mein Weg dann zunächst weiter nach Süden nach Melnik und zum in der Nähe gelegenen Kloster Rozhen.

Melnik ist die kleinste Stadt in Bulgarien. Sie wurde von den Thrakern gegründet, danach von den Römern, den Byzantiniern und den Slaven besiedelt. Weinbau und Weinherstellung sind seit jeher mit diesem Ort verbunden. Auffallend sind die Stadt umgebenden ‚Lehmpyramiden‘, die als Weinkeller dienen. Höhlen, die in die Berge geschlagen wurden, dienen bis heute der Weinlagerung.

Etwa 4 km nordöstlich der Stadt, in den südwestlichen Hängen des Piringebirges eingebettet, befindet sich das Kloster Rozhen aus dem 13. bis 14. Jh. Von hier eröffnen sich einmalige Blicke zu den Gipfeln der Gebirge Pirin und Belasitsa, sowie zu den bekannten Melniker Mels, das sind durch Erosion gebildete pyramidenförmige Erhebeungen aus Lehmboden.
Nach der Befreiung von der türkischen Fremdherschaft blieb die Stadt lange isoliert von der Hauptverkehrtsader Sofia-Thessaloniki und begann zu verfallen.

Von Melnik wollte ich ursprünglich direkt über die Berge nach Plovdiv. Jedoch schon wenige Meter abseits der Hauptroute wurde ich eines besseren belehrt. Hier wäre ein hochbeiniger 4-Radantrieb notwendig. Also wieder zurück bis Kresna und von dort über Bansko nach Plovdiv, wo ich mich bis zum 31.07.16 in einem der schönsten Hostels eingemietet hatte – Im Old Plovdiv Guesthouse. Die nachfolgenden Bilder sprechen für sich:

Im 1. Jahrtausend v.Chr. gründeten rund um die drei östlichen Hügel der Stadt die Thraker die antike Siedlung Eumolpia. Im Jahr 342 v.Chr. wurde die Stadt von Philipp II. von Makedonien erobert, in Phillippoupolis umbenannt und zur Festung umgebaut.  Später im 3. bis 1. Jh v.Chr. war die Stadt den ständigen Überfällen der Kelten ausgesetzt. Ab dem 1. Jh. fiel sie unter römische Herrschaft und wurde rasch zu einem wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Zentrum der Provinz Thrakien. Ende des 6.Jh. mit dem Erscheinen der Slaven wurde sie in Puldin umbenannt. Im Jahr 815 schließt sie Khan Krum in die Ländergrenzen des ersten Bugarischen Reiches ein. Von diesem Zeitpunkt an bis zum Fall unter die türkische Fremdherrschaft wechselt Plovdiv (nun mit diesem Namen) ständig entweder in bulgarische oder in byzantinische Hand.

Plovdiv ist heute ein großes Kultur- und Bildungszentrum. Das Antiktheater wurde zu Beginn des 2.Jh. während der Zeit des Imperators Trajan erbaut. Es war eines der bedeutendsten öffentlichen Gebäude. Es konnte zwischen 5000 und 7000 Zuschauer aufnehmen.

Das Ethnographische Museum wurde 1917 geschaffen. Im Jahr 1952 wurde es zum Spezialmuseum umstrukturiert. Es ist in Alt-Plovdiv in einem der sehenswertesten Häuser untergebracht.

Die Metropolitankirche  Hl. Marina  wird für eine der ältesten Kirchen gehalten

31.07.16:
Das Bachkovo-Kloster befindet sich am südlichen Ende des Rhodopen-Dorfes Bachkovo, 10 km südlich von Asenovgrad. Das Kloster wurde 1083 vom Georgier Gregor Pakourianos gegründet, der für dessen Bau eine Schenkung machte.
Ende 12.- Anfang 13. Jahrhundert wurde die Winterkirche „Sveti Arhangeli“ (Heilige Erzengel) des Klosters gebaut, die mit den Zöllern (Chardak) im zweiten Stock des Westflügels verbunden war, wo sich die Mönchszellen befanden. Man vermutet, dass der letzte bulgarische Patriarch Evtimiy nach der Eroberung Bulgariens durch die Osmanen (Ende 14. Jahrhundert) in das Kloster verbannt wurde.
Ausgangs des 16. Jahrhunderts begann der Bau neuer Klostergebäude. Wahrscheinlich ist in dieser Zeit auch der Ostflügel mit dem befestigten Haupttor entstanden. 1601 wurde der Südflügel umgebaut, wo sich die Klosterküche und ein geräumiger Speiseraum mit Marmortisch befinden, der das Baujahr preisgibt.
1864 wurde die Nordwand des Speiseraumes mit der Szene „Heraustragen der wundertätigen Ikone“ ausgemalt. 1604 entstand die dreischiffige Konzilskirche „Uspenie Bogorodichno“ mit Altarnische, Narthex und Kuppel.
1833 wurde der Wirtschaftshof um neue Gebäude erweitert. 1834-37 entstand die dritte Kirche, die dem Heiligen Nikolai geweiht ist. 1838-1840 wurde sie von Zahari Zograf, einem berühmten bulgarischen Ikonenmaler (1810 -1853), ausgemalt. Letzterer dekorierte 1841 auch den Vorraum der Erzengelkirche.
In der Konzilskirche wird die in Silber gefasste Ikone der Heiligen Jungfrau Maria aus dem Jahr 1311 aufbewahrt, der man wundertätige Kräfte zuschreibt. Darüber hinaus sind im Kloster Ikonen, Silberfassungen für Evangelien sowie weitere Kunstwerke aus dem 16.-19. Jahrhundert zu sehen. Aus dem 17. Jahrhundert sind die Holzschnitzereien der vergoldeten Ikonostase und der Zarentüren in der Hauptkirche erhalten. In der Konzilskirche sind der bulgarische Exarch Stefan I. (1978 – 1957) und der bulgarische Patriarch Kiril (1901 – 1971) beigesetzt. Im Museumskloster werden einige der ältesten Exponate aus der Geschichte des Klosters aufbewahrt.
Der Lieblingsplatz der Pilger und Besucher ist der Hof des Bachkovo-Klosters, auf dem Kaki-Bäume und Davids-Kiefern wachsen. Das Kloster ist ein funktionierendes Mönchskloster und bietet Übernachtungsmöglichkeiten für Besucher.

Schon immer wollte ich mal an’s Schwarze Meer. Weiß der Kuckuck warum! Im letzten Jahr wollte ich nach Constanza, Rumänien. Man riet mir jedoch davon ab, da die Jahreszeit bereits zu weit fortgeschritten war. Dementsprechend sei alles geschlossen und die Stadt selbst sei auch nicht unbedingt sehenswert.

Dieses Jahr also nun auf der bulgarischen Seite. Ich entschied mich für Sozopol, weil es hier ein kleines Hostel gibt, welches gerade mal 10,00 € pro Nacht haben will. Für die Gegend und die Jahreszeit ein wahres Schnäppchen, denn in der näheren und weiteren Umgebung liegen die Preise um ein Vielfaches höher. Zudem wurde mir in Plovdiv das Hostel von einem Backpacker empfohlen.

Das Hostel mit dem eingehenden Namen „Just A Hostel“ liegt mitten in der Altstadt in der Fußgängerzone. Das bedeutete für mich, dass ich das Auto außerhalb auf einem öffentlichen Parkplatz abstellen musste. Aber das war okay. Die Zimmer luftig und groß, das Bad: bulgarisch klein. Aber alles funktionierte. Der Gastgeber, Ivan, ein zwei Meter Riese, absolut tiefenentspannt und super freundlich.

Sozopol ist eine der ältesten Schwarzmeeransiedlungen. Die Altstadt ist ein Architektur -Historisches Reservat mit typisch für die Schwarzmeerarchitektur erhaltenen Häusern. Über 200 Häuser aus der Mitte des 18. und Beginn des 19. Jh. mit ihrer eigenständigen Meeresarchitektur und den engen Pflastersteingassen verleihen der Stadt romanisches Flair.

Sozopol ist neben Nesebar einer der beliebtesten Orte für den Sommertourisus. Und so wundert es nicht am Strand die Sonnenschirme und Liegen aufgereiht zu sehen, ganz wie im heimischen Deutschland an der Ostsee. Alles schön in Reih und Glied. Zu miten für 14,00 BGN = 7,00 € am Tag. Ganz billig ist Bulgarien hier auch nicht. Man nutzt die Saison, denn im Winter läßt sich hier niemand blicken.

Kasanlak ist eines der Zentren im Rosental zwischen Balkangebirge und dem Höhenzug Sredna Gora. Sie ist die Stadt der Rosen und Rosenölprodukte. In Deutschland habe ich über das tal der Rosen eine Dokumentation gesehen. Deswegen zog es mich hierher. Leider auch etwas spät, denn die Rosenblütenernte findet im Mai statt.

Kasanlak wurde um 1300 n.Chr gegründet, um den nahgelegenen Schipkapass militärstrategisch abzusichern. Im Russisch-Türkischen Krieg (1877-1878) war es ein wichtiger Kriegsschauplatz. Kasanlak war schon früher wegen seiner Rosenölerzeugung bekannt. In Kasanlak befindet sich das einzige Institut der Balkanhalbinsel für den Anbau von Pflanzen zur Gewinnung ätherischer Öle.

Ein Besuch im Rosenmuseum lohnt.

Weliko Tarnowo liegt an den steilen Nordhängen des Balkangebirges, wo sich der Fluss Jantra eine tiefe in Mäandern verlaufende Schlucht durch das Gestein herausgearbeitet hat. Durch die Fluss-Erosion sind mehrere größere Hügel entstanden wie der Zarewez, der Trapesiza oder der Sweta Gora (deutsch: heiliger Berg). Auf dem Zarewez entstand auch die erste kleine Festungsanlage, um die herum sich in Jahrhunderten der heutige Ort entwickelte.

Vom 10.2. bis 16.4.1879 kamen die Deligierten der Verfassunggebeenden Versammlung in der Stadt zusammen, um die Tarnovoer Konstitution, das erste Grundgesetz des freien Bulgarien anzunehmen.

Auf dem Hügel Zarevets erstreckte sich die Hauptfestung des mittelalterlichen Tarnovo, in ihrem Zentrum der Zaren- und der Patriarchenpalast. Der Patriarchenkomplex stellt mit seiner stabilen, umgebenden Festungsmauer und seinem Haupttor im Westen ein eigenständiges Architekturensemble dar.

Wie fast überall ist die Altstadt der sehenswerteste Punkt dieser Stadt. Hier findet man kleine Gassen mit ihren kuscheligen Geschäften. Von Souvenier bis Minirestaurant, vom Kaffee, welcher im heißen Sand gekocht wird bis hin Kunstgeschäften jeglicher Art.

Hier befindet sich auch der wohl einzige Skywalk in Europa, auf jeden Fall aber Bulgariens. Architekturstudenten haben ihn gebaut. Ein, zwei Meter Überstand und ein etwas durchscheinender Boden sollen einem das Gefühl des Schwebens vermitteln. Wirklich schwindlig kann man hier nicht werden, ist es doch eher ein etwas tiefer ausgefallener Balkon, von dem man einen netten Blick auf das am Berghang „klebende“ Tarnovo hat.

Auch eine hübsche Kathedrale kann man besuchen, nichts Aufregendes, aber bei Nacht wunderbar beleuchtet.

Auf einer Insel im Fluss ist ein wirklich sehenswertes Monument errichtet worden. Es zeigt die vier Könige Bulgariens auf ihren Pferden. Die Stellung des Pferdes ist es aber, die den König und seine Position interpretiert: Je mehr Beine des Pferdes auf dem Boden stehen, desto stabiler und sicherer ist die Position des Königs.

Um auf die Insel zu gelangen bedarf es einer Brücke. Ich konnte nicht herausfinden, warum auf dem Asphalt der Brücke mehrere Umrisse von toten, auf der Brücke liegenden Personen zu sehen sind.

Auf der Brücke stehend befindet sich linkerhand ein Betonbau aus sovietischer Zeit. Nun haben Plattenbauten dieser Art sowieso den Charme einer kalten Bahnhofshalle. Dieser Bau aber strotzt vor Dreck und Zerfall. Unter ihm ein Dschungel von Pflanzen, die sich bis zum Fluss erstrecken. Früher sicher mal gepfegt. Nie im Leben hätte ich erwartet, dass sich hinter diesem abstoßenden Äußereren ein 4-Sterne-Hotel verbirgt – Das Interhotel Veliko Turnovo Hotel. Wenn man in’s verwaiste, aber dekorativ hergerichtete Restaurant schaut, wird einem der krasse Unterschied besonders deutlich. Auch die Lobby: gediegene Polster und leichte, seichte Barmusik – bevölkert von gerade mal 4 Personen.  Der Parkplatz vor dem Hotel von zwei teuren Autos belegt. Die Auffahrt schützend wölbt sich ein weites Dach über den Haupteingang, auf dass man den äußeren Verfall möglichst nicht wahrnimmt.

Heute, am  05.08.16 mache ich einen Ausflug zum Capinovo Natural Pool. Hinter einem Campingplatz gelegen findet sich dieses natürliche Kleinod.

Nach einem erfrischenden Bad mache ich mich auf zur Devitaki Höhle, die allein durch ihre Größe besticht. In früherer Zeit diente die Höhle den Menschen als Zuflucht, genauso wie den Bären. Heute ist ein Teil der Höhle dem Zugang verwehrt, um eine große Kolonie an Fledermäusen Ruhe zu bieten.

Mit Andreas (Österreicher) machte ich am nächsten Tag noch einen Ausflug zu zwei Klöstern: St. Nicolai und Preobrazhenski (Transfiguration).

Das Preobrazhenski-Kloster (Verklärung Christi) befindet sich 7 km nördlich der Stadt Veliko Tarnovo, am Fuße der unzugänglichen Felsen über dem linken Yantra-Ufer, unweit des Dorfes Samovodene. Es liegt unterhalb der Höhlen des Felskranzes Biskalskia Venets des Beliakovo-Plateaus.
Das Preobrazhenski-Kloster ist das größte Kloster im Raum Veliko Tarnovo. Man nimmt an, dass es um 1360 (Zweites Bulgarisches Reich) von der Zarin Theodora-Sarah und ihrem Sohn Ivan Shishman (XIV. Jahrhundert) gegründet wurde. Daher wird es auch Sarin- oder Shishman-Kloster genannt. Im XIV. Jahrhundert spielte das Kloster eine wichtige Rolle im geistigen Leben der bulgarischen Reichshauptstadt.
1952 brachten Nachforschungen ans Tageslicht, dass es im Mittelalter 400-500 m südlich der heutigen Klosterbauten gelegen war. Gefunden wurden Fragmente von Wandmalereien im Stil der Malerschule von Tarnovo sowie aus Tarnovo stammende Tafelkeramik.
Der ursprüngliche Standort des Klosters verwahrloste nach dessen Zerstörung während der Eroberung Tarnovos durch die Osmanen Ende des XIV. Jahrhunderts.
Während der osmanischen Fremdherrschaft wurde das Kloster einige Male von plündernden Banden namens Kardshalii niedergebrannt und in der Folgezeit seinem Schicksal überlassen.
1825 begann Pater Zotik, ein bekannter patriotischer Mönch, mit der Genehmigung von Sultan Mahmud das Kloster am heutigen Standort wieder aufzubauen. Die nacheinander errichteten Klostergebäude bilden einen rechteckigen Innenhof, der mit Pflasterstein ausgelegt ist.
Der 1834 von Baumeister Dimitar Sofialiata begonnene Bau der Hauptkirche „Preobrazhenie Gospodne“ wurde von Kolyu Ficheto, einem der berühmtesten Baumeister des XIX. Jahrhunderts, fertiggestellt. 1837 beendet er den Südostflügel mit einem kleinen Gästezimmer und gestaltet den Haupteingang und die Säule.
1849-1851 verziert der berühmte bulgarische Künstler Zahariy Zograf aus Samokow die Innen- und Außenwände mit Fresken.
1861 baut Kolyu Ficheto den Glockenturm mit der Uhr. Zwei Jahre später errichtet er über der 1834 von Dimitar Sofialiata erbauten unterirdischen Kapelle die kleine Kirche „Blagoweshtenie“ (Mariä Verkündigung).
Während des Russisch-Türkischen Befreiungskrieges (1877-1878) funktioniert das Kloster als Krankenhaus. Nach der Befreiung von der türkischen Fremdherrschaft (1878) schenken russische Soldaten dem Kloster die Glocken sowie die Leuchter und Gebetbücher für die Kirche.

Abgesehen von den Kunstwerken dieses Klosters bot es einen genialen Platz für Fotografen, die Freude daran haben Verfall darzustellen. Insofern ließen Andreas und ich sich viel Zeit, um unsere Motive zu entdecken.

Andreas und ich wollten eigentlich das Klostergelände schon wieder verlassen, als wir etwas abseits eine weitere kleine Kirche mit einem verwilderten Garten bemerkten. Gleich am Eingang erwarteten und Grabmale, aufgereiht wie Schachfiguren. Die Kirche selbst, deutlich dem Verfall preisgegeben und verschlossen. Aber rückseitig fand sich überraschenderweise ein offener Raum, der auf den ersten Blick wie ein Lager aussah. Tatsächlich war es Lager, ein bizarres Lager. Hier bewahrte man nämlich allerlei kleine Särge mit Gebeinen auf, alles unverschlossen. Auf einem Regal präsentierten sich, manierlich aufgereiht Schädeldecken. Ein Ort, der manchem das Gruseln lehren könnte.

St. Nicolai, am Ortsrand von Arbanasi gelegen, ist ein nichts Aufregendes. Ein kleines Kloster ohne Schnickschnack. Aber ein Platz der Ruhe und inneren Einkehr.

Am Montag, den 08.08.16 habe ich das Auto wieder am Flughafen in Sofia abzugeben. Zeit also, sich langsam in dieser Richtung zu begeben. Auf Hostelworld habe ich eine verlockende Unterkunft in Yablanitsa gefunden. Also auf dorthin, nicht das auf der Strecke liegende Kloster von Troyan auslassend.

Das Kloster Trojan gilt als das drittgrößte Kloster in Bulgarien. Ich empfand es etwas enttäuschend, nachdem ich die Herrlichkeiten von Rila und Bachkovo gesehen habe.

Nach der Eroberung des Zweiten Bulgarisches Reichs durch die osmanischen Türken wurde das Kloster mehrfach zerstört und die darin lebenden Mönche getötet. Erst in der Ära der bulgarischen Wiedergeburtszeit wurde das Kloster mit neuen Wohnungen wieder aufgebaut, die größtenteils aus den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts stammen. Mit der Zeit wird die Rolle des Klosters als Bildungszentrum immer größer. Hier gab es eine Druckerei, die Stanzen mit Klosteraussichten herstellte. 1869 wurde eine Klosterschule gegründet, in der teilweise bis zu 100 Schüler aus den umliegenden Dörfern unterrichtet wurden. In den 1870er Jahren war das Kloster aktiv in den bulgarischen Befreiungskampf gegen die Türken eingebunden und bot vielmals Unterkunft für Revolutionäre und Freischärler.

Sehenswert ist neben den Wandmalereien im Innenhof, vor allem die Klosterkirche, die 1835 von Meister Konstantin aus Peschtera erbaut wurde. Ihre um 1849 entstandenen Wandmalereien sind ein Werk des bedeutenden bulgarischen Ikonenmalers Sachari Sograf.

In einem süßen kleinen Gasthaus in der Nähe von Troyan machte ich eine kleine Pause für einen köstlichen bulgarischen Lunch: Meatballs mit einer Tomatenpaste und dazu eine Joghurtsoße mit gegrillter Paprika. Hinterher der übliche kleine Kaffee – zwei Schlückchen davon und der Kaffee gehört der Vergangenheit an.

Eine sehr schmale Straße (eine Seite steile Felswand, andere Seite steiler Abhang!) führt mich gut 7 km vom Ort Yablanitsa in die Bergwelt zu den Mountain Huts, wo ich mich für zwei Nächte angemeldet habe. Was ich vorfinde habe ich so noch nie gesehen. In gewisser Weise erinnern mich die Unterkünfte an Jurten. Liebevoll und detailreich sind diese kleinen Hütten erbaut und gestaltet worden.

Komfort darf man hier nicht erwarten. Elektrizität gibt’s nur im Haupthaus und ein kleiner Brunnen dient als Waschplatz. Ein  Plumpsklo erwartet einen. WiFi – Fehlanzeige! Als Ausgleich wird einem eine unglaubliche Fernsicht bis nach Rumänien geboten. Unendlich viel Platz, um es sich auf der Alm gemütlich zu machen, den Zikaden zuzuhören oder das Glockengeläut der im Wald grasenden Kühe wahrzunehmen. Zwei riesige Karakachanhunde bewachen das Gelände. Treue Seelen und Schmusebacken bis zum Abwinken. Aber wehe, es zeigt sich jemand oder etwas, was nicht hierhin gehört. Blitzschnell sind die gut 60kg schweren Tieren von „0 auf 100“, und diese auf einen zustrebenden Muskelmassen sind wirklich beeindruckend.

Purer Luxus im Vergleich zu den oben genannten Einschränkungen sind ein Pool sowie ein atemberaubender nächtlicher Sternenhimmel. Ich konnte nicht umhin, eine Nacht draußen zu verbringen. Stockdunkel, kein Mondschein, warm und wolkenlos – die perfekten Umstände, um sich diesem Erlebnis hinzugeben.

 

Hier noch ein paar Bilder, deren copyright by Kit Oates liegt, er mir jedoch die Bilder freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Die Bilder sind mit einer Drohne aufgenommen worden, genauso, wie das obige Video.

Zwei Ausflüge standen am 7.8.16 noch auf dem Programm: God’s Eyes Cave, ca. 25 km nordwestlich vom Yablanitsa und …..

…Kloster Glozhene, circa 17 km vom Dorf Glozhene entfernt, woher auch sein Name stammt. Das Heilige Kloster sieht man noch von Weitem, da es sich auf einem Felsgipfel im Teteven-Gebirge befindet.

Man geht davon aus, dass der Fürst von Kiew Glozh im 13. Jh., der die Gegend vom Zaren Ivan Asen ІІ. (Regierungszeit: 1218 – 1241) geschenkt bekam, in der Umgebung das Kloster „St. Preobrazhenie“ sowie eine kleine Festung errichten ließ. Das Kloster existierte bis zum 17. Jh., und Anfang des 18. Jhs. erbauten die Mönche ein neues Kloster, dem „St. Georgi Pobedonosets” gewidmet, auf einem hohen Felsen, um sich vor den Angriffen der Osmanen zu schützen. Eine Zeitlang existierten die beiden Klöster gleichzeitig, wobei sie durch ein Tunnel in den Felsen miteinander verbunden waren.

Ende des 18. und Anfang des 19. Jhs. betrieb das Kloster „Sveti Georgi Pobedonosets” Aufklärungstätigkeit –nahe des Dorfes Malak izvor, sowie in der Stadt Lovech gründeten die Mönche vom Kloster ein kleines Kloster und eine Zellenschule.

Die Mönchswohnungen wurden 1858 an der Stelle von alten Gebäuden gebaut. Die ursprüngliche Klosterkirche wurde nach den Erdbeben 1904 und 1913 zerstört. Die neue Klosterkirche wurde im Jahr 1931 errichtet, wobei die holzgeschnitzte Ikonostase hierher gebracht wurde, die von der zerstörten alten Kirche gerettet werden konnte. Nach der Legende wurde die Kirchenikone des Klosters „St. Georgi Pobedonosets“, die bis heute aufbewahrt wird, vom Fürsten Glozh vom Kiewer Höhlenkloster (einem großen Kloster in Kiew) gebracht.

Das Kloster von Glozhene wurde zu einem Architekturbau- und Geschichtsdenkmal mit dem Protokoll von der Nationalen Denkmalschutzbehörde vom 19.06.2006 erklärt. Das Kloster funktioniert als Männerkloster, bietet Unterkunft sowohl in gemeinsamen als auch in selbstständigen Räumen an.

Die letzten beiden Tage verbringe ich in Sofia, da mein Nachtbus nach Tirana ersst am Mittwoch abfährt. Gut, um die Zeit zu nutzen diese Webseite wieder auf den neuesten Stand zu bringen.