Transsilvanien

Nach meinem Besuch auf Island sollte es eigentlich ab Ende Juli durch Polen ins Baltikum gehen. Durch ein unverhofftes Wiedersehen mit einer früherin Kundin (Vier Jahreszeiten) auf der Miriya Wave Party hat sich die Planung geändert. Vom 18. August bis 21. September 2015 bin ich nun in Medias, Rumänien (Siebenbürgen). Seit Anfang August wird hier ein ehemaliges Kolpinghaus in ein Kinderheim umgebaut. Ich trage einen Teil dazu beitragen, indem ich vor Ort dieses Projekt tatkräftig und nach meinen Möglichkeiten unterstütze.

Der Flug von Budapest nach Tirgu Mures erfogte mit Wizz Air. Start in Budapest über die 31L mit 25 Minuten Verspätung. Der A320 brauchte gerade mal 40 Minuten Flugzeit. Abflug bei kühlem regnerischem Wetter, Landung bei lockerer Bewölkung und 26°C.

Mariann, die Heimleiterin in Medias hatte zwei ihrer Mitarbeiter zu meiner Abholung zum Flughafen in Tirgu Mures geschickt. Da ich Spendengelder bei mir hatte, sind wir zunächst nach Tirgu Mures gefahren, um Lebensmittel einzukaufen. Mit vollem Kofferraum ging’s dann nach Medias. Fahrzeit ca. 1 Stunde, Ankunft mit großer Begrüßung gegen 19h, anschließend Abendessen und  gemütliches Beisammensein in der lauen Luft vor dem Haus bei Likör und Bier.

Mariann, Ungarin, *1981, studierte Germanistik und Niederlandistik, ist Lehrerin und Krankenschwester. Hat mehrere Jahre in Berlin und Amsterdam gelebt und gelehrt. Im Laufe der Zeit entstand für sie die Frage, was sie für die Allgemeinheit getan habe, und sie entschied sich deutlich mehr dafür tun zu wollen. Schon immer unterstützte sie materiell ein Kinderheim in Sovata (Rumänien). So lag es für Mariann nahe, sich dort auch aktiv einzubringen. Zeitgleich stellte sie fest, dass Geld allein nicht glücklich macht. Von ihrem bis dahin vergleichsweise luxuirösen Leben nahm sie Abstand. Heute lebt sie von 120 EUR im Monat. Ihr Motto: Lieber geben als nehmen!

Bei ihrer Arbeit in Sovata gewann sie den Eindruck, dass man nicht immer das Wohl der Kinder im Sinn hat, sondern sich eher an Regeln und vor allem an Verboten ausrichtete. Das war der ausschlaggebende Grund für sie das Angebot von Pater Czaba anzunehmen und ein Kinderheim in Medias aufzubauen. Durch ihre Fähigkeit Menschen auf sich und ihre Projekte aufmerksam zu machen, schafft sie es Sach- und Geldspenden zu aquirieren. Auf diese Weise ist sie auch mit Sabine in Deutschland in Kontakt gekommen, die ebenfalls die Gabe hat Menschen zu überzeugen das Kinderheim in Medias zu unterstützen. Mit ihr zusammen engagieren sich Wolfgang, der größere Geldspenden zur Verfügung stellt. Und da ist Torsten (ToLo I.N UG) und Michael mit seinem Chef, Herrn Sch. von der Nachbarschaftshilfe Rhein-Sieg. Durch die Unterstützung wurde es ermöglicht, dass in großem Umfang Sachspenden nach Medias transportiert werden konnten.

Marianns Arbeitgeber ist die Stiftung St. Franziskus von Assisi in Deva (www.magnificat.ro), deren Ziel es ist, armen Kindern der ungarischen Minderheit in Siebenbürgen die Möglichkeit zu geben, unter normalen Umständen aufzuwachsen und in ihrer Muttersprache zu lernen. Leiter der Stiftung ist der Franziskaner Priester Czaba.

Das Kinderheim ist ein zweigeschossiges Gebäude. Im Keller befindet sich die Küche, die Speisekammer, und der Speiseraum. Im Erdgeschoss sind das Büro, ein großer Saal, der u.a. auch als Unterrichtszimmer / Konferenzimmer genutzt werden kann, in der 1. Etage hat Mariann ihr persönliches Zimmer, sowie befinden sich hier Mehrbettzimmer mit 3-4 Betten pro Zimmer. In der 2. Etage befinden sich weitere Mehrbettzimmer.

Die Kinder, die Mariann im Moment mit ihren Mitarbeitern betreut, kommen aus Familien, die nicht in der Lage waren oder denen die Fähigkeit fehlt Kinder großzuziehen. Ein Kind hat wahrscheinlich sogar miterlebt, wie seine Mutter vom Vater erschlagen wurde. In diesem Fall handelte es sich um Zigeuner. Wie in der übrigen Welt auch, so hat man auch hier keine gute Meinung über diese Menschen. Man unterstellt ihnen, dass sie keine Verantwortung für ihren Nachwuchs übernehmen, aber ständig für Nachwuchs sorgen.

Bei genauerem Hinsehen, kann man sehr gut erkennen, wie die einzelnen Charaktere und Verhaltensmuster die Vergangenheit der Kinder widerspiegeln. Ist das eine Kind eher eher rau und widerborstig, ist ein anderes bestrebt die ihm sonst nicht zuteil gewordene Liebe einzufordern, indem es sich adaptiert und nach guten Leistungen strebt, um so den vermeintlichen Anforderungen gerecht zu werden. Ein anderes Kind ist eher zurückhaltend, sensibel und ängstlich. Oder aber, es fordert mit seinem Verhalten immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich ein.

Am 31.8.15 kam Rolf hier an. Aufgrund seiner rumänischen Ehefrau hat er eine besondere Beziehung auch zum übrigen Land.
Er unterstützt also parallel zu Sabine dieses Haus in Medias mit Sachspenden. Rolf habe ich als sehr liebenswerten Menschen kennengelernt. Er hat exzellente Kontakte zu Firmen und Privatpersonen, die ihm Sachspenden überlassen, und die er in verschiedenen Kinderheimen in Rumänien verteilt. So kennt er u.a. auch Sovata, wo wir am 1.9. hinfuhren. Er wollte dort mit den ihm bekannten Betreuern sprechen. Auf diese Weise habe ich dort I. und Sh. kennengelernt. I. zeigte mir das Haus, in dem er mit 9 Kindern lebt. Ferner erzählte er mir, dass er nicht begeistert über die derzeitige Heimleitung ist. Man regiere wohl mit harter Hand und hat es übrigens auch mit zu verantworten, dass C. und Cz. zum Monatswechsel August/September wieder nach Sovata zurückgebracht werden mussten. Im Austausch dafür hat Mariann E., ebenfalls ein Kind aus ihrer ehemaligen ‚Familie‘, nach Medias bringen dürfen. Die Einstellung der Erzieher in Sovata lässt wohl zu wünschen übrig. Denn erstens wechseln diese oft und zweitens wird wohl keine Bindung zu den Kindern hergestellt, die sie aber dringend brauchen, denn schließlich fehlen diesen Kindern beide Elternteile. I’s. ‚Familie‘ ist zwischen 5 und 18 Jahre alt. Die Kinder können solange im Heim bleiben bis sie ihren Schulabschluss gemacht haben.

Seit dem 2.9.15 sind fünf weitere Kinder in Medias angekommen, die aus einer Familie stammen, der sozusagen der Boden unter den Füßen weggebrochen ist. Alkohol und Arbeitslosigkeit, Verlust der sozialen Bindung prägten das bisherige Leben. Dementsprechend sollen die häuslichen Verhältnisse menschenunwürdig ausgesehen haben. Ratten sollen dort ein- und ausgegangen sein. Die Kinder besitzen weder Erziehung noch schulische Kenntnisse.

Soviel zu den Heimeindrücken. Darüber hinaus fanden aber auch Ausflüge und Unternehmungen mit den Kindern statt. Gleich zu Anfang machten wir einen Stadtrundgang durch Medias.

Mediaș (deutsch Mediasch, früher Medwisch, såksesch Medwesch oder Meddesch, ungarisch Medgyes), Region Transsilvanien, mit seiner mittelalterlichen Architektur besteht seit sieben Jahrhunderten. Trotz kriegerischer Auseinandersetzungen, unbarmherzigen Krankheiten sowie Bränden, die alles in Schutt und Asche legten stieg Medias immer wieder wie Phoenix aus der Asche auf.

Die Stadt ist umgeben von Hügeln. In früheren Zeiten hatte dies den Vorteil schwer erreichbar zu sein und bot somit einen Schutz vor kriegerischen Angriffen. Heutzutage liegt der Vorteil eher im milderen Klima, denn die Winter sind in Medias nicht ganz so streng wie im übrigen Land.

Die engen Gassen bringen eine einzigartige Mischung verschiedener Baustile zum Vorschein. Die meisten Gebäude zeigen diverse Spuren verschiedener Epochen in ihren Baudetails, wie Mauerwerk, Schmuck, Dächern und Fenstern. Über Tage schlägt Medias‘ Herz auf dem weitläufigen Marktplatz in der Altstadt. Mit Sonnenuntergang scheint dieses Herz zum Stillstand zu kommen. Das Zentrum der Stadt ist verkehrsberuhigt und nur wenige Autos parken hier. Mit der Dunkelheit kehrt hier Grabesstille ein. Ein paar nette orangefarbene Laternen erleuchten den „hochgeklappten“ Gehweg. Die ideale Kulisse für die ersten Zeilen des Weihnachtslieds
‚Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh‘ ich durch die Gassen……‘

Die Kirchenburg, mit der ev. St. Margarthenkirche und ihren wunderschönen Majolika Dachziegeln ist der eigentliche Magnet der Stadt. Der Trompeterturm ist das Wahrzeichen. Die Burg stammt aus der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der Innenraum ist mit kostbaren uralten ottomanischen Teppichen ausgestatttet. Der gotische Flügelaltar (15. Jh.) mit acht Bildern aus der Passionsgeschichte weist im Kreuzigungsbild ein Kuriosum auf: Im Hintergrund sieht man die Stadt Wien, da der Maler der ‚Wiener Schule‘ entstammte.

Es gibt einige Persönlichkeiten, die mit Medias verbunden sind, wie zum Beispiel Christian Schesaeus, Stephan Ludwig Roth, Stefan Moldovan oder Hermann Oberth. Letzterer lebte von 1925 bis 1938 hier und lehrte am Lyzeum Stephan Ludwig Roth. In einem Gedenkhaus widmet man sich ausführlich diesem Raketenpionier. Ausgestellt sind Dokumente, Fotos aus seinem Leben, persönliche Gegenstände sowie ein Zimmer mit Möbeln aus Familienbesitz.

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Informationen über Medias in Siebenbürgen
Medias  Adolf Kolping in Medias


Ein weiterer Ausflug (23.8.15) führte uns nach Sighișoara [ˈsgiʃoara] (deutsch Schäßburg, ungarisch Segesvár, lateinisch erst Castrum Sex, später Saxoburgum), Region Transsilvanien. Es liegt ca. 1 Stunde mit dem Auto von Medias entfernt. Sighisoara’s Altstadt zählt seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Interessant ist vor allem die Burganlage oberhalb der Stadt. Man betritt die Stadt durch den mächtigen Stundturm mit seinem vielfarbigen Majolika-Dach. Enge verwinkelt Gassen prägen das Bild. Auch Graf Dracula, der angeblich hier geboren wurde, wird mit seinem Geburtshaus treulich Rechnung getragen. Der Tourismus spielt hier eine gewichtige Rolle, was man an den zahlreichen Verkaufsständen unschwer übersehen kann. Etwas weiter oberhalb kann man die angeblich älteste Schule besichtigen – auf jeden Fall sehenswert, egal wie alt sie wirklich ist.  Schön anzusehen waren zahlreiche Tanzgruppen verschiedener Nationen, die am Nachmittag bei bestem Wetter auf einer Bühne ihre Volkstänze zeigten.

Wie Medias liegt auch Sighisoara am Fluss Tarnava Mare (Große Kokel). Siebenbürger Sachsen gründeten in der 2. Hälfte des 12. Jh. die heutige Stadt. Nach einem Tatareneinfall 1241 und der wachsenden Türkengefahr im 15. Jh. wurde die Stadt immer weiter mit Mauern, Gräben und Türmen befestigt.


Auf der Fahrt von Sighisoara zurück nach Medias kamen wir durch Dumbrăveni (deutsch Elisabethstadt, ungarisch Erzsébetváros, lateinisch Elisabethopolis; früher rumänisch Ibașfalău, deutsch Eppeschdorf, ungarisch Ebesfalva), Region Transsilvanien. Im 17. Jahrhundert lebten hier viele Armenier, die im Laufe der Zeit die ungarische Sprache und Kultur übernahmen. Markant ist die armenisch-katholische Barockkirche in der Ortsmitte.


Bestandteil der Stiftung von Pater Csaba ist auch die ihm für 50 Jahre überlassene Burganlage Bethlen in Kreisch/Cris (Region Transsilvanien). Der Deal ist: die Burg muss in dieser Zeit komplett renoviert/saniert werden.

Cris liegt nur 10 Kilometer entfernt von Dunesdorf/Danes. Burg Bethlen gehört zu den eindrucksvollsten Burgen Transsilvaniens. Ihre bewegte Geschichte ist eng mit dem Schicksal ihrer Erbauer gleichen Namens verbunden, die über viele Jahrhunderte hinweg die Geschichte Siebenbürgens mitgestaltet haben. Ursprünglich eine mittelalterliche Anlage, wurde die Burg von den Grafen von Bethlen ab der Mitte des 15. Jahrhunderts im Stil der deutschen Renaissance großzügig um- und ausgebaut. Die Burg besitzt eine für das Spätmittelalter typische Wehranlage mit Ringmauer und quadratischem Torturm. Das mächtige Hauptgebäude erstreckt sich über zwei Etagen. Über eine Freitreppe gelangt man in die renaissancetypische Loggia des Obergeschosses. Flankiert wird das Gebäude von einem imposanten Rundturm, der den sprechenden Namen „Turm der Bogenschützen“ trägt.


Insgesamt habe ich Sovata 3 mal (1.9., 11.9. und 31.10.15) besucht, jedesmal auch das dortige Kinderheim.  Sovata (ungarisch Szováta) ist ein Kurort und eine Stadt im Kreis Mureș (Region Transsilvanien) in Rumänien.
Das Kinderheim ist ebenfalls eine Einrichtung der Stiftung von Pater Csaba. Der Ort lebt vom Tourismus und von den Kuranlagen. Vom Wald umgeben, lieg der Salzsee (Lacul Ursului = Bärensee) mitten im Ortszentrum. Der See hat einen sehr beachtlichen durchschnittlichen Salzgehalt von 250g/l. Zum Vergleich: das Tote Meer hat 280g/l. Interessanter ist jedoch eine Eigenschaft des Sees, die sich Heliothermie nennt. Darunter versteht man, dass das warme Wasser, normalerweise leichter und oben angesiedelt, sich am Grund des Sees befindet. Die physikalische Erklärung liegt im Salzgehalt. Das warme Wasser ist salzhaltiger und hat daher ausnahmsweise eine höhere Dichte als das kalte, ist also schwerer.

Für die Kurgäste gibt es zwei Flaniermeilen und diverse Einkehrmöglichkeiten. Durch Zufall habe ich den hiesigen Campingplatz gesehen. Vorzüglich angelegt. Durch ein verziertes Holztor gelangt man auf ein blumengeschmücktes Gelände, hinter dem ein kleiner Bach plätschert. Wer kein eigenes Zelt mitbringt kann auch in einem kleinen Holzhäuschen nächtigen.

Am 31.10.15 ergab sich die Gelegenheit mit den Kindern einen Rundgang um den See zu machen. Bei prächtigem Wetter (wolkenlos und Sonnenschein) kamen die Farben des Herbstes besonders schön zur Geltung. Der See selbst ist im 19.Jh. nach mehreren Erdeinstürzen im salzhaltigen Gelände entstanden. Zwei Füsse speisen seitdem den See und lösen das Salz auf. Ganz in der Nähe des Sees befindet sich ein kleiner Salzhügel. Sehr bizarr anzusehen, denn auch hier nagt der Zahn der Zeit bedingt durch Erosion.


Hermannstadt (rumänisch Sibiu [si’biw], ungarisch Nagyszeben), Region Transsilvanien

Am 30.8.15 fand in Sibiu ein mittelalterlicher Markt statt, den es lohnte zu besuchen. Ganz nebenbei fand auch noch ein kleiner Altstadtrundgang statt.

Die Stadt war 2007 Europäische Kulturhauptstadt. Dementsprechend hat man keine Mühen und Kosten gescheut vor allem das Stadtzentrum aufzupolieren. Leider blieb nur geringe Zeit für einen kurzen Stadtrundrundgang. Dazu gehört natürlich der ‚Große Platz‘, welcher von Patrizierhäusern gesäumt ist.

Das auffälligste Gebäude ist das Rathaus mit seiner zartgelben Fassade, verziert mit Stuck und ovalen Jugendstilfenstern. Weiter auf dem ‚Kleinen Ring‘ kommt man über die Lügenbrücke, die 1859 erbaut wurde und Ober- mit Unterstadt verbindet. Einer Legende zufolge soll die Brücke sofort einstürzen, wenn Passanten auf ihr eine Lüge aussprechen. Was selbstverständlich seit ihrem Bestehen noch nie vorgekommen ist.

Das große weiße Gebäude neben der Lügenbrücke ist das ‚Haus der Künste‘. Es gehörte früher der Metzger-, später der Tuchmacherzunft. Eine großes Wappen auf der Stirnseite der Fassade zeugt davon, dass hier auch österreichisches Militär vertreten war.

Der Turm der evangelischen Kirche prägt die Silhouette der Stadt. Der Glockenturm mit seinen bunten Dachziegeln  und den vier Ecktürmchen sind ein markantes Wahrzeichen. Vor der Kirche befindet sich das Standbild von Georg Daniel Teutsch, im 19. Jh. Bischof in Siebenbürgen.


 

Da es seit mehren Wochen ziemlich heiß ist (Temperaturen zwischen32 und 36 Grad) machten wir kurz entschlossen am 26.8.15 einen Ausflug zu einem nahen Baggersee.


Pflaumenmarmelade kochen

Die Pflaumenbäume im Garten des Kinderheims bogen sich inzwischen unter ihrer Fruchtlast. Eine ideale Gelegenheit daraus ein Wochenend-Event zu machen. Reichliich wurden die Bäume geschüttelt, um ihre Früchte herzugeben. Anschließend saß man bei Gesprächen um riesige Töpfe herum, schließlich mußte die Früchte entsteint werden. Der angenehmere, urige Teil folgte am Feuer, über dem die Pflaumen unter ständigem rühren gekocht wurden. Natürlich durfte eine Verkostung am Ende nicht fehlen!


Speck grillen (Szalonnáskenyér)

Und da das Feuerchen schon mal im Gang war, wurde kurzerhand das Abendessen in den Garten verlegt. Es bestand aus Brot, roten gezalzenen Zwiebeln und dem wichtigsten Bestandteil, fetem Speck. Aufgespießt wurde der Speck im Feuer erhitzt bis das Fett begann sich zu verflüssigen. Schnell wurde dieses Fett auf das Brot geträufelt. War das Brot ausreichend getränkt wurden die Zwiebeln darauf verteilt. Zusammen mit dem restlichen heißen Speck wurde herzhaft zugelangt. Optisch mag es vielleicht nicht so appetitlich aussehen, geschmacklich war es aber eine Köstlichkeit sondergleichen. Nicht zu vergessen: Um das fette Essen gut verdauen zu können, bedarf des einen oder anderen Pálinka. Selbstgemachter klarer Schnaps mit mehr oder weniger vielen „Umdrehungen“. Und, angenehme Begleiterscheinung: Man kam in gemütlicher Runde zu Gespächen zusammen.


Rolfs Spendenlieferung

Am 20.9.15 kam Rolf mit einem Transporter nach Medias und brachte reichlich Spenden, die sich sich bei ihm inzwischen angesammelt hatten. Auch Marions Medikamentenpaket war darunter. Von Socken über Spielsachen, Regale, Lebensmittel, Liegestühle, Bollerwagen bis hin zu Schuhen und Kleidung, stapelten sich die Sachen zunächst vor dem Haus. Am Ende waren alle glücklich und dankbar.


Fazit – Mit welchen Eindrücken verlasse ich Medias?
Ich durfte nahezu von Anfang an hier erleben, wie aus einem „Nichts“ etwas geschaffen wurde, dass, zumindest aus meiner Perspektive, seinesgleichen sucht. Übergeben wurde ein Haus, das in großen Teilen der Erneuerung bedurfte. Seien es die Fenster, die einen neuen Anstrich nötig hatten, seien es die nackten kahlen Wände, die nach neuer Farbe lechzten, die Böden, die mit der Wurzelbürste in der Hand Fliese für Fliese geschrubbt werden mussten oder die Holzdielen, die vor Schmutz starrten. Es gab veraltetes Mobiliar, welches erneuert werden musste. Da gab es keine Gardinen an den Fenstern und erst recht keine heimeligen Teppiche auf den Böden. Das größte Problem stellte die Küche dar, die sich in einem desolaten Zustand befand. Und diese Aufzählung ist eigentlich nur ein Bruchteil dessen, was tatsächlich hier vor Ort gemeistert werden musste. Zwar ist noch lange nicht die Arbeit beendet, aber für insgesaamt 6 Wochen hier zu sein und mitzuverfolgen, wie so ein Projekt organisiert wird, war für mich schon beeindruckend. In mancher Hinsicht beeindruckend vor allem, weil sich immer wieder scheinbar riesige Probleme in quasi Nichts auflösten, weil die Spendenbereitschaft einfach unglaublich ist. Ob im fernen Deutschland durch die fantastischen Fähigkeiten von Sabine in Zusammenarbeit mit den örtlichen Nachbarschaftshilfen sowie durch Rolf, der unermüdlich sammelt und organisiert, oder hier vor Ort durch das Engagement von Kirche und Kolpingverein.

Man mag, wie ich, ein geteiltes Verhältnis zu Spendenorganisationen haben, letztlich ist es aber eine gute Sache, wenn jemand nicht nur redet, sondern tatsächlich Nägel mit Köpfen macht. Und dies hat Pater Csaba mit seiner Stiftung realisiert. Ich persönlich hätte mir zwar gewünscht, dass die Stiftung sich mehr qualtitativ als quantitativ einbringt und somit unabhängiger von Spenden agieren könnte. Letztlich muss man aber auch sehen, dass auf diese Weise weitaus mehr Kindern ein Dach überm Kopf und eine schulische Ausbildung zuteil wird. In der guten Zusammenarbeit zwischen der Stiftung und den verschiedenen Spendern (Privatpersonen und Organisationen) ist daraus ein sicher bemerkenswertes Projekt entstanden. Insbesondere nachdem ich Menschen traf und deren verheerende Lebensumstände live sah, bin ich froh und dankbar, dass durch die Beteiligung vieler hilfsbereiter Menschen wenigstens einige Kinder in halbwegs normalen Lebensumständen aufwachsen können. Der  Wermutstropfen liegt in der Tatsache, dass zwar für die Kinder gesorgt wird aber die Erwachsenen in ihrem Elend zurückbleiben. Zwar wird auch hier, wenn irgendmöglich materielle Unterstützung geleistet (Kleidung, Lebensmittel) aber letztlich erscheint dies dann wie der Tropfen auf dem heißen Stein.

Nach meiner Pensionierung endete auch das damit verbundenen jahrzehntelange Beamtendenken und -handeln. Ich empfinde ich es heute immer wieder als eine Bereicherung hinter die Kulissen von privaten Betrieben schauen zu können. Das war im Bio-Supermarkt so, genauso wie im Taxigewerbe und in der Markt- und Meinungsforschung. Und letztlich auch hier in Medias, wo ich hautnah miterleben durfte, wie Großprojekte  organisiert und gemanagt werden.

Einen besonderer Aspekt stellen jedoch die Kinder dar. Denn um diese geht es ja im Kern. Zu wissen, welchen familiären und wirtschaftschaftlichen Verhältnissen diese entstammen und zu sehen, wie herzlich, dankbar, liebevoll und vorbehaltlos sie hier mit einem, für sie Fremden, umgehen, das ist schon ergreifend. Und, zugegeben, ich hatte und habe meine liebe Mühe sie zurückzulassen. Die Zeit, die ich mit diesen Kindern verbringen durfte, werde ich so schnell nicht vergessen. Im Moment kann ich zwar nicht sagen, wann ich wieder in Medias vorbeischauen werde, mein Gefühl sagt mir jedoch, dass ich es auf jeden Fall tun werde.

Interesanterweise habe ich festgestellt, dass es auch von Vorteil sein kann, wenn man eine Sprache nicht beherrscht. Vor allem mit Kindern kann man auch ohne Sprachkenntnisse hervorragend kommunizieren. Blicke, Gesten, Stimmungen und das sich Einlassen auf ihre nonverbalen Anregungen und Spiele, all das schafft Brücken, wo Worte  unnütz werden.

Aber nicht nur in Bezug auf Kinder könnnen fehlende Sprachkenntnisse hilfreich werden. Ohne Worte kann man schlecht streiten, argumentieren oder versuchen eine bestehende Situation zu verändern. Was ich hier gelernt habe, ist, tatsächlich Situationen unkommentiert so zu nehmen, wie sie sich gerade ergeben. Im Augenblick zu bleiben, zu spüren, welches Handeln in diesem Moment am sinnvollsten ist. Fragen stellen ist nicht möglich, also ist Kreativität und ein waches Auge von Nöten. Erspüren, welche Stimmung / Frequenz gerade angesagt ist. Gespräche zwischen zwei Menschen schweigend zu beobachten und dadurch trotzdem zumindest Teile des Gespächs zu verstehen.

Ich verlasse Medias überaus bereichert und dankbar. Dankbar für das, was ich erleben durfte, dankbar für das Vertrauen, das man mir entgegen gebracht hat, dankbar für das Dach über’m Kopf, ein großzüges Zimmer (eigentlich viel zu groß für mich), ein bequemes Bett und die Speisen, die man mir bereitwillig und gern gegeben hat. Dankbar für einige sehr emotionale Momente während des Abendgebets, dankbar dafür, dass man mich mit auf Ausflüge genommen hat, man mir die Stadt und ihre Besonderheiten gezeigt hat, dankbar für Momente des stillen Geniessens im Garten, dankbar, dass man mir die Gelegenheit des Austobens in der Küche gab. Dankbar, dass meine Seele zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein konnte. Danke für diese großzüge Gastfreundschaft in diesem Haus.


Bran Castle, Region Transsilvanien (23.9.15)

Der Mythos ist nicht tot zu kriegen. Denn ob das historische Vorbild für die Dracula-Geschichte, der walachichische Fürst Vlad Tepes (Vlad der Pfähler) jemals in diesen Mauern wohnte, ist mehr als ungewiss. Aber das fast weiße Schloss, auf einem Felsen gelegen, zieht jährlich Heerscharen von Touristen an, die die 5200 Einwohner des Dorfes Bran weidlich abzocken. Schon fast gruselig ist der Vampir-Vermarktungsbasar vor dem Schloss.

1377 errichteten die Bürger von Braşov (Kronstadt) auf Befehl des ungarischen Königs Ludwig I. von Anjou eine Grenz- und Zollburg am Pass Bran, der Transsilvanien mit der Walachei verband. Braşov wollte sich die Einnahmen sichern. Als der König 1382 starb gehörte Bran zunächst der ungarischen Krone, ab 1498 der Stadt Braşov. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts verlor Bran an militärischer Bedeutung. Ab jetzt hieß es nicht mehr Festung, sondern Schloss. 1920 schenkten die Kronstädter das Schloss Königin Maria von Rumänien. Und die Königin begann das Schloss umzugestalten. Statt Schießscharten – Fenster, ein Wasserkraftwerk wurde gebaut um die Stromversorgung zu sichern, Telefonleitungen wurden gelegt, ein Aufzug eingebaut. 1938 vermachte die Königin das Schloss ihrer Tochter Ileana, die in Österreich lebte. 1948 kam das Schloss in Staatsbesitz, 1957 wurde es ein Museum. 2006 erhielt der Sohn von Prinzessin Ileana den Besitz zurück. Dieser wollte das Schloss an Rumänien verkaufen, doch dem war der Preis zu hoch.

Türmchen und Treppen, steil und verwinkelt, gemütliche Räume mit Kamin, malerischer Innenhof mit Brunnen: Das ist Schloss Bran heute. Zu sehen sind u.a. das Schlafzimmer der Königin, Salons, Musikzimmer, Bibliothek. Die Möbel sind allerdings kaum noch Original, sondern wurden durch Möbel aus dem Familienbesitz der Nachkommen der Königin ersetzt.

Die Geschichte von Vlad Tepes III, der posthum als Dracula Geschichte machte ist hier nachzulesen.

 


Brasov (Kronstadt), Region Transsilvanien  21.-23.9.15

Besiedelt war die Gegend schon seit der Jungsteinzeit. Doch es war der Deutsche Ritterorden, der Kronstadt im 13. Jh. gründete. Der ungarische König Andreas II. (1205-1235) hatte dem Orden 1211 Grund und Boden im Burzenland geschenkt – mit der Auflage, die Region zu besiedeln. Die Kolonisten, die nach Kronstadt strömten, waren bereits Mitte des 12. Jh. auf Einladung des ungarischen Königs Géza II. (1141-1162) nach Siebenbürgeen gezogen. 1235 wurde die Stadt erstmals urkundlich erwähnt: unter dem Namen Corona. Die fleißigen Siedler brauchten nur gut 100 Jahre, bis ihre neue Heimat in wirtschaftlicher Blüte stand. Die Routen der Händler reichten von Danzig bis Konstantinopel. Die Kaufleute pflegten Handelsbeziehungen nach Bulgarien, an die Adriaküste, nach Ungarn und Wien, nach Böhmen, in die Slowakei, nach Polen und Russland.

So sehr Brasov aufblühte, so sehr wurde die Stadt auch immer wieder kriegerischen, politischen und gesundheitlichen Unbillen ausgesetzt: 1241 Zerstörung durch die Tataren, 1421 Türkeninvasion, 1533 Pestepidemie, 1689 Stadtbrand, die beiden Weltkriege, 1950 Stalinkult, 1989 Revolution gegen Ceausescu.

Rundgang
Altes Rathaus: Wo heute ein schönes cremefarbenes Gebäude mit Pfeilervorhalle, schöner Loggia und einem 60m hohen Turm steht, stand anfangs nur ein schlichter Wachturm. Daran baute man im 14 Jh. eine Verkaufslaube für die Kürschnerzunft an, darüber entstand 1420 eine Ratsstube.
1608 traf der Blitz das Gebäude, 1662 wurden 2/3 des Gebäudes durch ein Erdbeben zerstört, 1689 ließ der der Stadtbrand das Gebäude in Flammen aufgehen. 1780 wurde der Wiederaufbau beschlossen. 1876 zog die Stadtverwaltung ein. 1909/10 wurde das Barockdach durch das aktuelle Dach mit bunten Ziegeln ersetzt.

Kirche Mariä Himmelfahrt: Die orthodoxe Kirche ist eine Kopie der griechischen Kirche in Wien. Von der Straße aus sieht man nur die Fassade des Pfarrhauses. Zur Kirche selbst gelangt man durch einen Gang, denn das Gotteshaus liegt in einem Innenhof. Begründung: Die orthodoxen Rumänen standen im 19. Jh ohne Kirche da, weil sie nach einem Streit vom Gottesdienst der griechisch-orthodoxen Kirche ausgeschlossen worden waren. Also baten sie bei den Behörden um die Erlaubnis für einen Kirchenbau. Sie erhielten die Genehmigung – unter der Bedingung, dass der Bau nicht direkt an der Straße liegt. So kauften die Kirchenleute die Wohnhäuser eines Kaufmanns und Verlegers und errichteten im Innenhof 1833 eine winzige Kapelle. Mit den Spendengeldern von 114 orthodoxen Familien entstand zwischen 1894 und 1896 die „richtige“ Kirche – an gleicher Stelle, aber immerhin bekam das Pfarrhaus an der Straße jetzt einen stolzen byzantinischen Kirchturm aufgesetzt. Allerdings krachte der Turm 1940 bei einem Erdbeben ein und wurde erst 1973 wieder aufgebaut.

Die Schwarze Kirche: Sie ist die größte gotische Hallenkirche in Südosteuropa. Mit dem Bau wurde 1383 begonnen. Unterbrochen wurde der Bau durch die Türkeninvasion 1421. Erst 1477 wurde sie fertiggestellt. Während der Pestepidemie (1602/03) wurden Hunderte Tote in dem Gotteshaus begraben. Der Stadtbrand von 1689 machte den Bau zur brandgeschwärzten Ruine, daher der Name Schwarze Kirche. Die Renovierung dauerte bis 1772.
Im Kircheninneren verleihen feingearbeitete Orientteppiche aus dem 15.- 18.Jh. dem Haus Wärme. Die Sächsischen Kaufleute und Zünfte schenkten die exotischen Stücke der Kirche. So groß wie heute scheint die Wertschätzung dieser Kunstwerke damals nicht gewesen zu sein. Manche Kirchgänger nutzten dieTeppiche als Sitzunterlage – und schnitten sie so zurecht, dass sie ins enge Gestühl passten. Die Orgel baute die Berliner Firma Buchholz aus 3993 Pfeifen, vier Manuale und ein Pedal, außerdem 76 Register. Der neugotische Altar stammt von der Wiener Firma Schönthaler (1865/66) und zeigt im Hauptbild Jesus bei der Bergpredigt. Fotografieren innerhalb der Kirche ist nicht erlaubt. Deshalb hier ein Bilder, die im Internet zu finden sind (Quelle: Wikipedia, Leitstelle Kirchenburgen, Siebenbürger.de)

Synagoge: Geht man durch die Schnur-Gasse (1,1-1,3 m breit und damit angeblich schmalste Gasse Europas), erreicht man die Synagoge, die zurückversetzt von der Straße liegt. Die Fassade leuchtet in kräftigem Rotbraun. Sie wurde von dem österreichischen Juden Leopold Baumhorn 1899-1901 als Basilika mit drei Schiffen erbaut. Damals lebten rund 1200 Juden in Brasov. 1941 wurde die Synagoge verwüstet und zum Lagerrum umfunktioniert. 2001 wurde das Gebäude umfassend restauriert.

Befestigungsanlagen: Die mächtige Befestigungsanlage bestand aus 3000m Mauern mit 12 m Höhe, teilweise in 3 Reihen um den Stadtkern gebaut. Bedingt durch die Türken- und Tatareninvasionen mußte die Anlage in 3 Abschnitten gebaut werden, so dass sie der jeweils aktuellen Gefahrenlage entsprach. Im 13./14. Jh. entstanden Gräben, Erdwälle und Palsisaden. Ab Mitte des 16. Jh. kamen 21 Türme, sieben Basteien und drei Tore hinzu. Mitte des 17. Jh. war das Bollwerk vollendet.


Zitadelle von Rasnov (Rosenau), Region Transsilvanien, 23.9.15

Wieder war es der Deutsche Ritterorden (siehe Brasov), der die Rosenauer Burg im 13. Jh. baute. Bei Türken- und Tatareneinfällen wurde die Festung für die Menschen zur sicheren Heimat. Im 18. Jh. schwand mit der Gefahr auch die Bedeutung der Burg. 1802 beschleunigte ein Erdbeben den Verfall. Nach der Restaurierung 1956/57 wurde die Burg zur beliebten Kulisse für rumänische Historienfilme. Die Burg ist heute ein Freilichtmuseum mit verwinkelten Gassen, Wehrtürmen und Treppen. Besonders schön ist der Panoramblick auf die in der Ferne liegenden Karpaten.


Calnic (Kelling), Region Transsilvanien, 28.9.15

Seit den 1990er Jahren gehört die Burg von Kelling zum UNESCO-Weltkulturerbe. Es handelt sich um eine Adelsburg, die der sächsischen Adelsfamilie Kelling gehörte. Sie wurde im 13. Jh. erbaut, geschützt mit einem ovalen Mauerring, Wassergraben und drei Türmen. 1430 verkauften die Familiienmitglieer die Burg an die Gemeinde. Die Gemeindemitglieder zogen einen zweiten Mauerring hoch und errichteten die heutige Kapelle. In den 1960er Jahren wurde der Gesamtkomplex restauriert.
Durch den Torturm betritt man die schöne Anlage. Es war regnerisch an diesem Tag, aber dennoch konnte man sich einen mit Rosenstöcken und Blumen geschmückten Garten vorstellen. In der Mitte dominiert der wuchtige Wohnturm. Darin befindet sich heute eine Sammlung sächsischer Trachten, Teppiche und Keramiken. Die Basilika empfängt einen mit leiser Kirchenmusik (CD 🙂 und einem Satz aus dem Matthäus-Evangelium: „Siehe ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt“. Im hinteren Teil der Befestigungsmauern befindet sich der einstige Speckturm. Auf den Torturm führen steile Holztreppen, an deren Ende sich ein weiter Blick über das Hügelland und Dorf öffnet.


Alba Iulia, (Weißenburg), Region Transsilvanien, 28.9.15

Zu dakischer Zeit entstand auf dem Territorium der heutigen Stadt die Niederlassung Apoulon, die die Römer im zweiten dakisch-römischen Krieg (106 n. Chr.) zerstörten. Unmittelbar danach gründeten sie ein 30ha großes Castrum der Legion XIII. Gemina und nannten es Apulum. Dem Rückzug der Römer 271 n. Chr. folgte der Niedergang – bis die Slawen im 6. Jh. in die Region einfielen und die Stadt, bzw. ihre Überreste, Balgrad (Weiße Burg) nannten. Daraus leitet sich der spätere deutsche Name Weißenburg ab. Als die Ungarn 300 Jahre später die Region besiedelten, nannten sie den Ort Gyulafehérvár (Gyulas Weißenburg) nach ihrem Fürsten Gyula (Julius). Daraus entstand schließlich der rumänische Name Alba Iulia.

Die Mauern der Festung sind 12km lang. Sieben Basteien ergeben eine Sternform der Festung, die man durch wunderschöne Tore betritt. Die Ruinen und Bauten, die man heute sieht, stammen aus drei Epochen: Das ursprünglich römische Castrum hatte einen viereckigen Grundriss mit vier Toren. Erhalten sind nur Reste des Südtors. Die zweite Epoche markieren zwei Basteien, die der siebenbürgische Fürst Gábor Bethlen (siehe auch Burganlage Bethlen weiter oben) errichtet hat. Die dritte Bauphase dauerte von 1714-1738. Als militärisches Zentrum und zentrales Waffenlager für Transsilvanien ließen die Habsburger eine Festung nach Plänen des italienischen Architekten Giovanni Morando Visconti erbauen.

Innerhalb der Festung befindet sich die Krönungskathedrale, die eigens 1921/22 für die Krönung von Ferdinand I. und Maria als König und Königin des neuen Großrumänien am 15.Oktober 1922 erbaut wurde. Durch einen 58m hohen Glockentrum betritt man den stimmungsvollen von Arkaden gesäumten Innenhof. Die schöne Kathedrale mit Vorbeu hat die Grundform eines griechischen Kreuzes. Die Innenmalereien stammen von Constin Petrescu (1871-1954). Im Hauptraum sieht man links und rechts vom Eingang die Portraits von Ferdinand und Maria.

Römisch-Katholischer Dom: Das man in der Kirche viel Ungarisch hört, hat einen Grund. Im streng feierlichen Innenraum ist der ungarische Regent János Hunyadi (1446-1452) bestattet. Die im 13. Jh. errichte Kirche verbindet romanische, gotische und Renaissance-Elemente.
Östliche der Kathedrale sind die Rumänen wieder am Zug: Das bronzene Reiterstandbild des Fürsten Mihail Viteazul, 1968 vom Bildhauer Oskar Hahn geschaffen, ist vor dem einstigen Palais des Fürsten platziert.


Höhle von Meziad (Region Transsilvanien), 1.10.15

Stana de Vale ist ein guter Ausgangspunkt, um eine der bedeutendsten Höhlen in diesem Gebiet zu besuchen, gemeint ist die Meziad-Höhle. Sie befindet sich im westlichen Teil des Apuseni-Gebirges. Lange Zeit rangierte diese Höhle mit ihrer Länge von 4750m unter dem Begriff „längste rumänische Höhle“. Erforscht und zugänglich gemacht wurde sie 1921 von dem Geologen Emil Racovita. Für den Tourismus wurde sie 1972 geöffnet.

Der gewaltige Eingang mißt stolze 16m in der Höhe und 10m in der Breite. Es handelt sich dabei um eine Karsthöhle in zwei Ebenen. Die untere Ebene (1542m Länge) zeichnet sich durch ungewöhnlich große Bereiche aus. Der oberere Bereich (3208m Länge) ist mit verschiedenen Galerien mit dem unteren Teil verbunden.

In der Höhle wurden Spuren aus der Alt- und Jungsteinzeit gefunden, wobei auch menschliche Überrreste (homo sapiens) gefunden wurden. Auch für Bären war diese Höhle attraktiv. Fledermüse halten hier ihren Winterschlaf.


Kristallhöhle von Farcu (Region Transsilvanien), 1.10.15

Auch hier handelt es sich um eine Karsthöhle, die, in diesem Fall,  durch Bergarbeiter einer Mine entdeckt wurde. Das bedeutet, der Zugang zur Höhle führt zunächst durch die Mine selbst. Da die Höhle keinen natürlichen Zugang besitzt, konnte Mutter Natur hier besonders schöne Kristalle ausbilden. Die Höhle ist nicht sehr groß. Aber sie ist mit Stufen und künstlicher Beleuchtung ausgestattet, die es einem leicht machen, in Ruhe dieSchönheit zu betrachten.


Höhlenlabyrinth von Vadu Crisului (Region Transsilvanien), 2.10.15

Diese Höhle hat es mir persönlich besonders angetan. Grund dafür: Mein Travel-Buddy Raul und ich waren die einzigen Besucher und es war uns erlaubt eine Stunde innerhalb der Höhle zu bleiben, allein, ohne Guide, schweigend und staunend die Höhle quasi für uns entdeckend.

Entdeckt wurde die Höhle 1903 aufgrund einer durchgeführten Sprengung. Zugänglich für den Tourismus machte man sie 1905. Sie gilt als eine der schönsten Höhlen Europas. Die Höhle ist bekannt für seine Fauna: Schnecken, Würmer, Insekten und Krustentiere leben in diesem feuchten Labyrinth.  Der elektrisch beleuchtete Weg durch die Höhle führt über Holzstege und Treppen. Durch die Höhle fließt ein kristallklarer Bach. Stalaktiten und Stalakmiten gibt es reich in der Höhle zu bewundern.

Die Höhle erreicht man nach einem ca. halbstündigen Spaziergang durch herrlichen Wald entlang eines Flusses. Das Auto ließen wir vor einer Sporthalle, kurz außerhalb des Ortes stehen. Offensichtlich fand hier ein Schulausflug statt. Aus der Halle drang Kinderlärm, vor der Halle hatte man Gulaschkanonen aufgebaut und war fleißig am köcheln. Nachdem wir von unserem Höhlenbesuch zurückkamen und unsere weitere Route besprachen, wurden wir von einem Priester angesprochen, der uns zum gemeinsamen Essen einlud. Es stellte sich heraus, dass der Priester 5 Jahre in Paris und ein halbes Jahr in Berlin tätig war. Sein Berliner Bischof störte sich jedoch daran, dass er verheiratet war und versetzte ihn nach Rumänien. Hier bekam er die Leitung eben jener Schule zugesprochen, deren Kinder gerade in der Sporthalle bzw. ebenfalls zum Höhlenbesuch unterweg waren. Ein besseres Gulasch habe ich meinem ganzen Leben noch nicht gegessen, allemal 5 Sterne verdienend.


Lacul Rosu (Region Transsilvanien), 10.10.15

Der Lacul Rosu (Roter Seee) bietet einen bizarren Anblick, denn aus dem Wasser ragen Baumstämme und nackte Nadelbaumäste. Diese eigenwillige Landschaft entstand, als im Frühjaahr 1837 ein Felsmassiv in den Fluss Bistrita abstürzte, dabei ein Stück Wald mitnahm und das Wasser zu einem See aufstaute. Jetzt ruht der Wald am Grund des Sees – nur die Baumspitzen ragen aus der Wasseroberfläche.

Die manchmal rötlich schimmernde Farbe des Sees ist Stoff für Legenden:
Eine besagt, das der abstürzende Hang einen Schäfer und seine Schafe mit sich riss, deren Blut den See bis heute rot färbt.
Einer anderen Legende nach entführte ein Mann eine sschöne Frau in die Berge. Er bot ihr Gold und Silber, doch sie liebte einen anderen und wartete auf dessen Rückkehr von der Armee. Als der Entführer die Frau mit Gewalt zu seiner Ehefrau machen wollte, bat sie die Berge um Hilfe. Die reagierten prompt mit einem Erdrutsch, welcher Opfer und Täter mit sich riss.
In Wirklichkeit kommt die leicht rötliche Farbe dadurch zustande, dass nach starken Regenfällen viel Wasser mit hohem Eisenoxid-Anteil aus den Zuflüssen in den See gelangt.


Fahrt von Balta Alta (Region Walachei) nach Brasov (Region Transsilvanien), 15.10.15

Gestern Abend hatte ich noch vor weiter Richtung Constanza zu fahren. Doch über Nacht hatte sich das Wetter in dieser Region deutlich verschlechtert. Als Alternative fielen mir wieder die Bären in Zurnesti ein. Also stand heute Morgen der Entschluss fest: zurück nach Brasov. Im Hostel ‚Kismet Dao‘ sind noch Betten frei. Aufgrund des Wetters vermied ich weitere Zwischenstationen (z.B. in Berca ud Runcu (Besichtigung des wirklichen „Dracula-Schlosses“, gebaut von Vlad III. Tepes) und einer Felsenkirche. Statt dessen gings direkt über die die DN 10  nach Brasov. Auch auf diesem Weg mußte man logischerweise auch die Karpaten durchqueren. Oben auf dem Pass dieser Straße hatte man einen schönen Blick ins Tal und auf den Lacul Siriu.


Bear Sancturay bei Zurnesti (Region Transsilvanien), 17.101.15

Schon mit Raul wollte ich ins Bärenreservat bei Zarnesti. Damals kamen wir zu spät, mußten uns aufklären lassen, dass das Reservat zum Schutz der Bären nur zwischen 9 und 11.00 Uhr geöffnet hat. Diesmal war ich rechtzeitig da und wurde bei der Besichtigung ein wenig enttäuscht. Auf der Webseite wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich hier nicht um einen Zoo handelt. Was ist denn ein Zoo? Bei Wikipedia wird der Begriff wie folgt erklärt:

Zoo (altgr. ζῷον [dzɔ̂ːon], „Lebewesen, Tier“) ist die Kurzform für zoologischer Garten und bezeichnet eine große, meist parkartige Anlage zur Haltung und öffentlichen Zurschaustellung verschiedener Tierarten.[1] Synonym sind Tiergarten und Tierpark. Auf Grundlage der geschichtlichen Entwicklung gelten vor allem wissenschaftlich geleitete Parks als Zoo. In der breiten Öffentlichkeit werden aber auch andere Tierhaltungen wie größere Wildgehege und Volierensammlungen als Zoo verstanden. Zoos dienen der Bildung, Forschung, Erholung und dem Naturschutz, zum Beispiel durch Nachzucht seltener Tiere und deren Auswilderung, sind aber ausgehend von einer Tierschutz– oder Tierrechtsposition umstritten.

Im deutschen Recht ist der Begriff Zoo legaldefiniert in § 42 Bundesnaturschutzgesetz als „dauerhafte Einrichtung, in der lebende Tiere wild lebender Arten zwecks Zurschaustellung während eines Zeitraumes von mindestens sieben Tagen im Jahr gehalten werden“, ausgenommen sind unter anderem Zirkusse und Tierhandlungen.“

Eines vorweg: Die Tiere, die hier leben, wurden allesamt aus der nicht artgerechten Tierhaltung ihrer damaligen „Eigentümer“ befreit. Sei es, dass die Tiere in engen Käfigen gehalten wurden, sei, dass die Tiere im Zirkus vorgeführt wurden oder sei es, dass die Tiere auf Jahrmärkten „tanzten“. In jedem Fall verbindet sie alle eine Tatsache: sie wurden zur Schau gestellt, dienten als Attraktion.

In diesem Reservat sollen die Tiere in ihrer natürlichen Art leben, ihren Instinkten folgen. Grundsätzlich ist die Arbeit, die hier in den Schutz der Tiere investiert wird lobens- und anerkennenswert. Die Tiere haben ein großes Gehege, viel größer als jeder Zoo es anbieten könnte, wobei sich die eher rhetorische Frage stellt, ob man Tieren, die eine Reviergröße zwischen 12 und 800 km² beanspruchen, überhaupt artgerecht halten kann. Die Antwort muss zwangsläufig lauten: Nein!
Was ich also vorfand, entsprach ziemlich genau der Definition eines Zoos. Die Tiere befanden sich einzeln oder in Gruppen in einem Gehege. Gesichert durch einen ca. 2,50 hohen Zaun, dies- und jenseits zusätzlich mit stromführenden Drähten verstärkt. Vor dem Zaun ein kleiner Graben, dieser wiederum abgegrenzt mit einem Holzzaum. Bepflanzt sind die Gehege mit Bäumen und Büschen, einzelnen freiliegenden Wiesen und Teichen. Fütterungszeit war zwischen 9 und 11.00 Uhr, also genau zu der Zeit, wenn die Touristen durch das Reservat geführt werden. In dieser Zeit befinden sich die Tiere zwangsläufig in Sichtweite für die Besucher. Was passiert hier also: Die Sicherheit ist sehr ähnlich wie im Zoo und zur Schau gestellt werden die Tiere auch wieder. Nur zwingt man sie diesmal sich zu zeigen, weil sie ja satt werden wollen.

Darauf angesprochen wehrt man sich natürlich vehement gegen den Begriff ‚Zoo‘, weil man den Tieren ja schließlich ein wesentlich besseres Leben bietet im Vergleich zu ihrer individuellen Vergangenheit. Und, wesentliches Argument, war die finanzielle Frage, wie so ein Park instand gehalten werden kann, wenn nicht durch Spenden und eben die Eintrittsgelder. Was ich dazusagen muss: Ich bin der Einzige gewesen, der sich gegenüber den ‚Park-Rangern‘ diesebzüglich geäußert hat. Die große Mehrheit der Besucher war zufrieden und hat sich mit der Frage Zoo oder Nicht-Zoo nicht beschäftigt.

Die Nacht vom 17. auf den 18.10. habe ich diesmal in einem anderen Hostel in Brasov verbracht, und zwar im Rolling Stone Hostel. Wie es der Zufall will fand ich hier einen Hinweis  auf ‚Bearwatching‘. Darauf die Herbergsleiterin angesprochen, stellte sich heraus, dass ein Bekannter von ihr ‚Ranger‘ sei und Gästen anbietet, sie an Stellen zu führen, wo man, mit Glück aber auch hoher Wahrscheinlichkeit wilde freilebende Bären im Wald beobachten kann. Zwar ist dieses Vergnügen etwas kostspieliger als der Eintritt in o.g. Reservat (55,00 €), aber manche Gelegenheiten bekommt man eben nur einmal im Leben angeboten. So habe ich für Montag (20.101.15) 17:00 Uhr einen Termin vereinbart und bin gespannt, was ich tatsächlich zu sehen bekomme. Da die Tiere nichts von meinem Termin wissen, muss ich im schlechtesten Fall damit rechnen keines zu Gesicht zu bekommen. Aber abwarten – think positiv.

Der Optimismus hat sich gelohnt. Greg brachte mich zum Treffpunkt mit dem Ranger (George), der uns dann weiter in den Wald hinein lotste. Auf der Landefläche seines Pickups befand sich reichlich Futter, nicht nur für Bären, sondern auch für Hirsch und Wildschwein. Der Weg endete auf einer kleinen Lichtung. Ein Bär warte schon am Waldrand auf den Ranger, wohlwissend, dass Futter mitgebracht wird. Diese Zufütterung und bärensichere Mülltonnen sorgen dafür, dass die Bären dort bleiben, wo sie hingehören, im Wald und nicht an den offenen Mülltonnen der Städte. Unweit der Lichtung aber mit gutem Ausblick auf das Geschehen, war ein recht komfortabler Unterstand, komplett geschlossen, breite Fensterfront und reichlich Sitzgelegenheiten. Glückspilz, der ich bin, war ich der einzige Gast auf diesem Ausflug und zudem konnte ich noch fotografieren, da es noch nicht dunkel war.

 

 


Bisonreservat bei Vama Buzaului (Region Transsilvanien), 18.101.15

Heute habe ich ein weiteres Tierreservat besucht. In diesem Fall geht es um Bisons, einst Tiere, die in Rumänien zu Hause waren. Durch ihre Zucht und späteres Auswildern will man versuchen sie in Rumänien wieder heimisch zu machen.

Es handelt sich hierbei um das jüngste Reservat, eröffnet im November 2008. Derzeit leben hier 11 Bisons und 7 Hirsche. Die Tiere stammen aus Italien, Österreich und der Schweiz. Es ist das vierte europäische Reservat in Rumänien, nach Hunedoara (Zentralrumänien), Neamt (Ostrumänien) und Dambovita im Süden des Landes. Die Größe des Reservats beträgt 100 ha.


Biertan (Region Transsilvanien), 20.10.15

Auf meinem Weg von Brasov nach nach Medias machte ich kurz Station in Biertan, einer kleinen Gemeinde, ca. 15 km östlich von Medias. Klein war der Ort nicht immer, denn im 16. Jh. lebten hier mehr Menschen als in Medias. Seit 1283 existiert dieser Ort und war im Mittelalter das Zentrum für Handwerk und Weinbau. Zudem besaß der Ort das Marktrecht und das Recht zur Blutgerichtsbarkeit.
Anziehungspunkt ist wieder mal eine Kirchenburg, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Zur Burg steigt man über einen überdachten Wehrgang auf. Vom Hof aus bietet sich ein herrlicher Blick auf Häuser, Hügel und eine grüne Landschaft. Die spätgotische turmlose Hallenkirche mit drei Schiffen entstand 1492-1516 an Stelle einer Marienkirche. Der gewaltige Doppelflügelaltar mit 28 bemalten Tafeln wurde 1483 – 1525 in Siebenbürgen gefertigt. Er zeigt Szenen aus dem Leben von Maria und Jesus, im Hauptbild die Kreuzigung. Die steinerne Kanzel (1523-24) schmücken Szenen aus der Passionsgeschichte, sie stammt vom Steinmetz Ulrich aus Kronstadt. Die Befestigungsanlage besteht aus drei Mauerringen sowie mehreren Türmen und Basteien. Der Westturm (Torturm) diente einst als Rathaus. Im Süden der zweiten Ringmauer steht der Speckturm. Die Ostbastei im innersten Mauerring soll im Mittelalter als „Ehe-Gefängnis“ mit nur einem Tisch und Bett gedient haben: Zerstrittene Ehepaare saßen so lange ein, bis sie sich versöhnt hatten. Der Südturm mit Marienkapelle diente nach der Reformation den Katholiken als Gotteshaus.

Übernachten kann man originellerweise im „Casa Dornröschen“, einer Pension, die zur evangelischen Kirche gehört. Man kann nicht spontan buchen, sondern muss sich beim Pfarrer anmelden. Laut Reiseführer soll es sich hierbei um ein verträumtes Haus mit Rosen am Eingang  handeln, welches zwischen dem zweiten und dritten Wehrring liegt. Im Sommer soll man im Garten seine Ruhe haben und inmitten des Weltkulturerbes ruhig schlafen. Die Zimmer sind wohl einfach möbliert, doch den unteren Räumen verleihen hohe Decken und große Fenster Flair. Die Mansardenzimmer sind, wie meistens, kleiner.


Folkloreabend (Tanzhaus) im Kinderheim in Medias 24.10.15


Targu Mures (Region Transsilvanien), 27.10.15

Heute war Shopping-Tag, meine Neuanschaffung: eine NIKON D5200. Und da ich nun schon in Targu Mures  war, nutzte ich die Gunst der Stunde auch für einen kurzen Besuch auf der ‚rue de la trappe‘. Für Touristen ist Targu Mures sehr praktisch, denn alle Sehenswürdigkeiten liegen entlang der Piata Trandafirilor, dem Rosenplatz. So auch der Kulturpalast, sicher eines der schönsten Gebäude am zentralen Rosenplatz. Er wurde 1909 nach Plänen der ungarischen Architekten Komor Marcell und Jakob Seszö erbaut. Die Fassade zeigt typische Elemente einer bestimmten Strömung des Wiener und Ungarischen Sezessionsstils: Tendenz zu geometrischer Sachlichkeit und  bunte Majolika-Dachziegeln. Am auffälligsten sind die sechs Erkerfenster mit Relief darunter und einem großen Mosaik darüber. Das Innere ist prächtig ausgestattet: Carrara-Mamor, venizianische Spiegel , leuchtendeVitralien, ausgemalte Decken.

Gleich nebenan steht das elegante Gebäude der Präfektur mit dem 60m hohen Turm. Erbaut 1905-1907, ebenfalls von den beiden o.g. Architekten. Die beiden Gebäude ergeben so ein schönes zusammenhängendes Bild. Da der Bau ursprünglich als Rathaus diente, hat er einen Balkon für Repräsentationsauftritte des Bürgermeisters. Heute ist das Gebäude der Sitz der Präfektur und des Kreisrates.

 


Kirchenburg von Valea Viilor, deutsch: Wurmloch 🙂 (Region Transsilvanien), 30.10.15

Der deutsche Ortsname Wurmloch ist aus dem Mittelhochdeutschen ableitbar: „Urm“ = Schlange, „Loh“ = Wald. Der rumänische Ortsname heißt übersetzt: „Tal der Weinreben“. Das Dorf liegt in einem Seitental der Großen Kokel, unweit von Medias. Die sehenswerte urige Kirchenburg gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe – v.a. dank ihrer fast vollständig erhaltenen Befestigungsanlage. Abenteuerlich ist der Aufstieg auf den Glockenturm, von dem man einen schönen Blick auf Dorf und Tal hat. Die erste Steinkirche entstand um 1400. Die immer neuen Türkeneinfälle führten zum Ausbau der Wehrkirche im 15. Jh. Die Toreinfahrt enthielt ein Fallgitter, der bis zu 7m hohe ovale Mauerring wurde mit Basteien und einem Wehrgang verstärkt.


Im Sommer 2016 habe ich das Kinderheim in Medias erneut besucht. Von Fuerteventura ging’s zunächst mit einem nächtlichen Zwischenstopp in Berlin nach Bukarest. Diesmal war Air Berlin die Airline meiner Wahl. Mit rund 1 Stunde Verspätung erfolgte der Start. Gegen 23:30 landete der Flieger (A321) dann in Tegel. Im Sauseschritt ging’s mit Bus und U-bahn dann zu Lutz, wo ich die Nacht verbrachte. Am nächsten Tag hieß es dann auch wieder früh aufstehen, denn der Weiterflug erfolgte um 10:00 Uhr. Zur Mittagszeit kam ich dann in Bukarest an. Mit dem Taxi weiter zum Hauptbahnhof. Schon bein Einstieg versuchte es der Taxifahrer mit der berühmten Ausrede, dass viele Staus auf dem Weg in die Stadt seien und man einen Umweg fahren sollte. Ich holte einfach mein Smartphone aus der Tasche, startete die Navigantionsapp und sagte dem Fahrer, er solle einfach den üblichen und direkten Weg in die Stadt nehmen. Unterwegs versuchte der Fahrer mich dann zu überreden mein Handy auszuschalten, denn er kenne ja den Weg. Nichtsdestotrotz schaute ich in kurzen Abständen immer wieder nach, ob wir  auf dem rechten Weg sind. Staus? Eine kleine Baustelle, die wenige Minuten Zeitverlust einbrachte. Etwas frustriert setzte der Taxifahrer mich dann am Bahnhof ab.

Wenig später saß ich im Milchkannenexpress nach Sibiu. Geschlagene 7,5 Stunden dauerte die Reise. Um 22:30 kam ich dort an und Istvan holte mich dann mit dem Auto vom Bahnhof in Sibiu ab. Die letzte Strecke dauerte dann nur noch 30 Minuten. Erschöpft lag ich dann gegen 01:00 endlich im Bett.

 

 

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