Was tun mit seinem Besitz

Wer vorhat nicht nur ab und zu eine Reise zu machen, sondern sich entschließt dauerhaft unterwegs zu sein, wird sich in seinen vier Wänden umsehen und sich fragen, was mache ich mit meinem Besitz? Nun, es gibt mehrere Möglichkeiten:

Die erste ist, die Sachen einzulagern. Es gibt Möglichkeiten, seine Sachen bei einer Umzugsfirma unterzubringen. Zudem gibt es öffentlche Lagerhallen. Hier kann man sich, je nach Menge, einen Raum (z.B. Container) anmieten. Beide Varianten kosten Geld, welches man auf der Reise gut gebrauchen könnte.
 
Die zweite Möglichkeit ist, sich im Freundeskreis umzuhören, ob jemand etwas Platz zur Verfügung stellt. Das könnte billiger als die erste Variante sein, vielleicht sogar kostenlos.
 
Die  dritte Möglichkeit ist, seinen Besitz komplett zu verkaufen, zu verschenken, zu spenden, zu entsorgen. Das bringt einem zumindest beim Verkauf Geld ein, welches auf der Reise sehr nützlich sein kann. Ebay (auch ebay-Kleinanzeigen) dürfte da wohl an vorderster Stelle stehen, gefolgt von Kalaydo und Quoka
 
Ich selbst habe mich für die letztere Möglichkeit entschieden und dabei mehrere 1000 Euro eingenommen, die ich zum Teil in meine Ausrüstung investierte. Und mit den Dingen, die man spendet, trägt man zum Benefit armer Menschen bei.
 
Ich denke, niemand, der über Jahre hinweg reisen möchte, hat Lust sich Gedanken über seinen Besitz und dessen laufende Kosten zu machen, während er wandernd die Schönheit der 8000er Nepals bestaunt. Die Kosten für die Wohnungsmiete, die Nebenkosten, die Monatskarte für den ÖPNV oder das eigene Auto, die allseits „geliebten“ GEZ-Gebühren, den Kabelanschluss für TV, Internet, Festnetztelefon – all diese Kosten können eingespart bzw. analog für’s Wohnen und den Transport auf Reisen verwendet werden. Das Verkaufen benötigt Zeit, sofern man nicht alles verschleudern will. Ich selbst habe ca. 10 Monate vor Reisebeginn begonnen mein Hab und Gut zum Verkauf ins Internet zu stellen. Da man ja alles verkauft, macht es keinen Sinn weiter zu konsumieren. Das ist schon der erste Schritt zum achtsamen Umgang mit Geld. Immer, wenn ich davor stehe für Materie Geld auszugeben, überlege ich: „is it a want or a need?“ Man lernt sich zurückzunehmen und entdeckt, in wie viel Luxus man bisher gelebt hat. Meist hat man Dinge doppelt und dreifach. Oftmals ist es aber so, dass ein Gegenstand mehrere Funktionen erledigen kann, so dass man eigentlich nur einen statt mehrere Gegenstände hätte kaufen müssen. Früher war es so, dass am Ende des Geldes noch sooo viel Monat übrig blieb, heute ist es umgekehrt, was sich positiv auf die Reisekasse auswirkt.
 
Die meisten Menschen denken, je mehr sie besitzen, desto glücklicher sind sie. Für mich habe ich das Gegenteil festgestellt. Besitz kann auch sehr belastend wirken. Tatsache ist, dass der Mensch eigentlich nicht wirklich viel benötigt. Ein Dach über dem Kopf, täglich satt werden und nicht frieren müssen. Das ist es dann auch schon. Alles was darüber hinausgeht, darf man getrost als Luxus bezeichnen. In unserer Konsum- und Wegwerfgesellchaft wird uns viel vorgegaukelt. Größer, besser, schneller, neuer. Man erinnere sich an die Werbung: Meine Frau, mein Haus, mein Boot, meine Pferde – immer geht es darum sich mit anderen zu vergleichen. Dabei ist das doch völlig irrsinnig. Man ist doch schon sein ganzes Leben lang Wer, ein Unikat, das es so nur einmal auf der Welt gibt. Wozu das Ganze?  Was bei dieser Lebensart verlorengeht ist die Dankbarkeit. Statt dessen wird Neid und Mißgunst gesät. Man verliert den Blick für die kleinen wunderbaren Dinge des täglichen Lebens, sieht die vielen Details nicht mehr, läßt sich überfluten von tausenden Reizen.
 
Kommt man eines Tages nach Hause zurück, wird man mit Dankbarkeit bemerken, mit wie wenigen, einfachen Dingen man sein Leben unterwegs gestaltet hat. Reisen kann einen lehren kreativ zu werden, nachzudenken, wie man sein Ziel ohne viel Geld erreichen kann. Geld kann faul und dumpf machen. Die Arbeit und die Mühen anderer werden nicht mehr wertgeschätzt. Wer sich im Internet umschaut, wird erstaunt sein, wie man mit Kreativität und  wenig oder gar keinem Geld Dinge herstellen kann, die nicht nur praktisch, sondern auch Eyecatcher sein können.