Korfu

Der Flug nach Korfu mit Ryanair (B737-800) ab Düseldorf-Weeze begann ein wenig spektakulär. Die Zufahrt zum Flughafen war durch Feuerwehr / Polizei blockiert worden, da ein Auto brannte. Was blieb also anderes übrig als sich zu Fuß seitlich an der Unfallstelle vorzuschleichen. Die zweite Hälfte des Weges zum Abfertigungsgebäude bin ich dann als Anhalter mitgenommen worden, was mich sehr freute.

Weeze ist eine Kombination aus Zivil- und britischem Militärflughafen. Alles sehr klein und übersichtlich. Die Passagiere werden nicht mit Bussen über das Vorfeld gefahren, sondern werden zu Fuß geführt.

Der Flug begann pünktlich um 17.00 Uhr. Bei meiner Ankunft um 20:40 (+1 Stunde Zeitunterschied) war es bereits dunkel geworden.

Mit dem Taxi fuhr ich vom Flughafen Korfu nach Ipsos, ca. 13 km nördlich von Korfu-Town. Die Preisverhandlungen gestalteten sich interessant, denn von Spiros, meinem Gastgeber, wußte ich, dass die Fahrt ca. 30,00€ kosten würde. Der Taxifahrer wollte 40,00€, die ich ihm aber verweigerte und auf 30,00€ bestand. Ich kam mir vor wie auf einem Basar, war wild entschlossen die Fahrt auch mit dem Bus nach Ipsos zu machen. Wir einigten uns auf 32,00€ – Festpreis. Beim Aussteigen beklagte sich der Fahrer bitterlich, wie hochnäsig wir Deutschen seien, was zur Folge hatte, dass ich ihm kein Trinkgeld gab und ihn kommentarlos stehen ließ, was sicher sein Weltbild über Deutschland bestätigte – sei’s drum.

Das Zimmer im Comfy-Hostel ist zweckmäßig. Alles etwas älteren Datums, jedoch alles funktioniert. Das Bett ist okay, man bekommt keine Rückenschmerzen. Highlight ist ein Balkon, den ich ausgiebig für Sonnenbäder nutze. Ansonsten ist Korfu, zumindestens außerhalb Korfu-Town, verwaist. Touristen sieht man keine, viele Geschäfte sind noch geschlossen, nicht einmal Ansichtskarten gibt es zu kaufen. So ist mein Standort als sehr ruhig zu bezeichnen, mit Ausnahme von zwei Stunden um die Zeit des Sonnenuntergangs, wenn sich scheinbar alle Hunde der Umgebung ‚Gute Nacht‘ sagen, und morgens deutlich vor Sonnenaufgang, wenn die Hähne krähen.

Für 3 Tage habe ich mir ein Auto gemietet und bin so ziemlich an allen Ecken der Insel gewesen. Fazit: Wunderschön! Viel grün, aber auch schon viele Blüten gehen auf. Tolle Ausblicke über das Meer und erst recht in 917m Höhe, an der höchsten Erhebung der Insel. Die Fahrt zum Pantokrator führt kurvenreich mit unzähligen wunderbaren Ausblicken – wie könnte es anders sein – immer bergauf. Oben erwarten einen zahlreiche Sendemasten und ein kleines Kloster, recht romantisch angelegt. In der Klosterstube wird einem ein fantastischer griechischer Kaffee serviert. Und die Aussicht nach Albanien rüber ist einfach genial. Leider war es an diesem Tag etwas dunstig, aber dennoch, der Weg hatte sich gelohnt.

Am Kap Drastis begegnete ich einer ganz besonderen Spezies Mensch. Das Gelände ist eingezäunt, unendlich viele Hinweise auf das Privatgrundstück. Am Gatter angekommen wurde ich von einem Menschen begrüßt, der – nun ja, man möge mir verzeihen – einem Gorilla nicht unähnlich ist. Ihm zur Seite eine Frau: alt, verhärmt, streng zurückgekämmte graue Haare, dürr. Natürlich erwartete ich, dass ein Eintrittsgeld zu entrichten ist und erkundigte mich nach der Höhe, da dergleichen nichts geschrieben stand. Der Mann musterte mich und folgender Dialog entstand: „Nun, das Eintrittsgeld ist hoch.“ – Wie hoch?“ – Ziemlich hoch.“ – „Was heißt ziemlich hoch?“ – „Sehr hoch.“ – „Heißt genau was?“ – „100,00 EUR“ – „Ähm, Sie sagten 100,00 EUR? – „Ja, sagte ich, no money, no honey.“ – „Und womit rechtfertigt sich dieser Preis?“ – „Ich habe den Müll zu entsorgen, ich habe das Grundstück gekauft, ich habe das Grundstück abzubezahlen, ich habe Steuern zu zahlen, ich mache mit Ihnen eine Besichtigungsvertrag“ – „Hmm, okay, kann ich alles verstehen, aber ich hatte nicht vor Ihnen die Gesamtkosten hier und jetzt zu bezahlen. Da kommen sicher noch mehr Besucher, so dass am Ende die Kosten wieder reinkommen. Angemessen hielte ich 5,00 EUR, schließlich mache ich keinen Dreck, laufe nur die paar Stufen zum Hügel hoch, mache ein paar Fotos und verlasse den Ort wieder“ – „Keine Chance, 100,00EUR oder Sie bleiben draußen, no money, no honey“ – „Okay, dann wünsche ich Ihnen viel Spaß mit Ihrem Land und Ihren Besuchern.“
Zugleich hörte ich im Hintergrund zwei weibliche deutsche Stimmen näherkommen. Den beiden Mädels gegenüberstehend, erzählte ich Ihnen von meinem Erlebnis und den besagten 100,00 € Eintrittspreis. Ha, lachte die eine, den Kerl bringe ich dazu mir die 100 € zu geben. Nun, ich schloß mich den beiden an, denn ich wollte diesen Deal nicht verpassen. Auf dem Weg begegneten wir einem Auto, drin saß der o.g. „Gorilla“. Hmm, dachte ich, vielleicht kann man mit seiner Frau besser verhandeln?! Angekommen, war das Tor mit einer dicken Kette verschlossen. Drinnen saß seine Frau, eingesperrt! Es dauerte nicht lange, da kam der „nette Herr“ an, und stellte lächend erneut seine Forderung bezüglich des Eintrittsgeldes. Immerhin, auch für uns drei verlangte er jetzt nur 100 €, so dass mein Preis sich zumindest um 66% verringert hätte. Wer hätte es gedacht, der Besitzer zahlte der jungen Dame nicht die 100 €. Alle drei verließen wir den Ort des Geschehens unverrichteter Ding.

Auf dem Weg in den Süden der Insel, entlang der Ostküste, fand ich eine wunderschöne Oase der Ruhe und Entspannung – die Golden Beach Bar bei Moraitika. Hier verbrachte ich einige schöne Stunden am Strand, verwöhnt mit leckerem griechischen Kaffee und später einem Sardinenlunch.
Am Südende der Insel liegt ein kleines ehemaliges Kloster (jetzt nur noch eine Ruine) sehr versteckt in einem Wald. Man muss ein wenig zu Fuß den Hügel hoch, was sich aber, ob der vielen atemraubenden Blicke von den Klippen lohnt. Hat man das Kloster erreicht, sollte man vorsichtig die nächsten Schritte hinter die Mauern machen. Passt man nicht auf, kann das lebensgefährlich sein, da man völlig unerwartet direkt am Klippenrand steht.

Auf der Westseite der Insel führt mich der Weg wieder nordwärts zum Lake Korrision. Der See ist natürlich mit Meerwasser gefüllt, liegt er doch nur wenige Meter vom Sandstrand entfernt. Es weht ein ziemlicher Wind hier, so dass Kite-Surfer hier ihren Spaß haben. Was ich nicht erwartet hätte, es sollen hier auch Flamingos anzutreffen zu sein.

Eine detaillierte Beschreibung des Achillions, welches in engem und direkten Zusammenhang mit der Kaiserin von Österreich und Königin Ungarns – Elisabeth, genannt Sissi – steht findet man hier.