Florenz

Mit dem Zug reise ich bequem für 44,00€ binnen 1,5 Stunden von Rom nach Florenz. Neben mir sitzt Terrie, Amerikanerin, Meeresbiologin, vor kurzem in Rente gegangen. Auch ihr Anliegen ist es die Welt zu bereisen, jetzt, da sie mehr Zeit dafür hat. Ihr Gastgeber (AirBnB) hat ihr die Straße in Florenz mitgeteilt, aber keine Hausnummer. Stattdessen hat er ihr eine Fotografie der Haustür geschickt. Eine amüsante, witzige, ungewöhnliche Art. Wie ich in einer späteren Mail von ihr erfuhr: Terrie hat ihr Ziel tatsächlich gefunden.

Mich holt Gabriella ab. Mit ihr hatte ich einige Touren in den Nordwesten Islands unternommen. Damals lud sie mich in ihr Zuhause ein, sollte ich je nach Florenz kommen. Nun standen wir beide auf dem Bahnhofsvorplatz und fielen uns in die Arme. Beide freuten wir uns uns wiederzusehen. Sie wohnt etwas außerhalb des Stadtzentrums, deshalb kam sie mit dem Auto. Jetzt hatten wir das Problem das Auto irgendwo zu parken, denn als erstes wollte Gabriella mir ihre Stadt am Abend zeigen und mit mir essen gehen. In Island bat mich Gabriella immer das Auto zu fahren, aber hier in Florenz habe ich ihre italienischen Fahrkünste zu bewundern gelernt. Zack, zack, eben mal hier und dort hin, ein gutes Auge für Parklückengrößen und vor allem einen sicheren Instinkt dafür, wo eine Parklücke frei werden wird. Man sagt den Frauen ja nach, sie fahren wie der Henker aber zum Einparken brauchen sie den Mann. Ganz anders bei Gabriella – sie fährt schnell, aber nicht wie ein Henker, und zum Einparken braucht SIE keinesfalls einen Mann. Das Auto benutzt sie jedoch nur selten. Lieber ist sie mit der Vespa unterwegs, genauso schnell und sicher, wie ich als Sozius feststellen durfte.

Gabriella führt mich in ein kleines Lokal, ohne Touristen – sie kennt sich eben aus! Salat und zartes Fleisch, dazu einen leichten Rotwein. Wunderbar. Belebend und nicht schwer im Magen liegend. An anderer Stelle dann noch ein phantastisches Eis. Dazwischen Rundgang durch Florenz bei Nacht. Nicht leer, aber doch deutlich freier als über Tage, wie ich am nächsten Tag feststellen mußte. Das erste Ahhh und Ohhh entstand als ich die Ponte Vecchio sah. Mein Gott, was für ein Bild. Das nächste Ahhh und Ohhh als ich den Dom und die Uffizien sah. Und dazwischen immer wieder ein staunendes Stehenbleiben vor all der Pracht, die diese Stadt einem bot. Logischerweise habe ich die Stadt später eher bei Tage durchstreift. Ich muss aber sagen, bei Nacht wird diese Stadt um ein Vielfaches schöner.

Wie in Rom, steppt auch hier der Bär tagsüber. Massen von Touristen, und vor allem geführte Gruppen durchstreifen die Stadt. Den Gruppen voran immer eine Frau oder ein Mann mit Fähnchen, Nummernschild oder Regenschirm und mit einem kleinem Funkmikrofon. Ihnen hinterher die Touristen – modern, mit der Zeit gehend, mit dem dazugehörigen Knopf im Ohr. Teils schon genervt mit leerem Blick, teils eher die Auslagen der Geschäfte interessierend, teils aufs Handy starrend, am seltensten jedoch wirklich interessiert an dem, was ihnen Frau/Mann nahebringen will. Ach ja, italienisch wird hier auch gesprochen, aber eher selten. Englisch, Französisch und Spanisch sind die Sprachen, die man hier am meisten zu Gehör bekommt.

Atemberaubend ist der Blick auf die Stadt vom Piazzale Michelangelo. Man kann diesen Platz bequem per Bus vom Hauptbahnhof aus erreichen. Hinab geht’s vorbei an einem kleinen Rosengarten dem Arno entgegen.

Am Fluß angekommen und diesen überquert erreicht man die Ordenskirche ‚Santa Croce‚ der Franziskaner mit ihrem überwältigendem Innenraum. Im Boden befinden sich über 270 eingelassene Grabplatten. An den Wänden ziehen sich die Gräber großer Italiener entlang: Michelangelo, Dante oder Galileo Galileis.
Wie in anderen Bettelordenskirchen gaben auch hier finanzkräftige Familien den Auftrag zur Ausschmückung der Kapellen, z.B. die Bardi oder die Peruzzi. Giotto malte für sie die beiden Zyklen aus dem Leben Franz von Assisis sowie Johannes des Täufers und den Evangelisten Johannes.

Im Seitenschiff befindet sich die Ausstellung „Eine Reise durch Glaube und Spiritualität“ von Cimabue bis Bronzino. Ebenso findet man hier ein Teil eines Kleidungsstücks des Heiligen Franz von Assisi und eine fantastische Medici-Kapelle.

Nächste Station: der Dom. 1296 begannen die Florentiner mit einem Neubau, da ihnen die Santa Reparata (Reste der Kirche kann man unter dem Dom besichtigen) als Ausdruck ihres Bürgerstolzes nicht mehr genügte. Um mit Siena und Pisa gleichzuziehen, errichteten sie eine der größten Kirchen der Welt (152m lang, 38m breit). Man beauftragte den Dombaumeister Arnolfo di Cambio mit dem „schönstmöglichen“ Gebäude. Auch die Kuppel sollte einmalig werden. Die Ausschreibung von 1418 gewann Filippo Brunelleschi, der dieses architektonisch einzigartige Werk 1436 vollendete.
Im Vergleich zur farbigen Marmordekoration des Außenbaus wirkt das Dominnere relativ schlicht – trotz der herrlichen Fenster, der schönen Majolikareliefs von Luca della Robbia über den Portalen der Alten und der Neuen Sakristei und der restaurierten Kuppelfresken. Neben dem Dom befindet sich der Campanile. Als neuer Dombaumeister begann Giotto 1334 hier einen der schönsten Glockentürme der Welt. Von ihm stammte die Idee, eine dreifarbige Marmordekoration zu schaffen, die seine Nachfolger bis auf volle 84m Höhe fortführten.

Nicht allzu weit entfernt vom Dom befindet sich die Loggia dei Lanzi. Der Arkadenbau wurde zwischen 1376 und 1382 von Benci di Cione und Simone di Francesco Talenti im gotischen Stil erbaut. Der Bau diente ursprünglich Kundgebungen und Empfängen der Republik Florenz und wurde später nach den im 16. Jahrhundert hier untergebrachten Landsknechten (Lanzichenecchi) benannt. Beindruckend ist der Ort vor allem wegen seiner vielen Statuen, die sich sowohl in den Arkaden als auch außerhalb befinden.

Von hier aus ging’s zu einem Bummel quer durch die Gassen, über Plätze bis hin zur Ponte Vecchio.

Des Abends gingen Gabriella und ich zu einem Konzert in der Basilica di Ognissanti. Ein kleiner gemischter Chor sang hier:
J.S. Bach: „Der Geist hilft Schwachheit auf“,
H. Purcell: „Lord, what is man, lost man?“
J.C. Bach: „Ich lasse dich nicht“
J. Blow: „Ah Heav’n! What is’t I hear?
G.F. Händel: „Eternal source of light divine“
D. Scarlatti: „Stabat Mater“

24.5.16 / Uffizien, auf den Eintritt habe ich 4 Tage warten müssen! Ein anstrengender Tag. So viele Menschen, so viel Schönes. Aber es hat sich gelohnt.

Nach der Eroberung Sienas 1555 benötigten die Medici eine Verwaltungszentrale zur Kontrolle ihres Herzogtums. So errichte Vasari die Uffizien als Amtsräume (uffici) für Cosimo I. In 45 Sälen beherbergen sie heute eine der berühmtesten Gemäldesammlungen der Welt. Neben bedeutenden Werken der toskanischen Kunst (von Cimabue und Giotto bis Botticelli, Leonardo da Vinci und Michaelangelo) sieht man großartige Werke von Künstlern aus anderen italienischen Regionen (Raffael, Tizian und Caravaggio) sowie von deutschen (Dürer, Cranach, Holbein) und niederländischen Meistern (Rubens, Rembrandt).

Zum Abschluss am 25.5.16 dann noch die Galleria dell’Accademia, welche die erste Akademie für Malerei in Europa war. Sie wurde 1563 unter der Schirmherrschaft des Cosimo I. de’ Medici von Giorgio Vasari, Agnolo Bronzino und Bartolomeo Ammanati gegründet, drei der bedeutendsten Künstler des Manierismus. Großherzog Leopold der Toskana dekretierte 1784, dass alle Malschulen in Florenz unter einem Dach und unter der Leitung der Accademia zusammengefasst werden sollten, und dass sie eine Galerie mit Gemälden alter Meister enthalten solle, um den jungen Künstlern bei ihren Studien zu helfen. Die Accademia und die zugehörige Galerie erfüllen auch heute noch diesen Auftrag, jetzt in einem früheren Konvent und Hospiz in der Via Ricasoli. In den Räumen der Accademia stehen der David von Michelangelo, seit er 1873 von seinem Standplatz am Palazzo Vecchio zu seinem Schutz hierher gebracht wurde.
Zudem gibt es hier eine Sonderausstellung über Carlo Portelli zu sehen. Einen der bedeutendsten italiensischen Maler der Renaissance. Er war ein Schüler Ghirlandais, später gefördert von Vasari. Er erbte das Talent von seiner Mutter Veronica, die allerdings nie berühmt wurde.

Am letzten Abnd in Florenz meinte Gabriella, man sollte einen Sonnenuntergang über Florenz unbedingt mal gesehen haben. Am besten könne man dieses Von der Piazzale Michelangelo erleben. also nichts wie los! Jusst in time erreichten wir den Platz.

Danach brachte mich Gabriella dann noch nach Fiesole. Das antike Faesulae war eine Gründung der Etrusker. Die Stadtmauer wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. begonnen und im 3. Jahrhundert v. Chr. ausgebaut. Für diese Zeit wird Faesulae zum ersten Mal in schriftlichen Quellen erwähnt: 225 v. Chr. erlitten dort die Römer eine Niederlage gegen die Kelten, und während des Zweiten Punischen Krieges lagerte Hannibal 217 v. Chr. zeitweilig bei Faesulae. Während der Zeit des Augustus wurden ein Theater und eine Thermenanlage errichtet. 405 besiegte Stilicho bei Faesulae die Westgoten. 1125 wurde die Ortschaft von Florenz eingenommen und bis auf den Dom und den Bischofspalast zerstört.

Der abendliche Besuch dort diente aber nicht der Geschichte, sondern schlicht einem phantastischen Ausblick über das Tal von Florenz. Immerhin liegt der Ort in 295 m über dem Meeresspiegel, während Florenz gerade in 50 m NN angesiedelt ist.