Santiago de Compostela

In Santiago de Compostela übernachtete ich in einer typischen Pilgerherberge. Ich glaube, es waren an 10 Doppelstockbetten in dem Raum aufgestellt. Glücklicherweise war die Herberge nicht ausgebucht.

Hier traf ich auf Jürgen und Ralf, die sich für 1 Woche auf den Pilgerweg gemacht hatten. Mit dem Wohnmobil sind sie von Hannover nach Spanien gereist und ließen ihr Auto auf einem Campingplatz in Monterrosa (bei Lugo) zurück. Von dort sind sie dann losgelaufen. Es war das erste Mal, dass sie so etwas taten. Und die rund 80 km, die sie zurückgelegt hatten, reichten dann wohl auch.

In der Herberge kamen wir ins Gespräch. Am nächsten Tag wollten sie zurück zu ihrem Auto. Auch mein Weg sollte am nächsten Tag wieder in Richtung Malaga eingeschlagen werden. Da lag Lugo durchaus auf dem Weg. Was lag also näher als die beiden im Auto mitzunehmen. Nachdem wir am Vormittag uns dann noch die Stadt angesehen hatten, starteten wir am fühen Nachmittag Richtung Lugo. Auf dem Campingplatz angekommen setzten wir uns in der angeschlossenen Gaststätte zusammen um zu essen. Da auch ich ein Bier trinken wollte, wurde kurzerhand beschlossen, dass ich nicht weiterfahre, sondern auf dem Platz übernachte. Der Abend wurde natürlich länger und es blieb auch nicht bei einem Bier. Man mußte ja auch von den selbstgebrannten lokalen Köstlichkeiten probieren. Im Wohnmobil war kein Platz und mein Zelt hatte ich auch nicht dabei. Also richtete ich mich im Opel Corsa auf dem Beifahrersitz ein. Erstaunlich wie bequem man in dem Kleinwagen schlafen kann. Vielleicht lag es auch am Alkohlospiegel, dass ich so gut schlief?! Auf jeden Fall hatten wir drei einen schönen und unterhaltsamen Abend.

Am nächsten Tag ging es dann weiter in Richtung Süden nach Salamanca.


Santiago de Compostela ist die Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Galicien. Die Stadt ist katholischer Erzbischofssitz, Wallfahrtsort und Ziel des Jakobswegs.

Der Name setzt sich zusammen aus Santiago, was über die Zwischenform Sant Jago eine abgeschliffene Form von lateinisch Sanctus Iacobus (deutsch heiliger Jakob) darstellt, und Compostela. Der zweite Namensteil wird verschieden gedeutet. Volksetymologisch und wegen der Erwähnung einer Lichterscheinung in Zusammenhang mit dem Jakobsgrab wird gern das lateinische campus stellae („Sternenfeld“) angenommen (siehe Stadtwappen: Stern und Reliquienschrein). Allgemein geht man heute von einem Friedhof – die Römer begruben ihre Toten an Wegen und Kreuzungen – an einer Straße als Namensgeber aus und erklärt etwa mit lateinisch compostum („Friedhof“).

Bezüglich des Heiigen Jakobus gibt es verschiedene Legenden:
Jakobus der Ältere war einer der zwölf Jünger Jesu, Sohn des Zebedäus und Bruder von Johannes. Der Legende nach ging er gleich nach Christi Himmelfahrt in die römische Provinz Hispania, das heutige Spanien, um dort zu missionieren – allerdings mit wenig Erfolg. Er kehrte dann nach Palästina zurück und wurde dort schließlich auf Befehl des Königs Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahre 44 geköpft. Nach einer in Spanien seit dem Mittelalter verbreiteten Legende wurde sein Leichnam in ein Boot gelegt, das dann an die Küste Spaniens getrieben wurde. Nach einer anderen Version brachten seine Jünger Athanasius und Theodorus den Leichnam auf dem Seeweg in sein Missionsgebiet Spanien und setzten ihn in einem Steingrab auf dem Gebiet der heutigen Stadt Santiago de Compostela bei. Nach einer anderen in Kirchenkreisen verbreiteten Legende schenkte Kaiser Justinian die Gebeine dem Sinaikloster; in den Stürmen des Islam brachten Mönche die Reliquien in Spanien in Sicherheit. Als die Muslime auch Spanien eroberten, vergrub man die Reliquien an der Stelle, an der sich heute Santiago de Compostela befindet. Ausgrabungen zeigen, dass sich dort eine Nekropole befand, die zu einem römischen Militärlager aus dem 1. bis 4. Jahrhundert und einer suebischen Siedlung aus dem 5. bis 7. Jahrhundert gehört hatte.

Im Zeitraum von 818 bis 834 wurde das angebliche Grab entdeckt. Der Legende zufolge sah der Eremit Pelayo eine Lichterscheinung, die auf ein Apostelgrab hinwies. Man meldete das Theodemir, dem Bischof von Iria Flavia. Als man dann tatsächlich ein Grab fand, erklärte Theodemir, es sei das Grab des Heiligen Jakobus. Darauf ließ König Alfons II. von Asturien (791–842) dort eine Kirche errichten, die sich zu einem Wallfahrtszentrum entwickelte. Um die Kirche herum entstand ein Dorf, das im 10. Jahrhundert zur Stadt Santiago wurde. Die einschiffige Kirche wurde bald zu klein. So wurde 872 unter König Alfons III. mit einem größeren dreischiffigen Bauwerk begonnen. Am 10. August 997 zerstörte Almansor, der große Heerführer des Kalifen von Córdoba, die Stadt und die Kathedrale. (Das Grab des Jakobus wurde allerdings nicht beschädigt.) Die Glocken der Kathedrale wurden von versklavten Christen in das 1.000 Kilometer entfernte Córdoba geschleppt. (Nach der Eroberung Córdobas am 29. Juni 1237 durch kastilische Truppen ließ man sie durch maurische Sklaven wieder nach Santiago zurückbringen.) Erst unter Alfons VI. wurde die Kirche neu aufgebaut. Die Arbeiten begannen nach verschiedenen Quellen entweder 1075 oder 1078. Um diese Zeit wurde Santiago de Compostela neben Rom und Jerusalem zum bedeutendsten Wallfahrtsort der Christenheit. In der eindrucksvollen Kathedrale schmückt ein vergoldeter Baldachin den Altar. Ein ständiger Pilgerstrom bildet Schlangen, eine große Sitzfigur des heiligen Jakobus wird als Zeichen der Ehrerbietung umarmt und geküsst.

Sehr sehenswert ist die gesamte Altstadt, die mit der Kathedrale und dem Jakobsweg seit 1985 als Weltkulturerbe ausgewiesen ist. Die belebteste Straße in der Altstadt Santiagos ist die Rúa do Franco, die direkt zum Platz vor der Kathedrale führt. Jährlich treffen über 200.000 Pilger zu Fuß, auf dem Fahrrad, zu Pferd oder als Rollstuhlfahrer in Santiago ein. Seit dem frühen 11. Jh. ist die Jakobsmuschel (Pecten maximus) als Pilgerzeichen belegt. 1106 wurde in Italien von Wundern berichtet, die allein durch die Berührung eines solchen Pilgerzeichens stattfanden. Die Muscheln wurden von der Atlantikküste nach Santiago gebracht, üblicherweise mit zwei Löchern versehen und auf dem Markt nördlich der Kathedralentür an die Pilger verkauft. Die Muscheln wurden vorne am Hut getragen und dem Pilger oft mit ins Grab gegeben.