Moldova (Bucovina)

Fahrt von Sacel (Region Maramures) nach Sucevita (Region Moldova/Bucovina), 7.10.15

Aus der Region Maramures geht es nun in die Region Moldova. Hier zeichnet sich vor allem die Region Bucovina, also der westliche Teil der Moldau aus. Man findet in dieser Gegend liebevoll gehegte Dörfer, herrliche traditionelle Dorfhäuser mit Holzschindelfassaden, große bunte Holztore und vor allem zierliche Klosterkirchen, die wegen ihrer leuchtenden Außenfresken zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.

Die historische Region Moldau ist heute auf drei Staaten aufgeteilt. Die westliche Moldau gehört zu Rumänien und wird im Rumänischen „Moldova“ genannt. Die östliche Moldau ist seit 1991 als „Republik Moldau“ ein unabhängiger Staat. Und die Region Bucovina? Die Süd-Bucovina bildet den westlichen Teil der rumänischen Moldau. Die Nord-Bucovina gehört heute zur Ukraine. Der Name „Bucovina“ kommt aus dem slawischen (buc = Buche) – im Deutschen heißt die Region „Buchenwald“.

Von Sacel, wo ich für drei Nächte in einem kleinen Hostel gewohnt habe, geht’s nun über Borsa zum Pasul Prislop, dem Prislop-Pass, in 1416m Höhe. Dee Pass trennt die Maramures von der Moldova. Auch hier oben findet man ein kleines Koster (Manastirea Prislop) der neueren Zeit.


Wanderung durch den Wald von Sucevita (Region Moldova, Bucovina) mit Vassili, 8.10.15

In Sucevita übernachte ich in der kleinen Pension ‚Silva‘. Sie liegt etwas versteckt, abseits der Straße. Mit Vassili, dem Hausherrn, sitze ich abends, wie üblich bei Palinka, zusammen im Garten. Mit Englisch, Französisch und ein paar Worten Deutsch klappt die Verständigung einigermaßen. Zumindest so gut, dass ich erfahre, dass er ein pensionierter Förster ist. Sogleich erwachte meine Hoffnung eventuell doch noch einen Bären zu sehen. Jedenfalls nimmt mich Vassili am nachsten Tag mit in sein Revier. Wir finden auch eine Spur, allerdings ist sich Vassili nicht so wirklich sicher, und wenn, dann ist es die Spur eines sehr kleinen Bärs. Kreuz und quer durchstreifen wir das Revier. Längst habe ich jede Orientierung verloren. Wege existieren auf diesem Querfeldein-Trip nicht oder werden nur kurz gekreuzt. Lange Rede – kurzer Sinn: außer Spuren von sonstigem Wild (Hirsch und Wildschwein), begegnet uns weder Mensch noch Tier. Trotzdem, ich habe diesen Ausflug zutiefst genossen.


Die bemalten Klöster der Bucovina gehören zum Schönsten, was Rumänien zu bieten hat. Eine schwindelerregende Detailfülle tut sich auf, minutiös und mit höchster Kunstfertigkeit von lokalen Malern ausgeführt: Bibelszenen und Kampfdarstellungen, Himmel und Hölle, Sünder und Heilige, Propheten und Philosophen, Krieger und Märtyrer.

Erbauer dieser Kleinode waren die großen Fürsten der Moldau, allen voran Stephan der Große (1433-1504).

Nachdem die Bucovina an Österreich ging, schlossen die Habsburger die Klöster – bis auf drei: Putna, Dragomirna und Sucevita. Erst nach dem Fall des kommunistischen Regimes 1989 feierten die Klöster ihre „Wiederauferstehung“. 1993 wurden zunächst sieben Klöster, allesamt mit bemalten Außenwänden, zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Bauweise und Bilderprogramm der Fresken weisen Gemeinsamkeiten auf: Die kleinen zierlichen Kirchen bestehen aus einem länglichen Schiff mit einem vorgezogenen Satteldach und einem Türmchen auf dem Hauptturm. Innen sind sie in Vorraum, Hauptraum und Altarraum gegliedert.

Die fantasievolle Bilderflut der Fresken folgt einer relativen Ordnung:
Außenbemalung: Die Westwand ist meist der eindrucksvollen Darstellung des Jüngsten Gerichts vorbehalten. Die Südwand schmückt die Darstellung des Hymnus Akathistos (Loblied zu Ehren der Heiligen Maria) in 24 Strophen. Die Nordseite bedecken Szenen aus der Genesis sowie eine Himmels- und Tugengendleiter. Die Ostseite bevölkern Engel, Heilige, Propheten, Kirchenväter, Apostel, Evangelisten und Märtyrer.
Innenbemalung: Auch innen sind die Wände über und über ausgemalt. Im Vorraum entfaltet sich oft der Menolog, der Kirchenkalender. Der Hauptraum ist vor allem dem Leben und Leiden Jesu gewidmet.
Die Farben bestehen aus pflanzlichen Stoffen und Mineralien. Ihnen beigegeben sind Bindemittel aus Kalk und frischen Kuhmilchkäse. Aufgetragen wurde das Gemisch auf eine feuchte Grundierung als Kalk, Sand und gemahlenen Ziegeln. Alles in allem überdauerten diese Farben bereits mehr als 5 Jahrhunderte.

Kloster von Sucevita (Region Moldova, Bucovina), 7.10.15
Die Anlage bündelt die Essenz der moldauischen Klosterbaukunst. Die Kirche entstand zwischen 1582 und 1584. Die Bemalung erfolgte bis 1596. Stifter sind Teodosie Barbovschi, die wohlhabenden und einflussreichen Brüder Movila  und eine Tochter des Fürsten Petru Rares. Kreuzförmig mit drei runden Aspen, die Bauweise. Die gut erhaltenen Freskenmalereien sind das Werk der Brüder Ion und Sofronie, zwei rumänische Malermeister. Neben der o.g. Ordnung, was die Bemalung betrifft, findet man hier aber auch Themen, die in der moldawischen Kirchenmalerei nicht allzu oft vorkommen, und zwar: die „Schöpfung“, die „Leiter des Johannes Klimakos von Sinai“ (auf  der Nordfassade) und die „Krönuung der Jungfrau Maria“ (auf der Südfassade).


Kloster von Humor (Region Moldova, Bucovina), 9.10.15

Humor ist ein außergewöhnliches Kloster. Erstens, weil die spektakulären Außenfresken die ältesten der Bucovina sind. Zweitens, weil in Humor erstmals ein offener Vorbau angebracht wurde. Drittens, weil im Kircheninneren über dem Grabraum des Kirchenerbauers ein Geheimzimmer eingezogen wurde, in dem v.a. in Krisenzeiten Wertsachen aufbewahrt wurden.


Kloster Voronet (Region Moldova, Bucovina), 9.10.15

Die Kirche wurde 1488 in nur drei Monaten und drei Wochen errichtet. Berühmt gemacht hat das Kloster seine faszierende Darstellung des Jüngsten Gerichts auf der gesamten Westwand.
Die Innenfresken stammen von 1496. Im Hauptraum sieht Jesus von der Kuppel herab, unter sich Heerscharen von Engeln, Propheten und Aposteln. Die schön verzierte vergoldete Altarwand besteht aus Eichenholz.
Voronet wird auch die „Sixtinische Kapelle des Ostens“ genannt.


Schlechtes Wetter kündigt sich an. Für die nächsten drei bis vier Tage werden Dauerregen, anfangs vermischt mit Schnee, später reiner Schneefall vorhergesagt. Für mich bedeutet das: Irgendwo rasten und diese Homepage auf Vordermann bringen.
Gheorgheni ist das erklärte Ziel. Hier lockt ein gutes Motel, preiswert und mit allem ausgestattet, was ich benötige. Verläßt man die Bucovina und steuert die südliche Moldau an, ändert sich das Landschaftsbild. Die Region ist ärmer, die Dörfer weniger adrett, die Häuser schichter. Der Weg nach Gheorheni führt über die Bicaz-Klamm und den Lacul Rosu, wobei die Klamm Moldova mit Transsilvanien verbindet.

Cheile Bicazului (Region südliche Moldova), 10.10.15

Schroffe Felswände ragen 150-300 m in die Höhe. Die Straße windet sich durch eine wilde Landschaft von der Ortschft Bicaz Chei bis Lacul Rosu. Die kanpp 6 km lange Bicaz-Klamm zählt zu den schönsen Gebirgsstraßen Rumäniens.


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