Indien

West- Bengalen, Kolkata 14.9. bis 30.10.18

Die Ankunft in Kolkata erwies sich anfangs als abweisend. Wie so oft kommt ein Unglück selten allein. In diesem Fall stand ich ohne Geld da, weil der einzige Geldautomat (ATM)) meine Kreditkarte ablehnte, und zudem konnte ich mich nicht mit dem Flughafen WIFI verbinden. Kurz, ich war vorübergehend hilflos.

Jede Person , die ich um Unterstützung bat zeigte sich ablehnend. Bis die berühmte gute Fee ein Einsehen hatte und die Wege für mich ebnete. Nach einer sage und schreibe 2-stündigen Taxifahrt erreichte ich Banamali Karmarkar (BK) und das Den-Vennel Guesthouse weit im Süden der Stadt, wo ich mich für 5 Tage eingebucht hatte.

Ziemlich schnell stellte sich heraus, dass diese fünf Tage zu wenig waren. Es folgte eine Verlängerung der anderen bis ich schlussendlich sage und schreibe sechs Wochen bei BK und seiner Schwester Rupa verbrachte. Nicht zu vergessen die liebenswerte Mutter, die täglich das Frühstück für mich bereitete.

Ich brauchte 9 Tage um mich mit den alltäglichen indischen Gepflogenheiten vertraut zu machen. Eigentlich war es eher BK, der sich dieser Aufgabe annahm. Die ersten Tage fuhren wir in kleinen Motorrikschas (schlicht Auto genannt). Sie stehen rund um die Uhr zur Verfügung. Quasi an jeder Straßenecke. Zu fünft plus Fahrer quetscht man sich hinein und wird zum nächsten Sammelpunkt gefahren. Von dort geht’s dann weiter mit einem anderen Auto oder mit Bussen bzw. der Metro. Anfangs fuhren wir Bus zu Zeiten außerhalb der rush hour, will sagen, man hatte gute Chancen einen Sitzplatz zu bekommen. Später wurden dann die Busse voller, crowded bis packed. In letzterem Fall ist es überflüssig sich an Haltegriffen festzuhalten. Umfallen ist unmöglich. In der gleichen Weise erfuhr ich die Metro. Immer wieder erstaunlich fand ich die geringen Preise, die für den public transport verlangt wurden. Später wurde mir klar, das Kolkata die wohl „billigste“ Stadt in Indien ist. Woanders verdoppeln sich die Preise nur (wenn man Glück hat) bzw. man verlangt ein Vielfaches der Kolkata-Preise (wenn man Pech hat).

Ich sagte, dass ich sechs Wochen in der Stadt verweilte. Wenn man diesen Zeitraum hört, fragt man sich unwillkürlich, was ist es, dass man es in einer indischen Stadt sechs Wochen aushält? BK hatte mir im Laufe der Zeit diese Frage mehrmals gestellt. Nie war ich wirklich in der Lage diese Frage umfassend zu beantworten. Selbst heute , nachdem ich seit einer Woche wieder in Deutschland bin, kommen die Antworten quasi scheibchenweise. Man nennt so etwas triggern. Das bedeutet, man wird durch äußere Einflüsse an etwas erinnert, was in der Vergangenheit erlebt wurde. Mir ging es mit dem Film ‚Lion‘ so. Der Film wurde mir von einer Stewardess auf meinem Flug von Delhi nach Frankfurt empfohlen..

In diesem menschlich sehr anrührenden Film werden u.a. Bilder Kolkatas aus dem Jahr 1986 gezeigt. Genauer gesagt Bilder rund um die Howrah Bridge. Howrah habe ich zweimal erlebt. Das erste Mal an der Howrah Station und das zweite Mal auf der Howrah Bridge.

Ich stand an einer Ecke des Eingangs zum Bahnhof und wartete auf Bekannte, die BK und mich nach Puri begleiten wollten. Vor mir spielte sich das pure ungeschminkte Leben Kolkatas ab. Überall lagen schlafende Menschen. Bettler, Lastenträger, Wohnungslose. Um sie herum tobte das Leben.

Züge kamen an. Aus ihnen quollen eilende Menschen, die ihren Arbeitsplatz in der Stadt erreichen wollten. Zwischendurch sah ich Lastenträger, die unglaublich schwere und riesige Pakte auf dem Kopf trugen. Mit schlafwandlerischer Sicherheit bahnten sie sich durch das Gewühl. Ihre Last souverän balancierend.

Dann zog eine wahre Menschen-Karawane an mir vorbei. Frauen in Saris gehüllt, Farben, von denen ich bis dahin nicht ahnte, dass es sie überhaupt gibt. Gesichter zogen an mir vorbei. Kindergesichter, Jugendliche, reife und alte Menschen. Ich habe schon viele asiatische Menschen gesehen, auch unterschiedlichen Alters. Nie zuvor habe ich jedoch so ausdrucksstarke Gesichter gesehen. So jung die Gesichter sind, ich hatte den Eindruck , sie konnte bereits ein ganzes Leben widerspiegeln. Wen wundert es, wenn man dann alte Gesichter ansieht. Kein Maler, kein Fotograf – so denke ich – ist in der Lage diese Gesichter darzustellen. Man muss sie selbst sehen, den Menschen Aug in Aug gegenüberstehen, ihre Lebensgeschichte ohne Worte erspüren,

Für den aufmerksamen Betrachter bietet Indien eine unendliche Vielfalt an nie zu vergessende Momente. Indien ist ein Land, in dem es keine Uhren zu geben scheint. Man wartet eigentlich immer. Aber ist es tatsächlich ein Warten? Ist es nicht eher eine Spanne der Muße, der Besinnung, des Erlebens der Gegenwart? Da sitzt man auf dem Bahnhof und betrachtet das Leben. Züge kommen und gehen. Und jedesmal quillt eine unglaubliche Menge an Menschen aus dem Zug, während zeitgleich die gleiche Menschenmenge versucht in den Zug zu gelangen. Und wie durch ein Wunder – keiner bleibt zurück – weder im Zug noch auf dem Bahnhof. Die Haltezeit der Züge lässt sich bequem in Sekunden ausdrücken. Menschen und Lasten wechseln in Sekunden ihren Platz.

Aber nicht nur die Reisenden sind es, die ein- und aussteigen. Es sind auch die Verkäufer und Bettler. Ganze tragbare Küchen werden in den Zug gebracht um die Reisenden zu verköstigen. Und Bettler, die ihre Beine definitiv nicht gebrauchen können scheinen es mühelos in die Wagons zu schaffen. Und beide, Bettler als auch Verkäufer, scheinen keine Mühe zu haben sich in einem Wagon, der mit Menschen dicht gepackt ist zu bewegen. Da steht man dann und wird von schreienden Verkäufern umlagert, Musikanten erzeugen Töne, die einem Tinnitus gleichen, der Bettler quetscht sich durch deine Beine und zerrt so lange an der Hose bis eine Münze in seine offene Hand fällt. Zwischendurch bemerkst du, wie dein Gegenüber dir den Schritt massiert. Das alles ist Leben, lebendig, wahrhaftig ungeschminkt.

Ortswechsel: Howrah Bridge.
Ich stehe auf dieser uralten Brücke, die Howrah und Kolkata verbindet. Unter mir der Ganges, hinter mir tobt der Straßenverkehr. Ich schaue hinunter, sehe die völlig überfüllte Fähre der jeweils anderen Uferseite zustrebend. Ich sehe einen Bettler, der eine Kokosnuss erspähte und nun darauf wartet, dass sie nah genug heran kommt, um sie aus der heiligen Kloake des Ganges zu fischen. Unweit sehe ich Männer und Frauen in dieser Kloake baden, untertauchen, Körperpflege betreibend, Wäsche waschen.

Die Sonne geht unter, Lichter fangen an sich auf dem Wasser zu spiegeln. Eben sehe ich eine Ratte am Ufer in einem Loch verschwinden. Ich bin mitten in diesen Betrachtungen, da werde ich von hinten angesprochen. Jemand möchte ein Selfie mit mir machen. Gerne doch. „Woher ich komme? – Aus Deutschand. – Aus Deutschland?! Ich liebe Deutschland! – Warum? – Oh, ich mag Bayern München’s Fußball. Und ich mag Hitler! – Was? Wie bitte?“

Ich gehe weiter ans andere Ende der Brücke. Ich sehe eine herrschaftliche Villa, toll beleuchtet. Ein Abgang führt mich zu einem Blumenmarkt. Was für eine Farbenpracht! Die Menschen sitzen in Hütten, die Ware vor sich ausgebreitet. Und wieder bin ich fasziniert von den Menschen, ihren Augen, ihrer Skepsis sobald sie mich, den Europäer sehen. Wie in aller Welt kommt der hierher? Woher stammt er? Ich schenke ein Lächeln, es wird zögerlich erwidert um in breitem Lachen zu enden. Man freut sich, wenn ich Bilder von ihnen mache. Ich gehe weiter. Von einem Dachboden ruft man mir zu. Ein junger Mann hat mich entdeckt, winkt und möchte, dass ich ein Bild von ihm knipse. Wenige Meter weiter eine Familie mit drei Kindern. Zwei sind scheu, das dritte kugelt und rollt sich vor Vergnügen vor der Kamera.

Howrah hat mich gefangen genommen – von den beiden Momenten an, da ich den Bahnhof und die Brücke besuchte. Hier möchte ich gerne wieder hin. Beim nächsten Mal. Ich möchte hier gerne länger verweilen. In der Urküche Kolkatas.

Urküche: Was für ein Wort und doch trifft es Nagel auf den Kopf. Noch nie in meinem Leben habe ich eine Stadt komplett mit meinen Sinnen entdeckt. Immer waren es Passagen aus Büchern, die mich durch die Städte trieben oder Dokumentationen. Kolkata ist anders. Ich kann diese Stadt nicht mit dem Kopf begreifen. Ich muss sie fühlen, einatmen. Diese Stadt lehrt mich meine Sinne zu gebrauchen. Zu sehen, zu schmecken, zu hören, zu ertasten und zu riechen. Es ist für mich unmöglich, die Stadt mit Worten zu beschreiben. Worte erzeugen lediglich eine Ahnung von dieser Stadt. Wer hierher kommt, lernt bewusst zu leben.

Wenn ich morgens aufstand und die Tür des Gästehauses öffnete, wurde ich sofort Teil dieses Ortes. Ich höre den Muezzin, zeitgleich schallen Mantren und Zimbeln herein. Der Duft von Räucherstäbchen erfüllt mein Zimmer. Die ersten Verkäufer radeln durch die Gassen und preisen ihre Waren an. Hunde bellen. Sweetheart, meine Straßenhündin kommt vorbei und holt sich ihre Streicheleinheiten und Bisquits ab. Leute bleiben stehen und halten ein Schwätzchen. Der Kioskverkäufer erwartet mich und händigt mir wie selbstverständlich Schokolade, Sprite und Wasser aus.

BK bringt mir das von seiner Mom liebevoll zubereitete Frühstück. Wir verfallen dabei in eine angeregte Unterhaltung. Der Tagesplan wird gemacht. Man trifft sich um „around 3pm“. „Around“ heißt: „niemals vor aber jederzeit später“. Zeit spielt kaum eine Rolle. Ich gehe die schmale Gasse runter zur Hauptstrasse. Der Laudryman und der Security Guard begrüßen mich mit einem Lächeln und Winken. Die Marktfauen freuen sich mich zu sehen, obwohl ich nur einmal Bananen bei ihnen gekauft habe. Ein Europäer hat ihren – und nur ihren Stand – aufgesucht und Bananen gekauft. Eine Story, die nun von Generation zu Generation weitergetragen wird. Der Fischverkäufer freut sich den Bayern München Guy zu sehen. Und der Guard am ATM hält besonders streng Wache, während ich mein Geld abhebe.

Zum Ende des Durga Puja Festivals wird getanzt. Männer machen so was normalerweise nicht. Doch der Europäer macht’s und alle freuen sich. Ein Jugendlicher fragt seinen Vater, ob er mich in sein Haus einladen darf. Und so sitzen wir am nächsten Tag auf dem großen Bett und stehen uns gegenseitig Frage und Antwort über unser jeweiliges Leben. Am Ende, unvermeidlich: Selfies – unlimitted.

BK stellt mich seinen Freunden vor. Man lädt uns in ihre Wohnungen ein. Es sind durchweg arme Menschen. Doch die Freude ist groß und man gibt was man hat. Ich besuche einen Slum. Am Abend kommt ein Großteil der Dorfgemeinschaft zusammen und wir sitzen im Kreis. BK hat einen anstrengenden Job als Übersetzer. Ich fange an die Unterschiede in den einzelnen Gesellschaftsklassen zu erkennen. Und wieder bin ich beim Beobachten der Menschen. Ihre Augen, ihre Mimik, Körperhaltung,

Und ich schaue mir an, wie die Menschen leben und wohnen. Immer wieder wird mir bewusst, wie wenig der Mensch eigentlich braucht. Das soziale Umfeld ist wichtig, nicht die Materie. Hier in Europa wird man selten mehrere Geschäfte direkt nebeneinander finden, die das gleiche Warenangebot haben. In Indien ist das üblich. Konkurrenz in unserem Sinne gibt es nicht. Man kennt sich. Und, wenn ein Kunde „fremd gehen“ will, dann wird er zurück geschickt  -zu dem Verkäufer, zu dem er üblicherweise geht. Autos bedienen kurze Strecken. Warum? Damit andere Fahrer die Chance haben jene Kunden weiter zu befördern. Der monatliche Verdienst in Indien ist gering. Aber jeder hat die Chance Waren oder Dienstleistungen anzubieten.


Seit Öffnung der Märkte im Jahr 1991 hat Indien den Weg der Liberalisierung eingeschlagen – und das mit Erfolg. Das Wohlstandsniveau steigt stark an, die Analphabeten-Rate sinkt und Auslandsinvestitionen werden im großen Stil getätigt. Immer mehr internationale Firmen bauen Standorte in Indien auf oder erweitern bestehende. Armut, knappe Ressourcen bei Wasser und Elektrizität, massive Umweltverschmutzung sowie ein vielschichtiges kulturelles System machen Indien andererseits zu einem Land voller ethischer, emotionaler und organisatorischer Herausforderungen.

So ist das Land zum Beispiel nicht umsonst für seine ausufernde Bürokratie bekannt. Einfache Prozesse, wie etwa das Eröffnen eines Bankkontos oder die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt, können aberwitzige Formen annehmen. Dokumente verschwinden in riesigen Papier-Archiven, da ein Großteil der Institutionen noch nicht vollständig computerbasiert arbeitet. Das macht Arbeit – für alle Beteiligten.

Indien ist bekannt für buchstäblich bettelarme Menschen. An der roten Ampel ist es völlig normal, dass sich Menschen durch die wartende Autoschlange drängeln, an die Scheiben klopfen und um Spenden bitten. Das fahren mit unverschlossenen Türen und Fenstern bietet sich nicht wirklich an. Für mich ist es eine Herausforderung die Menschen zu ignorieren – ich kann es nicht. Zu lautstark, zu offensichtlich ist die Armut. Ich möchte gerne geben, aber kann ich dabei gerecht bleiben? Gebe ich einem Menschen, warten zeitgleich andere ebenfalls auf Gaben. Ich kann nicht alle nähren. Aber ich fühle mich definitiv nicht wohl in meiner Haut, ich fühle mich als Geizhals. Es ist nicht verwunderlich, wenn ein Tourist zu einem potenziell wandelnden Care-Paket degradiert wird.

Trotz des jährlichen Wirtschaftswachstums von mehr als fünf Prozent verdienen rund 30 Prozent aller Inder weniger als einen US-Dollar pro Tag – und mehr als 35 Prozent sind Analphabeten. 

In den Großstädten liegen Slums und Villenviertel oft dicht beieinander: Manch eine bewachte Wohnanlage ist von einem wuchernden Gürtel von Papp- und Holzbauten umgeben.

Frauen allein unterwegs

Als Frau allein im Ausland unterwegs, am Ende noch mit dem Rucksack? Das ist für viele Inder, gelinde gesagt, sehr ungewöhnlich. In Kombination mit ärmellosem Top und kurzer Hose, wird schnell eine Provokation daraus. Mit mehr oder minder eindeutigen Angeboten – die dank der weit verbreiteten  Englischkenntnisse auch noch verständlich sind – ist vor allem in konservativen Gegenden zu rechnen.

Auf unflätige Sprüche zu reagieren, bringt wenig und gehört sich nicht. Vor dem Hintergrund des indischen Dresscodes für Frauen wirken leicht bekleidete Touristinnen schnell als „willige Beute“. Bleibt nur eines: Lange Hose oder Rock einpacken und einen falschen Ehering an den Ringfinger. Begibt sich jemand, egal welchen Geschlechts, aufs Land, muss er ohnehin damit leben, dass ihm Aufmerksamkeit zuteil wird. Wer unter den eindringlichen Blicken leidet, sollte sie ignorieren. Böse gemeint sind sie nicht.

„Indian flexible time“

Indische Zeit ist relativ und wird auch als „Indian flexible time“ bezeichnet. Zu Deutsch: Ein Treffen um 15 Uhr kann um 15 Uhr stattfinden – oder auch um 16 Uhr. Oder sogar noch später. Pünktlichkeit an sich mag keinen hohen Stellenwert haben – andererseits ist sie auch schwer einzufordern. Der indische Alltag ist voller Improvisationen, sodass es nicht unbedingt am mangelnden Willen der Menschen liegen muss, wenn sie erheblich später eintreffen als geplant.

Für den westeuropäischen Besucher besonders frustrierend ist die „orientalische Geduld“, wenn man sie live miterlebt. Zum Beispiel, wenn der Überlandbus mitten in der Nacht zusammenbricht und man stundenlang auf Ersatz warten muss. Während Reisende in solchen Situationen leicht die Nerven verlieren, bleiben Inder stets gelassen – sie regen sich einfach nicht auf

Das Kastenwesen

Die gesellschaftliche Einteilung in Kasten ist für den Europäer kaum zu verstehen, geschweige denn zu akzeptieren. Trotzdem: Das Kastenwesen ist in Indien noch immer eine sichtbare und viel diskutierte Realität. Fast alle Armen gehören entweder zu den „Scheduled Castes“, also den untersten Kasten, oder zu den kastenlosen Dalits sowie den Adevasi-Ureinwohnern. Traditionell werden ihnen viele Berufe verwehrt, oft leben sie außerhalb der Dorfgemeinschaften.

Der missionarische Eifer, mit dem manche europäische Besucher Einheimische von der Sinnlosigkeit und Verwerflichkeit dieses jahrhundertealten Systems zu überzeugen versuchen, ist für viele Inder jedoch befremdlich beziehungsweise schlichtweg unhöflich. Das Schicksal der untersten Kastenangehörigen, zu der fast 20 Prozent aller Inder gehören, hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert: Ein Quotensystem an Universitäten und in der Verwaltung sowie Regierung soll helfen, ihre soziale Stellung zu verbessern. Mit K.R. Narayanan gelang es sogar einem Kastenlosen, von 1997 bis 2000 Präsident von Indien zu werden.

Strapazen mit dem öffentlichen Verkehr

Die gute Nachricht: Taxis sind so günstig, dass man meist auf die öffentlichen Verkehrsmittel verzichten kann. Die schlechte Nachricht: Manchmal muss man sie doch nutzen, zusammen mit Hunderten oder Tausenden anderen Passagieren. Die Fahrt mit dem Vorortzug zur Rushhour ist ein Erlebnis, das auch bei psychisch stabilen Menschen Klaustrophobie auslöst – die Passagiere, die sich ans Trittbrett klammern oder auf dem Dach mitfahren außer Acht gelassen.

Ähnlich strapaziös gestaltet sich die Fahrt mit städtischen Bussen, deren technischer Zustand jedem TÜV-Prüfer drei Wochen Magenschmerzen verursachen würde. Selbst Laien ahnen auf den ersten Blick: Hier fehlt etwas – die Bremse zum Beispiel oder das Licht bei Nacht.

Komplizierte Behördengänge

Der Versuch, schnell mal einen Behördengang zu erledigen, lässt Inder laut auflachen. Die überaus genaue und langatmige Verwaltung ist ein britisches Erbe, der Beschleunigungsfaktor „Geld“ dagegen ein aktuelles Übel. Auf dem Korruptionsindex der Organisation Transparency International rangiert Indien derzeit an 94. Stelle von 175 bewerteten Ländern. Nicht, dass es dagegen keine Kämpfer oder Kampagnen gäbe wie die staatliche Central Vigilance Commission (www.cvc.nic.in). Das Übel reicht freilich bis in die obersten Etagen von Verwaltung und Politik.

Im März 2001 musste der Parteipräsident der regierenden Bharatiya Janata Party, Bangaru Laxman, zurücktreten, nachdem ein Bestechungsversuch vermeintlicher britischer Waffenproduzenten im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Auch der ehemalige Premierminister Narashima Rao musste sich wegen Korruption vor Gericht verantworten – eine Untersuchung, die sich über zehn Jahre hinzog.

Handeln, handeln, handeln

Indische Händler sind unverbesserliche Optimisten: Wie wärs mit einem Teppich? Mit Postkarten? Einem Hemd oder einem Schal? Oder wenigstens einem Seiden-Sari für Freunde zu Hause? Kein Nein und kein Kopfschütteln kann sie davon überzeugen, dass der Reisende eigentlich gar nichts kaufen will. Die Devise der Händler lautet: Nur lang genug dranbleiben, dann wird jeder Tourist schwach. Nach wenigen Tagen verlieren die meisten Reisenden die Contenance und versuchen die Händler mit ruppigen Bemerkungen abzuschütteln. Das nützt allerdings nichts.

Im positiven Falle, denken sich die Händler, kann sich daraus noch ein Verkaufsgespräch entwickeln. Über Stunden hinweg jammern Händler von Armut und zu ernährenden Kindern. Wer schwach wird und etwas kauft, zahlt das Doppelte, wenn er es dem Händler nicht gleichtut.

Krankheiten und Mango-Lassi

Wie soll das alles in den Koffer passen? Antibiotika, Kohletabletten, Notfall-Malariatabletten und andere Pillen und Tuben? Wer sich individuell nach Indien begibt, rüstet meistens seine Reiseapotheke gut aus. Montezumas Rache hätte nicht nach einem aztekischen, sondern einem indischen Herrscher benannt werden sollen, denn Durchfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei Indien-Reisenden. Schuld daran ist meist das Wasser – nur die wenigsten Abwässer werden geklärt und verseuchen so Flüsse und Seen. Auch vor kulinarischen Versuchungen sollte man sich in Acht nehmen: Allzu verlockend ist der kühlende Milchshake oder der duftende Chapati-Fladen am Straßenrand. Doch der verweichlichte westliche Magen braucht einige Wochen, bis er den indischen Mikroben Paroli bieten kann. Danach allerdings zeigt er sich resistent gegen den Rest der Welt.

Höflichkeit und Härte

Auf den ersten Blick gibt es auf der Kommunikationsebene nur wenige Missverständnisse: Als ausnehmend charmant und freundlich erweisen sich viele Inder und sind ernsthaft bestrebt, dem ausländischen Gast zu vielen schönen Erinnerungen zu verhelfen. Auch der ironisch-britische Humor, den viele gebildete Inder an den Tag legen, wird von Europäern als sehr erfrischend empfunden. Die meisten fragen sich nur: Was hat es mit dem zweifelnden Kopfwackeln auf sich? De facto entspricht diese Geste, man ahnt es fast, dem europäischen Nicken, wenngleich sie aussieht wie die Mischung aus Ja und Nein.

Da generell im sozialen Umgang ein freundlicher Ton herrscht, trauen viele Besucher ihren Ohren nicht, wenn ein indischer Gesprächspartner inmitten einer überaus angenehmen Unterhaltung am Handy schnell einmal einen (niedriger gestellten) Angestellten mit wilden Flüchen und Drohungen belegt , um nur Millisekunden später wieder mit einem „Would you like more tea?“ in die gepflegte Konversation einzusteigen. Hierarchien sind in Indien eben erheblich ausgeprägter als in Europa.

Lebensgefahr im Straßenverkehr

Sich mit dem Taxi oder gar Moped durch den indischen Straßenverkehr zu quälen, zählt aus europäischer Sicht zu den Extremsportarten. Auch abgebrühte Sizilien- oder China-Reisende können in Indien noch neue Dimensionen der Angst erfahren. Mit mehr als 120 000 Verkehrstoten pro Jahr, die Hälfte davon Fußgänger, steht Indien an der Spitze der weltweiten Statistiken. Im Vergleich: In Deutschland liegt die Zahl der Todesopfer bei 3606 (2012).

Doch was genau macht den Straßenverkehr in Indien so gefährlich? Die Mischung aus Armut – eine neue Bremse kostet Geld – und Fatalismus – die Götter werden es schon richten – verführt zu gefährlichen Manövern. Zudem ist das Straßennetz in erbärmlichem Zustand, und es existiert kein TÜV für Privatfahrzeuge. Darüber hinaus sind nicht alle Verkehrsteilnehmer in der Lage, geschweige denn willens, sich an Regeln zu halten – Kühe und Kamele allemal nicht. Dabei ist das Regelwerk durchaus einfach: Der Größere hat recht. Alle anderen Verkehrsregeln sind bestenfalls als Handlungsvorschlag zu werten, genauso wie die irrige Annahme, jeder habe (vor allem im Dunkeln) seine eigene Fahrspur zu nutzen oder das Licht einzuschalten. Der Plan, mit dem Mietwagen Indien am eigenen Steuer zu erkunden, sollte deshalb genau dies bleiben: ein Plan.


Kolkata, allgemein 14.9 bis 30.10.18

Überall kann man schlafende Menschen auf dem Bürgersteig finden. Niemand stört sich daran. Ebenso stört sich niemand daran, wenn der Tag an den öffentlichen Waschplätzen beginnt. „Wassermangel“ scheint ein Fremdwort zu sein, an jenen Plätzen fließt das Wasser ungehindert tagaus, tagein. Von oben bis unten eingeseift und gleich noch die eigene Wäsche waschen. Völlig normal. 

Rikscha-Puller gehören zum Stadtbild Kolkatas. Uns Europäern stellen sich die Nackenhaare hoch, bei dem Gedanken sich in einer Rikscha ziehen zu lassen. Jedoch, würde niemand diese Art des Transports in Anspruch nehmen, diese Menschen wären am verhungern. Und tatsächlich sind die Puller am Verschwinden. Warum? Sie stellen mehr und mehr die Ursache eines Verkehrschaos dar. Man bezeichnet sie an offizieller Stelle als „beinlahme Trödler“ inmitten des fließenden Verkehrs.

Seit Anfang des 20.Jh. findet man Rikschas in Kolkata. Aus dem anfänglichen Nischendasein wurde schnell ein beliebtes Transportmittel. Seit 1939 beschränkt man (offiziell) ihre Anzahl auf 6000 Stück.Dabei muss man wissen, dass wohl keinem Puller eine Rikscha gehört. Von dem kärglichen Lohn müssen die Puller auch noch Miete an Agenten zahlen. Mit anderen Worten, in Indien will jeder urgendwie über die Runden kommen. Und ist es üblich, dass der ohnehin kleine Kuchen in winzige Stücke geschnitten. Und na ja, die 6000 Rikschas werden von offiziell 18000 Pullern gezogen – zwei pro 24 Stunden plus Ersatzmann. Die Realität sieht nochmal anders aus. Wahrscheinlich gibt es ca. 40000 Rikschas und 70000 Puller. Ein Schelm der jetzt an Böses denkt, z.B. an Korruption.

Narrow Lanes at night

Streetfood

Tram als Restaurant 17.9.18

Katedrale 15.9.18

Besuch von Mutter Teresa’s Haus am 15.9.18

Mutter Teresa,  * 26. August 1910  † 5. September 1997 in Kalkutta war eine indische Ordensschwester und Missionarin albanischer Abstammung. Weltweit bekannt wurde sie durch ihre Arbeit mit Armen, Obdachlosen, Kranken und Sterbenden, für die sie 1979 den Friedensnobelpreis erhielt. In der katholischen Kirche wird Mutter Teresa als Heilige verehrt. Auf einer Fahrt durch Kalkutta verspürte sie am 10. September 1946 beim Anblick eines Kruzifixes die Berufung, den Armen zu helfen. In ihrem Tagebuch schilderte sie dieses Erlebnis als mystische Begegnung mit Jesus, der sie mit den Worten „Mich dürstet“ dazu aufgefordert habe, ihm in den Ärmsten der Armen zu dienen. Fortan lebte Mutter Teresa in Kalkutta, wo sie zunächst allein wirkte, bis sich ihr einige frühere Schülerinnen anschlossen. 

Mutter Teresa hatte 1947, kurz nach der Unabhängigkeit Indiens, die indische Staatsbürgerschaft angenommen. Sie sprach damals schon fließend Bengali. 1950 gründete sie die Gemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe, die nach den evangelischen Räten lebten. Später erhielt die Ordensgemeinschaft die päpstliche Approbation. Die Ordensgemeinschaft kümmert sich um Sterbende, Waisen, Obdachlose und Kranke, ihr besonderes Engagement liegt jedoch in der Betreuung von Leprakranken. Heute gehören den Missionaren der Nächstenliebe über 3.000 Ordensschwestern und mehr als 500 Ordensbrüder in 710 Häusern in 133 Ländern der Erde an. Für ihr Wirken erhielt Mutter Teresa zahlreiche Preise. Die bedeutendsten waren 1978 der Balzan-Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern und 1979 der Friedensnobelpreis.

Movie Theatre 15.9.18

Victoria Memorial 15.9.18

Das Victoria Memorial ist ein zu Ehren von Königin Victoria von Großbritannien errichtetes Denkmal in Kalkutta. Im Januar 1901, nach dem Tode von Königin Victoria, schlug George Curzon, Generalgouverneur und Vizekönig von Indien, vor, ein Denkmal zu Ehren der Königin zu errichten. Der Prince of Wales, der spätere König George V, legte am 4. Januar 1906 den Grundstein.

Das Victoria Memorial war vom englischen Architekten William  Emerson entworfen worden. 1921 wurde es fertiggestellt. Die Gartenanlagen wurden von Lord Redesdale und Sir David Prain gestaltet. Gegenwärtig beherbergt es ein Museum und dient als Touristenattraktion in Kalkutta. Das Museum beherbergt über 30.000 Ausstellungsstücke. Der Stil des Gebäudes wurde als indo-sarazenisch beschrieben, da er Elemente der indisch-islamischen Architektur beinhaltet. Das Gebäude enthält Anspielungen auf das Taj Mahal, Indiens berühmtestes Bauwerk. Wie das Taj ist auch das Victoria-Memorial in weißem Makrana-Marmor erbaut.

Vidyasagar Setu Bridge (180915), im Englischen und in der Fachliteratur allgemein bekannt als Second Hooghly Bridge ist eine Straßenbrücke über den Fluss Hugli (Hooghly), einen Mündungsarm des Ganges im indischen Bundesstaat Westbengalen.

Sie verbindet die Metropole Kolkata mit der gegenüberliegenden, mehr als eine Million Einwohner zählenden Stadt Howrah. Die beiden Städte waren – abgesehen von der weit im Norden liegenden Vivekananda Setu – nur durch die Howrah Bridge verbunden, bis die Second Hooghly Bridge 1992 eröffnet wurde. Offiziell wurde sie nach Ishwar Chandra Vidyasagar benannt, einem Reformer in Bengalen im 19. Jahrhundert.
Die Brücke war die erste Schrägseilbrücke in Indien und hat die längste Spannweite aller Brücken Indiens. Die Vidyasagar Setu ist eine insgesamt 823 m (2700 ft) lange und 35 m (115 ft) breite sechsspurige Straßenbrücke, deren Richtungsfahrbahnen durch einen 1,7 m breiten Mittelstreifen mit Leitplanken getrennt sind. Die beiden 2,50 m breiten Gehwege sind außerhalb der Schrägseile angebracht. Die Hauptöffnung der Brücke hat eine Spannweite von 457,2 m (1500 ft), die beiden Seitenöffnungen von je 183 m (600 ft). Dazu kommen lange Vorlandbrücken, die den Verkehr von der Brücke in verschiedene Stadtautobahnen einfädeln. Die Brücke hat im Mittelfeld eine lichte Höhe von 26 m (85 ft).

Floating Market 17.9.18

Bahnhof Kolkata 18.9.18

Zugfahrt Kolkata – Dakshin Barasat 180918

Rundgang Dakshin Barasak 180918

Pickup zum Rural Village 180918

Motorradtrip zum Bipadtarini Tempel 180921

Adyapeeth Tempel in Dakhineswar (180922) ist eine hinduistische Tempelanlage nördlich von Kolkata am Gangesarm Hugli, direkt neben der Hugli-Brücke Vivekananda Setu. 

Der Tempelkomplex wurde zwischen 1847 und 1855, finanziert durch Rani Rasmani, erbaut. Er besteht aus einem Haupttempel der Göttin Kali, einem weiteren Radha-Krishna-Schrein und 12 kleinen Shiva-Tempeln, die an der dem Fluss zugewandten Seite liegen. Auf dem Tempelgelände befindet sich auch der von den Gläubigen ebenfalls religiös verehrte Wohnraum Ramakrishnas (ein Zimmer mit Bett und vielen Fotografien an der Wand), der hier über 30 Jahre bis zu seinem Tod 1886 als Priester tätig war. Die gesamte Tempelanlage ist auch für Nicht-Hindus problemlos zugänglich.

Birla Mandir Tempel 180922

Café 27.9.18

Barber Shop 27.9.18

Ausflug nach Mayapur 28.bis 29.9.18

Mayapur ist eine ca. 20.000 Einwohner zählende Stadt im indischen Bundesstaat Westbengalen. Hier befindet sich der Hauptsitz der Internationalen Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein (ISKCON), zu der auch die Hare-Krishna-Bewegung gehört.

Mayapur war jahrhundertelang nur ein Bauerndorf mit ca. 1000 Einwohnern, welches erst durch die Ansiedlung des Hauptsitzes der im Jahr 1966 in New York gegründeten ISKCON-Bewegung zu weltweiter Bedeutung gelangte. Der Philosoph und Guru Chaitanya Mahaprabhu wurde hier (oder in Nabadwip) im Jahr 1486 geboren und in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts errichtete Bhaktivinoda Thakura ihm zu Ehren einen Tempel.

Mehrere neuzeitliche Tempelbauten und die entspannt-konzentrierte Atmosphäre des Ashram und seiner Umgebung stehen im starken Kontrast zum eher hektischen Leben vieler indischer Städte. 

Old Mayapur

Puri im Bundessaat Odrisha 3.bis 7.10.18

Bahnhof Hawrah 3.10.18

Zug nach Puri 3.10.18

Bahnhof in Puri 3.10.18

Puri, allgemein

Village Tour 181004

Public Market 181005

Auf dem Weg zum Chilika Lake 6.10.18

Chilika Lake and Dolphins 181006

Slums 181012

Durga Puja Festival 181014_19

Durga Puja ist im Hinduismus das Fest zu Ehren der Göttin Durga. Sie ist die wohl populärste Form der Göttin, die in unterschiedlichen Erscheinungsformen existiert, gütig ebenso wie strafend.

Durga Puja wird nach dem hinduistischen Mondkalender Ende September oder im Oktober gefeiert. Besonders in Bengalen, Assam sowie dem hinduistischen Nepal, wo man dasselbe Fest Dasain nennt, feiern es die Menschen zehn Tage lang. In Westbengalen mit der Hauptstadt Kolkata ist es sogar das wichtigste Fest des gesamten Jahres. 

Die Bedeutung von Durga Puja gilt nicht nur dem religiösen Aspekt, es handelt sich auch um ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis im Jahreslauf. In allen Dörfern und Städten feiern die Menschen die Ankunft der Göttin mit Konzerten, Tanzdramen und prunkvollen Prozessionen. Festlich gekleidete Menschen schlendern durch die Straßen. Jeder beschenkt Freunde und Verwandte; Dienstboten und Helfer mit neuer Kleidung auszustaffieren, ist Pflicht. Hausfrauen kochen Festessen und stellen spezielle Süßigkeiten her.

Ort der Feiern sind nicht die Tempel, sondern die Zentren des täglichen Lebens: Überall in den frisch herausgeputzten Häusern und Höfen, in Veranstaltungszelten oder sogar quer über die Straße bauen die Menschen kleine oder große Altäre auf, davor jeweils eine Bühne. Ist der tägliche Gottesdienst während der Feiertage beendet, singen einzelne Sänger oder Gruppen traditionelle Lieder, aber selbst Popmusiker geben ihre Kunst zum besten. Oft dröhnt die Musik über riesige Lautsprecher bis nach Mitternacht durch den ganzen Ort.

Zelebrierten ursprünglich nur die Reichen das Fest und luden alle anderen dazu ein, ist es heute meist ein Gemeinschaftsfest. Jeder, der irgend kann, nimmt an den Vorbereitungen teil: Jede Gruppe, jeder Verein baut einen eigenen Altar, organisiert Veranstaltungen, auch die Nachbarn tun sich zusammen. Schulkinder gehen in kleinen Gruppen von Haus zu Haus und mit Unterschriftenlisten ausgerüstet sammeln sie das nötige Geld – während meist junge Burschen und Männer aus Bambusstangen und Tüchern die Gerüste für Altar und Bühne bauen. Jeder versucht, die Veranstaltungen der anderen an Schönheit, Originalität und Pomp zu übertrumpfen. Wettbewerbe küren die schönsten Durga-Statuen.

Durga-Statuen stehen Wochen vorher in Geschäften und an den Straßenecken zum Verkauf – in allen Preislagen, kleine und große. Traditionelle Handwerker stellen sie mit einem Gerüst aus Stroh her, auf das sie die überlieferten Formen aus Lehm modellieren und bemalen.

Der mythologische Hintergrund ist im Devi Mahatmya überliefert, einem Teil des Markandeya-Purana, sowie im Devi Bhagavata. Diese sind für die Verehrer der Göttin die beiden wichtigsten Schriften und zählen zu den Puranas. Demnach erschlug sie im Kampf den Büffeldämonen (sanskr.: Mahishasura) mitsamt seiner Armee. In Erscheinung trat sie auf Wunsch der himmlischen Devas, die von Mahishasura terrorisiert wurden. Durch harte Askese, Meditation und Gebet hatte ihm Brahma den Wunsch gewährt, dass er nur von der Hand einer Frau den Tod finden würde. Da er keiner Frau diese Fähigkeit zutraute, wurde er immer machtgieriger und schwang sich in seiner grenzenlosen Arroganz schließlich zum Herrscher des Himmels auf. Alle sollten ihn anbeten. Shiva und Vishnu wurden zornig, als sie vom Treiben des Dämonen hörten und im Zorn entsprang ihren Gesichtern jeweils ein helles Licht, das sich mit den Lichtern aus den Körpern der anderen Himmlischen zu einem einzigen vereinte und die Gestalt einer wunderschönen Frau annahm. Shiva und Vishnu sowie alle anderen Himmlischen überreichten ihr Waffen: Shiva gab aus seinem Dreizack heraus einen zweiten, Vishnu von seinem Diskus einen zweiten und jeder der himmlischen Devas schenkte eine exakte Kopie von seinem Emblem. Von Surya, der Sonne, erhielt sie die glänzenden Strahlen, die aus allen Poren ihrer Haut leuchten – Kala, die Zeit, schenkte ein Schwert, der Himalaya einen prachtvollen Löwen als Reittier. Das Devi-Mahatmya beschreibt sie „überirdisch strahlend, ihr unermesslicher Glanz durchdrang die drei Welten, ihre Füße bogen die Erde und ihre Krone berührte den Himmel. Mit ihren tausend Armen durchdrang sie das Universum“. Schließlich zog die Göttin „mit laut brüllendem Lachen“ in den Kampf, die Berge schwankten, das Universum bebte und die Meere traten über die Ufer. Der Dämon wechselte während des Kampfes ständig seine Formen, war Büffel, Löwe, Elefant – bis sie ihn schließlich in seiner Büffelform besiegte.

Der erste von zehn Tagen ist Mahalaya, eine Art Advent: Bei Tagesanbruch steht man auf, nimmt sein zeremonielles Bad, legt frische Kleidung an. Viele gehen für das Bad zum Ganges, gedenken der Vorfahren und beten für deren Befreiung. Dann bittet man mit inbrünstigen Gebeten und Gesängen die Göttin, auf die Erde zu kommen. Waren es früher Sänger, die alle Hymnen auswendig konnten, ist im modernen Indien meist das Radio oder der Kassettenrekorder an ihre Stelle getreten.

Ab Panchami, dem fünften Tag, steht Durga im Mittelpunkt, in ihren zehn Händen Waffen haltend, strahlend schön geschmückt – triumphierend auf dem Löwen reitend, zu ihren Füßen der geschlagene Büffeldämon. Ihre vier „Kinder“ stehen in kleinerer Form neben ihr: der elefantenköpfige Ganesha, Saraswati, Lakshmi und der auf einem Pfau reitende Kartikeya. Symbolisch stehen diese für Durgas Aspekte.

Vom fünften Tag an kommt täglich der Priester für den Gottesdienst. Die vorgeschriebene Zeremonie dauert einige Stunden, aber oft wird sie verkürzt, da der Priester in viele Häuser gehen muss. Heutzutage übernehmen diese Aufgabe oft auch andere, die zwar nicht Priester sind, aber Sanskrit können, die Sprache des Ritus. Die Zeremonie stellt in symbolischer Form Begebenheiten des Kampfes der Göttin mit dem Büffeldämon Mahishasura nach, jeder Tag behandelt einen bestimmten Abschnitt.

Bevor Durga jedoch in der Statue angebetet wird, ist sie in verschiedenen Pflanzen verkörpert: Zuerst ist sie im Bel-Baum (auch Vilva-Baum), der Shiva heilig ist. Dann stellt eine Bananenpflanze die Göttin dar; Frauen umwickeln diese mit einem Sari und tragen sie unter lautem Jubel zum Altar. Schließlich schwärzt der Priester mit Kajal aus Ruß die Augen der Statue; mit Mantren und Mudras, bestimmten Handgesten, bittet er die Göttin, im Bildnis ihren Platz zu nehmen – und erst jetzt ist sie „lebendig“, ist nach dem Glauben von Hindus im von Menschenhand geschaffenen Kunstwerk anwesend.

Jeden Tag „weckt“ der Priester Durga mit Gebeten, mit einer Handglocke sowie dem dröhnenden Klang des Muschelhorns. Ein wichtiger Bestandteil in der Puja ist das „Bad“, für das man einen Spiegel benutzt: Der Priester hält diesen vor die Statue, dann nimmt er ihn mit dem imaginären Bild darin und wäscht diesen anstelle der tatsächlichen Statue rituell in einer kleinen Kupferschüssel. Das Badewasser ist mit vielen Zutaten angereichert: Neben verschiedenen Wassern wie Regen, Tau, Flusswasser, Quellwasser, Teichwasser etc. auch verschiedene Heilkräuter und jeweils ein Stück Rinde von fünf Bäumen. Wichtig ist auch die Erde von zwölf Plätzen – nicht nur vom Flussufer, sondern auch vom Ameisenhaufen, aus einer Wagenspur, aus dem Hufabdruck eines Pferdes, Erde aus dem Hof eines Gerichtes und sogar von der Tür einer Prostituierten.

Weiter bietet der Priester täglich Getränke und Speisen als Opfer, das Prasad an – Getreide, Früchte, Kräuter, Honig, Butter, Joghurt, Milch, Wasser. Auch alles, was eine Frau braucht, gehört zu den Gaben: In einem Brautkorb überreicht er Sari, Schmuck, Schminke, Parfum, Sandelpaste, Münzen, Spiegel, ungeschälte Reiskörner, Gerste sowie Senfkörner. Schließlich schmückt er sie mit Blumengirlanden. Am Abend, nach dem letzten Opfer, deckt er ein zartes Tuch über den Altar; wie die Menschen, möchte auch die Göttin „schlafen“.

Am achten Tag, Ashtami, kommen die Feierlichkeiten zum Höhepunkt – die Schlacht gegen den Asura, die im Gottesdienst mit kleinen Flaggen nachgestellt wird, ist geschlagen. Nun verehrt man die Göttin in Form eines großen Lichtes mit vierundsechzig Dochten, als Zeichen für ihre vierundsechzig Erscheinungsweisen und ihren Sieg über das Übel.

Dashami, der zehnte Tag, auch Dashahara oder Vijaya genannt, „Tag des Sieges“, bringt den Abschied. Dieser Tag ist besonders den verheirateten Frauen gewidmet: Einzeln geht jede zum Altar, schwenkt die Butterlampe vor Durga, bestreicht sie mit Sindur, dem roten Pulver, und bittet sie, im nächsten Jahr wiederzukommen. Dieselbe Farbe tupft sie segnend den anderen Frauen auf Stirn und Armreif und wünscht „Glückliches Vijaya“.

In kleinen und großen Umzügen, auf Lastwagen die großen Statuen, in der Hand oder etwa auf dem Gepäckträger des Fahrrades die kleineren, geleiten die Menschen Durga zum Fluss oder zum nächstgelegenen Teich. Meist begleitet sie die ganze Gemeinschaft mit Musik und übermütigem Tanz durch die Straßen. Viele vorübergehende Passanten bleiben lächelnd stehen oder verharren mit geschlossenen Augen, die Hände zum Gruß gefaltet. Unter Jubelrufen wirft man die Statue ins Wasser.

Aufschlussreich sind die meist folgenden, inoffiziellen Szenen. Sie verdeutlichen, dass nicht die Statuen selbst als göttlich betrachtet werden: Noch bevor sie im Wasser versinken, eilen junge Männer und Burschen herbei, die aus der Entfernung das Geschehen verfolgt haben. Das Lendentuch bis zu den Knien hinaufgekrempelt, stehen sie im Wasser und fischen mit langen Stangen die Figuren wieder heraus. Jetzt sind sie nichts weiter als Lehmfiguren, mit deren Verkauf man im nächsten Jahr wieder Geld verdienen kann.

Howrah Bridge 181021

Die Howrah Bridge  ist die wichtigste Straßenbrücke, welche die beiden indischen Städte Kalkutta (Kolkata) und Howrah über den Hugli (Hooghly) verbindet. Die am Ende der britischen Kolonialzeit in Indien gebaute und 1943 eröffnete Brücke gehört zu den letzten großen Auslegerbrücken außerhalb Nordamerikas, die in Stahlfachwerk gebaut wurden. Sie wurde am 14. Juni 1965 nach dem bengalischen Nationaldichter Rabindranath Tagore benannt, ist aber in der Öffentlichkeit immer noch besser bekannt unter der Bezeichnung Howrah Bridge

Die Howrah Bridge ist eine stählerne Fachwerkkonstruktion, die von den beiden auf mächtigen Betonsockeln am Ufer stehenden, 85 m hohen Pfeilerpaaren getragen wird. Die Straße und ihre Gehwege werden, anders als üblich, nicht über die gesamte Länge der Brücke geführt, sondern jenseits der Pfeiler seitlich zu den Uferbereichen geleitet. Die Fahrbahn befindet sich daher nicht im Inneren des Tragwerks, sondern auf einem eigenen Fahrbahndeck, das unterhalb der tragenden Brückenkonstruktion mit 39 Hängerpaaren an den Untergurten angehängt ist. Dadurch entsteht zwischen den Pfeilern ein 21,6 m (71 ft) breiter und rund 5,8 m hoher Raum für den Verkehr, der dann ungehindert durch irgendwelche Fachwerkstreben seitlich abfließen kann. Die beiden je 4,6 m (15 ft) breiten Gehwege sind außen an das Fahrbahndeck montiert. In Längsrichtung hat das Fahrbahndeck (nicht jedoch die horizontalen Untergurte) von der Mitte aus ein leichtes Gefälle (1 : 40) zu den Enden der Brücke. Unter dem Fahrbahndeck verbleibt eine lichte Höhe von 8,8 m für die Schifffahrt. Seit 2006 wird die Brücke nachts erleuchtet.

Aus konstruktiver Sicht ist die Howrah Bridge  eine Gerberträgerbrücke  aus genieteten Fachwerkträgern. Die beiden äußeren, 99,1 m (325 ft) langen Arme dienen zur Verankerung und als Gegengewicht zu den jeweils 142,6 m (468 ft) langen Kragarmen, die von den Pfeilern aus über den Fluss ragen und den 172 m (564 ft) langen Einhängeträger tragen. Daraus ergibt sich eine Spannweite über dem Strom von 142,6 + 172 + 142,6 = 457,2 m (1500 ft). Die Stahlkonstruktion ist insgesamt 655,3 m (2150 ft) lang; einschließlich der äußeren auch als Ankerblöcke dienenden Widerlager beträgt die gesamte Länge 670,5 m (2200 ft). Insgesamt wurden 27.000 t (26.500 tons) Stahl verbaut, davon wurden 23.500 t von Tata Steel geliefert.

Flower Market unterhalb der Howrah Bridge 181021

Tram Ride 181026

Sundabarn 22.-bis 24.1018

Die Sundarbans sind die größten Mangrovenwälder der Erde. Sie umfassen ein Gebiet von etwa 10.000 km². Davon liegen etwa 6000 km² in  Bangladesch und 4000 km² im indischen Bundesstaat Westbengalen.

Die Mangrovenwälder stehen in einem tiefgelegenen Mündungs- und Überschwemmungsgebiet von Brahmaputra, Ganges und Meghna, die die Niederschläge von den Südhängen des Himalaya sowie saisonal bedingt große Wassermassen der Monsun-Zone ins Meer abführen. Das artenreiche Ökosystem ist schwer zugänglich und weit verzweigt, weil sich die Flüsse im Gangesdelta in zahlreiche Seiten- und Mündungsarme aufteilen. Der vom Aussterben bedrohte Bengaltiger und der endemische Sundari-Baum sind hier beheimatet.

Im westlichen, indischen Teil liegt der 1330 km² große Sundarbans-Nationalpark. Dieser wurde am 4. Mai 1984 zum Nationalpark, von der UNESCO 1987 als Weltnaturerbe und 2001 zum Biosphärenreservat erklärt.

Auf der größeren, östlichen Seite in Bangladesch sind 1396,99 km² in drei Wildlife Sanctuaries geschützt: Sundarbans West (715,02 km²), Sundarbans East (312,26 km²) und Sundarbans South (369,70 km²). Diese drei Schutzgebiete wurden 1977 eingerichtet und 1997 ebenfalls von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.

Die Sundarbans befinden sich in einem ständigen landschaftlichen Wandel. Insbesondere die südlichen Gebiete unterliegen dem Gezeitenwechsel, der Tier- und Pflanzenbestand hat sich dem Brackwasser angepasst. Fluten spülen Teile der Wälder aus und hinterlassen Feuchtwüstungen, aber auch neue trockenere Gebiete entstehen durch Aufspülung von Sand und Schlamm.

Typisch für die Mangrovenwälder sind die bis zu 40 cm hohen Wurzelsporne, die die im sauerstoffarmen Schlammboden liegenden Wurzeln vieler Baumarten nach oben treiben. Sie bilden einen dichten „Rasen“, der am Boden fast aller Haine zu finden ist und die Fortbewegung erschwert. Während der Überschwemmung liegen sie oft dicht unter der Oberfläche und behindern die Bewegung von Booten.

In den Sundarbans sind zahlreiche Vögel, Fische, Krokodile, Phytons, Hirsche und Wildschweine beheimatet. Größere Tierarten wie Nashörner, asiatische Rinder und diverse andere Huftiere wurden bereits in der Kolonialzeit durch Sportjägerei ausgerottet. Heute ist die Jagd streng reglementiert, doch ist Wilderei verbreitet. Die Mangrovenwälder gelten auch als Rückzugsgebiete des bengalischen Tigers, der zu einem Symbol für das allgemeine Aussterben in dieser Region geworden ist.

Der Axishirsch ist eines der letzten größeren Wildtiere der Sundarbans. Er besiedelt von Norden kommend die Mangrovenhaine und ernährt sich in Überschwemmungsgebieten fast ausschließlich von Blättern der Bäume, die er auf den Hinterbeinen stehend auf etwa zwei Meter Höhe abfrisst und die Wälder auf dieser Höhe „durchsichtig“ hält. Er trägt zur Landschaftsgestaltung bei (Megaherbivorenhypothese). Ein Bodenbewuchs durch Gras- und Blattpflanzen, wie er für andere Waldformen typisch ist, steht ihm in den Mangrovenwäldern nicht zur Verfügung.

Neben dem Bengaltiger gibt es in den Sundarbans viele Wildschweine, die sich omnivor (allesfressend) ernähren, Aas annehmen und gelegentlich auch größere Tiere wie den Axishirsch jagen und erbeuten. Echsen sind z. B. mit dem Bindenwaran vertreten, der sehr gut schwimmt und sich in den Wäldern in Gruppen aufhält.

Die Sundarbans scheinen auch Rückzugsgebiet für Restpopulationen des Goliathreihers zu sein. Diese Art hat heute ihren Verbreitungsschwerpunkt in Afrika. In den Sundarbans werden jedoch immer wieder Vertreter dieser Art beobachtet, sodass es hier letzte Bestände zu geben scheint.

Besuch bei Adipto 26.1018

Flug Kolkata nach Delhi und Frankfurt 181030_31

Einmal im Leben First Class fliegen  – das war eines meiner erklärten Ziele. Im  A380  bin ich im Oktober 2018 von New Delhi nach Frankfurt geflogen.