Budapest

Am 6. August 2015 bin ich von Warschau nach Budapest, meinem nächsten Ziel auf meiner Reise, geflogen. Hier will ich bis zum 18. August bleiben.

Der Flug von Warschau nach Budapest fand mit einer Bombardier DHC 8-400 (LOT – Polish Airlines) statt. Es war ein ruhiger Flug in Fl 210, Flugzeit 1:20h, Landung 16:10 Uhr bei 36°C.

Mit dem Airport-Shuttle ging’s direkt zu meiner Unterkunft, Shantee House, ehemals Backpack Guesthouse. Gebucht wurde über AirBnB.

Bei AirBnB wurde diese Unterkunft relativ klein und gemütlich beschrieben. Tatsächlich handelt es sich um Hostel, dass mehr als die beschriebenen 6 Betten hat. Übernachtet wird hier, wo immer sich eine Möglichkeit ergibt. Es gibt allein 5 Räume mit Betten, zum Teil mit Etagenbetten. Zudem kann man im Garten übernachten, in einer mongolischen Jurte, in Zelten, in der Hängematte aber auch auf einer überdachten Ebene. Das Haus ist sehr farbenfroh und im indischen Stil gehalten. Man ist relaxt. Das Haus bietet mehrere Waschräume, eine Küche und auch die Möglichkeit Wäsche zu waschen. Zudem gibt’s hier einen Fahrrad- und Skateboardverleih. Die Anbindung an das Stadtzentrum ist excellent. Mit der Straßenbahn ist man in ca. 12 Minuten mitten in der Stadt.

Mein erster Weg führte mich mit der Straßenbahn in den Bereich um das Parlamentsgebäude. Ich denke, es ist das wohl bekannteste Gebäude. Mit der Einweihung im Jahr 1902 zählte es zu dem größten Parlamentsgebäuden der Welt. Gebaut wurde es im Neugotischen Stil. Besonders eindrucksvoll erscheint das Gebäude bei Nacht, wenn unzählige Scheinwerfer das Haus beleuchten. Übrigens auch die Fledermäuse scheinen dieses Haus zu mögen. Da viele Insekten die Eigenschaft haben ins Licht zu fliegen, bietet sich hier ein reich gedeckter Tisch für die Flugsäuger.

Unweit vom Gebäude befindet sich das Kossuth-Denkmal. Kossuth (*19.9.1802 / + 20.3.1894) gilt bis zum heutigen Tag als Nationalheld, weil er sich zeit seines Lebens für die Unabhängigkeit Ungarns vom Kaisertum Österreich eingesetzt hat. Neben ihm finden weitere Helden Ungarns, wie Deák, Meszáros, Széchenyi, Szemere, Batthyany, Esterházy, Klauzál und Eötvös auf diesem Denkmal Platz.

Gegenüber dem Parlamentsgebäude befindet sich das Museum für Ethnographyy (Neo-Renaissace), ehemals als Oberstes Gericht fungierent. Als permanente Ausstellung beherbergt es die Ungarische Volkskultur. Bezeichnenderweise findet die ungarisch-jüdische und die Kultur der ungarichen Zigeuner hier keinen Platz.

Entlang der Donau südwärts gehend, die schöne Silhouette von Buda genießend, kommt man an das ungewöhnliche Holocaust-Denkmal. Dutzende aus Eisen gefertigte Schuhe markieren den Ort, an dem Juden zuerst erschossen und dann in die Donau geworfen wurden. Zuvor wurden ihnen Schuhe und Kleidung abgenommen und an die deutsche Bevölkerung weitergegeben.

Dem Uferweg weiter folgend kommt man schließlich an eine der besonders schönen Brücken Budapests, der Chain Bridge, deren Brückenköpfe mit riesigen Löwenfiguren geschmückt sind. Hier dem Stadtinneren zugewandt, vorbei an so manchem schönen alten Haus, bleibt man plötzlich fasziniert vor dem Gebäude der Königlich Ungarischen Postbank stehen. Ödön Lechner schuf dieses Gebäude . Die Fassade besteht aus Kacheln, die im Gesamtbild wie ein Quilt wirken. Zudem kommt das vielfarbige Dach. Das Gebäude ist heute ein Anhang zur Nationalbank und kann nur selten besichtigt werden. Bilder im Foyer geben jedoch einen Eindruck auf die Einzigartigkeit des Gebäudes.

Gleich gegenüber derKöniglichen Postbank findet man die kleinere Ausgabe der Markthallen. Bei weiterem nicht so ein üppiges Angebot, aber sehr einladende Restaurants in der 1.Etage.

Dem Architekten Ödön Lechner begegnet man übrigens auch beim Kunstgewerbemuseum wieder. Auch hier zeigt er sein besonderes Verständnis von schön gestalteten Gebäuden.

Als Besuchermagnet (besonders bei Dunkelheit, wenn die Kirche herrlich beleuchtet wird) kann man getrost die St.-Stephen-Basilika bezeichnen. Ihre Kuppel erhebt sich mit 96 m genauso hoch, wie die des Parlamentsgebäudes.  Die Bauarbeiten dauerten von 1851 bis 1905. Drei Architekten arbeiteten an diesem Bauwerk: Jószef Hild, Miklós Ybl und Joseph Krauser. In einer kleinen Kapelle befindet sich die mumifizierte rechte Hand von St. Stephen, Ungarns wertvollste Reliquie. Einen hervorragenden Rundblick auf Budapest hat man auf dem äußeren Rundgang der Kuppel, den man bequem mit dem Fahrstuhl erreicht.

Sehenswert, obwohl auch sehr touristisch sind die großen Markthallen von Budapest, direkt an der Donau gelegen und als der „Bauch von Budapest“ bezeichnet. Von Obst und Gemüse über Fisch und Fleisch bis hin zu eingelegtem sauren Gemüse aber auch Kunstgewerbe, Textilien, Haushaltswaren – alles ist hier zu haben. Weniger stilecht ist der im Keller der Hallen untergebrachte Aldi-Markt, der eher deutsche als ungarische Waren verkauft.

Mit zu den Top 10 auf der Besichtigungsliste in Budapest stehen die Fishermen’s Bastion mit der Mathiaskirche sowie der Castle Hill. Beides befindet sich auf einem 170m hohen Hügelund sollte damit vor marodierenden Horden schützen.

Nicht marodierend aber hordenähnlich werden heutzutage hier die Touristen durchgeschucht. Hätte ich gewußt wieviel Nepp und Abzocke hinter diesen beiden Orten steckt, ich hätte mir nicht die Mühe gemacht mich bei rund 33-35°C auf den Weg zu machen. Schön anzusehen ist es allemal, aber was an Restauration, Souveniers und Eintrittsgeldern dort umgesetzt werden, das ist wirlich abschreckend. Wie gesagt, ganze Busse werden dort entladen und der Aufdringlichkeit der Verkäufer ausgesetzt.

Die Fishermen’s Bastion ist ein geschwungener weißer Wall aus Treppen und Kreuzgängen, der von Frigyes Schulek im Neo-Romanischen Stil für die Gilde der Fischer 1895 kreiert wurde. Sieben zeltförmige Türme zieren diesen Wall und bieten einen fantastischen Blick über die Donau auf Pest.

Gleich daneben steht die Mathiaskirche. Sie wurde auf Fundamenten aus dem 13. Jahrhundert erbaut und König Mátyás gewidmet. In den frühen 1500er Jahren benutzten Türken sie als Moschee bis, der Legende nach, 1686 eine Marienerscheinung als Zeichen des Rückzugs gewertet wurde und nicht nur die Kirche, sondern auch Buda den Habsburgern überlassen wurde. Da das Gotteshaus nur zahlungskräftigen und -willigen Menschen offensteht, habe ich mich entschlossen diesen Nepp nicht zu unterstützen. Wer möchte findet im Internet zahlreiche Bilder aus dem Innern der Kirche, z.B. hier auf Wikipedia.

Die mittelalterliche Stadt Buda entwickelte sich im 13. Jahrhundert rund um die Burg, die von König Béla IV gebaut wurde. Obwohl auf dem Hügel gelegen und eigentlich als sicher geltend, waren es die Türken, die Buda im 16. Jahrundert verwüsteten. Und es waren die Habsburger, die die Stadt im 19. Jahrhundert wieder auferstehen ließen. Vorrübergend als Armenviertel geltend zählt diesr Bereich von Buda heute zum exklusiven Wohnviertel. Beim Königspalast handelt es sich um eine Ansammlung verschiedener Gebäude, die im 2.Weltkrieg teilweise zerstört aber wieder aufgebaut wurden. In einem dieser Gebäude befindet sich die Ungarische Nationalgalerie, die ich mir gern angesehen hätte. Mehr als 40000 Exponate sind hier zu sehen. Damit zählt die Gallerie mit zu den größten der Welt. Aufgrund der glühenden Hitze, habe ich dieses Vorhaben zunächst verschoben und bin stattdessen mit der Zahnradbahn wieder ins Tal gefahren, von wo aus mich der Bus und die Tram mit kurzem Zwischenstop am Gellert-Hotel / Gellert Bad wieder ins Hostel brachten.

Budapest ist ja bekannt für seine Thermalbäder. das berühmteste dürfte wohl aufgrund seiner Architektur das Gellertbad sein. Meine Wahl fiel jedoch auf das Rudasbad, weil es als türkisches Bad seinen besonderen Charme hat. Da das Fotografieren im Bad nicht möglich ist, weiche ich an dieser Stelle auf Internetbilder aus, um einen Eindruck zu vermitteln.

 

Gegenüber dem Gellert Hotel befindet sich die Höhlenkirche, einem Ort des weiß gekleideten Paulaner Ordens. Gegründet 1256 arbeiteten die Mönche als Beichtväter unter den Ungarischen Königen bis Josef II den Orden 1773 auflöste. 150 Jahre später ließ sich hier jedoch der Orden erneut nieder. Die Kirche selbst wurde in den 1930ern durch die Mönche des nahegelegenen Paulaner Klosters erschaffen und genutzt bis die gesamte Gemeinde durch die ÁVO (ÁVO = Magyar Államrendőrség Államvédelmi Osztálya, = „Staatsschutzabteilung der Ungarischen Staatspolizei“, eine Organisation die unmittelbar unter der Aufsicht des Innenministers der kommunistischen Partei stand) am Ostermontag 1951 verhaftet und eingesperrt wurde, woraufhin die Kapelle bis 1989 versiegelt wurde. Vor dem Eingang steht die Statue St. Stephens mit seinem Pferd.

Gleich am Anfang des Rundgangs wird man auf die Nationalheilige Maria, Mutter Gottes, aufmerksam gemacht. Diese Statue verbindet viele unganrische Aspekte. Zum einen wird ihr Gesicht mit hohen Wangenknochen dargestellt. Ein Hinweis auf die asiatischen Wurzeln des ungarischen Volkes. Zum anderen trägt sie nicht Jesus nicht auf dem Arm. Stattdessen klammert es sich an den Rock Marias und bittet sie, den ihr dargebotenen Reichsapfel anzunehmen. Dies ist ein Hinweis darauf, dass der hl. St. Stephen in seiner Todesstunde ihr nicht nur seine Seele in die Hände legte, sondern auch das Land mit seinen Menschen. Der Legende nach trugen viele Staaten Maria an ihr Land zu beschützen und zu lenken, aber sie nahm sich nur Ungarns an und wird seit dem als Nationalheilige verehrt.

 

Ein sehr nachdenklich machender Besuch galt dem Holocaust Memorial Center. Von außen sehr imposant: Stelen und schräge Mauern, lange Listen mit den Namen der getöteten Juden. Sicherheitskontrollen beim Eintritt, braune schwere Eingangstüren. Innen sehr düster. Schwarz als vorherrschende Farbe, abgesetzt mit schmalen Lichtleisten. Akkustik spielt hier eine wesentliche Rolle. Auf kaltem Boden marschierende widerhallende Stiefel. Hebräische Instrumentalmusik. Kurze Filme einzelner Familien, ihre Lebensumstände, ihr Leid. Texte über das Geschehen zwischen 1939 und 1945. Text- und Bilddarstellung der ungarischen politsichen Zusammenhänge zwischen  Hitler-Deutschland und Stalin-Russland. Von den Anfängen der Verfolgung über den Entzug jeglicher Menschenrechte bis zu einem erschütternden 5-Minuten-Film über die Befreiung aus den Konzentrationlagern durch die Allierten wird hier sehr beeindruckend die Geschichte derJuden im 2. Weltkrieg festegehalten. Am Ende Würdigung einiger Personen, die unter eigener Lebensgefahr Juden nicht im Stich ließen, sondern sie versteckten und nach Möglichkeiten unterstützten. Integriert in dieses Museum ist eine jüdische Synagoge. Mit den Namen einiger ermordeter Menschen versehene gläserne Stühle sollen sie symbolisch im Gotteshaus präsent halten. An den Wänden in den Lagern gemalte Bilder, teils farbig, teils als Bleistiftzeichnung.

 

Aus urheberrechtlichen Gründen stelle ich den o.g. Film (532 MB Dateigröße) über die Befreiung der Konzentrationslager per Link zu meinem Dropbox-Account zur Verfügung. Der Link kann bei mir per eMail (j.michael.schneider@web.de) angefordert werden und wird auf gleichem Weg verschickt. Der Film darf nur für private Zwecke angesehen und weder veröffentlicht noch gewerblich genutzt werden.

Letzter Tag in Budapest: Das Wetter hat sich gebessert, will heißen, angenehme 17 Grad morgens und Höchsttemperatur 26 Grad. Im Vergleich zu den 35 bis 40 Grad in den zwei Wochen zuvor, herrlich kühl. Damit kommen auch die Lebensgeister zurück. Die Nationalgalerie steht auf dem Programm, die zuvor, eben wegen der Hitze, verschoben wurde Dort angekommen muss ich feststellen, dass montags sämtliche Museen geschlossen sind. Schade!

Alternative: Das Opernhaus hatte ich noch nicht gesehen. Also nichts wie hin. Im Neo-Renaissace-Stil von Miklós Ybl (wir erinnern uns?, einer der Architekten der St. Stephen-Basilika) 1884 erbaut. Die Liste der Musikdirektoren dieses Hauses liest sich wie das Who is Who: Ferenc Erkel, Gustav Mahler, Otto Klemperer, um nur drei zu nennen. Steht man vor diesem Haus ist man beeindruckt von der Fassade, die aus Kolonaden, Balkonen und Logien besteht. Führungen wurden leider erst zu späterer Zeit angeboten, so blieb mir leider nur das Foyer, das allein schon bewundernswert ist. Es besteht geradezu aus einer Origie von Wandmalereien, Kronleuchtern und vergoldeten Gewölbedecken.

Abschluss des hiesigen Aufenthalts war eine Bootsfahrt (ÖPNV) auf der Donau nordwärts, noch einmal vorbei an den fantastischen Gebäuden am Ufer.

Fazit: Budapest lohnt sich! Allerdings sind 13 Tage zu lange. Im konkreten Fall waren sie jedoch genau richtig. Durch die hohen Temepraturen kam ich nicht in Zeitnot mit meinem Programm. Zwischendurch war immer ein Pausentag möglich.

Was den ÖPNV betrifft ist Budapest grandios. Mit einen 7-Tage-Ticket (4950 HUF = 15,90 €) kann man alle Verkehrsmittel nutzen, auch die Metro und Boote. Zeitintervalle liegen bei 5 bis 10 Minuten, d.h. Wartezeiten sind gering. Ein Einzelticket kostet 350 HUF, d.h. die Anschaffung des 7-Tage-Tickets ist wirklich empfehlenswert. Man entgeht dadurch zudem den touristischen Hopp On – Hopp Off – Bussen, sowie den Sightseeing Booten.

Finanzielles Fazit:
Verpflegung 85,90 € (dumpstern verbot sich bei den Temperaturen!)
Transport: 134,50 € (inkl. Flug)
Unterkunft: 206,00 € (4-Bett-Zimmer im Hostel, gebucht über AirBnB, knapp 16,00€/Nacht)
Kommunikation: 53,96 €
Aktivitäten: 42,95 €
Versicherung: 25,00 €

Summe: 548,31 € / 13 Tage = 42,18 € = 46,70 $; Limit eingehalten