Als Deutscher im Ausland leben, reisen und arbeiten

Wer sich in Deutschland längere Zeit nicht aufhalten will, der bekommt es mit den Behörden zu tun. Es geht los mit der Meldeadresse: Diese wird in Deutschland verlangt, damit Behörden einem Briefe zustellen können, denn behördliche Post wird nicht nachgesandt! Versäumte Fristen oder Vorladungen aufgrund nicht zustellbarer Briefe können einem hier gewaltige Nachteile einbringen. Von der bis zu 500 Euro teuren Ordnungswidrigkeit ganz zu schweigen. Zudem wird verlangt, dass der gemeldete Bürger auch tatsächlich dort wohnt. Und dies tut er nachweislich nur dann, wenn er er über einen ausreichend großen Raum verfügt, in dem er schlafen, essen, kochen und sich waschen kann.Siehe hier auch das Bundesmeldegesetz. Aber hier endet das „Spiel“ mit der Meldeadresse noch nicht. Wer keine Meldeadresse hat, kann in Deutschland kein Kraftfahrzeug zulassen, das Familienbuch nicht mehr am Wohnsitz, sondern fortan in Berlin geführt. Vor dem verlust der deutschen Staatsangehörigkeit muss man jedoch keine Angst haben, diese behält man solange bis man eine ausländische Staatsangehörigkeit annimmt.

Die Meldeadresse sollte nicht mit der Postanschrift verwechselt werden, denn diese ist frei wählbar.Mit dieser Anschrift ist es weiterhin möglich sogar Verträge zu schließen oder weiterzuführen, selbst wenn man nicht in Deutschland lebt/gemeldet ist.

Nicht in Deutschland gemeldete Bürger können in Paßangelegenheiten nur noch die diplomatischen Vertretungen in den jeweiligen Ländern aufsuchen. Das Wahlrecht erlischt. Ebenso erlischt die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherungspflicht. Jeder vorhat sich in Deutschland abzumelden, sollte sich zuvor eingehend über die Vor- und Nachteile erkundigen.

Weitergehende Einschränkungen finden im Steuerrecht statt.Derjenige, der seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland aufgibt, muss auch hier keine Steuern und Sozialabgaben zahlen.
Derjeniger aber, der weiterhin seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland behält und sich weniger als 183 Tage im Ausland aufhält, in dem er arbeitet, ist verpflichtet seinen ausländischen Lohn in Deutschland zu versteuern.

Bei Wirelesslife existiert eine gute Zusammenfassung aller Vor-und Nachteile im Zusammenhang mit der Meldeadresse. Außerdem gibt es dort jede Menge Verlinkungen zu weiterführender Unterstützung in dieser Angelegenheit.

Mit anderen Worten: Der deutsche Staat ist weit davon entfernt, seine Bürger ungehindert reisen, im Ausland wohnen und arbeiten zu lassen. Ganz anders ist das im kleinen baltischen Estland. Einwohnerzahl: 1,3 Millionen. Um in der EU wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu bleiben, ist es seit Dezember 2014 möglich ‚Virtueller Staatsbürger‚ zu werden. Dieser Bürger hat zwar keine Aufenthaltserlaubnis, keine Wahlberechtigung und bekommt auch keinen Estnischen Paß. Dafür kann er aber alle Dienste und Komponenten in Anspruch nehmen, die die estnischen Staatsbürger schon lange nutzen. Egal, wo sich der E-Resident aufhält, er kann ohne behördliche Einschränkungen seinen legalen Geschäften nachgehen. E-Residents bekommen eine mit Sicherheitszertifikaten versehene ID-Chipkarte, die ihn mittels Lesegerät an einem PC angeschlossen, in die Lage versetzt jegliche Geschäfte per elektronischer Unterschrift zu tätigen. In Deutschland besteht Vergleichbares mit der DE-Mail-Adresse und zertifizierter elektronishcer Unterschrift. Bedauerlicherweise findet dieses Verfahren kaum Anklang, weder bei privaten Nutzern noch bei Firmen oder Behörden.

Im Zeitalter des Internets und der immer weiter voranschreitenden Globalisierung fühlt es sich eher nach Steinzeit an, wenn oben genannte Einschränkungen den deutschen Bürger reglementiert.