Prag

Prag 01. 4. bis 07.04.2016

Mit Air Berlin ging es am 1. April von Köln über Berlin-Tegel nach Prag. Zwischen Köln und Berlin per B737-800 und von Berlin nach Prag mit einer Saab 2000. Abflug um 17:45 über Rwy 26L, Flughöhe 6400m Flugzeit 40 Minuten.


Prag liegt fast inmitten Böhmens an den Ufern der Moldau. Die schier endlose Zahl von Architektur- und Kulturdenkmälern machen die Stadt wohl zu einer der schönsten der Welt.

Um das Jahr 880 legten der Premyslidenfürst Borivoy und dessen Sohn Spytihnev I. auf einem Felsausläufer oberhalb des Flusses den Grundstein für die zukünftige Prager Burg. Nach und nach wurde dieser Ort zu einem Verwaltungszentrum des Böhmischen Staates. Ein steter Zustrom von Händlern und Handwerkern verwandelte diesen Ort in eine prosperierende mittelalterliche Stadt. Seine größte Blüte erreichte Prag zuzeiten Karls IV (1316-1378). Er erhob Prag zur kaiserlichen Residenz. Die Gründung der ersten Universität nördlich der Alpen machte Prag, damals bereits das politische Zentrum Europas, nun auch zu einem Zentrum von Bildung und Kultur.

1918 wurde Prag zur Hauptstadt der neu geschaffenen Tschechoslowakei. Während des Zweiten Weltkriegs erlitt die Stadt glücklicherweise nur geringfügige Schäden. Auch die Ära des sogenannten Sozialismus in der zweiten Hälfte des 20. Jh. hinterließ in der Metropole in architektonischer Hinsicht im Wesentlichen keine Spuren.

So trifft man heute ein Prag an, dessen Antlitz sich kaum verändert hat.


Die Prager Burg ist das Symbol der tschechischen Staatlichkeit und das nationale Kulturdenkmal Nr.1. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 9. Jh. von dem Herrschergschlecht der Premysliden gegründet. Neben der Verwaltung oblag ihr der Schutz der Marktsiedlungen an der Moldau. Die ursprüngliche Burgstätte mit gezimmerten Bauten und Erdwällen wurde nach und nach in eine romanische Burg umgewandelt, die mit der wachsenden Macht der Tschechen an Bedeutung und Größe gewann. Eine wirkliche Blütezeit erlebte die herrschaftliche Residenz unter der Regierung Karls IV. Damals begann unter der Leitung  der Baumeister Matthias von Arras und Peter Parler der Bau eines neuen prächtigen Doms. Während der Hussitenkriege stand die Burg verlassen und dem Verfall preisgegeben. Erst Ende des 15.Jh. fand sie als Residenz der Jagiellonen wieder neue Beachtung. Diese ließen u.a. den bekannten Wladislaw-Saal errichten. In der Mitte des 16.Jh. beeinflußte Ferdinand I. auf markante Weise die Gestalt der Burg – ihm ist der Bau des eleganten Renaissance-Lustschlosses der Königin Anna zu verdanken. Unter der Herrschaft von Maria Theresia (1740-1780) wurde ein großer Teil der Burg im Stile der Barockzeit umgebaut. Ihre letztendliche Gestalt erhielt die Burg erst mit der Fertigstellung des St.-Veits-Doms in den Jahren 1873-1929.

Von der Burgrampe hat man einen der schönsten Ausblicke auf die Dächer und Kirchtürme der Stadt. Man betritt die Burg durch das Tor der Giganten (entstanden 1776) und steht zunächst im ersten Burghof dem Neuen Palast gegenüber, einem monumentalen klassizistischen Bauwerk aus den Jahren 1762 -68.

Durch das imposante Matthiastor aus dem Jahr 1614 (benannt nach Kaiser Matthias I.) geht es dann weiter in den zweiten Burghof. Auf dem nächsten, dem 3. Burghof, findet man dann das wertvollste Bauwerk der Burg, den prächtigen gotischen St-Veits-Wenzels-und-Adalbert-Dom. Er ist das geistliche Zentrum des Böhmischen Staates. In vergangenen Zeiten hatten hier u.a. 26 Krönungszeremonien böhmischer Könige stattgefunden. In der Gruft des Doms wurde eine Reihe böhmischer Herrscher, aber auch Heiliger, Edelmänner und Erzbischöfe zur letzten Ruhe gebettet. Auch die böhmischen Krönungsinsgnien werden hier aufbewahrt. Bei einem Gang außen um den Dom herum kann man das aufwändige Stützsystem des Domchors oder Parlers berühmtes Mosaik des Jüngsten Gerichts (dahinter befindet sich die Kronkammer) am Fuß des gewaltigen südlichen Großen Turms (Höhe 96,5m) bewundern. Über dem Mosaik sieht man, reich verziert, das größte Fenster des Doms.

Gegenüber dem Dom befindet sich der  Alte Königspalast, in welchem sich der o.g. Wladislaw-Saal, der alte Landtag und die Kirche Aller Heiligen befindet.


Das Strahover Kloster ist eines der ältesten Prämonstratenklöster Böhmens. Es wurde 1140 von König Ladislaus II. gegründet. Auf dem Klosterhof findet man die Kirche Mariä Himmelfahrt, die aus einer ursprünglich romanischen Basilika entstand. Die beiden Kirchtürme prägen die charakteristische Silhouette dieses Prager Stadtteils.
Neben der Kirche befindet sich das Bibliotheksgebäude, seit 1952 Denkmal des nationalen Schrifttums. Es handelt sich hierbei um ein Museum, das die bedeutendsten, mit der Literaturentwicklung Tschechiens und den bedeutenden Persönlichkeiten des tschechischen Literaturschaffens im Zusammenhang stehenden Denkmäler in seine Sammlungen aufnimmt. Seine Sammlungen umfassen etwa 6,5 Millionen Gegendstände. Die Strahover Bibliothek zählt bis zu 6000 Bände.


Meine Unterkunft (Little Quarter Hostel) befindet sich in der „Nerudagasse“, welche geradewegs auf den Kleinseitner Platz führt. Hier trifft man auf das wohl bedeutendste Denkmal baraocker Architektur Böhmens, die St.-Nikolaus-Kirche.

Die St.-Nikolaus-Kirche wurde in mehreren Etappen zwischen 1704 und 1755 anstelle einer aus dem 13. Jh. stammenden gotischen Kirche errichtet. Geleitet wurde der Bau von dem bekannten Architekten Christoph Dientzenhofer, fertiggestellt wurde das hochbarocke Bauwerk von dessen Sohn Kilian Ignaz. Überwältigend und zudem außerordentlich wertvoll ist die Ausschmückung des Gotteshauses – insbesondere die Fresken im Deckengewölbe des Kirchenschiffs und in der Kuppel sowie die Gemälde des Passionszyklus, die von dem bedeutendsten böhmischen Barockmaler Karel Skreta (1610-1674) geschaffen wurden. Die Decke der Kuppel, die „Krone des barocken Prags“, erhebt sich 50m hoch. Die riesige Kirchenorgel spielte W.A. Mozart während seines Aufenthalts in Prag.


Die heutige Gestalt des Palais Liechtenstein auf dem oberen Kleinseitner Ring, gleich gegenüber der Nikolaus-Kirche, entstand Ende des 18. Jahrhunderts durch den Zusammenschluss mehrerer älterer Barockbauten unter einer monumentalen klassizistischen Fassade. Der bedeutendste Eigentümer des Palais war Fürst Karl von Liechtenstein, der nach der Schlacht auf dem Weißen Berg in seiner Funktion als Statthalter die Hinrichtung der 27 Anführer des Ständeaufstands organisierte. Familienmitglieder der Verurteilten gingen vergeblich in das Palais Liechtenstein, um hier um Gnade zu flehen. Die Hinrichtung fand auf dem Altstädter Ring statt. An diese Tragödie erinnern heute 27 gusseiserne Pfosten mit stilisierten Köpfen, die bei der letzten Renovierung im Jahr 1993 auf dem Gehweg vor dem Palais installiert wurden. Autor der Plastiken ist der Bildhauer Karel Nepraš. Das Palais ist heute Sitz der Musikakademie.

Ich nahm hier an einer Musikveranstaltung des Parnas-Ensembles teil. Gespielt wurde Bach, Vivaldi, Dvorak, Tchaikowsky, Mozart, Smetana und Bizet.


Durch das von den Kleinseitner Brückentürmen gebildete Tor gelangt man auf die steinerne Karlsbrücke, eines der bekanntesten Wahrzeichen Prags. Am anderen Ende der Brücke erwartet einen der Altstädter Brückenturm, ein echtes Kleinod der europäischen Baukunst der Gotik. Die 16 Bögen der Karlsbrücke verbinden die beiden Moldauufer bereits seit 1402. Der Brückenbau begann 1357 und stand unter dem Patronat von Kaiser Karl IV. Dennoch nannte man die Brücke lange Zeit ‚Prager Brücke‘ oder ‚Steinbrücke‘, erst seit 1870 ‚Karlsbrücke‘. Bis 1841 war sie die einzige Brücke Prags. Das mehr als einen halben Kilometer lange Bauwerk (516m zwischen den Brückentürmen) wird von einem einzigartgen Ensemble von 30 Barockstatuen und -statuengruppen aus der Zeit der Wende vom 17. zum 18. Jh. geschmückt. Insgesamt befinden sich auf der Brücke 75 Figuren. Die wahrscheinlich bekannteste Plastik ist die Statue eines Türken – einen Christen bewachendenden Heiden, ein Werk des berühmeten F.M.Brokoff. Als künstlerisch am wertvollsten gilt die Statuengruppe ‚Der Traum der Hl. Luitgard‘ aus dem Jahr 1710 von Matthias Bernard Braun. Blickt man von oben auf die Brücke, sieht man übrigens, dass sie dreimal die Richtung ändert. Errichtet wurde die Brücke nahezu an der gleichen Stelle, an der einst die vom Hochwasser im Jahr 1342 zerstörte Judithbrücke gestanden hatte.


Das natürliche Zentrum Prags ist der Altstädter Ring. Er erstreckt sich über eine Fläche von ca. 9000m² und wurde bereits in der 1. Hälfte des 13. Jh. angelegt. Die Highlights des Platzes sind der Turm des Altstädter Rathauses mit der berühmten astronomischen Aposteluhr und die beiden gotischen Türme der ‚Kirche der Mutter Gottes‘ am Teyn.
Der Altstädter Ring wurde in vergangenen Zeiten mehrmals Zeuge überwältigender Ereignisse der tschechischen Geschichte. Wohl am stärksten prägte sich in das Gedächtnis des Volkes die Exekution von 27 böhmischen Herren am 21 .Juni 1621 ein. 27 Kreuze aus weißen Steinen in der Pflasterung, sowie eine Gedenktafel an der Wand des Rathauses erinnern an die blutige Rache der Habsburger.

Das Altstädter Rathaus wurde 1338 als erstes Rathaus Böhmens gegründet. Es besteht aus mehreren Häusern, die nach und nach an das Rathaus angegliedert wurden. Das älteste stammt aus romanischer Zeit, die meisten wurden im gotischen Stil errichtet. Den Kern des Rathauses bildet ein gotisches Eckhaus mit einem geschmückten Portal. 1364 wurde an das Haus ein 69,5m hoher, viereckiger Turm angebaut. 1458 kam im Rathaus jener denkwürdiger Landtag zusammen, der Georg von Podiebrad (1420-1471) zum ersten böhmischen „Hussiten“-König wählte. Während des Prager Aufstandes im Mai 1945 wurde das Rathaus von einem deutschen Panzer getroffen, ging in Flammen auf und wäre fast vollkommen zerstört worden. Der Turm und die Rathausuhr wurden beschädigt, der neugotische Rathausflügel brannte völlig nieder und wurde nie wieder aufgebaut.

Die Altstädter (Prager) Rathausuhr ist die wahrscheinlich besterhaltene mittelalterliche Rathausuhr Europas und wurde bereits um 1410 in Betrieb genommen. Der Kern der Uhr ist eine mittelalterliche astronomische Uhr, auf deren Ziffernblatt man außer Zeit und Datum auch Daten über die Bewegung und die Stellung von Himmelskörpern ablesen kann. Am Bau der Rathausuhr waren mehrere Konstrukteure beteiligt. Der bekannteste von ihnen ist der Uhrmachermeister Nikolaus von Kaaden, der das Uhrwerk konstruierte. Die gesamte Anlage ist ein Entwurf des Mathematikers und Astronomen Jan Ondrejuv von Hradec Kralove. Ein Teil des Statuenschmucks stammt aus der Werkstatt von Peter Parler.


Der Pulverturm, ein außerordentliches Bauwerk der böhmischen Spätgotik wurde Ende des 15. Jh. von dem Bau- und Steinmetzmeister Matyas Rejsek errichtet. Das Tor gehörte einst zu den Altstädter Befestigungsanlagen, erfüllte jedoch eher repräsentative als verteidigende Aufgaben – er schuf eine Art Gegengewicht zum Altstädter Brückenturm. Der Name des Turms entstand an der Wende des 17. zum 18. Jh, als im Turm Schießpulver gelagert wurde.

Direkt neben dem Pulverturm steht das Gemeindehaus, das bedeutendste Jugenstilbauwerk Prags. Früher befand sich an dieser Stelle eine aus dem Jahr 1380 stammende königliche Residenz. Das Gemeindehaus entstand in den Jahren 1905-1912. Seine reiche Ausschmückung ist das Werk vorderster tschechischer Künstler des 20 Jh. Der Stolz des Hauses ist der Smetana-Konzertsaal, in dem mehr als 1200 Besucher Platz finden.


Stadtansichten

Fassaden, Türen, Tore, Fenster, Balkone – Prag ist eine Stadt, die einen entschleunigt, allein, weil jeder Meter, den man durch diese Stadt geht, einlädt stehenzubleiben, um zu betrachten und zu bestaunen.

Hard-Rock-Cafe Prag

Spezielle Kunstwerke

Diese Skulptur ist an der Ecke der Divadlo na Zabradli angebracht und repräsentiert einen Fötus, welcher durch das Ablaufrohr einer Regenrinne fällt. Mit diesem Kunstwerk soll die Frage gestellt werden, wie Kunstwerke entstehen und wie schwer es Künstlern fällt ihre Werke in einer einer engstirnigen Welt zu präsentieren.

Im Hof des Kafka-Museums findet man zwei bronzene nackte männliche Figuren, die ihre Hüften bewegend in einem Pool stehen, welcher die Form Tschechiens hat. Diese Statuen  wurden vom berühmten tschechischen Künstler David Cerny geschaffen. Das besondere, sie „pinkeln“ nicht nur in den Pool, sie schreiben mit ihrem Wasserstrahl SMS von bekannten Prager Bürgern.

 

Das Denkmal der Opfer des Kommunismus ist eine Gruppe von Statuen, die am Fuße des Petrin Hügels stehen.

Es zeigt sieben Bronzefiguren eine Treppe herabsteigend. Je weiter die Stauen vom Betrachter entfernt sind, desto stärker erscheinen sie „verwest“. Sie verlieren ihre Gliedmaßen, die Körper brechen auf.  Es symbolisiert, wie politische Gefangene durch den Kommunismus betroffen waren.

Die Inschrift einer Gedenktafel erklärt: Die Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus ist allen Opfern gewidmet, nicht nur denjenigen, die eingesperrt oder ermordet wurden, sondern auch denjenigen, deren Leben durch die totalitäre Despotie ruiniert wurde.“