Rom

Bei diesigem Wetter verließ ich mit Ryanair Malta am 11.5.16 in Richtung Rome-Fiumicino.

Es gibt keinen ‚public transport‘ vom Flughafen in die Innenstadt. Drei private Unternehmen teilen sich das Geschäft und bringen die Leute mit Bussen (Preis zwischen 4,50 und 7,00€) zum Hauptbahnhof. In der Nähe des Hauptbahnhofs hatte ich auch meine Unterkunft im ‚Viktoriapark Guesthouse‘ gebucht.

Das Hostel liegt inmitten eines sogenannten ‚Sozialen Brennpunkts‘. Will sagen: Es gibt hier reichlich zwielichtige Personen und jede Menge Obdachlose, deren Zuhause die Straße ist. Mit Sonnenuntergang wird es hier verbal sehr lebendig. Zudem ist es ein Meetingpoint für Menschen aus China, Indien, Pakistan und Afrika. Hier trifft sich die Welt! Aber, ich denke, das Bahnhofsviertel ist weltweit ein solcher Treffpunkt.

Rom ist schweineteuer! Zumindest, was die Unterkünfte und Lebensmittel betrifft. Mit 18.00€ war dieses Hostel eines der billigsten Unterkünfte. Allerdings bekam man für diesen Preis tatsächlich nur ein Bett, basta. Das Bett war zwar mit einem Laken bezogen, das gleiche gilt für das Kopfkissen. Es gab eine Wolldecke dazu. Ein top-sheet, also ein Laken zum Zudecken und ein Handtuch musste man jedoch extra bezahlen. Also nutzte ich meinen Schlafsack. Wer Glück hatte ergatterte eine Metallbox, in der man seine Wertsachen einschließen konnte. Für 8 Leute in einem dunklen Raum (der Fensterladen ließ sich nicht öffnen, also kam auch so gut wie kein Tageslicht herein) gab es zwei Steckdosen, um sein Handy wieder aufladen zu können. Die Steckdose lag mitten im Raum auf dem Fußboden. Hatte man Pech trat jemand, der von einer Party kam, des nachts auf’s Handy. Kein Tisch, kein Stuhl.

Es gab 4 Bäder. Jedes sehr klein, was die Bodenfläche betrifft, dafür aber riesig hohe Wände. Wo immer man in diesen Bädern hinsah, der Blick blieb regelmäßig an schwarzen Schimmelflecken hängen. Die Schiebetüren der Duschkabinen standen zum Teil frei im Raum.

Es gab eine Küche, in der aber die Gäste nicht selbst kochen durften. Hätte ich auch eher ungern getan, da Schaben und vor allem Tauben sich hier aufhielten. Eine Taube traf ich bequem in den Keksen sitzend an. Diese Küche diente über Tage als Aufenthaltsraum oder Ausweichort, wenn die Terrase aufgrund eines Schauers nass war. Des nachts (ab 21:30h) diente die Küche als Schlafraum für das Personal. Morgens und abends wurden hier ein Frühstück und des abends ein Abendessen (Pasta, mal rot mal weiß) angeboten. Nach 21:30 blieben Gästen zwei Möglichkeiten: ausgehen oder zu Bett gehen, denn Küche und Terrase (Lärmschutz für die Nachbarn) wurden abgeschlossen.

Touristen werden schriftlich darauf hingewiesen, dass für Einkäufe und Buchungen Quittungen zu verlangen und aufzubewahren sind. Angeblich soll die Steuerpolizei ziemlich harte Strafen für Unternehmen und Kunden verhängen, wenn diese keine Quittungen vorlegen können. In diesem Hostel bekam man jedenfalls keine Quittungen ausgestellt, auch nicht auf mehrfaches Verlangen. Vielmehr war man bemüht mich beim Check-in zweimal zur Kasse zu bitten. Erst als ich mittels Kontoauszug nachwies, dass meine Übernachtungskosten bereits beglichen wurden, nahm man mürrisch von diesem Anliegen Abstand.

‚Iss dort, wo kein Tourismus herrscht‘ – lautet eine Grundregel für den Budget-Reisenden. Das ist in Rom äußerst schwierig. Insofern wird’s teuer. Restaurants verlangen Preise, die für mich nicht akzeptabel sind, zumal die Portionen einen hungrig lassen. Beiben die kleinen Fast Food-Geschäfte, allen voran, die Pizzerien, die einem Pizza nach Gewicht anbieten. Die Auswahl ist meist recht groß und lecker sind sie allemal. Meine Stamm-Pizzeria lag nicht weit vom Hostel entfernt. Für 3.00 bis 6,00 Euronen bin ich hier immer gut satt geworden. Allerdings hängt einem nach 9 Tagen Pizza und Pasta zum Halse heraus. Nun gut, da muss man durch.

Rom ist schweineteuer – auch, weil es so viel zu besichtigen gibt. Die Eintrittspreise sind horrend. Und, wo immer man hinkommt: es erwarten einen endlose Schlagen vor den Kassen. Die Wartezeiten, allein um eine Eintrittskarte zu bekommen, lagen meist bei 1,5h. Oftmals bekommt man keine Eintrittskarte für denselben Tag, sondern für nur für einen bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit. Danach wartet man erneut vor den Sicherheitschecks, die überall installiert sind – wie auf Flughäfen. Naja, und vor den besonderen Schmankerln in den Museen ist man logischerweise auch nicht allein, sondern umgeben von Besuchern, die sich um die besten Selfie-Positionen streiten.

Regelmäßig kam ich völlig platt von meinen Streifzügen ins Hostel zurück. Und nach neun Tagen war ich froh aus diesem Ameisenhaufen raus zu kommen. Für diese Stadt muss man geboren sein, ansonsten machen Lärm, Hektik, Dreck, Wartezeiten und Umhergeschubse einen fertig. Ich denke, ich hatte es noch vergleichsweise gut, denn ich kann man mir den Stress im Hochsommer gut vorstellen, wenn einem die Sonne noch zusätzlich so richtig einheizt.


Rom ist die Hauptstadt Italiens. Mit etwa 2,8 Millionen Einwohnern im Stadtgebiet bzw. rund 3,3 Millionen Einwohnern unter Einbeziehung der umliegenden Gemeinden ist sie die größte Stadt Italiens. Rom liegt in der Region Latium an den Ufern des Flusses Tiber. Die Stadt wurde erstmals im 1. Jahrhundert v. Chr. vom Dichter Tibull Ewige Stadt genannt. Diese Bezeichnung wurde zu einem Ehrennamen für die Stadt wegen der Bedeutung in ihrer bis heute drei Jahrtausende umspannenden Geschichte. Sie ist heute Verwaltungssitz. Innerhalb der Stadt bildet der unabhängige Staat der Vatikanstadt eine Enklave. Der Vatikan ist der Sitz des Papstes, d. h. des Bischofs von Rom und Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche. Zudem ist Rom Sitz des Malteser-Ritterordens, der ein eigenständiges (jedoch nichtstaatliches) Völkerrechtssubjekt ist.

Die Altstadt von Rom, der Petersdom und die Vatikanstadt wurden von der UNESCO im Jahr 1980 zum Weltkulturerbe erklärt.

Nach der Gründungssage wurde Rom am 21. April 753 v. Chr. von Romulus gegründet. Romulus brachte demnach später seinen Zwillingsbruder Remus um, als sich dieser über die von Romulus errichtete Stadtmauer belustigte. Die Zwillinge waren der Sage nach die Kinder des Gottes Mars und der Vestalin Rhea Silvia. Sie seien auf dem Tiber ausgesetzt, von einer Wölfin gesäugt und dann von dem Hirten Faustulus am Velabrum unterhalb des Palatin gefunden und aufgezogen worden.

Ausgrabungen auf dem Palatin brachten Siedlungsreste aus der Zeit um 1000 vor Christus zutage; wahrscheinlich wurden einige latinische und sabinische Dörfer dann um 800 v. Chr. (vielleicht durch Etrusker) zu einer Stadt vereinigt oder wuchsen zusammen. Die Zusammenfassung einzelner Siedlungen zu einem Gemeinwesen könnte sich also nach Auffassung der Historiker tatsächlich um das legendäre Gründungsdatum herum ereignet haben.

Zu Beginn seiner Geschichte war Rom ein Königreich. Nach Vertreibung des letzten etruskischen Königs Tarquinius Superbus – angeblich im Jahr 509 v. Chr. – wurde Rom eine Republik – wenngleich dies wohl tatsächlich erst um 475 v. Chr. geschah. Die Folgezeit war von Ständekämpfen zwischen den rechtlosen, wenn auch freien Plebejern und den adeligen Patriziern gekennzeichnet. Rom begann nun damit, die umliegenden Gebiete anzugliedern.

Obwohl sich Rom 390 v. Chr. einer Invasion der Kelten kaum erwehren konnte, expandierte die Stadt dennoch ständig. Zum Schutz vor weiteren Übergriffen wurde die Servianische Mauer errichtet. 312 v. Chr. folgte der Bau des ersten Aquädukts sowie der Bau der Via Appia. Zur Expansion Roms trugen insbesondere auch die schließlich erfolgreichen Punischen Kriege (264–146 v. Chr.) gegen das nordafrikanische Karthago bei, das den westlichen Mittelmeerraum kontrollierte.

Nachdem die Brüder Tiberius und Gaius Sempronius Gracchus, die als Volkstribunen versucht hatten, Landreformen durchzusetzen, ermordet worden waren, kam es zu einer Phase der Instabilität, die in Bürgerkriegen ihren Höhepunkt fand. Gaius Iulius Caesar setzte als Diktator eine Reihe von Reformen durch, wurde jedoch 44 v. Chr. ermordet. Zu diesem Zeitpunkt erreichte das Forum Romanum bereits eine Bebauungsdichte, die eine Ausweitung des Areals nötig machte.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. war Rom wohl bereits eine Millionenstadt und sowohl geografisches als auch politisches Zentrum des Römischen Reiches. Es verfügte über ein funktionierendes Frisch- und Abwassersystem, ein ausgebautes Straßennetz und funktionierende Bevölkerungsschutzeinheiten. Der Ausbau Roms, der besonders unter Caesars Erbe Augustus forciert worden war, wurde durch einen großen Brand von Rom unter Nero im Jahr 64 vorübergehend zurückgeworfen.

Zu Beginn der Spätantike erreichte Rom wohl seine größte Bevölkerungszahl; die häufigsten Annahmen liegen etwa bei geschätzt 1,5 Millionen Einwohnern. Die Stadt verlor aber bald an politischer Bedeutung, da die verschiedenen Kaiser andere Residenzen (darunter Ravenna, Konstantinopel, Mailand, Trier, Thessaloniki, Split) bevorzugten. Ab diesem Moment sank Roms Stern immer mehr und die antike Pracht begann langsam zu schwinden. Um 530 lebten noch etwa 100.000 Menschen in Rom. Die zivilisatorische Katastrophe kam erst mit den Gotenkriegen und der in diesem Rahmen betriebenen Rückeroberungspolitik des oströmischen Kaisers Justinian. Die Kriegshandlungen führten zur endgültigen Zerstörung fast aller römischen Wasserleitungen, zur Auslöschung der das antike Erbe bewahrenden Senatorenschicht und zu einem mehrjährigen Aussetzen des städtischen Lebens durch oströmisch-gotische Belagerungskämpfe. Die Bevölkerungszahl sank als Folge auf wenige Zehntausend. Rom gehörte zwar formell seit 554 wieder zum Oströmischen Reich, die Ordnungsfunktionen wurden jedoch in den Zeiten der Völkerwanderung mehr und mehr von den Päpsten ausgeübt. Rom sank auf den Status einer byzantinischen Provinzstadt.

Seit Pippin erlangte Rom neue Bedeutung als Hauptstadt des Kirchenstaates und als wichtigster Wallfahrtsort des Christentums neben Jerusalem und Santiago de Compostela. Neuer Glanz kam im Jahr 800 in die Stadt, als Karl der Große durch Papst Leo III. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde. Zwischen 843 und 849 scheiterten drei Eroberungsversuche durch muslimische Araber.

Zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert folgten weitere Belagerungen, Angriffe und Plünderungen durch Langobarden, Sarazenen und Normannen. Um 800 herum betrug die Einwohnerzahl gerade noch 20.000 Einwohner. Die dichtbevölkerten Stadtteile konzentrierten sich auf die umliegenden Ufer des Tiber, aufs Marsfeld sowie auf den Borgo zwischen Petersdom und Engelsburg.

Das von der katholischen Kirche direkt in Rom vermutete Grab des unter Nero im Jahre 64 hingerichteten Apostels Paulus sowie zahlreiche andere Reliquien verhießen ab 1300 in den Heiligen Jahren den Pilgern außergewöhnliche Gnaden und Ablässe. Die Pilger stellten ein Standbein der Kommune dar, die sich seit dem 12. Jahrhundert um die Eigenverwaltung bemühte.

In christlicher Zeit sind viele bedeutende Bauten entstanden, zum Beispiel die sogenannten vier Patriarchalbasiliken Sankt Paul vor den Mauern über dem Grab des heiligen Apostels Paulus aus dem 4. Jahrhundert, der Lateran, ebenfalls aus dem 4. Jahrhundert, von Francesco Borromini barockisiert, Santa Maria Maggiore aus dem 5. Jahrhundert und vor allem der Petersdom, der in der heutigen Form aus der Renaissance und dem Barock stammt. In der Renaissance und im Barock fand die Stadt ein neues Gepräge, das hauptsächlich von Kirchen bestimmt wird, aber auch von neuen Straßenzügen mit Sichtachsen auf Obelisken, Palästen und Plätzen mit Brunnen. In diesem Zustand ist Rom bis heute verblieben, weshalb die römische Altstadt neben dem Vatikan eines der beiden Weltkulturerbe in der Stadt Rom darstellt.

1849 stationierte Frankreich Truppen im Kirchenstaat. Im Sommer 1870 – gerade war Sitzungspause des Ersten Vatikanischen Konzils – zog Frankreich diese nach seiner Kriegserklärung gegen Preußen aus Rom ab. Italienisches Militär nutzte die Gelegenheit und marschierte fast kampflos im Kirchenstaat ein; es entmachtete den Papst politisch und proklamierte wenig später Rom zur Hauptstadt Italiens. Zuvor hatten Turin und ab 1865 Florenz diese Rolle innegehabt.

Der seiner weltlichen Macht beraubte Papst sowie große Teile der katholischen Bevölkerung standen diesem neuen Staat jahrzehntelang feindlich gegenüber. Sichtbares Zeichen der neuen Verhältnisse wurde das monumentale Nationaldenkmal Monumento Vittorio Emanuele II (für den gleichnamigen König) nördlich des Kapitolhügels und des Forum Romanum, das 1911 eingeweiht wurde. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte ein starker Zustrom aus den ländlichen Gebieten Italiens ein, so dass Rom wieder an Größe zunahm. Im Gefolge der gesellschaftlichen Konflikte nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen 1922 die Faschisten unter Benito Mussolini die Macht in Italien. Unter dessen Herrschaft wurden die Differenzen zwischen Staat und Kirche durch die Lateranverträge mit dem Heiligen Stuhl 1929 beendet und der unabhängige Staat der Vatikanstadt begründet. Außerdem wurde in dieser Zeit im Zuge der propagandistischen Verherrlichung der römischen Antike Altertümer restauriert und neue Bauten sowie das Stadtviertel EUR (Esposizione Universale di Roma) geschaffen.

Als sich im Mai 1944 alliierte Truppen der Stadt näherten und eine Bombardierung des Stadtteils San Lorenzo begannen (wo sie deutsche Truppen und Nachschubzentren vermuteten), harrte Papst Pius XII. in Rom aus. Um ein zweites Monte Cassino oder gar Stalingrad zu verhindern, bemühte er sich um eine allseitige Erklärung Roms zur „offenen Stadt“. Auf deutscher Seite erhielt der Plan Unterstützung u.a. von Ernst von Weizsäcker und SS-General Karl Wolff. Der deutsche Generalfeldmarschall Albert Kesselring erklärte Rom Anfang Juni 1944 zur offenen Stadt und zog bis auf eine Nachhut alle Truppen ab. Am 4. Juni 1944 marschierten alliierte Truppen in Rom ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ 1946 König Umberto II. das Land und Italien wurde Republik.


Gleich am nächsten Tag, nach meiner Ankunft, bin ich die Via del Banco di Santo Spirito gegangen. Hier befindet sich das Pilgerzentrum, und hier habe ich mir meine zuvor bestellte Eintrittskarte für die päpstliche Generalaudienz am Pfingstsamstag, 14.5.16 abgeholt. Und weil die Engelsburg gleich gegenüber liegt, stand der Besuch hier auch an erster Stelle.

Die Engelsburg wurde ursprünglich als Mausoleum für den römischen Kaiser Hadrian (117–138 n. Chr.) und seine Nachfolger errichtet und später von verschiedenen Päpsten zur Kastellburg umgebaut. Ab 1901 wurde das Gebäude nicht mehr als Burg verwendet. Seit dem 13. Februar 1906 ist die Engelsburg ein Museum.

Der Bau wurde noch zu Lebzeiten Hadrians begonnen und im Jahr 139 unter Antoninus Pius beendet. Vorangegangen war der Bau der heutigen Engelsbrücke als Pons Aelius Hadrianus im Jahre 133.

Im Mausoleum des Hadrian wurden folgende Persönlichkeiten beigesetzt:

  • Kaiser Hadrian selbst und seine Frau Sabina
  • Kaiser Antoninus Pius und seine Frau Faustina
  • Kaiser Lucius Verus
  • Kaiser Mark Aurel
  • Kaiser Commodus
  • Kaiser Septimius Severus und
  • Kaiser Marcus Aurelius Antoninus Bassianus, besser bekannt als Caracalla.
Reconstruction-of-Mausoleum-of-Augustus
Reconstruction-of-Mausoleum-of-Augustus Quelle: www.thehistoryblog.com

Das Grabmal hatte die Form eines flachen Zylinders (64 m Durchmesser, 20 m hoch) aus Peperin (Vulkangestein) und römischem Beton, bedeckt mit Römischem Travertin, einem Kalkstein aus Tivoli, der auf einem mit Marmor verkleideten quadratischen Sockel (je nach Angabe 84–89 m Seitenlänge, 10–15 m hoch) errichtet wurde. Die Oberseite des Zylinders war vermutlich als ein Garten mit Zypressen gestaltet. In der Mitte stand wahrscheinlich ein kleiner runder Tempel. An der Spitze stand eine Quadriga, die Hadrian als Sonnengott zeigte.

Der architektonische Stil mag ungewöhnlich erscheinen, aber es gab damals ähnliche Bauten, wie das Mausoleum des Kaisers Augustus auf dem Marsfeld, von dem heute nur mehr eine Ruine übrig ist.
Als die Stadtmauer von Kaiser Aurelian unter den Kaisern Honorius (395–423) und Arcadius (395–408) verstärkt wurde, integrierte man das solide gebaute Mausoleum als Zitadelle in die Befestigungen.

Im 6. Jahrhundert erkannte der Gotenkönig Totila die Bedeutung der Burg zur Kontrolle der Stadt und baute sie als Stützpunkt aus.

Im 15. Jahrhundert wurde die Engelsburg zur Festung unter den Päpsten Alexander VI. und Nikolaus V. umgebaut. Zugleich richteten sich die Päpste prächtig ausgestattete Wohnungen ein, wobei die „Sala Paolina“ aus dem 16. Jahrhundert zum schönsten Papstgemach zählt, das heute noch zu besichtigen ist.

Die Engelsburg diente in späteren Jahren auch als Gefängnis der Inquisition.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts vernachlässigten die Päpste den Ort, bis die Burg im 19. Jahrhundert von den Soldaten der französischen Republik beschlagnahmt wurde. Im Jahre 1870 ging die Befestigung in den Besitz des italienischen Staates über und diente als Festung und Gefängnis. Die Säle wurden zum Teil als Museum eingerichtet und die Burg wurde dem Publikum zugänglich gemacht. Im 20. Jahrhundert wurde sie restauriert.

Ab dem 10. Jahrhundert war die Engelsburg im Besitz der Päpste und diente als Zufluchtsort bei Gefahr. 1084 verschanzte sich hier Papst Gregor VII. vor Kaiser Heinrich IV. Ein 1277 unter Papst Nikolaus III. erbauter etwa 800 m langer oberirdischer Gang stellte einen in die Mauer integrierter Verbindungsgang zum Apostolischen Palast in der Vatikanstadt dar. Während der großen Plünderung Roms durch die Truppen von Kaiser Karl V. im Jahr 1527 diente er Papst Clemens VII. als Fluchtweg vor den Soldaten des Kaisers. Danach verschanzte er sich für einen Monat in der Burg. Ebenso floh Pius VII. vor Napoleon Bonaparte.

Den heutigen Namen erhielt die Anlage im Jahr 590, als in Rom die Pest wütete. Papst Gregor I. der Große soll über dem Grabmal die Erscheinung des Erzengels Michael gesehen haben, der ihm das Ende der Pest verkündete, indem er das Schwert des göttlichen Zorns in die Scheide steckte. Da die Pest wirklich zu Ende ging, erinnert heute noch die Statue des Engels auf der Spitze des Gebäudes an diese Episode. 1577–1753 stand dort oben ein von Raffaello da Montelupo geschaffener Engel aus Marmor. Zu späterer Zeit wurde der Marmorengel in den Innenhof verlegt.

Insgesamt lässt sich das Bauwerk in seiner heutigen Gestalt in fünf Ebenen einteilen. Von der untersten Ebene führt eine 122 m lange Rampe spiralförmig aufwärts. In der zweiten Ebene gibt es das Gefängnis und Lagerräume für Weizen und Öl. Die dritte Etage ist die militärische mit zwei Innenhöfen. Vom Cortile dell’Angelo aus gelangt man in die päpstlichen Gemächer und ins Museum. Die wichtigste Ebene ist die vierte. Hier findet man das Papstappartement, eine Raumfolge mit manieristischen Fresken von Perino del Vaga, Giulio Romano und anderen Künstlern aus der Schule Raffaels sowie die Säle Pauls III., Clemens VII., Clemens VIII. und Leos X. Auch die Loggien von Giuliano da Sangallo und Donato Bramante sowie die Schatzkammer sind hier zu sehen. Ganz oben kommt man schließlich auf die Terrasse.


Die Via della Conciliazione verbindet die Engelsburg mit Petersplatz. Man braucht nur den Heerscharen zu folgen. Also, auf in’s Getümmel! Oh Wunder – der Eintritt in den Petersdom ist kostenlos. Wen wundert’s, wenn sich hier tausende Menschen anstellen, um durch die Sicherheitsschleuse in den Dom zu gelangen?

Der Petersdom ist die größte der Papstbasiliken in Rom. Er ist das Zentrum des seit dem 11.2.1929 unabhängigen Staats der Vatikanstadt.

Auf dem Stuhl Petri saßen in ununterbrochener Reihenfolge 266 Männer. Die Geschichte des Vatikans ist seit 20 Jahrhunderten die Geschichte der Welt. Stürmische Begebenheiten über Generationen und Jahrhunderte hinweg kamen mit ihren Bedrohungen und Gefahren, aber sie gingen vorüber, und der Vatikan blieb.

Den Vorgängerbau, auchAlt-St. Peter“ genannt, ließ Konstantin der Große um 324 als Grabeskirche über dem vermuteten Grab des Apostels Simon Petrus errichten, dem sie geweiht ist. Der Petersdom fasst 20.000 Menschen und ist mit einer überbauten Fläche von 15.160 m² eines der größten Kirchengebäude der Welt.

Im 1. Jahrhundert n. Chr. lag der vatikanische Hügel außerhalb des antiken Roms auf der westlichen Tiberseite. Nach der Überlieferung wurde der Apostel Petrus hier von Caligula mit dem Kopf nach unten gekreuzigt und fand hier seine letzte Ruhestätte.

Bei Ausgrabungen im Auftrag Pius’ XII. um 1950 wurde eine ganze Gräberstraße unter der Basilika St. Peter freigelegt. Es wurden auch Gebeine in dem mutmaßlichen Petrusgrab gefunden, allerdings nicht im Boden, sondern in einer seitlichen Stützmauer, die als rote Mauer bezeichnet wird. Die heutige Kuppel des Petersdoms befindet sich genau über diesem Grab.

Papst Julius II. befand, dass das rund 1200 Jahre alte Gotteshaus auf dem für seine Mückenplage bekannten Hügel keinen angemessenen Platz für sein Grabmal bieten würde. Man entschied sich für einen monumentalen Neubau. Am 18. April 1506 wurde der Grundstein für die neue Peterskirche gelegt. Das kostenintensive Unternehmen wurde entscheidend durch den sogenannten Peterspfennig und den Verkauf von Ablässen finanziert.

Der erste Entwurf des Neubaus stammt von Donato Bramante. Von 1515 bis 1546 ging der Bau unter Leitung von Raffael, Antonio da Sangallo d. J. und Baldassare Peruzzi nur schleppend voran. 1547 übernahm Michelangelo die Bauleitung und entwarf auch die Rippenkuppel inmitten eines Zentralbaues, die von Giacomo della Porta ausgeführt wurde. Von 1607 bis 1614 wurden vom Baumeister Carlo Maderno das Langhaus mit Vorhalle sowie die barocke Fassade vollendet. Mit mächtigen Buchstaben ist darauf Name und Titel von Paulus V. aus der Familie Borghese zu lesen.

Von der Benediktionsloggia über dem Haupteingang wird die Wahl des neuen Papstes bekanntgegeben, und von hier erteilt der Papst seinen Segen „Urbi et Orbi“ (der Stadt und der ganzen Welt).

Die Innenfläche des 211,5 m langen und 132,5 m hohen Baus beträgt rund 15.160 m² und bietet rund 20.000 Menschen Platz, somit verfügt der Petersdom auch über einen der größten Innenräume der Welt. Die Proportionen des Innenraumes erwecken durch die überproportionierte Gestaltung der Statuen, Säulen, Bilder und Altäre den Eindruck der starken Verkleinerung beim Besucher und versetzen ihn dadurch quasi in die Rolle eines staunenden Kindes.

Im Inneren des Domes, der neben einer Hauptkuppel auch acht kleinere Nebenkuppeln besitzt (zwei weniger als geplant), befinden sich etwa 800 Säulen und 390 Riesenstatuen aus römischem Travertin aus Tivoli, Carrara-Marmor, Stuck und Bronze sowie 45 Altäre.

Um alle Blicke in Richtung Petrusgrab zu lenken, errichtete Gian Lorenzo Bernini 1624 mit Unterstützung von Francesco Borromini einen Baldachin aus Bronze mit aufgesetztem Kreuz auf vier 29 m hohen, gewundenen Säulen direkt über dem Grab. Das Material dafür stammte aus der Verkleidung des Dachstuhls der Vorhalle des Pantheons. Am 18. November 1626 konnte die neue Grabeskirche von Papst Urban VIII. geweiht werden.

In den vier Kuppelpfeilernischen befindet sich jeweils eine etwa 4,50 m hohe Marmorstatue, welche die folgenden Heiligen darstellen:
Veronika vom Bildhauer Francesco Mochi
Helena vom Bildhauer Andrea Bolgi
Longinus vom Bildhauer Bernini
Andreas vom Bildhauer François Duquesnoy

Die berühmte Petrusstatue befindet sich im Hauptschiff. Ihr rechter Fuß ist bereits stark abgeflacht, denn die Berührung des Fußes soll Segen bringen. Angeblich wurde der Fuß im Laufe der Jahrhunderte mehrmals ersetzt. Es ist sicher, dass diese Bronzefigur von Arnolfo di Cambio angefertigt wurde.

Michelangelos Römische Pietà befindet sich in der ersten Seitenkapelle des rechten Seitenschiffs (in der Nähe der heiligen Pforte). Sie ist 1,75 m hoch und ruht auf einer 1,68 m breiten Standplatte. Der Auftrag wurde von dem Kardinal Jean de Villiers de la Groslaye erteilt. Michelangelo vollendete dieses Werk im Jahr 1500, als er 25 Jahre alt war.

 

Der von Bernini geplante 240 m breite, ovale Petersplatz geht an der Seite zur Kirche hin in ein Trapez über. Dies lässt die überbreite Fassade des Domes schmaler wirken und betont die Kuppel. Der Säulengang ist ein feierlicher Eingang zur Peterskirche. Die halbkreisförmig geöffneten Flügel sind wie zwei ausgestreckte Arme der Kirche, um mit einer allumfassenden Umarmung die gesamte Menschheit in sich aufzunehmen.

In der Mitte des Platzes steht ein Obelisk. Im Fuße des Obelisken soll sich die Asche von Caesar, in seiner Spitze ein Teil des Kreuzes Christi befinden. Der ägyptische Obelisk hat ein geschätztes Gewicht von 322 t und steht auf einem Fundament mit vier Bronzelöwen. Seine Aufrichtung 1586 auf dem Petersplatz war eine technische Meisterleistung der Zeit.

Die den Petersplatz umsäumenden Kolonnaden sind 17 m breit und absolut symmetrisch zu zwei Brennpunkten wenige Meter nördlich und südlich des Obelisken. Oberhalb der 284 in 71 Viererreihen angeordneten Säulen befinden sich 140 Statuen von Heiligen, die von 1667 bis 1669 unter Alexander VII. und Clemens IX. gestaltet wurden.

Der Petersplatz gehört sie zu den am meisten besuchten Plätzen der Welt.


Am Vortag, im Anschluss an den Besuch des Petersdoms, hatte ich mir die Eintrittskarten für die Vatikanischen Museen geholt. Das hat zwar 4,00 Euro extra gekostet, hat mir aber im Gegenzug endlose Wartezeit an der Tageskasse erspart. Um es vorweg zu nehmen: Ich habe längst nicht alles gesehen. Wahrscheinlich kann man hier bequem eine ganze Woche zubringen, denn die Vatikanischen Museumsgebäude sind eine Welt für sich, ein phantastischer und großartiger Baukomplex von über 11.000 Zimmern, Sälen, Museen, Galerien, Bibliotheken, Kapellen, Gängen, Höfen und Gärten, die angefüllt sind mit unermesslichen Kunstschätzen jeder Art. Von der Renaissancezeit an gibt es keinen großen Künstler, der hier nicht ein Zeugnis seines Genies abgegeben  hätte.

Im Chiaramonti-Museum – gegründet von Pius VII. (1800-1823) – erstreckt sich ein 300m langer Gang mit einer unaufhörlichen Folge von Statuen, Büsten, Sarkophagen und Reliefs.

Man betritt das Museum Clementinum durch einen Eingangsbogen. Gleich links steht der berühmte Sarkophag des Lucius Cornelius Scipione Barbatus (Konsul im Jahr 298 v.Chr.)

Im Gabinetto des Apoxiomenos findet man die einzige existierende Kopie des griechischen Originals von Lysipp. Es handelt sich dabei um einen Athleten, der sich mit einem Spezialinstrument reinigt, nachdem er sich mit Öl und Sand bespritzt hatte.

Gleich darauf betritt man den achteckigen Cortile ottagono del Belvedere. In diesem Innenhof findet man vier kleinere abgetrennte Räume, die sog. Gabinetti, in denen einige der meistbewunderten Statuen der Vatikanischen Museen ausgestellt sind:
Das Gabinetto dell’Apollo del Belvedere mit der in Marmor ausgeführten Kopie des bronzenen Apoll aus dem 4. Jh. v.Chr.
Im Gabinetto del Laocoonte befindet sich die berühmte Laokoon-Gruppe, Laokoon und dessen Söhne werden von Meeresschlangen angegriffen.
Gabinetto dell’Hermes mit der Hermesstatue, die Kopie eines von vielen Praxiteles zugeschriebenen Originals.
Gabinetto del Perseo mit den drei von Antonio Canova ausgeführten Statuen. Es sind Perseus und die beiden Kämpfer Kreugas und Damoxoxenes dargestellt.

Es folgt die Sala Rotonda, in deren Mitte sich ein kolossales Becken aus Porphyr mit einem Durchmesser von 4 Metern befindet. An den Wänden öffnen sich Nischen mit Kolossalstatuen, wie die berühmte Juno-Statue.

Es folgt die Sala a croce greca mit zwei majestätischen Prohyrsarkophagen zweier Frauen aus der Familie Konstantins: der Sarkophag der hl. Helena und der Sarkophag der hl. Constantina.

Bei der Gründung des Museo Pio-Clementino war die Galleria dei Candelabri eine offene Loggia, erst Simonetti ließ sie in den heutigen Zustand umbauen. Die Galleria hat ihren Namen von den verschiedenen marmornen Kandelaber-Paaren aus der römischen Kaiserzeit zu beiden Seiten der Arkaden. Unter Leo XIII. wurden von 1883 bis 1887 die Fresken des Saales durch Dominik Torti und Ludwig Seitz ausgeführt.

Die Galleria delle carte geografiche (Galerie der Landkarten) ist eine beeindruckende 120 Meter lange, durch Fenster belichtete Prunkhalle. Beidseitig ausgestattet ist sie mit groß dimensionierten topographischen Fresken italienischer Städte, die 1580–1583 von Antonio Panti entworfen und von Giorgio Vasari und Federico Zuccai ausgemalt wurden. Die Ausgestaltung der Deckenmalereien und Ornamente erfolgten durch Maler und Stuckateure, die hier unter der Leitung von Girolamo Muziano bis 1590 tätig waren.


Krönender Abschluss des Rundgangs durch die vatikanischen Museen war die Sixtinische Kapelle, welche eine von sehr vielen Kapellen des Apostolischen Palastes ist. Sie ist der Ort, an dem das Konklave abgehalten wird und beherbergt einige der berühmtesten Gemälde der Welt. Ihr Name bezieht sich auf Papst Sixtus IV., unter dem sie zwischen 1475 und 1483 erbaut wurde. Am 15. August 1483 wurde die Kapelle eingeweiht. Sie liegt unmittelbar nördlich des Petersdoms und ist mit diesem über die Scala Regia verbunden. Für Touristen ist allerdings nur der Eintritt über die Vatikanischen Museen möglich.

Leider ist das Fotografieren hier nicht erlaubt. Ein Foto ist  mir jedoch gelungen. Ich glaube, das ist das Ziel eines jeden hier. Trotz ständig wiederholter Ansage durch die „Wächter“ hört man immer wieder das Klicken der Kameras, was immer wieder ein Schmunzeln hervorruft. Es ist wie ein Versteckspiel 🙂 . Die übrigen Bilder sind von den anschließend gekauften Postkarten abfotografiert worden.

Die Pläne für die Sixtinische Kapelle stammen von Baccio Pontelli. Der Grundriss ist rechteckig. Der Bau ist 40,9 Meter lang, 13,4 Meter breit und 20,7 Meter hoch. Sie ist in der Proportion des Salomonischen Tempels errichtet, ihre Länge entspricht in etwa der doppelten Höhe und der dreifachen Breite. Die Decke ist ein flaches Tonnengewölbe.

Die Wandgemälde zeigen Szenen aus dem Leben Jesu und Mose und wurden von verschiedenen Malern der Renaissance geschaffen: Sandro Botticelli, Pietro Perugino, Domenico Ghirlandaio, Cosimo Rosselli, Biagio d’Antonio und Luca Signorelli.

Ursprünglich wurden Episoden aus dem Leben Jesu Christi in acht Bildern dargestellt. Der Zyklus begann mit der Geburt Christi, einem Werk von Perugino, das zugunsten des Jüngsten Gerichts von Michelangelo wieder entfernt werden musste. Die Motive aus dem Leben Jesu:Taufe Christi (Perugino), Versuchung Christi (Botticelli), Berufung der ersten Apostel (Ghirlandaio), Bergpredigt (Rosselli), Schlüsselübergabe (Perugino), Das Letzte Abendmahl (Rosselli), Auferstehung Christi (ursprünglich von Ghirlandaio, 1522 zerstört, 60 Jahre später von Hendrick van den Broeck erneuert)

Auch die Geschichten aus dem Leben Mose füllten acht Bildfelder. Das Fresko mit der Auffindung des Mose von Perugino musste ebenfalls dem Jüngsten Gericht Michelangelos weichen. Die Motive aus dem Leben Mose (mit Parallelen zum Leben Jesu):
Wanderung des Mose nach Ägypten (Perugino), Begebenheiten aus dem Leben des Mose (Botticelli), Durchzug durch das Rote Meer (d’Antonio), Übergabe der Gesetzestafeln (Rosselli), Bestrafung von Korach, Datan und Abiram (Botticelli), Testament und Tod des Mose (Signorelli), Streit um den Leichnam von Mose (ursprünglich von Signorelli, 1522 zerstört, 60 Jahre später von Matteo Perez d’Aleccio erneuert).

Besondere Berühmtheit erlangte die Kapelle durch ihre Ausschmückung mit Fresken. Die Deckenmalereien malte Michelangelo Buonarroti zwischen 1508 und 1512 im Auftrag von Papst Julius II. Sie wurden am 1. November 1512 enthüllt und zeigen Szenen aus der Genesis auf insgesamt 520 m² mit 115 überlebensgroßen Charakteren. Besonders der Ausschnitt Die Erschaffung Adams ist ein weltbekanntes und oft reproduziertes Werk. Es zeigt, wie Gottvater mit ausgestrecktem Finger Adam zum Leben erweckt.

Der zentrale Grat besteht aus neun waagerechten Bildfeldern unterschiedlicher Größe, die die Szenen aus dem Alten Testament darstellen, wobei immer drei Felder zusammengehören: Schöpfung, Adam und Eva sowie Noah. Michelangelo malte diese Fresken in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge, indem er mit der Trunkenheit Noahs begann. Ab der Erschaffung Evas wird die Darstellung monumentaler, auch die begleitenden Propheten und Sibyllen werden expressiver. Diese narrativen Felder sind umgeben von Motiven aus der Bibel und der antiken Mythologie.
Die Scheidung von Licht und Finsternis: „Und Gott sprach, es werde Licht!“ (Genesis 1, 3–5);
Die Erschaffung der Sonne, des Mondes und der Pflanzen: „Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere …“ (Genesis 1, 16–17);
Die Scheidung von Land und Wasser: „Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern.“ (Genesis 1, 6–7);
Die Erschaffung Adams. „Und Gott sprach: Lasset uns den Menschen machen …“ (Genesis 1, 26);
Die Erschaffung Evas: „Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. Und Gott der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm.“ (Genesis 2, 21–23);
Der Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies: „Da sprach die Schlange zum Weibe: … und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“ (Genesis 3, 4–7);
Das Opfer Noahs: „Noah aber baute dem Herrn einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar.“ (Genesis 8, 20);
Die Sintflut: „Da sprach Gott zu Noah: Das Ende allen Fleisches ist bei mir beschlossen, denn die Erde ist voller Frevel …“ (Genesis 6, 13 und 7, 6);
Die Trunkenheit Noahs: „Und da er von dem Wein trank, ward er trunken und lag im Zelt aufgedeckt.“ (Genesis 9, 20–22).

Die Decke der Sistina und die Stirnwand mit dem Jüngsten Gericht wurden ab 1982 unter Finanzierung eines japanischen Konzerns sorgfältig mit destilliertem Wasser und mit einer mit Ammoniumcarbonat verdünnten Lösung restauriert. Nippon Television hat die Autorenrechte an 170.000 Metern Film (250 Stunden Spieldauer) und an 500 Dias, auf denen die Fresken vor, während und nach der Restaurierung zu sehen sind.

Schon hundert Jahre nach dem Tod Michelangelos hatten die Versuche begonnen, die ersten durch eindringendes Regenwasser, Schmutz und Kerzenschmauch entstandenen Schäden zu beheben. Doch häufig verschlechterte sich der Zustand der Fresken durch ungeschickte Arbeit. So entstanden im Laufe der Zeit Legenden: Michelangelo selbst habe einen Schleier über seine Fresken gemalt, um einen besonderen Effekt zu erzielen, oder vom Dunkel überlagerte Farben seien ein Charakteristikum des alternden Künstlers. Jetzt sorgen eine neue Dachkonstruktion, Klimaanlage und Feuchtigkeitsregelung dafür, dass die Fresken keinen Schaden mehr nehmen. Ein Spezialläufer in den Vorräumen sorgt sogar dafür, den Besuchern den Straßenstaub von den Schuhen zu nehmen.

 


14.Mai 2016 – Der Tag der päpstlichen Generalaudienz. Es regnet den ganzen Tag – mehr oder weinger stark! Ich entschliesse mich nicht zur Audienz zu gehen. Die Wettervorersage für die nächste Audienz am Mittwoch, 18.5.16 verspricht Sonnenschein. Also gehe ich das Risiko ein gegebenenfalls keine Karte zu bekommen, da ja Montag noch Pfingsten ist und ich ich Zweifel habe, dass das Pilgerzentruman an diesem Tag  geöffnet sein wird.

Statt dessen bringe ich meine Homepage auf den neuesten Stand.


Nach dem gestrigen Sauwetter, heute Sonnenschein. Auf zu neuen Ausflügen. Diesmal nach Trastevere.

Der Tempel des Hercules Victor ist ein antiker Tempel im Forum Boarium, Trastevere. Der runde, allseitig von Säulen umstandene Tempel ist der älteste in Rom erhaltene Marmorbau.

Erbaut um 120 v. Chr., hat der Tempel einen Durchmesser von 14,8 Metern und besteht aus einem zentralen, kreisrunden Kultraum, der von 19 über zehn Meter hohen Säulen umstanden ist. Die Kapitelle sind korinthisch, die Basen aus Tuffstein.

Im Jahr 1132 wurde der Tempel in eine dem heiligen Stephanus geweihte Kirche umgewandelt und dadurch erhalten. Sie diente vielen Baumeistern der Renaissance als Inspiration.


Die Tiberinsel ist ca. 270 m lang und bis zu 67 m breit. Sie ist von zentraler Bedeutung für die Stadt Rom. Da sie die Überquerung des Flusses erleichtert, war es möglich, an dieser Stelle die Straßen weiterzuführen, die die nördliche tyrrhenische Küste mit der südlichen verbanden. Dies machte diese Insel zu einem strategisch wichtigen Punkt, der wohl einer der wichtigsten Faktoren für die Entstehung von Rom war.

Die 62 v.Chr. erbaute Fabriciusbrücke (Brücke der 4 Köpfe) ist fast vollständig erhalten geblieben und verbindet, mit der Cestiusbrücke (46 v.Chr.) zusammen, die Tiberinsel mit der Stadt.


Auf den Ruinen des berühmten Äskulaptempels erhebt sich jetzt die Basilika von St. Bartholomäus auf der Tiberinsel. Sie ist seit 2002 Gedenkstätte der Märtyrer des 20. Jahrhunderts.

1113 wurde die Kirche im Auftrag des Papstes Paschalis II. restauriert, die Errichtung des Glockenturms erfolgte 1118. Eine weitere mit einigen Umbaumaßnahmen verbundene Restaurierung wurde 1583 nach den Plänen des Architekten Martino Longhi dem Älteren (1534–1591) durchgeführt. In den Jahren 1623 bis 1624 wurde nach den Plänen von Orazio Torriani oder Martino Longhi dem Jüngeren die Hauptfassade errichtet. Der Innenraum wurde zwischen 1720 und 1739 im Stil des Barock und in den Jahren 1852 bis 1865 im Stil des Historismus umgestaltet.
Als besonders sehenswert gelten das Marienfresko im Stil der Romanik und der um das Jahr 1000 errichtete reich geschmückte Marmorbrunnen.
Seit 1993 wird die Kirche von der Gemeinschaft Sant’Egidio betreut; im Jahr 2002 weihte sie Papst Johannes Paul II. den neuen Märtyrern des 20. Jahrhunderts. In den sechs Seitenkapellen sind Reliquien und Erinnerungsstücke ausgestellt.


Santa Maria dell’Orto in Trastevere. Das heutige Kirchengebäude wurde zur Renaissancezeit errichtet. Sein Vorgängerbau war eine Kapelle, deren Errichtung auf die Verehrung eines Marienbildes an diesem Ort zurückgeht. Als um 1488 ein Landwirt auf wunderbare Weise von seiner Krankheit geheilt wurde, nachdem er vor einem Marienbild am Eingang eines Gartens gebetet hatte, wurde dieses Bild in der Folge vom römischen Volk verehrt und eine Kapelle für es errichtet.
1489–1567 wurde die heutige Kirche gebaut. Für deren Unterhalt und Ausgestaltung sorgten zwölf Zünfte, ständische Körperschaften römischer Handwerker, die als „università“ bezeichnet wurden. 1492 genehmigte Papst Alexander VI. die Gründung einer Bruderschaft, die Papst Sixtus V. 1588 zur Erzbruderschaft mit dem Privileg erhob, jährlich die Freilassung einer zum Tode verurteilten Person zu erwirken.
Das zentrale Gewölbefresko „Aufnahme Marias in den Himmel“ malte Giacinto Calandrucci 1700–1705.


Der Hügel Gianicolo im Stadtteil Trastevere erhebt sich entlang des rechten Tiberufers bis zur Vatikanstadt. Der Name geht auf den altrömischen Gott Janus zurück, der dort der Sage nach eine Burg errichtet haben soll. Der Hügel spielte eine wichtige Rolle, als die französischen Truppen, die von Papst Pius IX. gegen die neugegründete Römische Republik zu Hilfe gerufen worden waren, am 29. April 1849 ihren Angriff unternahmen. Die von Giuseppe Garibaldi angeführten Freiwilligen wurden nach einem zweimonatigen harten Kampf zur Aufgabe gezwungen. Das Triumvirat von Mazzini, Armellini und Saffi, das die Geschicke der kurzlebigen Republik geleitet hatte, musste ins Exil gehen.
Im Jahr 1895 wurde ein großes Denkmal für Garibaldi auf dem höchsten Punkt des Hügels errichtet, flankiert von einer Vielzahl von Büsten weiterer Persönlichkeiten des italienischen Freiheitskampfes. Längs der Straße, die vom Gianicolo zum Vatikan führt, befindet sich zudem ein Denkmal für Garibaldis Frau Anita Garibaldi, reitend mit Pistole in der Hand und Kind auf dem Arm, die dort nach dem Willen Garibaldis bestattet worden war.
Von nach Argentinien ausgewanderten Italienern wurde 1911 der Leuchtturm Faro del Gianicolo gestiftet, der von Manfredo Manfredi erbaut wurde und abends in den Nationalfarben grün, weiß und rot über die Stadt leuchtet.


Der barocke Brunnen Fontana Paola an der Via Garibaldi auf dem Gianicolo wurde 1610 bis 1612 auf Veranlassung Papst Paul V. errichtet. Die Architekten der Fontana Paola waren vermutlich Flaminio Ponzio und Giovanni Fontana.

Nach dem Vorbild von Papst Sixtus V., der die Acqua Felice errichten ließ, wollte sich auch Camillo Borghese als Papst Paul V. um die Wasserversorgung Roms verdient machen. Noch im Jahr seiner Wahl beauftragte er Giovanni Fontana (sein Bruder Domenico Fontana arbeitete 18 Jahre zuvor an der Acqua Felice) und Carlo Maderno mit der Restaurierung der Aqua Traiana, die Wasser von Quellen in den Sabatiner Bergen, nördlich des Braccianosees nach Rom transportierte. Die restaurierte Wasserleitung nannte Paul V. nach sich selbst Acqua Paola. Mit ihr konnten nach über tausend Jahren Unterbrechung auch wieder der römische Stadtteil Trastevere und der Vatikan mit Wasser versorgt werden.

Genau wie bei der Acqua Felice sollte der Aquädukt einen repräsentativen Endpunkt erhalten. Giovanni Fontana nahm sich den Mosesbrunnen als Vorlage und verwendete wie dort als zentrales Architekturmotiv einen Triumphbogen. Auch der Architrav mit der überproportionalen Inschrift und das Papstwappen an der Spitze erinnern an das Vorbild. Abweichend ergänzte Fontana den Triumphbogen um zwei weitere kleinere Bögen. Anders als beim Mosesbrunnen stehen unter den Bögen allerdings keine Statuen. Dafür ist der Effekt des fließenden Wassers stärker betont, das sich in kleinen Wasserfällen in Schalen ergießt, aus denen es weiter in ein großes Becken fällt. In den äußeren Bögen stehen zwei Adler (das Wappentier der Borghese) als Wasserspeier. Die den Bögen vorgestellten Säulen stammen aus dem Langhaus von Alt-Sankt-Peter, das zur Bauzeit des Brunnens, wegen der Fertigstellung des Petersdoms, von Carlo Maderno gerade abgerissen worden war.


Vom Hügel Gianocolo hat man einen einzigartigen und eindrucksvollen Blick auf die Stadt. Über den Dächern, vor dem fernen Horizont der Berge, erheben sich sich zahlreichen Kuppeln Roms.


Das imposante Reiterdenkmal Giuseppe Garibaldis findet man am höchsten Punkt des Janushügels. Es wurde 1895 von Emilio Gallori erschaffen. Die Bronzestatue zeigt den  reitenden Helden. Um die Marmorbasis herum findet man allegorische Figuren Europas und Amerikas. Während der Zeit des Faschismus war das Monument gegen zeitgenössische Symbole ausgetauscht worden.


Anita Garibaldi, gebürtig Ana Maria de Jesus Ribeiro da Silva (* 30. August 1821 in Laguna, Santa Catarina; † 4. August 1849 in Mandriole bei Ravenna), war eine in Italien eingebürgerte brasilianische Revolutionärin. Ab 1842 war Anita mit dem Freiheitskämpfer Garibaldi verheiratet.


Büsten der Patrioten Roms von 1849


Passeggiata del Gianicolo – Leuchtturm Gianicolo


Sant’Onofrio al Gianicolo ist eine Kirche im Rione Trastevere. Sie ist Titelkirche der römisch-katholischen Kirche. Die dem Hl. Onophrios geweihte Kirche liegt an der Salita Sant’Onofrio am Fuß des Gianicolo. Das Kloster mit Kreuzgang und die Kirche gelten als die frühesten Bauwerke der Renaissance in Rom.
Das Kloster wurde 1419 als Eremitage durch den Hieronymitenmönch Nicola da Forca Palena gegründet, der am Gianicolo ein Grundstück mit Weinberg erworben hatte. Finanziert wurde der Bau durch Spenden unter anderem von Kardinal Giovanni Domenico De Cupis sowie Kardinal Gabriele Coldumer, dem späteren Papst Eugen IV.

Mit dem Bau der Kirche wurde 1439 begonnen, die Innenausstattung wurde bis ins 16. Jahrhundert durchgeführt. Papst Sixtus V. ließ 1446 im Zuge seiner städtebaulichen Erschließung Roms die heutige Salita Sant’Onofrio anlegen, die das Kloster mit der Porta Santo Spirito, einem der ältesten Eingangstore zum Vatikan, verbindet. Berühmter Gast des Klosters war der Dichter Torquato Tasso, der das Kloster wegen seiner Krankheit aufgesucht hatte und dort am Tag vor seiner Dichterkrönung am 25. April 1595 verstarb. Auf Anordnung des Papstes wurde Tasso in Sant’Onofrio begraben.
1930 gingen die Bestände des Tasso-Museums in den Besitz des Hl. Stuhls über. Am 15. August 1945 übernahm der Orden der Ritter vom Hl. Grab in Jerusalem Kirche und Kloster. Im gleichen Jahr wurden Kirche und Kloster restauriert. Seit 1946 gehören Kirche und Klostergebäude zum Orden der Frati Francescani dell’Atonement.

Zum Vorhof, von dem aus man einen spektakulären Blick auf Rom und den Petersdom hat, führt eine breite Treppe mit zwei Absätzen. Der Brunnen im baumbestandenen Hof wurde 1924 aus mehreren in den kommunalen Museen gelagerten historischen Fundstücken zusammengesetzt. Flankiert wird der Vorhof auf der einen Seite von einem Portikus mit Säulenarkaden. In drei Lünetten-Fresken ist das Leben des Hl. Onofrio dargestellt.


16.5.16 / Einheimische schmähen das 100 Jahre alte Denkmal für Viktor Emanuel II (auch Viktorianum genannt), dem ersten König des vereinten Italiens. Sie empfinden es als geschmacklos und übertrieben und gaben ihm den Spitznamen „Neoklassische Schreibmaschine“, aber Touristen scheinen ihren Blick nicht abwenden zu können.

Es ragt am Fuß des Kapitols empor, im Herzen Roms, wo es durch seine imposante Größe die ehemaligen Beziehungen zwischen diesem Hügel und seiner Umgebung verändert hat. Der venezianische Bildhauer Chiaradia arbeitete 20 Jahre am Reiterstandbild  des Königs, das erst nach seinem Tod von Gallori fertiggestellt wurde.  Die mächtigen Reliefs des unteren Teils stellen die bedeutendsten Städte Italiens dar und wurden von Maccagnani entworfen, der Jahre hindurch mit Sacconi zusammen an den plastischen Ausschmückungen arbeitete. Die zwei riesigen Viergespanne mit den geflügelten Siegesgöttinnen aus dunkel gewordener Bronze stechen weit sichtbar vom weißen Marmor ab. Sie wurden 1908 von Carlo Fontana und Paolo Bartolini ausgeführt. In der Mitte erhebt sich der Altar des Vaterlandes. Unter der Statue der Roma befindet sich seit 1921  das Grab des Unbekannten Soldaten.

Nimmt man für 7,00 € den Aufzug auf der Rückseite des Gebäudes, erhält man von der Terrazza delle Quadrighe einen genialen Blick über die Stadt.


Die Basilika Santa Maria in Aracoeli erhebt sich auf der höchsten Stelle des Kapitols, auf der die Burg oder Zitadelle Roms stand. Bereits in der Antike war der westliche Gipfel des Kapitolhügels eine wichtige Stelle Roms. Hier befand sich die Arx, die Fluchtburg.

Zwischen dem 6. und dem 8. Jahrhundert wurde hier ein Kloster griechischer Mönche mit einer ersten Kirche errichtet. Im 10. Jahrhundert zogen Benediktiner in das Kloster ein. Sie errichteten im 12. Jahrhundert eine Kirche, die in etwa das heutige Querschiff einnahm und mit der Hauptfassade zum heutigen Kapitolsplatz wies. Nachdem das Kloster 1249 durch Papst Innozenz IV. den Franziskanern übergeben wurde, begannen diese ab 1251 mit dem Bau der heutigen dreischiffigen Basilika. Diese Kirche wurde 1268 geweiht, obwohl die Arbeiten am Querschiff durch Arnolfo di Cambio, finanziert durch die Familie Savelli, sich bis 1300 hinzogen. Im 15. und 16. Jahrhundert wurden schließlich die Seitenkapellen angebaut. Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche barockisiert.

Auf diese Kirche übertrug sich die Herrlichkeit des alten Kapitols; sie wurde zur Nationalkirche des Adels und des Volkes von Rom, und der Hauptsitz des mittelalterlichen Senats. Die Kirche bietet ein malerisches Bild wegen ihrer jahrhundertealten  Heiligtümer, ihrer Gräber, Fresken, vergoldeten Decke und ihres alten Gemäuers.

Man erreicht sie über eine Treppe von 124 Stufen, die 1348  zum Dank an die Mutter Gottes  errichtetet wurde, dafür, dass sie die Stadt von der Pest befreit hatte. Cola di Rienzo war der erste, der sie bestieg.

Die Kirche zeigt heute eine schlichte, unverputzte Ziegelfassade, die ursprünglich mit einem Mosaik, später mit Fresken geschmückt war.

Die 22 Säulen im Inneren der Kirche wurden verschiedenen antiken Monumenten entnommen. Der Fußboden der Kirche ist eine Kosmatenarbeit und stammt noch aus dem 13. Jahrhundert. In ihn sind zahlreiche Grabplatten vor allem aus dem 14. und 15. Jahrhundert eingelassen.

Die prachtvolle Decke erinnert an die Seeschlacht von Lepanto 1571. Sie wurde im Auftrag von Papst Pius V. 1572 bis 1578 von Flaminio Bolangier gefertigt und von Cesare Trapassi bemalt. Sie trägt die Wappen von Pius V. und Gregor XIII., unter dem sie fertiggestellt wurde. Erbeutete Waffen der Türken sind in die Decke eingearbeitet


Das Kapitol hat, allen zeitlichen Veränderungen zum Trotz, seit Jahrtausenden seine grundlegende Bedeutung für das römische Leben beibehalten. Einst ein heiliiger Ort der Götter Roms war es Ziel der Triumphzüge siegreicher Feldherren. Heute ist es Sitz des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung. Man steigt zum Kapitol auf der großen Freitreppe hinauf, der sogenannten Cordonata, die nach einem Plan Michelangelos für den siegreichen Einzug Karls V. 1536 angelegt wurde.

Der Brunnen wurde von Matteo  di Castello (1579) erbaut. Drei Stauen schmücken den Brunnen: der Tiber und der Nil auf beiden Seiten und die im Verhältnis zu kleine triumphierende Roma in der Mitte.

Auch der Kapitolsplatz wurde von Michelangelo für den kunstliebenden Papst Paul III. (1534-1549) entworfen. Der bereits alte Künstler stellte die Reiterstatue Mark Aurels (161-180) auf einen neuen Sockel. Seit 1997 befindet sich an seiner Stelle eine Kopie des Originals.

Der Senatorenpalast im Hintergund des Platzes wurde im 13. Jh. auf den alten Überresten des Tabulariums erbaut. Die jetzige Vorderseite ist ein Werk von Girolamo Rainaldi nach einem Plan von Giacomo della Porta.


Das Kolosseum ist das größte im antiken Rom erbaute Amphitheater, der größte geschlossene Bau der römischen Antike und weiterhin das größte je gebaute Amphitheater der Welt. Zwischen 72 und 80 n. Chr. errichtet, diente das Kolosseum als Austragungsort zumeist höchst grausamer und brutaler Veranstaltungen, die von Mitgliedern des Kaiserhauses zur Unterhaltung und Belustigung der freien Bewohner Roms und des römischen Reichs bei kostenlosem Eintritt ausgerichtet wurden. Heute ist die Ruine des Bauwerks eines der Wahrzeichen der Stadt und zugleich ein Zeugnis für die hochstehende Baukunst der Römer in der Antike.

Nach einer Rekonstruktion der Bauinschrift des Kolosseums wurde seine Errichtung insbesondere aus der Beute des Jüdischen Krieges finanziert, unter anderem mit dem im Jahr 70 geplünderten Goldschatz des Jerusalemer Tempels.

Das Gebäude, das ursprünglich dreigeschossig sein sollte, war beim Tod Vespasians im Jahr 79 fast vollendet. Es bestand aus drei übereinander angeordneten Arkadenreihen zu je 80 Bögen. Die Arkaden wurden durch Halbsäulen gegliedert: die zu ebener Erde im dorischen, die des zweiten Geschosses im ionischen und die des dritten Geschosses im korinthischen Stil. Angeblich auf Wunsch von Vespasians Sohn und Nachfolger Titus wurde den drei Rundbogengeschossen noch ein viertes Geschoss hinzugefügt, das nicht von Arkaden durchbrochen, sondern massiv gestaltet und nur von rechteckigen Fensternischen durchbrochen wurde. Die Außenmauern des Kolosseums wurden in römischem Travertin ausgeführt, im Inneren wurden jedoch die billigeren Ziegel und Tuff verwendet.

Im Kolosseum konnten nach heutigen Berechnungen ca. 50.000 Zuschauer Platz finden. Das podium, die erste Reihe der Sitzplätze, war den römischen Senatoren vorbehalten. Auch die kaiserliche Loge (pulvinar) befand sich hier. Darüber lag das Maenianum primum, das dem Stand der Equites vorbehalten war. Die darüber befindlichen Reihen maenianum secundum waren in drei Sektoren unterteilt. Der unterste Sektor (imum) diente den wohlhabenden Bürgern, während der oberste Sektor (summum) den ärmsten Bewohnern Roms vorbehalten war. Schlechter waren nur noch die Frauen der untersten Schichten untergebracht. Für sie gab es Stehplätze auf einer Holzkonstruktion auf dem obersten Geschoss (maenianum summum in ligneis), das Titus anbauen ließ.

Das Kolosseum ist ellipsenförmig gebaut. Seine Breite beträgt 156 Meter, die Länge 188 Meter, der Umfang 527 Meter, die Höhe 48 Meter. Auch der Boden der Arena war elliptisch mit einer Breite von 54 Metern und einer Länge von 86 Metern. Die runde Form sollte verhindern, dass Gladiatoren, zum Tode Verurteilte oder gejagte Tiere in einer Ecke Schutz suchen konnten. Zudem erlaubte die Ellipse den Zuschauern, näher am Geschehen zu sein als in einer kreisförmigen Arena.

Das Kolosseum dient seit dem Jahr 1999 als Monument gegen die Todesstrafe. Immer wenn ein Todesurteil ausgesetzt wird oder ein Staat dieser Welt die Todesstrafe abschafft, wird das Kolosseum 48 Stunden lang in bunten Farben angestrahlt. Getragen wird die Aktion von der italienischen Regierung und verschiedenen Menschenrechtsgruppen, darunter Amnesty International und der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio.


Das Forum Romanum war Mittelpunkt des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Lebens. Es liegt in einer Senke zwischen den drei Stadthügeln Kapitol, Palatin und Esquilin und war der Ort vieler öffentlicher Gebäude und Denkmäler. Den Höhepunkt seines prachtvollen Ausbaus erlebte es in der Römischen Kaiserzeit. Es ist heute eine der wichtigsten Ausgrabungsstätten des antiken Roms.


17.5.16 / Der Trevi-Brunnen, ist der populärste und mit rund 26 Meter Höhe und rund 50 Meter Breite größte Brunnen Roms und einer der bekanntesten Brunnen der Welt. Er wurde 1732 bis 1762 nach einem Entwurf von Nicola Salvi im spätbarocken, im Übergang zum klassizistischen Stil, im Anschluss an den Palazzo Poli erbaut. Der Brunnen ist nicht nur seines seines ausgezeichneten Wassers, sondern auch der Tradition wegen berühmt, nach der jeder, der aus ihm trinkt oder eine Münze in das Becken wirft, später wieder einmal nach Rom zurückkehren wird. Nun, ich habe eine ganze Flasche seines Wassers getrunken – danach sollte ich wahrscheinlich nicht nur einmal, sondern mehrmals in die Stadt zurückkommen.

Durch einen Bauschaden wurde im Juni 2007 die Wasserleitung Acqua Vergine, die bisher den Brunnen mit Wasser versorgte, unterbrochen. Seither wird der Trevi-Brunnen mit regulärem Leitungswasser gespeist, das mittels einer Umwälzpumpe in einem Kreislauf den Brunnen durchläuft und nur alle zwei Wochen erneuert wird. Erst durch diesen geschlossenen Kreislauf konnte ein Farbanschlag im Oktober 2007 seine Wirkung erzielen und das gesamte Wasser für Stunden tief rot färben. Mit der alten Technik wäre die Farbe nach wenigen Minuten weggespült gewesen.

Nach etlichen erfolglosen Anläufen zum Neubau des Brunnens lobte Papst Clemens XII. einen Architekturwettbewerb aus, an dem viele namhafte Architekten der Zeit teilnahmen. Überraschend vergab Clemens den Auftrag an den unbekannten Nicola Salvi. Salvi (1697–1751) hatte bis dahin kaum Bauten errichtet. Er begann 1732 mit der Ausführung des Brunnens, dessen Fassade sich in voller Länge an den Palazzo Poli anlehnt. Unterstützt wurde er dabei von seinem Freund Luigi Vanvitelli.

Im Jahre 1735 weihte Papst Clemens XII. den neuen Brunnen ein, obwohl die Arbeiten noch in vollem Gange waren. Auch nach dessen Tod 1740 wurden die Arbeiten stockend unter Papst Benedikt XIV. fortgesetzt. An der langen Bauzeit waren nicht nur immer wiederkehrende Finanzierungsprobleme schuld, auch die äußerst penible Arbeitsweise Salvis trug dazu bei. Er ließ zum Beispiel manche Teile der Felslandschaft bis zu zehn mal neu fertigen, bis er damit zufrieden war. Ab 1744 erschwerte zudem seine sich verschlechternde Gesundheit den Fortgang. 1751 starb Salvi, Giuseppe Pannini vollendete dessen Pläne bis zur Fertigstellung 1762. Lediglich die Skulptur des Oceanus wurde von Pietro Bracci neu entworfen, da der ursprüngliche Entwurf Papst Benedikt zu bullig und brutal erschien.

Der Trevi-Brunnen besteht aus einer Palastfassade, der ein Triumphbogen vorgesetzt ist. Davor tummeln sich Meeresgestalten auf einer Felslandschaft, über die sich das Wasser in ein großes, flaches Becken ergießt. Das verwendete Material ist Travertin aus Tivoli und Marmor aus Carrara.

Salvis Thema waren die Naturgewalten, die das Werk der Menschen bedrohen. Auf der rechten Seite scheint die Fassade durch die hervorbrechenden Felsen bereits zu zerbrechen. Die dramatische Wirkung wird noch durch das vom fließenden Wasser erzeugte Meeresrauschen verstärkt, das schon in den Seitengassen zu hören ist. Salvi hat lange experimentiert, mit welcher Steinoberfläche er diesen Effekt trotz der relativ geringen Wassermenge erreichen kann. Auf den Felsen sind allerlei Fabelwesen des Meeres wie Meerespferde und Tritonen angeordnet, die dem Betrachter entgegenstürmen. Über ihnen steht im Zentrum der herrschaftliche Meeresgott Oceanus.

Der Triumphbogen stellt eine Neuinterpretation des Konstantinbogens dar. In den Nischen rechts und links des Oceanus stehen Figuren, die von Filippo della Valle geschaffen wurden, die die Gesundheit und die Fruchtbarkeit symbolisieren. Darüber befindet sich jeweils ein Relief.
In dem rechten Relief wird die Legende dargestellt, nach der die Soldaten des Agrippa (1. Jh. n. Chr.) , als sich die auf dem Land in der Nähe der Via Collatina befanden, Wasser suchten und ein Mädchen trafen, das ihnen die Quelle  mit diesem klaren Wasser zeigte.  Daher wurde es „Aqua vergine“ (Jungfrauenwasser)  genannt.
Links befiehlt Agrippa den Bau des Aquädukts.
Auf dem Architrav stehen vier Figuren, die als Allegorien von rechts nach links die satten Wiesen, die Gaben des Herbstes, die Fruchtbarkeit der Felder und die Fülle der Früchte darstellen.


Das Pantheon, Ruhmesstätte Roms, ist das am besten erhaltene antike Bauwerk Roms. Am 16. März 609 wandelte Bonifaz IV. mit der Erlaubnis des Kaisers Phokas den zuvor heidnischen Tempel in eine Kirche um, die er der „Mutter Gottes und allen Märtyrern“ weihte. Dieser Tasache verdankt das Pantheon  seine Erhaltung. Die Leichname vieler Märtyrer wurden von den Katakomben hierher überführt und bestattet.

Die Säulenhalle wird von 16, aus jeweils einem Block gearbeiteten Granitsäulen getragen. Das Innere miss 43,40m im Durchmesser und ebensoviel in der Höhe. Durch die obere Öffnung gelangen Licht und Luft herein. Die Kuppel, eine Kalotte, ist durch Kassetten gegliedert, die sich nach oben verjüngen.
Im Rund sind 7 Nischen (Kapellen) verteilt. Hier ruhen u.a. die Gebeine von Pierin del Vaga (1500-1547), der den zweiten Platz hinter Giulio Romano unter den Schülern Raffaels einnahm. Daneben ist das Grabb von Baldassare Peruzzi (1481-1536), dem großen Maler und Architekten. Ferner befinden sich hier die Gräber von König Umberto I. (1844-1900) und der Königin Margherita (1851-1520). Auch das Grab Raffaels (1483-1520), einer der beliebtesten Maler überhaupt, ist im Patheon untergebracht. Die Grabschrift lautet: „Hier ruht Raffael, zu dessen Lebzeiten die große Mutter Natur fürchtete, von ihm überlistet zu werden und als er starb, mit ihm zu sterben“. In der sechsten Kapelle befindet sich das Grab des Königs Vittorio Emanuel II. (1920-1878).


Die Piazza Popolo wurde von Valadier zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts  entworfen. Der weite Platz ist mächtig und in vollendeter Symmetrie angelegt.  In der Mitte erhebt sich ein Obelisk, der von Augustus nach Rom gebracht und hier unter Sixtus V. von Fonatana aufgestellt wurde.


Die Villa Borghese befindet sich in einem der schönsten Parks der Stadt. Gleich nach der Wahl von Paulus V. auf den Heiligen Stuhl wurde sein junger Neffe Scipione zum Kardinal ernannt, und neben zahlreichen Ämtern , die er in diesen Jahren bekleidete wurde ihm auch die Obhut über den Kunstbesitz des päpstlichen Hofes übertragen. Mit der Unterstützung zweier tüchtiger Archtiekten, Flamino Ponzio und Giovanni van Santen, entwarf Kardinal Scipione die Anlage des Parks und den Bau des Casino Borghese, heute Sitz des Museum und der Gallerie Borghese.

Scipione, der ein leidenschaftlicher Kunstsammler, kühner Auftraggeber und aufmerksamer Mäzenat war – wollte den Bau des Casino, um es zu einem Ort der Kultur und Sitz der unzähligen Kunstwerke machen, die er dabei war zusammenzutragen. Die Villa, auch Sitz der diplomatischen Vertretung des Heilgen Stuhls, vermittelte vollkommen das Bild der wiedererstandenen Größe Roms und war das Beispiel des neuen Stils: des römischen Barocks.

Nach langen Jahren der Restaurierung, die 1997 zum Abschluß kamen, ist die Gallerie Borghese der Öffentlichkeit zugänglich.


18.5.16 / Die Wettervorhersage passte: Heute scheint die Sonne und es bleibt trocken.

Mein Hostelzimmer teile ich u.a mit Markus, Österreicher, vor kurzem aus Südamerika nach Europa zurückgekehrt, bloggt unter Facebook/Reisesmoothie. Wir stehen um 5.00h auf. Um kurz vor 6h wecken wir das in der Küche schlafende Personal, weil wir unsere „Marschverpflegung“ aus dem Kühlschrank brauchen. Gegen 6:30h erreichen wir den Eingang zur Sicherheitskontrolle. Eine Stunde später drängeln wir uns durch die Schleusel und eilen zu unseren begehrten Plätzen. Glück gehabt – in der zweiten Reihen finden wir Platz!

Obwohl ich ja nicht so sonderlich viel von der Instition ‚Kirche‘ im allgemeinen halte, es war trotzdem ein bewegender Moment dem Papst nur wenige Meter entfernt zu begegnen. Und der Papst hatte sichtlich Freude an seinem Job. Die Bilder und Statuen, die ich zuvor von seinen Vorgängern gesehen hatte, zeigte das Oberhaupt der katholischen Kirche stets in ernster, wenn nicht sogar bitterer Miene. Dieser Mann hier strahlte vor Freude, bog sich vor Lachen und seine Umarmungen wirkten authentisch und herzlich. Ich habe es jedenfalls nicht bereut, diese Begegnung wahrzunehmen und ich denke, die Fotos sprechen für sich

PAPST FRANZISKUS

GENERALAUDIENZ

Mittwoch, 18. Mai 2016


PAPST FRANZISKUS

GENERALAUDIENZ

Mittwoch, 18. Mai 2016


 

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

Heute möchte ich mit euch über das Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus sprechen. Das Leben dieser beiden Personen scheint auf unterschiedlichen Ebenen zu verlaufen: Ihre Lebensbedingungen stehen im Gegensatz zueinander und haben keinerlei Berührungspunkte.

Die Tür zum Haus des Reichen ist für den Armen stets verschlossen. Er liegt dort draußen und versucht etwas von dem zu essen, was vom Tisch des Reichen herunterfällt. Dieser trägt luxuriöse Gewänder, während Lazarus voller Geschwüre ist; der Reiche tafelt jeden Tag üppig, während Lazarus verhungert. Nur die Hunde kümmern sich um ihn und kommen, um an seinen Geschwüren zu lecken. Diese Szene ruft den harten Vorwurf des Menschensohnes beim Jüngsten Gericht in Erinnerung: »Ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; […] ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben« (Mt 25,42-43). Lazarus steht für den stillen Schrei der Armen in allen Zeiten und den Widerspruch einer Welt, in der enorme Reichtümer und Ressourcen sich in den Händen einiger weniger befinden. Jesus sagt, dass jener reiche Mann eines Tages starb: Die Armen und die Reichen sterben, haben dasselbe Schicksal wie wir alle, ohne jede Ausnahme.

Da wandte sich jener Mann an Abraham und flehte ihn an, wobei er ihn »Vater« nannte (V. 24.27). Er beansprucht also, sein Sohn zu sein, zum Volk Gottes zu gehören. Im Leben hat er Gott jedoch keinerlei Beachtung geschenkt, sondern sich selbst zum Mittelpunkt aller Dinge gemacht, verschlossen in seiner Welt des Luxus und der Verschwendung. Indem er Lazarus ausschloss, hat er weder den Herrn noch sein Gesetz irgendwie in Betracht gezogen. Den Armen zu übersehen bedeutet, Gott zu verachten! Das müssen wir gut lernen: Den Armen zu übersehen bedeutet, Gott zu verachten. Ein Detail in dem Gleichnis ist bemerkenswert: Der Reiche hat keinen Namen, sondern nur das Adjektiv »der Reiche«, während der Name des Armen fünfmal wiederholt wird, und »Lazarus« bedeutet »Gott heilt«. Lazarus, der vor der Tür liegt, ist eine lebendige Ermahnung an den Reichen, sich an Gott zu erinnern, aber der Reiche nimmt diese Ermahnung nicht an. Er wird also nicht wegen seines Reichtums verurteilt, sondern für seine Unfähigkeit, mit Lazarus Mitleid zu haben und ihm zu Hilfe zu kommen.

Im zweiten Teil des Gleichnisses begegnen wir Lazarus und dem Reichen nach ihrem Tod (V. 22-31). Im Jenseits hat sich die Situation ins Gegenteil verkehrt: Der arme Lazarus wird von den Engeln zu Abraham in den Himmel getragen, während der Reiche in der Unterwelt Qualen erleidet. Da »blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß«. Er scheint Lazarus zum ersten Mal zu sehen, aber seine Worte verraten ihn. Er sagt: »Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer.« Jetzt erkennt der Reiche Lazarus und bittet ihn um Hilfe, während er zu seinen Lebzeiten so getan hat als würde er ihn nicht sehen. – Wie oft tun viele Menschen so als würden sie die Armen nicht sehen! Für sie existieren die Armen nicht. – Vorher versagte er ihm sogar die Überreste von seinem Mahl, und jetzt möchte er, dass er ihm etwas zu trinken bringt! Er glaubt noch immer, Rechte in Anspruch nehmen zu können aufgrund seiner früheren sozialen Stellung. Indem er es für unmöglich erklärt, seiner Bitte nachzukommen, bietet Abraham selbst den Schlüssel der ganzen Geschichte: Er erklärt, dass Wohlergehen und Leid so verteilt sind, dass sie das irdische Unrecht ausgleichen.

Und die Tür, die im Leben den Reichen vom Armen trennte, ist »ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund« geworden. Solange Lazarus vor seinem Haus lag, gab es für den Reichen die Möglichkeit des Heils – die Tür weit öffnen, Lazarus helfen –, aber jetzt, da beide gestorben sind, lässt sich die Situation nicht wiedergutmachen. Gott wird nie unmittelbar erwähnt, aber das Gleichnis warnt sehr deutlich: Die Barmherzigkeit, die Gott uns schenkt, ist an unsere Barmherzigkeit gegenüber dem Nächsten gebunden: Wenn diese fehlt, dann findet auch jene keinen Raum in unserem verschlossenen Herzen und kann nicht eintreten. Wenn ich die Tür meines Herzens nicht weit öffne, dann bleibt diese Tür verschlossen. Auch für Gott. Und das ist schrecklich. An diesem Punkt denkt der Reiche an seine Brüder, denen dasselbe Ende bevorzustehen droht, und bittet darum, dass Lazarus in die Welt zurückkehren möge, um sie zu warnen. Aber Abraham antwortet: »Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören.« Um zur Umkehr zu gelangen, dürfen wir keine Wunder erwarten, sondern müssen unser Herz öffnen für das Wort Gottes, das uns aufruft, Gott und den Nächsten zu lieben. Das Wort Gottes kann ein verhärtetes Herz wieder zum Leben erwecken und es von seiner Blindheit heilen. Der Reiche kannte das Wort Gottes, aber er ließ es nicht in sein Herz hinein, er hörte nicht darauf. Daher war er unfähig, die Augen zu öffnen und mit dem Armen Mitleid zu haben. Kein Bote und keine Botschaft können die Armen ersetzen, denen wir auf unserem Weg begegnen, denn in ihnen kommt uns Jesus selbst entgegen: »Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan« (Mt 25,40), sagt Jesus. So ist in der Umkehr des Schicksals, die in dem Gleichnis beschrieben wird, das Geheimnis unseres Heils verborgen, in dem Christus die Armut mit der Barmherzigkeit verbindet. Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir alle, zusammen mit den Armen der Erde, dieses Evangelium hören, können wir mit Maria singen: »Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen« (Lk 1,52-53).

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Einen herzlichen Gruß richte ich an alle Pilger deutscher Sprache, besonders an die Teilnehmer der Jubiläumswallfahrt des Bistums Augsburg, an die Ministranten des Bistums Eichstätt wie auch an die Studenten und Professoren der Theologischen Fakultät Paderborn. Ich wünsche euch einen guten Aufenthalt in Rom, der euren Glauben stärken möge. Von Herzen segne ich euch alle.


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