Spiritualität

22. Februar 2015

Was ist Spiritualität? Ich denke, dass es sich hierbei um einen ziemlich weitgehenden Begriff handelt. Dies wird auf der Seite von Wikipedia bestätigt. Meinerseits verstehe ich unter Spiritualität die hier aufgelisteten Faktoren:

  1. Gebet, Gottvertrauen und Geborgenheit (Gott ist nur ein Wort, es kann durch jedes andere Wort ersetzt werden, welches eine übergeordnete Instanz meint)
  2. Erkenntnis, Weisheit und Einsicht
  3. Transzendenz-Überzeugung
  4. Mitgefühl, Großzügigkeit und Toleranz
  5. Bewusster Umgang mit anderen, sich selbst und der Umwelt
  6. Ehrfurcht und Dankbarkeit
  7. Gleichmut und Meditation.

Dazu zählt für mich auch die Leidenschaft und Hingabe in der Zubereitung von Lebensmitteln (siehe Betrachtungen über das Essen und Betrachtungen über das Kochen).

Meine Webseite hat den Untertitel: Der Weg ist das Ziel. Allein hierin steckt schon eine Form der Spiritualität. Wenn der Weg das Ziel ist, dann bin ich eigentlich in jedem Moment schon angekommen. Der Rückschluss legt nahe, das ganze Leben ist eine einzige Reise. Warum also mache ich mich auf die Reise, wenn ich doch schon angekommen bin? Ist es überhaupt eine ‚Reise‘, die ich unternehme oder handelt es sich nur um eine andere Form des alltäglichen Lebens? Meine Antwort lautet: Ich bin in meinem Leben an einer Wegkreuzung angekommen und muss mich entscheiden in welche Richtung ich weitergehen werde. Ich hätte auch eine andere Richtung einschlagen können, aber ich habe die Entscheidung getroffen mich auf den Weg in, vielleicht auch um die Welt zu machen.

Mit welchen Erwartungen schlage ich diesen Weg ein? Mit den oben genannten Erwartungen! Ich bin ein Kopfmensch, schon immer gewesen. Trotz alledem gab es Zeiten und Situationen, in denen ich mich vom Bauch und/oder Herz leiten ließ. Indem ich das tat habe ich oft erlebt, dass sich Situationen scheinbar wie von selbst zu meinem Besten wandelten. Das Vertrauen in etwas Übergeordnetes wies mir schon oft den richtigen Weg im Leben. Erkenntnis (weniger Weisheit) bzw. Einsicht haben sich durch dieses Verhalten zwangsläufig ergeben.

Was die Transzendenz betrifft, bin ich schon lange davon überzeugt, dass es zwischen Erde und Himmel manches gibt, was unser Verstand nicht zu erklären vermag. Mittlerweile kommt auch die Wissenschaft dahinter, dass deren Thesen vielleicht nicht neu aber zumindest umgeschrieben werden müssen, insbesondere wenn es um die Quantenphysik geht, was mich zugegebenermaßen zu einem frohen Schmunzeln veranlasst.

Anders verhält es sich schon, wenn die Begriffe Mitgefühl und Toleranz ins Spiel kommen. Seit ich den Entschluss gefasst habe zu reisen, wird mir immer öfter bewußt, wie sich zukünftig der Spieß umdrehen kann – wenn ich nämlich selbst auf das Mitgefühl und die Toleranz der anderen Menschen angewiesen sein werde. Allzu oft ertappe ich mich dabei, wie meine Gedanken plötzlich ins Stocken geraten, ich mir sage, sei vorsichtig was du sagst, in naher Zukunft können andere Menschen das gleiche über dich zu dir sagen. Hier erhoffe ich mir weitere lehrreiche Begegnungen.

Ich will nicht behaupten, dass ich permanent achtsam bin, aber ich habe insbesondere in den letzten 6 Jahren schon ein gutes Stück gelernt und bin stets am Ball.

Ehrfurcht und Dankbarkeit, ja! Diese Begriffe haben fast ständig einen Platz in mir. Gleichmut jedoch nicht. Aber die verschiedenen Formen der Meditation werden mich schon noch ein gutes Stück lehren.

Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke, muss ich mir eingestehen, dass ich viele, sehr viele Menschen verletzt habe. Eine Tatsache, die ich bereue aber schwerlich wieder ausbügeln kann, weil der Kontakt dorthin nicht mehr hergestellt werden kann. Ich bin oft meinen Impulsen gefolgt, die unangemessen und für andere Menschen schwer verständlich waren. Das hatte Ursachen, die hier jedoch zu weit führen. Fakt ist, ich habe viel Schuld auf mich genommen, eine schwer verdauliche Last, die in folgender Aussage gut beschrieben wird:

Ein lebendiger Vogel frisst Ameisen, jedoch, wenn er stirbt, dann fressen die Ameisen ihn.
Verhältnisse können sich mit der Zeit ändern und das Blatt wird irgendwann gewendet.
Unterdrücke, verachte oder verletzte niemanden während deiner Lebenszeit.
Vielleicht bist du heute stark, aber vergiss nicht, die Zeit ist immer stärker als du.
So wie man aus einem Baum Millionen von Streichhölzern herstellen kann,
so braucht man nur ein Streichholz, um Millionen Bäume niederzubrennen.“       (Autor unbekannt).

Was also hat das eine (die Reise) mit dem anderen (die Schuld) zu tun? Nun, indem man auf sich allein gestellt reist, hat man eine gute Gelegenheit sich selbst zu reflektieren und Frieden mit sich selbst zu machen. Man hat Zeit, sehr viel Zeit! Sofern man nicht in Gesellschaft anderer reist wird man auf sich selbst geworfen. Es geht also darum an sich zu arbeiten, zu weiterer Einsicht zu kommen. Gewohnheiten abzulegen, neue Gedanken zu entwickeln, weicher, emphatischer zu werden.

In meinem Leben habe ich mich oft mit anderen Menschen verglichen. Das macht jeder Mensch, insbesondere jüngere Menschen, bei denen der Status eine wesentliche Rolle spielt. Damit soll jetzt Schluss sein. Stattdessen will ich mich auf mich selbst konzentrieren, auf meinen Körper, meine Wünsche, meine Ziele erreichen. Der eigene Fortschritt gerät ins Stocken gerät, wenn ich mich zu sehr auf andere fixiere.

Und, muss ich mich eigentlich für etwas entschuldigen, was ich nicht machen möchte? Nein! Dinge zu tun, die mich nicht erfüllen erscheint mir als Zeitverschwendung. Gefühle und Meinungen anderer zu übernehmen, ohne selbst dahinter zu stehen, sollen ein Ende haben. Warum, frage ich mich, soll eine Meinung, die von einer Mehrheit vertreten wird, heißen, dass sie wahr ist? Was ist überhaupt Wahrheit? Sie verändert sich doch sofort, wenn man den Standpunkt, den Blickwinkel verändert. In der Vergangenheit habe ich schon oft meine Überzeugung unabhängig von anderen geäußert. Und genauso oft habe ich die Tatsache erfahren, dass mich nicht jeder aufgrund dieser Eigenschaft mag.  Es schmerzt abgelehnt zu werden, trotzdem komme ich wieder zur Auffassung, das alles völlig in Ordnung ist. Die, die sich von mir  abwenden muss ich nicht an meinem Leben teilhaben lassen bzw. wollen auch nicht, dass ich an ihrem Leben teilhabe.

Meine Ziele waren schon immer hoch gesteckt, haben mich in Verzweiflung gebracht, wenn ich sie nicht erreichen konnte. Klein kam ich mir dann immer vor, als Versager. Was war der Fehler? Ich habe mich selbst überschätzt! Mit der Prämisse des Gelingens, habe ich mich zu sehr unter Druck gesetzt. Auf einer Reise, deren Ende nicht vorhersehbar ist, spielt das keine Rolle mehr. In dieser Lebensform entscheidet sowieso meistens der gegenwärtige Moment. Wozu also das Planen und Streben? Besser, in dem Moment das tun, was gerade getan werden muss bzw. was einen gerade inspiriert. Das Leben soll eine Freude sein, glücklich machen.

Und, muss wirklich immer alles perfekt sein? Wer ist schon perfekt? – Perfektion kann auch langweilig sein, weil man Überraschungen keinen Raum gibt. Makel & Macken zulassen, den eigenen Stil finden, unabhängig von Idealen, das stelle ich mir sehr lebensfroh und farbig vor. Einen Versuch ist es allemal wert.

Und damit kann Negatives sich auch in Positives wandeln, nämlich in ein Leben im Hier und Jetzt! Die Vergangenheit und Lebenserfahrung hat mich gelehrt mit fast allen Situationen umzugehen. Sie war aber zugleich auch oft die Zeit, in der ich lebte. Es soll Schluss sein damit. Wut, Neid und Selbstzweifel haben nur allzu oft meinen Verstand vergiftet. Es soll keine Rolle mehr spielen, wer ich zuvor war, denn es gibt nur zwei Tage in meinem Leben, die ich nicht verändern kann: die Vergangenheit und die Zukunft. Fazit: Ich bin in jedem Moment der, der ich bin.

Ex. Es gibt gute Gründe warum etwas oder jemand zu einem Ex- geworden ist, es nicht funktioniert hat. Aber soll ich mein Glück davon abhängig machen? Am Ende stand doch stets fest, dass ich etwas nicht gefunden habe was ich brauchte? Auch wenn das Loslassen einen Haufen voller unbeantworteter Fragen hinterließ, brauche ich das Ex um damit abzuschließen? Ist es nicht sinnvoller den Moment zu genießen? Mit voller Leidenschaft dabei sein indem, was ich gerade tue?!
Korrektur:
Ex. Es gibt gute Gründe warum etwas oder jemand zu einem Ex- geworden ist, es nicht funktioniert hat. Oder hat es in Wirklichkeit nicht doch funktioniert? Ich denke, es gibt keine Zufälle. Wenn dem so ist, dann ist man doch zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen und hat seine Lektionen gelernt. „Mission completed“ könnte man auch sagen. ‚Ex‘ muss nicht etwas Schlechtes bedeuten, sondern kann auch bedeuten, dass man etwas mit Respekt und Dankbarkeit beendet, loslässt.

Das bedeutet auf mich zu achten! Etwas für mich und meinen Körper tun. Auf meine Bedürfnisse zu hören statt sie zu unterdrücken, alte Gewohnheiten abzuwerfen. Aktiv zu sein, nicht, weil es andere erwarten, sondern weil ich meinem Körper und Geist etwas Gutes tun möchte, nach mir selbst strebe, an meine Grenzen gehen! Ich denke, ich werde meine Endorphine gut zu spüren bekommen.

Da ich mein wertvollster Besitz bin, habe ich beschlossen mein Glück nicht von materiellem Besitz abhängig zu machen! Statussymbole haben keinen Platz mehr in meinem Leben. Stattdessen sammle ich lieber neue Erfahrungen, verreise, lerne neue Leute und Kulturen kennen anstatt Dinge zu sammeln, nur weil andere ihnen einen Wert zuschreiben.

Ich bin kein Mensch, der permanent Menschen um sich versammelt. Ich liebe “frische Luft” und Abstand. Aber Abstand ist etwas anderes als Isolation. Ich bin in Gesellschaft durchaus glücklich, weil man gemeinsam aus Erfahrungen lernen kann. Klar gibt es Dinge, die allein mehr Spaß machen, aber “Glück kann sich nur verdoppeln, wenn man es teilt!”

Ich möchte mehr auf Gelassenheit und Humor setzen. Über mich selbst lachen und Situationen mit ein wenig mehr Ironie zu begegnen.  Ich habe begriffen: Das Leben ist sicher nicht ganz so ernst, wie es manchmal scheint.

Ganz wichtig: Don’t judge a book by it’s cover! Will heißen, weg vom Schubladendenken (siehe oben, Stichwort Toleranz). Mehr Augenmerk auf die eigenen Taten lenken und reflektieren. Kritik? Möglichst nur über mich selbst.  Das soll aber nicht so verstanden werden, dass ich zu naiv und gutmütig bin. Aber ich denke, mit der Zeit werde ich merken, wer in meinem Leben bleibt.

Über 60 Jahre lang habe ich funktioniert. Habe Weisungen erhalten. Das war sicher auch okay, denn schließlich wurde ich dadurch in die Lage versetzt ein nicht gerade erfolgloses Leben zu führen. Aber, ab heute möchte ich mir die Freiheit geben. Mein Leben gehört niemanden außer mir! Ich möchte mir keine Vorschriften und Rahmen mehr geben lassen. Unabhängig möchte ich mein Ding machen! Wenn mir etwas nicht gefällt, suche ich mir etwas, was mich mehr erfüllt und mir mehr Spaß macht! Und zwar Jetzt!

 

11.02.2016

Am 24.12.15 war ich zu Gast bei Steve Thompson auf Ibiza. Eigentlich war nichts Besonderes damit verbunden. Wie es zu Weihnachten vielerorts üblich ist, setzt man sich zusammen, um gemeinsam zu essen und einen gemütlichen Nachmittag/Abend zu haben. Anders war, dass ich an diesem Tag einem Buch zum dritten Mal begegenete. Zuerst lernte ich das Buch in Findhorn, Schottland, kennen. Jeden Tag meines zweiwöchigen Aufenthalts wurde daraus vorgelesen. Das nächste Mal fiel es mir in einem Buchladen in die Hände. Ich erinnerte mich an Schottland und nahm dieses Buch mit nach Hause. Dort landete es zunächst im Regal unter der Rubrik „Spiritualität“ bis es anläßlich meiner Wohnungsauflösung als Spende in der örtlichen Stadtbücherei landete. Ein halbes Jahr später sah ich auf dem Kaminsims bei Carolina, Steves Lebensgefährtin, ein Buch aufgeschlagen liegen. Neugierig, wie ich bin, hob ich es an, um den Buchtitel zu lesen: „A Course In Miracles – kurz: ACIM“!

Da war es wieder. Carolina, Steve und ich saßen an diesem Nachmittag beisammen und lasen den Text für den 24.Dezember. Ich verstand den englischen Text nicht vollständig. Carolina stand auf und holte eine deutsche Übersetzung hervor und bat mich den zuvor gelesenen Teil in deutsch vorzulesen, auch wenn sie nur die Klang der deutschen Worte empfinden könne. Es ging im Großen und Ganzen darum, dass Gott uns führt. Es gibt keine Zufälle, das Skript ist bereits geschrieben. Aus dem „‚Secret“ und dem „Masterkey System“ hatte ich schon eine ähnliche Denkweise entwickelt. Das Zauberwort heißt hier „Law of Attraction“, will sagen positive Gedanken ziehen positive Ereignisse an, und umgekehrt.

Dieser hier gelesene Text berührte mich jedoch mit einer besonderen Tiefe. So tief, dass ich beschloss diesmal das Buch „Ein Kurs in Wundern“ wirklich zu lesen. Und seit diesem Abend benutze ich das sogenannte Arbeitsbuch, in welchem tägliche Affirmationen vorgegeben werden. Die Übungszeiten sind sehr kurz gehalten, was es jedem ermöglicht sie tagsüber auch anzuwenden. Mitterweile spüre ich, wie jeder neue Tag mich näher an Gott heranführt. Ich bin ohnehin kein ängstlicher Mensch, aber durch das immer stärker werdende Vertrauen in Gott bin ich noch zuversichtlicher geworden.

Was passiert gerade im Detail mit mir?
Ich bin an einer weiteren Wegkreuzung angekommen und habe mich entschlossen mich Gott zuzuwenden. In diversen Diskussionen über Spiritualität und Religion habe ich versucht meine Sicht darüber auszudrücken. Gelebt habe ich aber all diese gesprochenen Worte zu keinem Zeitpunkt. Es war immer nur Theorie aber keine Praxis. Ab und zu, in der Not, wenn es mir schlecht ging, habe ich so etwas wie eine Ahnung in mir gespürt, dass Gott bei mir ist, mir etwas vermitteln will. Aber mein Ego, hat mit solcher Heftigkeit dagegegen protestiert, dass die Stimme Gottes darin unterging.

Ich lerne, dass das, was ich sehe nichts als Illusionen sind. Davon bin schon lange ausgegangen, aber mehr durch eine physikalischer Sichtweise betrachtend. Stichworte: Frequenzen, Energie und Materialisierung. Im ACIM bekommt diese Herangehensweise einen zwar nicht neuen aber anderen Namen, ‚Ego‘. Die Illusionen werden durch mein Ego hervorgerufen. Mittlerweile komme ich zu der Überzeugung, dass die Aussage

…es gibt nur zwei Tage in meinem Leben, die ich nicht verändern kann: die Vergangenheit und die Zukunft – was Du gestalten kannst ist ausschließlich die Gegenwart, den Augenblick, das Hier und Jetzt.

auch nicht richtig ist. Vielmehr kann ich eigentlich nichts wirklich selbst gestalten, weil ich die Wahrheit nicht sehen kann, da ich in jedem Moment nur die Vergangenheit sehe.

Hier eine Beispiel:
– Sehe ich eine Tasse oder lasse ich nur vergangene Erfahrungen an mir vorbeiziehen, in denen ich eine Tasse in die Hand nahm, durstig war, aus der Tasse trank, den Rand der Tasse an meinen Lippen spürte, frühstückte, usw.? Beruhen nicht auch meine ästetischen Reaktionen auf die Tasse auf vergangenen Erfahrungen? Wie sonst würde ich wissen , ob diese Art von Tasse zerbricht oder nicht, wenn ich sie fallen lasse. Was weiß ich über die Tasse ausser dem, was ich in der Vergangenheit gelernt habe? Ich hätte keine Ahnung, was diese Tasse ist, wäre da nicht mein vergangenes Lernen. Sehe ich sie also wirklich? Mein Geist beschäftigt sich demnach permanent mit der Vergangenheit. Ich sehe nur Projektionen meiner Gedanken. Mein Geist kann also nicht einmal die Gegenwart, das so viel propagierte ‚Hier und Jetzt‘ erfassen. Eigentlich kann mein Geist die Zeit gar nicht erfassen und versteht aus diesem Grund rein gar nichts! Im Endeffekt bleibt der einzige Gedanke, den man in bezug auf die Vergangenheit haben kann, der, dass sie nicht existiert. Die Folge: Über sie nachzudenken ist ein Nachdenken über Illusionen. Und noch einen Schritt weitergehend: Der Geist ist tatsächlich leer, wenn er über Vergangenheit oder gar Zukunft nachdenkt. Er denkt nicht wirklich über irgendetwas nach.

Und was ist mit all den Aufregungen, die in der Vergangenheit stattgefunden haben? Worüber habe ich nicht gestritten und schlechte Gefühle erzeugt bzw. selber gehabt?! Alles für die Katz, denn all die Überlegungen, Prinzipien, Argumente hatten letztlich nicht die geringste Bedeutung, weil ich über etwas diskutierte, was gar nicht existierte. Gerade in der heutigen Zeit werden die Wahrnehmungsverzerrungen besonders deutlich, da wir anscheinend in einer beängstigenden, traurigen, gewalttätigen oder wahnsinnigen Welt leben. All diese Eigenschaften werden der Welt von den Menschen selbst verliehen. Die Welt an sich ist bedeutungslos und existiert nicht. Bedeutungslosigkeit ruft bekanntermaßen Angst hervor. Das Ego misst sich mit Gott, weil es befürchtet die Leere könnte dazu benutzt werden seine Machtlosigkeit und Unwirklichkeit aufzuzeigen.

Was folgt daraus? Die Welt, die ich sehe hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Sie ist in meinem Geist, meiner Phantasie entstanden und nach außen pojeziert worden, existiert also in Wahrheit nicht. Was für ein Statement, nicht wahr?
Was die Wahrnehmung  einer ganzen Welt entstehen lässt kann man kaum „nichtig“ nennen. Die Geister sind verbunden. Mit anderen Worten: Nur dadurch ist es möglich, dass Macht, Gier und Krieg so ausarten. Viele Menschen denken gemeinsam in die gleiche Richtung und erzeugen auf diese Art und Weise eine komplette Welt voller Grausamkeit. Es ist wie ein Film, den wir uns im Kino anschauen. Niemand geht während des Films an die Leinwand und trommelt auf sie ein. Warum auch? Das Geschehen im Film kann dadurch nicht gestoppt werden. Nicht umsonst propagieren, leider immer noch viel zu wenige, dass ein Umdenken weltweit stattfinden muss, damit unsere Illusionen einen positiveren Anblick annehmen. Leider sieht es so aus, dass niemand so richtig merkt, dass er einen schlechten Traum hat. Man erwacht nicht, sondern zieht es vor weiter schecht zu träumen.

Aber, es ist möglich die Dinge anders zu sehen, zum Beispiel friedvoller. Ich muss mir vergegenwärtigen, dass jeglicher Angriffsgedanke einen Angriff gegen mich selbst darstellt, der widerum in meiner Welt der Illusionen mit Selbstverteidigung gerechtfertigt wird. Anders dargestellt: Ich fühle mich durch irgendwen/irgendetwas angegrifen. Was ich wirklich tue, ist, ich projeziere meinen Ärger in die Außenwelt. Und logischerweise beginnt mein Ego diesen vermeintlichen Angrifff mit einem Gegenangriff zu rechtfertigen. Der Kreis schließt sich. Das Karussell ist im Gange. Angriff – Gegenangriff – Verteidigung – Rechtfertigung usw. Ein Entrinnen aus diesem Wahnsinns ist nur möglich, indem ich meinen eigenen Angriffsgedanken aufgebe.

Der Kreis schließt sich für mich ein erstes Mal an dieser Stelle. In Anbetracht der oben beschriebenen Situation ist es für mich nur natürlich, dass ich anfange Spiritualität wirklich zu leben, will sagen, dass ich anfange ein Leben mit Gott zu leben. In dem ich mir klar mache, dass Gott in allem ist, was ich sehe, weil Gott in meinem Geist ist, kann ich aufhören mich als Opfer der Welt zu sehen. Mein Geist ist somit ein Teil Gottes Geistes.

Anderes Thema: Schuld und Sünde. Wer geht davon aus, dass Gott Schuld und Sünde auf sich geladen hat? Niemand. Vielmehr benutzt man das Wort ‚heilig‘ im Zusammenhang mit Gott. Ausgehend davon, dass ich ein Teil Gottes bin, wie kann ich dann schuldig oder sündig sein? Das wäre gleichbedeutend, dass Gott dies wäre. Anders ausgedrückt: Der Begriff ‚Schuld‘ und ‚Sünde‘ wird von denjenigen benutzt, deren Ego lauter schreit als die Stimme Gottes spricht. Deren Beziehung besteht zu ihrem Ego und ihrem Körper und nicht zu Gott. Durch meine Entscheidung eine Beziehung zu Gott zu führen verliere ich die Begriffe Schuld und Sünde und fühle mich nicht mehr als Opfer dieser Welt.

 

29.09.16

Mein Leben mit Gott hat sich intensiviert. Mittlerweile verlasse ich mich auf ihn. Was heißt das? Ich habe aufgehört mir allzu viele Gedanken zu machen, weil ich die Erfahrung mache, dass meine vermeintlich eigenen Gedanken zu nichts führen. Da ich eins mit Gott bin, sind auch meine Gedanken seine Gedanken. Das macht mein Leben um ein Vielfaches leichter und einfacher. Warum soll ich den Gedanken meines Ego folgen, wenn dies nur zu Enttäuscchung und Aussichtslosigkeit führt. Das Skript ist sowieso schon geschrieben. Und Gott, nur Gott kennt den Wortlaut. Was immer ich aus vermeintlich eigener Entscheidung tue, ich werde kein Glück, keine Zufriedenheit, keine Freude ernten. Indem ich mich aber Gott anvertraue, ihn machen lasse, weil er die ganze Story, das ganze Bild bereits kennt, komme ich auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort an. Es geschieht Gottes Plan, nicht meiner. Und, es macht mich glücklich, zufrieden, bereichert mich, erfüllt mich mit Freude.