Die ersten zwei Wochen in Island

Zwei Wochen meiner Islandtour sind vergangen – bisher so schnell, dass ich keine Zeit fand endlich meinen Reiseblog zu schreiben. Immer wieder war es so, dass ich gerade dazu kam meine Fotos zu sortieren, zu beschriften und in der Cloud zu sichern, da ergab sich eine neue Gelegenheit mit jemandem eine neue Tour zu beginnen.

Also, was ist bisher geschehen?
Abflug mit WOWAir (B 737) am 30.6. ab Düsseldorf bei 30° Hitze. Ankunft drei Stunden später in Keflavik bei angenehmen 9°. Mit flybus gings dann weiter ins Hostel (Hlemmur Square). Dieses Hostel sollte mich in der Folgezeit immer wiedersehen. Es stellte sich als Ort heraus, an dem man gut und schnell Menschen kennenlernen kann. Extrem freundliches, hilfsbereites und kompetentes Personal. Hier bleiben keine Fragen unbeantwortet. Der Kostenpunkt liegt zwar bei 5000 ISK (Isländische Kronen), ca 33,00 €, die Ausstattung und die besondere Location sind aber jede ISK wert. Ebenfalls erwähnenswert: WiFi im gesamten Bereich, Elektroanschlüsse en masse, auch am Bett, so dass die Stromversorgung des Handys und Notebooks zu keinen Zeitpunkt eine Schwierigkeit darstellt. Für 1600 ISK bekommt man ein Frühstücksbuffet, das seinesgleichen sucht. Und, ganz wichtig: kostenloser Kaffee am Morgen bis zum Abwinken.

Am 1.7. begegnete ich dann Luise. Deutsche, aber in Amerika lebend. Sie machte ein paar Tage Halt auf Island. Beide hatten wir nicht das Bedürfnis an einer geführten Tour teilzunehmen. Wir wollten etwas auf eigene Faust unternehmen. Grundsätzlich kann man auf Island das gut ausgebaute öffentliche Busnetz nutzen. Nachteil: Es ist extrem teuer. Das Streckennetz ist unter mehreren Firmen aufgeteilt, Alternativen gibt es nicht, es herrscht also eine  Monopolstellung. Für Alleinreisende wird’s also teuer. Sobald man jedoch zu zweit reist lohnt es sich ein Auto zu mieten. Und genau das taten wir. Den ersten Tag nutzen Luise und ich uns in Reykjavik umzusehen, uns zu organisieren und eine Autovermietung ausfindig zu machen. Am zweiten Tag brachen wir dann auf, um uns auf dem sogenannten ‚Golden Circle‘ umzusehen. Mit dem ÖPNV hätte eine solche Tour 11500 ISK gekostet, was etwas 78,00 € entspricht. Wohlgemerkt, das ist der Preis pro Person. Unser Auto bekamen wir für 16500 ISK,  ca. 112,00 €. Zusätzlicher Vorteil: Man ist auf keine Abfahrzzeiten und Strecken festegelegt.

Unsere Fahrt führte also über die Route 1 (Rundkurs rund um Island) nach Þingvellir (UNESCO-Weltkulturerbe). Hier befindet sich die Wurzel der Besiedelung Islands. In dieser Gegend wurde im Jahr 930 das erste Parlament Islands gegründet.

Der See Þingvallavatn ist 84km² groß, 114m tief und der Seeboden liegt damit 11m tiefer als der Meeresspiegel. Es ist der größte See Islands. Vor ungefähr 9000 Jahren begann sich die þingebene durch Dehnen und Auseinanderreißen der Erdkruste zu senken. Auf diese Weise entstand die Almannagja (Allmännerschlucht). In diesem Gebiet wird deutlich, was passiert, wenn zwei der sich auf dem Erdmantel bewegenden tektonischen Platten auseinanderdriften. Bis zum heutigen Tag entfernen sich die amerikanische und europäische Erdplatte um durchschnittlich 2cm/Jahr. Am Westufer sind wir dann auf die Route 360 abgebogen, denn wir wollten eigentlich den See über die Süd- und Ostflanke umrunden. Die Gravelroad ab Nesjavellir hat dies jedoch verhindert.

Ein weiteres ‚must have‘ sind der Geysir Strokkur und der berühmte Wasserfall Gullfoss.

Wenn man sich diesem Geothermalgebiet nähert, wird man bemerken, wie es neben der Straße anfängt zu zischen  und zu dampfen. Hier und da blubbert es. In diesem Gebiet gab und gibt es mehrere Geysire, jedoch nur auf den Ausbruch des Strokkur (Butterfass) ist Verlass. Ohne große Ankündigung beginnt ungefähr alle 5 bis 10 Minuten das Wasser im Becken auf- und niederzuwallen, bis sich eine mit Luft und Dampf gefüllte Wasserglocke bildet. Der überhitzte Wasserdampf reißt mit einem Mal eine Wasserfontöne heraus, die bis zu 20-30m hoch reichen kann.

Unweit vom Strokkur befindet sich der „Goldene Wasserfall“, Gullfoss. Der Sage nach, soll hier ein reicher aber geiziger Mann sein Gold ins Wasser geworfen haben, damit seine Erben keinen Nutznieß daraus hätten.  Bei sonnigem Wetter schimmert der Wasserfall leicht golden und ein wunderbarer Regenbogen überspannt diese Szenerie.
Der Wasserfall verdankt seine Entstehung den deutlich zu erkennenden Sedimenten, die vom Kies und Geröll, das der Gletscherfluss mitführt leichter ausgewaschen werden konnte. Ca. 109 m³/Sek. Wasser rauschen in breiten Kaskaden in die 2,5km lange und an dieser Stelle 70m tiefe Schlucht, die in den letzten 10.000 Jahren gegraben worden ist.

 

Nach diesem spektakulären Tag setzten wir am nächsten Tag unsere Rundfahrt fort. Diesmal ging es nach Südwesten ins Gebiet Suðurnes. Erster Halt war in Hafnir, ein kleines verträumtes Dorf. Jedoch geht es an dieser Küste nicht immer nur verträumt zu. Ein Dreimaster kenterte hier 1870. Von der Besatzung hat man nie mehr was gehört. Nur das Bauholz, dass das Schiff geladen hatte wurde ans Ufer getrieben. Der 3000 kg schwere Anker des Schoners liegt heute neben dem Friedhof.

 

Bei Hafnaberg lockte ein schöner Lavastrand und vielen Seevögeln. Alledings keine Puffins!
Einen wunderschönen Ausblick hatte man am Kap von Reykjanestá. Dicht daneben war ein Hotspring, den man nicht missen sollte, wenn man sich in dieser Gegend aufhält.

Die ‚Blaue Lagune‘ haben wir gemieden, weil alle Welt sich dort zu versammeln scheint. Abgesehen davon, dass man sich vorher anmelden muss, schlägt ein solcher Besuch mit stolzen 45,00 € Einttritt zu Buche.

Über Grindavik gings dann weiter ostwärts. Abschluß war ein schönes Picknick in der herrlichen Umgebung von Krýsuvikurberg.

Am 4.7. begegnete ich dann Jean. In der folgenden Zeit hatte ich einen gutenLehrer, wenn es darum ging, mit sehr wenig Geld zu reisen. Wie ich ja schon unter ‚Persönliches‘ schrieb, geht es für mich nicht nur darum, Materielles loszulassen, sondern auch darum, möglichst wenig zu konsumieren. Dazu gehört ja auch, dass ich versuchen will, so wenig wie möglich für Lebensmittel auszugeben. In einer Wegwerfgesellschaft gehört es ja ‚zum guten Ton‘ all den Überfluss zu entsorgen. Jean half mir dabei, dieses Bewußtsein zu stärken, indem wir dumpstern gingen. Fazit dieses Verhaltens war, dass wir einen reichlich gedeckten Tisch hatten ohne dafür zu bezahlen.
Als es darum ging unsere gefundenen Süßkartoffeln zu kochen, ergab sich für mich das nächste Problem. Beide hatten wir weder Geschirr noch Kocher dabei. Jeans Lösung: Auf einem Campingplatz an der Reception fragen, ob wir deren Küche für eine halbe Stunde benutzen können. Ablehung!  Alternative: Wir fragten zwei Camper, die gerade dabei waren ihr Geschirr spülen zu wollen. Zusage, was deren Geschirr betraf. Leider war zu wenig Gas verhanden, um auch kochen zu können. Jean gab immer noch nicht auf. Auf dem Campingplatz waren auch kleine Häuschen, die vermietet waren. Also dort anklopfen und fragen, was möglich sei. Und siehe da, wir waren herzlich willkommen unser Gemüse zu kochen. Bei einem netten Gespräch waren schnell die Bataten gekocht, Tomaten und Paprika zerkleinert. zwei Teller wurden ausgeliehen. Unser Mahl hatten wir draußen, um die Gastgeber nicht zu lange zu belagern. Die anschließend gespülten Teller stellten wir vor die Tür, winketen zum Abschied und zogen unseres Weges.

Ebenso lernte ich, man muss in gewisser Weise stur sein, um sein Ziel zu erreichen. So zum Beispiel ging es darum einen Swimmingpool zu finden, der wenig oder gar nichts kosten sollte. Auf die Idee in einem noblem Schwimmbad zu fragen, ob es irgendwo eine billigere Alternative gibt, wäre ich nicht gekommen. Tatsache war aber, dass genau gegenüber ein öffentliches Bad war, das den selben Komfort anbot wie das Noble. Preisunterschied: 1800 ISK = 12,00 € pro Person!

Mit Jean hatte ich eine schöne Tour entlang der Südküste von Reykjavik über Hveragerði (Baden im warmen Fluss), Stop am Seljalandsfoss und Skógafoss. Weiter über Vik und Skaftafell bis nach Sökulsalór. Da wir ein Auto hatten, war es möglich das Geld für die Übernachtung zu sparen, wir schliefen im Auto.

Highlights waren die Eisberge in der Lagune von Sökulsarlór, die Basaltlavasäulen am schwarzen Strand von Vik, ein fantastisches Frühstück am Urrigafoss und natürlich das schon erwähnte Baden im warmen Fluss bei Hveragerði.

Zwischen dem 10. und 12.7. war ich mit Gabriella in den Nordwestfjorden. Glücklicherweise hatten wir einen 4×4 Suzuski Swift zur Verfügung, was ein schnelleres Vorankommen auf langen Gravelroadstrecken ermöglichte.

Diese Gegend zeichnet sich dadurch aus, dass sie fast menschenleer ist. Ab und zu sieht man einzelne kleine Sommerhäuser oder Farmhäuser. Im Sommer sicher traumhaft dort eine Zeitlang zu verweilen. Im Winter sicher eine psychologische Herausforderung. Belohnt wird diese Reise durch eine atemraubende Landschaft. Lange, tiefe Fjorde, hohe, schneebedeckte Berge, Aussichtspunkte, die ihresgleichen suchen. Hauptort ist Isafjördur. Ein Ausgangspunkt für Bootstouren ins Wandergebiet von Hornstrandir. Straßen gibt es in diesem Gebiet nicht mehr.

Dumpstern war hier gar nicht mehr möglich. Supermärkte findet man so gut wie keine. Den einzigen, den ich sah, war in Isafjördur. Um Mitternacht allerdings geschlossen. Und Lebensmittel wegwerfen, scheint dort verpönt zu sein. Das Einzige, was ich dort fand, war etwas Brot und eine kleine Flasche O-Saft. Ansonsten halfen uns Möhren und etwas Käse über die Runden.

Highlight war der mitternächtliche Besuch der Latrabjarg Bird Cliffs, wo man wunderbar die beliebten Papageientaucher, die sogenannten Clowns im Frack  sehen konnte.

Auf der Rückreise gings dann mit der Fähre von Brjánslaekur nach Stykkshólmur mit kurzen Stop auf Flatey.

Nun waren wir nicht mehr in den Nordwestfjorden, sondern betraten die Halbinsel Vesturland, in deren Westen sich das sogenannte  Snaefellsness befindet. Der Vulkan Snaefellsjökul diente Jules Verne als Einstieg zu seiner ‚Reise zum Mittelpunkt der Erde‘.

Die Route 54 und 574  führt einen immer entlang der Küste. Bei  Londrangar konnte man wieder einen Blick auf die Cliffs und deren Vogelwelt genießen.

Ziemlich direkt ging es dann nach einer teuren Übernachtung bei Tradir zurück nach Reykjavik.