Was mich antreibt

Was mich antreibt

Da das Reisen schon immer ein Bestandteil meines Lebens war, verwundert es eigentlich nicht, dass ich neugierig auf andere Länder, andere Kulturen, andere Landschaften, andere Klimazonen bin. In den letzten Jahren spürte ich  immer mehr den Drang, insbesondere, wenn ich vor dem Fernseher saß und mir diese wunderbaren Dokumentationen über die Schönheit dieser Welt ansah, dass ich das alles mal life erleben will. Im Geiste spüre ich die Luft der Tropen und der Polarregionen auf meiner Haut, in meiner Nase. Die umfassende Stille der Wüste.

Es gibt drei wesentliche Hobbies, denen ich mit Leidenschaft anhänge: Die Fliegerei (früher selbst einmotorige Flugzeuge geflogen), der Spaß am Fotografieren (für ein gutes Foto laufe ich meilenweit) und, wenn ich die Gelegenheit habe, stehe ich gerne am Herd und zaubere eine leckeres Menü.

Auf meinen Reisen möchte ich die unterschiedlichsten Speisen dieser Welt und deren Zubereitung kennenlernen. Essen bedeutet für mich mehr als nur Nahrungsaufnahme. Bereits beim Einkauf und später bei der Zubereitung bin ich mit Leib und Seele den Früchten dieser Erde verbunden. Kochen ist für mich ähnlich einer Meditation. Hier sind alle Sinne des Körpers mit einbezogen. Für mich war es eine Bereicherung für drei Jahre in einem Bio-Supermarkt zu arbeiten. Direkt verbunden mit all den tollen Lebensmitteln zu sein, herrlich. Mit Kunden über die Herkunft und die Eigenarten von frischen Gemüses und Obst  zu sprechen, Rezepte zu empfehlen, das hat wirklich Freude bereitet.

Ich freue mich Tieren und Menschen zu begegnen, denen man nicht alle Tage über den Weg läuft. Mich in verschiedenen Klimazonen wiederzufinden. Mittlerweile liebe ich die warmen Klimazonen besonders. Wärme fängt übrigens bei mir ab 30° C an! Vielleicht gelingt es mir einen Wirbelsturm zu erleben. Oder in einem kleinen Boot Einheimischer, eine ferne Insel im Pazifik zu erreichen. Ein Stück Abenteuerlust möchte ich nicht leugnen.

Mein Leben bestand zu großen Teilen darin Besitz anzuhäufen. Bis ich im Jahr 2000 zu ersten Mal alles losließ und mit ein paar wenigen Habseligkeiten von Münster nach Itzehoe zog. Es war ein überwältigendes schönes Gefühl die Last des Besitzes los zu werden. Im Jahr 2015 habe ich dies wiederholt indem ich mein Nomadenleben begann. Mir wird immer mehr bewusst, wie wenig ein Mensch zum Leben braucht. Satt zu sein, nicht frieren zu müssen und einen Wetterschutz, das ist es doch im Grunde genommen schon. Alles andere stellt doch nur Luxus und Bequemlichkeit dar, was sicher schön ist, wenn man es hat, aber zum Leben an sich entbehrlich ist. Vor allem in der westlichen Zivilisation wird meiner Meinung nach auf ziemlich hohem Niveau geklagt. Wenn man sieht, mit wie wenig die Menschen andernorts leben und dabei erstaunlich glücklich und zufrieden sind (von Kriegs- und von Naturkatastrophen heimgesuchte Gebiete natürlich ausgenommen), dann fragt man sich doch, ob Besitz wirklich so wesentlich ist. Möglicherweise besteht der Sinn meines Lebens darin flexibel zu sein, nicht an etwas dauernd festzuhalten, mich treiben zu lassen, neugierig auf den nächsten Moment zu sein, ein Nomade des Lebens zu sein.

Das Leben ist verhältnismäßig kurz. In meiner Welt gibt es keinen Zufall. Alles, was mir widerfährt dient meiner Meinung nach dazu mich etwas zu lehren. Viel zu oft begreife ich im gegenwärtigen Moment den Sinn nicht. Manchmal erfahre ich erst Jahre später den Grund jenes Ereignisses.

Jeder Mensch kreiert sein Leben selbst, hat Verantwortung für das, was er tut oder unterlässt. Diese Tatsache wollen viele nicht wahr haben. Es ist und bleibt für mich jedoch eine Tatsache. Ich bin, was ich denke. Denken, fühlen, aussprechen, handeln – das ist die Viereinigkeit, die mein Leben in jedem Moment gestaltet. Jemand sagte: „Es gibt nur zwei Tage in deinem Leben, die du nicht verändern kannst: Gestern und Morgen.“ Und getreu diesem Motto, will ich den Trip meines Lebens HEUTE gestalten.

Ich habe inzwischen gute 66 Lenze durchlebt. Heute fühle ich mich immer noch geistig und körperlich fit genug, um mit einer ungewissen Zukunft zu leben. Ich schätze mich glücklich, wenn ich noch zehn bis zwanzig Jahre durch die Welt reisen kann. Ob ich sie einmal umrunden kann – ich weiß ich nicht, wenngleich die Aussicht darauf verlockend ist. Mein erklärtes Ziel ist, diese Reise allein zu machen, ohne Begleitung, jedenfalls ohne dauerhafte. Ich gebe zu, ich bin an einem Punkt angelangt, da ich mich nicht mehr mit anderen Menschen über die einzuschlagende Richtung auseinandersetze. Gerne bin ich in Begleitung. Aber wenn der eine links und der andere rechts herum gehen will, so trennen sich an diesem Punkt die Wege. In Dankbarkeit lasse ich den gemeinsamen Weg los.

Zeitgleich mit dem Wunsch die vielen schönen Orte dieser Welt zu sehen, geht mir ein Gedanke nicht aus dem Kopf. In einem Fernsehbericht ging es um ein Leben ohne Geld. Bisher habe ich immer gesagt: „Als Kind/Jugendlicher/junger Mann hatte ich Zeit aber kein Geld, später dann hatte ich Geld aber keine Zeit. Heute habe ich Zeit und Geld. Also besser spät als nie.“ Im  Internet habe ich die Webseite Leben ohne Geld gefunden, die sich mit genau diesem Thema beschäftigt. Dazu zählt auch, dass der Konsum von Lebensmitteln eine andere Bedeutung bekommt. Viel zu viel wird weltweit an Lebensmitteln in den Abfall geworfen. Lebensmittel, die nicht verdorben sind, sondern aus verschiedenen Gründen aus dem Verkauf genommen wurden. Sich diesen Lebensmiteln zuzwenden bedeutet Abfalltonnen nicht mit einem Nasenrümpfen zu betrachten, sondern als eine sich bietende Gelegenheit kostenlos an Lebensmittel zu kommen, sie quasi zu rettten. Hierbei sind allerdings gewissse Gesetze zu beachten – Stichwort: Hausfriedensbruch, Diebstahl. Jetzt bekommt meine Phantasie weitere Flügel und ich frage mich, ob dies nicht eine wunderbare Ergänzung meines neuen Lebensabschnitts sein könnte. Da ich mich ohnehin von zu viel vorhandener Materie verabschiede, ist es doch fast logisch, sich auch von der Materie ‚Geld‘ zurückzuziehen. Die Betonung liegt auf ‚zurückziehen‘, was bedeutet, nicht zum Hasardeur zu werden. Im Fall der Krankenversicherung hört für mich der Spaß auf. Und auch auf eine Meldeadresse werde ich nicht verzichten. Das sind meiner Meinung nach zwei elementare Bestandteile, die mich vor dem Gröbsten schützen, in meinem Alter sicher besonders sinnvoll. Aber ansonsten kann ich mir gut vorstellen zumindest den Versuch zu starten diese Art des Lebens umzusetzen. Ob es dann dabei bleibt, kann ich heute noch nicht sagen. Besonders der Aspekt der Kreativität reizt mich hier besonders. Da ich ohnehin meine, dass der Mensch das ist, was er denkt, und mich gerne den Vorgaben des Universums hingeben möchte  (Zufall gibt es für mich nicht!), meine ich, dass mit diesem TV-Beitrag ein Wink mit dem Zaunpfahl stattfand.

Heute, im Jahr 2018, stelle ich rückblickend fest, dass ich immer noch mit Geld lebe. Warum? Weil ich es kann. Ich habe noch immer Respekt vor Lebensmittleln und ich verschwende sie nicht. Die Tatsache, dass ich teils in teureren, teils in billigen Ländern lebe erlaubt mir meinen Bedarf an Lebensmitteln auf reguläre Weise zu decken.

Manchmal stelle ich mir vor, in der letzten Stunde meines Lebens die Schönheit dieser Welt vor meinem inneren Auge revue passieren zu lassen. In der Gewissheit viel Schönes, Abwechslungsreiches, Spannendes, Inspirierendes erfahren und etliches gelernt zu haben hoffe ich, beruhigt und zufrieden gehen zu können. Meinen physischen verbrauchten Körper abzustreifen und eines Tages in einem neuen wiederzukehren.